Japan aktuell: Tunnel am AKW Fukushima läuft mit radioaktivem Wasser voll

Japan aktuell: Tunnel am AKW Fukushima läuft mit radioaktivem Wasser voll

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Tunnel läuft mit radioaktivem Wasser voll (Symbolfoto: TEPCO)

Folgt man den Berichten von TEPCO, so scheinen sich am AKW Fukushima heute wieder einmal Dinge zu wiederholen und Freitag der 13. seiner abergläubischen Bedeutung gerecht zu werden.

So kam es in einem Tunnel, an dem zuvor noch gearbeitet worden war, zu einem Rückschlag.

Auch die Sichtung von Dampf über einem Reaktor ist unseren Lesern sicher  noch bekannt.

In den übrigen Fukushima News zeigt sich unter anderem, dass Schadensbegrenzung für den Betreiber des AKW Fukushima aktuell immer noch Priorität hat. Alle Details im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. September 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Radioaktives Wasser in trockengelegten Tunnel geflossen
  • Erneut Dampf über Fukushima-Reaktor 3 gesichtet
  • Radioaktives Wasser durch Abflussgraben in Pazifik
  • Fünfter Tritiumrekord in Wasserproben in Folge
  • TEPCO zeigt Wassertank-Demontage
  • TEPCO-Mitarbeiter widerspricht Risikobewertung der Regierung
  • TEPCO-Führung reagiert auf Behauptung zur mangelnden Kontrolle
  • US-Experte fordert bessere Informationspolitik

Radioaktives Wasser in trockengelegten Tunnel geflossen: Die Betreiberfirma TEPCO muss in einem gestrigen Bericht an die Atomaufsichtsbehörde einen weiteren Rückschlag melden. Bereits abgeschlossene Arbeiten zur Trockenlegung einer wichtigen Anlage auf dem Gelände sind fehlgeschlagen.

Zunächst waren im August Arbeiten durchgeführt worden, um einen Tunnel mit Verbindung zum Turbinengebäude von Reaktor 2 trocken zu legen. Der Tunnel gilt als eine der Hauptquellen des radioaktiven Wassers.

Im Rahmen der Trockenlegung des Tunnels wurden insgesamt 210 Tonnen an radioaktivem Wasser dort herausgepumpt und zur übergangsweisen Lagerung wieder in das Turbinengebäude geleitet. Diese Arbeiten wurden am 24. August abgeschlossen. Das Wasser aus dem Tunnel wies eine Konzentration von 2,35 Milliarden Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Liter auf.

Nach Angaben von TEPCO fließt das Wasser jedoch erneut in den Tunnel und führt so zu einer täglichen Erhöhung des Wasserstands um acht Zentimer. Das berichtet die jiji.

Erneut Dampf über Fukushima-Reaktor 3 gesichtet: Am 18 Juli meldete TEPCO erstmals die Sichtung von Dampf über dem fünften Stock von Reaktor 3 (Spreadnews berichtete am selben Tag). Auch in der Folgezeit kam es mehrmals zu Meldungen über das Auftreten von Dampf über dem Gebäude

Heute sei es um 8:00 Uhr morgens erneut zu dem Phänomen gekommen, wie Kameraaufnahmen belegen. Gegen 15:00 Uhr sei der Dampf jedoch nicht mehr sichtbar gewesen.

Wie bereits zuvor gab es keine Auffälligkeiten im Betrieb der Anlage. Auch ungewöhnliche Wetterbedingungen wären nicht gemeldet worden. Die Betreiberfirma erkläre, man werde weiterhin auf das Phänomenen achten.

Radioaktives Wasser durch Abflussgraben in Pazifik: Gestern hatte der Elektrizitätskonzern TEPCO erste Angaben über die Möglichkeit gemacht, radioaktives Material könnte durch einen Abflussgraben ins Meer gelangt sein (Spreadnews berichtete). Heute machte das Unternehmen weitere Angaben.

Nachdem die Proben vom Mittwoch noch 220 Becquerel an Betastrahlern nachgewiesen wurden, konnte dort am gestrigen Donnerstag keine radioaktive Belastung mehr festgestellt werden. Stromaufwärts vom Graben liegt der Wassertank, aus dem im August 300 Tonnen Wasser ausgetreten waren. Ein Teil dieses Wassers sei auch in den Abwassergraben gelangt.

