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Japan aktuell: Über 3000 Schulen nicht auf Großbeben vorbereitet

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Japanische Schülerinnen in Serafuku-Schuluniform (Foto: l'interdit cc-by)
Schüler nicht in allen Schulen sicher vor Erdbeben (Foto: l'interdit cc-by)
Japanische Schülerinnen in Serafuku-Schuluniform (Foto: l'interdit cc-by)
Schüler nicht in allen Schulen sicher vor Erdbeben (Foto: l'interdit cc-by)

Die Volksrepublik China wehrt sich gegen die Aufrüstungsbehauptungen in Japans aktuellem Verteidigungsbericht mindestens ebenso stark, wie sich die Einwohner der Präfektur Fukushima bei der jüngsten Anhörungen gegen die Atomkraft aussprachen.

In der Tat ist der Widerstand in Fukushima aktuell nicht der einzige, so dass sich nun auch die Regierung genötigt sieht, mit den Atomkraftgegnern zu sprechen.

Weniger widerstandsfähig ist dagegen eine Reihe von Schulen in Japan und so zeigt sich, dass neben der Krise von Fukushima heute nach wie vor auch die Gefahr durch Erdbeben ein Thema bleibt. Daher  an dieser Stelle neben Fukushima News auch die Auseinandersetzung mit einem alten Problem.

Einzelheiten und Details jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 2. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Über 3000 Schulen nicht erdbebensicher
  • Strafanzeigen wegen Fukushima-Krise akzeptiert
  • Atomkraftgegner bei Bürgeranhörung in Fukushima vorherrschend
  • Oktopus aus Fukushima in Tokyo ausverkauft
  • Premierminister Noda muss mit Atomkraftgegnern sprechen

Über 3000 Schulen nicht erdbebensicher: Wie das Ministerium für  Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie am heutigen Donnerstag mitteilte, ist mit 3.545 Gebäuden eine große Anzahl der öffentlichen Grundschulen und Realschulen im ganzen Land, nicht ausreichend auf ein Großbeben vorbereitet.

Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Foto pd)
Sugita-Grundschule in Nihonmatsu, Präf. Fukushima (Abb. symbolisch)

Dabei stellt dieser Wert sogar eine Verbesserung zum Vorjahr da. Damals waren von 122.069 überprüften Schulgebäuden sogar 4.614 als unsicher im Falle eines Großbebens klassifiziert worden.

Die Geschwindigkeit mit der geeignete Schutzmaßnahmen nachgerüstet werden, ist jedoch sehr stark vom Standort abhängig und führt dazu, dass sich der Fortschritt dieser Maßnahmen geographisch stark differiert.

Dennoch stellen diese Werte noch eine relative Sicherheit dar, denn mit dem Stand vom 1. April sind zumindest 84,8 Prozent aller getesteten Schulgebäude als ausreichend widerstandsfähig klassifiziert.

Auch in diesem Fall ein Plus zum Vorjahr. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Bleibt zu hoffen, dass es sich nicht um einen Aprilscherz handelt. Doch in der Tat sind zumindest die Zahlen der Untersuchung positiv.

Trotz eines Anstiegs um 9,3 Prozent gaben nur 750 (42,1 Prozent) und damit weniger als die Hälfte der Gemeinden und Präfekturen an, dass alle ihre Schulgebäude sicher seien.  In 65 weiteren Präfekturen lag die Quote sicherer Schulgebäude ebenfalls noch unter 50 Prozent.

Nach Präfektur gegliedert ist die Zahl sicherer Schulen in Shizuoka am höchsten – hier gelten 98,8 Prozent aller Schulgebäude als erdbebensicher. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Präfekturen Miyagi und Aichi mit jeweils 98 Prozent.

