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Japan aktuell: Tunnel am AKW Fukushima überflutet

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Fukushima: Überflutung im Versorgungstunnel am 18. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Überflutung im Versorgungstunnel am 18. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Überflutung im Versorgungstunnel am 18. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Überflutung im Versorgungstunnel am 18. Dezember 2011 (Foto: TEPCO)

Gestern hatte Haruki Madarame, Vorsitzender der japanischen Atomsicherheitskommission (NSC) auf einer Pressekonferenz gesagt, die Erklärung des Cold Shutdown sei nicht gleichzusetzen mit der Aussage, die Anlage sei sicher. Diese Feststellung wird durch die jüngsten Meldungen bestätigt. So werden sich die Fukushima News heute detaillierter mit den bereits gestern von uns gemeldeten Wasseransammlung bzw. Überflutung in einem Tunnel befassen.

Während das traditionelle Auskehren des alten Jahres in Tempeln und Schreinen beginnt, gibt es neue Nachrichten zu dem was in Fukushima aktuell geschieht – natürlich im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Dezember 2011.

Radioaktives Wasser flutet Tunnel: In einem Verbindungstunnel der dem Hauptgebäude der zentralen Entsorgungsanlage angeschlossen ist, hat sich eine große Menge radioaktiv belastetes Wasser angesammelt-  der Betreiber TEPCO spricht von 230 Tonnen. Wie es zur Überflutung kam ist unklar. Es wird jetzt vermutet, dass es aus Aufbewahrungsbehältern im Gebäude stammt – die jedoch eigentlich wasserdicht sein sollten.

Nachdem die Wasseransammlung im etwa 54 Meter langen und 5,4 Meter breiten Tunnel am Sonntag entdeckt worden war, veröffentlichte TEPCO am gestrigen Montag entsprechendes Fotomaterial (siehe oben). Das Wasser erreichte eine Höhe von insgesamt 50 Zentimetern – der heutigen Meldung der Asahi Shimbun zufolge, betrug die Belastung nur ein Hunderstel der Menge im radioaktiven Wasser innerhalb des Gebäudes.

Bei weitergehenden Untersuchungen wurde dem TEPCO-Pressebericht vom Montag zufolge zudem ein tropfender zum Wasserzufluss durch einen Kabelschacht an der Decke nachgewiesen. Die Asahi Shimbun spricht heute von einem Kabelrohr mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern.

Während der heutige Zeitungsartikel lediglich berichtet, das tropfende Wasser habe nur ein Zehntausendstel der radioaktiven Belastung des auf dem Boden gesammelten Wassers aufgewiesen, nannte TEPCO im gestrigen Bericht genauere Zahlen – wenn auch in anderer Weise als sonst:

Das Unternehmen berichtet, der Wert an Cäsium-134 habe etwa 4,2×10³ Becquerel pro Kubikzentimeter und die Belastung durch Cäsium-137 etwa 5,4×10³ Becquerel pro Kubikzentimeter im Tunnel betragen. Jod-131 lag unter dem Messwert.

Beim einfliessenden Wasser aus dem Kabelschacht waren Werte von Cäsium-134 in Höhe von etwa 1,3×10-¹ Becquerel pro Kubikzentimeter sowie insgesamt 1,2×10-¹ Becquerel pro Kubikzentimeter an Cäsium-137 nachgewiesen worden. Auch in diesem Fall lag die Menge an Jod-131 unter dem messbaren Wert.

Die Atomsicherheitsbehörde wies den Energiekonzern dem Artikel zufolge am gestrigen Montag an, das Wasser aus dem Tunnel in Behälter zu transferieren und die tatsächliche Ursache zu bestimmen.

Neue Atombehörde soll 500 Angestellte umfassen:  Nachdem der Umstand, dass die Atomenergiesicherheitsbehörde (NISA) ausgerechnet dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) untersteht und damit ein Interessenkonflikt zwischen der Atomaufsicht NISA und den Plänen der Industrie wahrscheinlich ist, im Zuge der Krise am AKW Fukushima Daiichi für Kritik sorgte, beschloss die Regierung im August die Schaffung einer neuen Behörde.

Die neue Behörde, die aus Zusammenlegung der NISA mit der Atomsicherheitskommission entstehen und im April 2012 offiziell gegründet werden wird, ist dann dem Ministerium für Umwelt untergeordnet. Mit einer Mitarbeiterzahl von 500 wird sie größer als die NISA werden, die lediglich 400 Angestellte hat.

Umweltminister Goshi Hosono, der auch für die Bewältigung der Folgen der Atomkatastrophe verantwortlich ist, stellte auf einer Pressekonferenz auch einen weiteren Rekord vor: Das Budget wird ebenfalls aufgestockt werden. Für das Fiskaljahr 2012 werden 50 Milliarden Yen bereitgestellt. Die NISA hatte bislang einen Etat von 40 Milliarden Yen. Unter anderem berichtete auch die Nachrichtenagentur jiji über diese politischen Schritte.

Kritiker sind mit der neuen Regelung weiterhin nicht zufrieden. Sie fordern eine gänzlich unabhängige Atomaufsicht und bemängeln die fehlende Erfahrung des Umweltministeriums im Bezug auf Atomenergie und deren Risiken, auch wenn sie bereits an den Arbeiten zur Entsorgung radioaktiv kontaminierten Materials in der Präfektur Fukushima mitwirkt.

Soldaten sollen aus Fukushima abgezogen werden: Nachdem der kontrollierte Zustand des Cold Shutdown nun erreicht ist, forderte die Präfekturverwaltung Fukushima heute die Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF), ihre Unterstützungsmaßnahmen in der Präfektur einzustellen und die Truppen abzuziehen. Mehr als neun Monate hatten die SDF dort Unterstützung geleistet. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Insgesamt waren etwa 400.000 Soldaten bei Rettungen von Opfern und der Versorgung mit Hilfsgütern, besonders in den Krisenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi im Einsatz gewesen. Gegenwärtig sind noch 90 Miglieder der SDF bei der Dekontami9nation in der Präfektur Fukushima beschäftigt.

Japanischer Schauspieler wegen Atomprotest belangt: Die japanische Bevölkerung ist, anders als vielfach gedacht, auch im eigenen Land nicht gänzlich allein in ihrem Protest gegen die weitere Nutzung der Atomenergie. Wie die Mainichi Shimbun berichtet, sieht sich der Schauspieler Taro Yamamoto jetzt aufgrund seines Anti-Atom-Engagemens mit einer Klage konfrontiert. Yamamoto hatte versucht dem Gouverneur der Präfektur Saga eine Petition gegen die Wiederaufnahme des AKW Genkai zukommen zu lassen.

Er selbst bezeichnet die Klagepunkte – er habe Hausfriedensbruch begangen und sich der gewalttätigen Behinderung von Offiziellen schuldig gemacht – als konstruiert  und betrachte sie als Mittel politischer Unterdrückung.

Der Schauspieler, der neben Weissrussland auch die Ukraine und Deutschland besucht hatte, erklärte die Anti-Atomproteste in Deutschland seien Augen öffnend für ihn gewesen und auch wenn sein Einkommen nur noch ein Zehntel dessen ist, was er vor dem Tohoku-Erdbeben verdiente, werde er seine Kampagnen weiter fortführen. Zudem teilten viele Schauspielerkollegen privat seine Einstellung, jedoch könnten sie ihn nach ihrer Aussage aus Angst vor Repressalien nicht unterstützen.

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