Die Betreiberfirma hatte bereits erklärt, die Möglichkeit, dass kontaminiertes Wasser durch den Graben in den Ozean gelangt sei, könne nicht ausgeschlossen werden. Die Distanz beträgt 150 Meter.

Trotz der bereits durchgeführten Reinigungsmaßnahmen im Graben, habe man dort in nahe gelegenen Bereichen noch Strontium von 2.400 Becquerel nachgewiesen. Das Unternehmen geht davon aus, dass das radioaktive Material dort verblieben sei, da man es bei den Säuberungen übersehen habe. Das verbliebene Material wolle man zeitnah sammeln und entfernen.

Möglicherweise hatten die Arbeiten mit Hochdruckreinigern dazu beigetragen, die radioaktiven Substanzen aus dem Schlamm des Grabens zu lösen und zum Meer hin abzuleiten, berichtete die NHK. Die Entdeckung war auch Thema bei Kyodo und Asahi Shimbun.

Fünfter Tritiumrekord in Wasserproben in Folge: Die Tritiumbelastung der Proben aus den Grundwasserkontrollposten steigt weiter an.

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Tritium-Rekorde in Grundwasser dauern an (Grafik: pd)

Am gestrigen Donnerstag waren die am Mittwoch entnommenen Proben untersucht worden. Diese wiesen nach Angaben von einen Gehalt von 97.000 Bequerel an radioaktivem Tritium auf. Damit handelte es sich um einen Anstieg um 50 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Am heutigen Freitag wurde dann in den Proben vom Donnerstag ein erneuter Rekord nachgewiesen. Die Untersuchung ergab eine Belastung von 130.000 Becquerel pro Liter Wasser. Dies ist der fünfte Anstieg der Werte in Folge.

Die jetzt gemessenen Werte sind daher erneut die höchsten Werte, die seitdem nahe des Tanks gemessen wurden.

  • Am Sonntag, dem 8. September wurden 4.200 Becquerel pro Liter nachgewiesen
  • Am Montag, dem 9. September wurden 29.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen
  • Am Dienstag, dem 10. September wurden 64.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen
  • Am Mittwoch, dem 11. September, wurden 97.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen
  • Am Donnerstag, dem 12. September wurden 130.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen

Bei 60.000 Becquerel handelt es sich um den Grenzwert, bei dessen Überschreitung eine Verklappung in den Ozean verboten ist. TEPCO sieht es als wahrscheinlich an, dass es zu einer Mischung von belastetem Wasser aus dem Tank und Grundwasser gekommen ist, so dass es zum Tritiumnachweis im Grundwasser kam. Über den Fund berichteten  jiji und Asahi Shimbun

TEPCO zeigt Wassertank-Demontage: Pünktlich zum Wochenende veröffentlicht der Kraftwerksbetreiber eine Reihe von Fotos. Hierzu gehören auch Aufnahmen, auf denen die Vorbereitungen zum Auseinanderbau eines Wassertanks auf dem Gelände zu sehen sind.

Vorbereitungen zur Entfernung des Wassertank-Deckels am 13. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Vorbereitungen zur Entfernung des Wassertank-Deckels am 13. September 2013 (Foto: TEPCO)

Die Entscheidung wurde nach Angaben von TEPCO getroffen, um die Leckursache an dem Behälter zu ermitteln. Im August waren dort 300 Tonnen an radioaktivem Wasser ausgetreten und so ein international beachtetes Wasserleck aufgetreten (Spreadnews berichtete am 20. August 2013).

Auf den jetzt veröffentlichten Fotos ist zu sehen, wie die Deckplatten des Wassertanks mit Karabinern gesichert werden, um sie durch den Einsatz von Kranarmen herabzuheben. Die Behälter im Bereich H4 haben eine Höhe von 11 Metern und einen Durchmesser von 12 Metern.

TEPCO-Mitarbeiter widerspricht Risikobewertung der Regierung: Am Samstag hatte Japans Premierminister Shinzo Abe vor Vertretern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erklärt, die Situation an den Wassertanks sei “unter Kontrolle”. Die Atomaufsichtsbehörde hatte wenig später erklärt, die Lecks stellten kein Problem dar.

