Start Aktuelles Japan aktuell: Tunnel mit radioaktivem Wasser am AKW Fukushima entdeckt

Japan aktuell: Tunnel mit radioaktivem Wasser am AKW Fukushima entdeckt

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erneut große Wasseransammlung entdeckt (Foto: TEPCO)

Naturkatastrophen, menschliches Versagen und neue Entwicklungen machen auch vor dem Wochenende nicht halt und so gibt es auch heute wieder Fukushima News und sonstige Nachrichten aus Japan. Zudem sind neben Informationen darüber, wie sich die Situation am AKW Fukushima aktuell darstellt auch weitere Hintergründe zur Akutphase der Nuklearkatastrophe bekannt geworden. Weitere Neuigkeiten im Spreadnews Japan-Ticker vom 07. Januar 2012.

AKW Fukushima – Tunnel mit kontaminiertem Wasser überflutet: Einer Meldung der Mainichi Shimbun vom heutigen Samstag zufolge, meldet der Betreiber TEPCO eine große Menge radioaktiv kontaminierten Wassers, die in einem Tunnel bei einer Aufbereitungsanlage des AKW Fukushima Daiichi entdeckt worden sei. Als Ursache wird Regenwasser vermutet, das in den Tunnel gelangt und durch Strahlung kontaminiert wurde, da der Strahlungslevel vergleichsweise niedrig sei.

Die Menge des belasteten Wasser beträgt bis zu 142 Kubikmeter – dem Artikel zufolge genug um 710 Fässer zu füllen. Es sei radioaktives Cäsium von etwa 10o Becquerel pro Liter festgestellt worden, so TEPCO. Gleichzeitig gab das Unternehmen auch Entwarnung, es sei kein Wasser aus dem Tunnel ins Meer gelangt.

TEPCO erklärte der NHK zufolge, man werde nun auch an weiteren 100 Stellen in der Umgebung der Anlage in der stark kontaminiertes Wasser gelagert wird, Kontrollen durchführen und Überlegungen anstellen, wie die jetzt gefundene Wassermenge gelagert werden kann.

Bereits Ende Dezember des Vorjahres waren etwa 220 Kubikmeter in einem anderen Tunnel entdeckt worden. Die hohe Konzerntration in diesem Wasser liess TEPCO vermuten, dass das Wasser aus einer Einheit zur Lagerung radioaktiven Wassers aus dem Keller eines Reaktorgebäudes stamme.

Worst Case Bericht: Regierung hatte Tokyo-Evakuierung erwogen:  Goshi Hosono, Minister für das Krisenmanagement der Atomkatastrophe stellte gestern weitere Teile des Notfallplans vor, der zwei Wochen nach Beginn der Krise von Shunsuke Kondo, Vorsitzender der japanischen Atomenergiekommission, erstellt worden war. Zuvor war bereits der größte anzunehmende Unfall (GAU) dieses Plans veröffentlicht worden, das eine komplette Explosion von Reaktor 1 und das Schmelzen aller 1.535 Brennelemente, die im Abklingbecken von Reaktor 4 gelagert werden beinhaltete (Spreadnews berichtete).

Nun gab Hosono weitere Details bekannt, diesmal über die Evakuierungsszenarien die in diesem Fall möglicherweise eingeleitet worden wären. Dazu gehörte eine Zwangsevakuierung aller Personen innerhalb eines Radius von 170 Kilometern um das Kraftwerk herum. Freiwillige Evakuierungen wären Menschen die in einem Umkreis zwischen 170 und 250 Kilometern um das Kraftwerk herum leben. In diesem Fall wäre auch Japans Haupstadt Tokyo von der Evakuierung betroffen gewesen. Auch eine starke Strahlung, welche eine Evakuierung über den 250-Kilometer-Radius hinaus erfordert hätte, wurde in den Plan aufgenommen

Zur Strahlung während dieses Ereignisses wurden folgende Einschätzungen abgegeben, welche die Belastung des Erdbodens in Evakuierungsgebieten unter Berücksichtigung der Vorgaben durch das Tschernobyl-Unglück 1986 widergespiegelt hätte:

Innerhalb der 170 Kilometer Zone wäre eine Kontamination von  1.480 Kilobecquerel pro Quadratmeter entstanden, die eine Evakuierung zwingend erforderlich gemacht hätte. Im 250 Kilometer Umkreis, der auch Tokyo und angrenzende Gebiete umfasst hätte und freiwillige Evakuierung empfohlen worden wäre, hätte die Belastung 555 Kilobecquerel pro Quadratmeter betragen.