Stadt Koriyama,  Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Koriyama-Gespräche: TEPCO-Verantwortlicher widerspricht Premier Abe (Foto: pd)

Nicht nur, dass auftretende Lecks diese Behauptungen in Zweifel ziehen lassen – nun widersprach mit Kazuhiko Yamashita auch ein Unternehmensmitglied dieser Darstellung.

Bei einer heutigen Anhörung in der Stadt Koriyama (Präf. Fukushima) antwortete er auf eine entsprechende Frage, er sei nicht der Ansicht, dass die Lage tatsächlich unter Kontrolle sei.

Wir sehen die gegenwärtige Situation nicht als unter Kontrolle befindlich an

Die Veranstaltung war von der Demokratischen Partei Japans (DPJ) organisiert worden, die sich derzeit in der Opposition zur LDP von Premier Shinzo Abe befindet.

Nun will man offenbar politischen Druck aufbauen und Abe zu Rechtfertigung drängen, auf welcher Grundlage er zu einer derart weitreichenden Aussage gekommen sei. Ichita Yamamoto, Kabinettsminister für Wissenschaft und Technologie erklärte, da die Aussage politisches Gewicht habe, sei eine Kooperation erforderlich, damit eine derartige Entwicklung tatsächlich eintrete.

Yamamoto will am kommenden Montag das Leckproblem vor der Generalversammlung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA erläutern. Über die klare Aussage eines TEPCO-Repräsentanten berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

TEPCO-Führung reagiert auf Behauptung zur mangelnden Kontrolle: Noch am heutigen Tag reagierte TEPCO mit einer offiziellen Erklärung auf die Äußerung eines Angestellten, anders als von Premier Abe suggeriert, sei die Lage an den Wassertanks nicht unter Kontrolle (siehe oben stehende Meldung).

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
AKW-Betreiber TEPCO wehrt sich gegen Behauptungen (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Der Interpretation des Unternehmens zufolge, bezeichnete der Premierminister mit seiner Aussage “die Situation ist unter Kontrolle” den Umstand, dass sich die Auswirkungen des radioaktiven Materials auf den Hafenbereich der Anlage beschränke und in angrenzenden Gewässern keine Relevanz habe. Diese Ansicht teile der Kraftwerksbetreiber.

Im Bezug auf Medienberichte über die umstrittene Äußerung eines Angestellten führte das Unternehmen aus, der Angestellte habe sich mit seiner Aussage über “fehlende Kontrolle” auf die Tatsache bezogen, dass radioaktives Wasser aus dem Wassertank in den Hafenbereich gelange.

Das Unternehmen treffe entspreche Maßnahmen, um negative Folgen für das Meer zu vermeiden.

US-Experte fordert bessere Informationspolitik: US-Atomexperte Lake H. Barrett drängte TEPCO auf einem heutigen Treffen dazu, die Kommunikationsmethoden zu verbessern, um die weltweite Öffentlichkeit über die Lecksituation vor Ort zu unterrichten. Der japanische Atomkonzern hatte den Amerikaner als Berater hinzugezogen.

US-Experte Lake  Barrett im Gespräch mit TEPCO-Präsident Naomi Hirose (Foto: TEPCO)
US-Experte Lake Barrett im Gespräch mit TEPCO-Präsident Naomi Hirose (Foto: TEPCO)

Barrett war 1979 mit der Nachsorge des Unfalls am AKW Three Mile Island betraut.

Wie bereits gestern in einer ersten Einschätzung nach seinem Besuch auf dem Gelände des AKW Fukushima, erklärte Barrett auch in der Sitzung, es gebe aufgrund der Lecks keinen Grund zur Besorgnis um die Sicherheit oder öffentliche Gesundheit.

Allerdings betonte er auch, viele Menschen seien durch die bisherigen Erfahrungen traumatisiert, so dass jede weitere Freisetzung von Radioaktivität zu großer Besorgnis führen würde – gänzlich unabhängig davon, wie hoch ein mögliches Risiko tatsächlich wäre.

Die bislang von TEPCO getroffenen Maßnahmen zur technischen Kontrolle der Situation sind nach Ansicht des US-Experten unzureichend.

Trotz seiner klaren Worte erklärte die Führung des japanischen Unternehmens, man werde den Fachmann weiterhin um Rat fragen. Das berichten jiji und NHK.

 

 

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