Sollte die Menge an radioaktivem Cäsium das freigesetzt worden war, lediglich der eines einzelnen Reaktors entsprochen haben, so wären die Zonen geringer ausgefallen, nämlich 110 Kilometer für die Zwangsevakuierung und 200 Kilometer für die freiwillige Evakuierung.

Beim Eintreten dieses Falles hätten beide Evakuierungsbereiche mehrere Jahrzehnte benötigt um wieder auf den Ursprungswert zu sinken, so der Bericht.

Der Bericht und der darin enthaltene Entwurf des Worst Case Szenarios waren nicht veröffentlicht worden, um die Bevölkerung nicht mit diesen Hypothesen und Einschätzungen zu verunsichern.

Sea Shepherd mit zweitem Angriff auf japanische Walfänger: Die militante Umweltschutzorganisation Sea Shepherd hat im Rahmen der Anti-Walfang Kampagne „Divine Wind“ – eine Anspielung auf die von den Japanern Shimpu/Kamikaze („göttlicher Wind“) genannten Taifun die im 13. Jahrhundert zweimal die Flotte des mongolischen Herrschers Kublai Khan zerstörte, als dieser Japan erobern wollte – nach Meldung der NHK vom Freitag einen weiteren Störangriff auf die japanische Walfangflotte durchgeführt.

Der japanischen Fischereibehörde zufolge hatten die Aktivisten erneut Taue in das Wasser gelassen und Rauchkanister gegen das japanische Schiff Daisan Yushin Maru geworfen. Bei der Attacke die fünfeinhalb Stunden dauerte, habe es weder Schäden  noch Verletzte gegeben. Es ist der zweite Vorstoß gegen die Walfänger, seit diese ausgelaufen waren.

Die Fischereibehörde bat die Niederlande und Australien am Donnerstag strenge Maßnahmen zu ergreifen, da das in den Niederlanden registrierte Schiff von Australien aus operiert und von dessen Regierung die Sea Shepherd eine Genehmigung zur Verwendung von Aufklärungsdrohnen zum Aufspüren der Walfangflotte erhalten hatte.

Mitglied der Giftgas-Sekte war offenbar in Osaka: Unter Berufung auf mit den Ermittlungen vertrauten Quellen, berichtet die Mainichi Shimbun, dass die nationale Polizeibehörde bei ihren Nachforschungen über den Aufenthaltsort des früheren Sektenmitglieds Makoto Hirata offenbar Hinweise darauf gefunden hat, dass er sich bei seiner annähernd 17 Jahre andauernden Flucht auch in der Stadt Osaka aufgehalten habe.

Die Polizei versucht nun ab dem Zeitpunkt an dem sich Hirata zu Neujahr den Behörden stellte, den Weg zurückzuverfolgen. Hinweise boten etwa Aufnahmen von Videokameras am Bahnhöfen der Shinkansen-Schnellzugstrecke, sowie Fingerabdrücke auf Zugtickets. So sei er vermutlich vom Bahnhof Shin-Osaka nach Shinagawa, einem Stadtteil von  Japans Hauptstadt Tokyo gereist und dort umgestiegen, bevor er sich dann der Polizei stellte.

Die Behörden gehen davon aus, dass Makoto Hirata von anderen Mitgliedern der Sekte Ōmu Shinrikyō unterstützt wurden, der Festgenommene weigert sich jedoch genauere Angaben über seine Flucht zu machen da er (anderen Personen) „keine Probleme bereiten“ wolle.

Die Yomiuri Shimbun berichtet in dem Fall, dass die Polizei nun fünf Fotos von Hirata veröffentlicht hat. Drei entstanden bei der Festnahme, die übrigen sind Aufnahmen der Überwachungskameras. Mit diesem Material bittet sie nun die Bevölkerung um Mithilfe bei den Ermittlungen über den Verbleib des Mannes während der vergangenen Jahre.

Von der NHK heisst es, dass der frühere Kultist dem Rechtsanwalt Taro Takimoto in einem einstündigen Gespräch auch eine Einschätzung zum Verhalten von Sektenführer Chizuo Matsumoto (besser bekannt als Shoko Asahara) vor Gericht gegeben habe. Nach Meinung von Hirata, der aufgrund seiner Kenntnis von Feuerwaffen auch als Leibwächter des Gurus diente, täusche dieser eine Geistesstörung lediglich vor.

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