Den gerinsten Prozentsatz sicherer Schulen weisen die Präfekturen Hiroshima (62,5 Prozent), Yamaguchi (69,0 Prozent) und Ibaraki (70,5 prozent) auf. Ausgenommen von der Untersuchung waren lediglich bestimmte Regionen in den Präfekturen Fukushima und Miyagi. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur jiji.

Strafanzeigen wegen Fukushima-Krise akzeptiert: Die Staatsanwaltschaft von Tokyo hat vier Strafanzeigen gegen 15 Manager des Elektrizitätskonzerns TEPCO, sowie 18 Beamten von Regierungsbehörden bewilligt und im Fall der Fukushima-Katastrophe Untersuchungen eingeleitet.

Gesetzes-Paragraphen (Grafik: pd)
Fukushima-Krise führt zu Strafantrag (Grafik; pd)

Den Beklagten wird, informierten Quellen zufolge vorgeworfen, durch Fahrlässigkeit zu Todesfällen und Verletzten geführt zu haben.

Ausgangspunkt war die Veröffentlichung des parlamentarischen Untersuchungsberichts am 23. Juli.

Zuvor waren derartige Anträge vielerorts von Staatsanwaltschaften mit der Begründung abgelehnt worden, man müsse zunächst den Bericht abwarten.

Die insgesamt 1.324  Kläger hatten aus Angst vor möglichen Auswirkungen auf die Ermittlungen der Regierung davon abgesehen, eigene Untersuchungen anzustellen.

Bevor jedoch tatsächlich Prozesse geführt –  und Urteile gefällt werden können, gilt es für die Kläger zuvor noch einige Hürden zu nehmen. So muss ein Zusammenhang zwischen der Fukushima-Krise und den Todesopfern bzw. Verletzten ebenso nachgewiesen werden, wie ausreichende Beweise die belegen, dass die Beklagten den Unfall hätten verhindern können.

Zu den Todesopfern und Verletzten werden Personen gezählt, die etwa durch die Belastung während der Evakuierung, oder mangelnde medizinische Versorgung verstarben ebenso gezählt, wie Personen die psychische Folgen erlitten, die sich vor allem bei älteren Menschen in den Übergangshäusern finden lassen.

Über die Zulassung der Strafanzeigen berichteten etwa Asahi Shimbun, Mainichi Shimbun und jiji

Atomkraftgegner bei Bürgeranhörung in Fukushima vorherrschend: Die Mehrheit der im Rahmen der Bürgerveranstaltungen gehörten Meinungen spricht sich klar gegen eine weitere Nutzung der Atomenergie aus (Spreadnews berichtete am 30. Juli 2012).

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Atomkraftgegner in Fukushima vorherrschend (Grafik; pd)

Bei einer weiteren, am gestrigen Mittwoch in Fukushima durchgeführten Anhörung, wurde die Ablehnung besonders deutlich. Über 90 Prozent der insgesamt 30 zugelassenen Redner bekundeten ihren Widerstand gegen die Nutzung der Atomenergie.

Bei der Eröffnung des Anhörung sagte Umweltminister Goshi Hosono, dass die Veranstaltung in Fukushima eine gänzlich andere Bedeutung habe, als die Anhörung in anderen Städten und Gemeinden. Mitglieder von Unternehmen und Behörden mit Bezug zur Atomindustrie, waren von dem Treffen ausgeschlossen.

Gänzlich geschlossen war zumindest die ablehnende Haltung der vortragenden Bürger. Die Sicherheit der Atomenergie sei nicht bestätigt, auch genüge es bereits, auf die jetzt bestehende tragische Situation zu schauen, um die Folgen der Nutzung von Atomkraft zu verstehen.

Nur noch zwei Anhörungen stehen noch aus. Eine von ihnen wird in Takamatsu (Präf. Kagawa) stattfinden, die anderen in Fukuoka (Präf. Fukuoka) am kommenden Samstag. Hierüber berichteten die jiji sowie die Mainichi Shimbun und die Asahi Shimbun.

Oktopus aus Fukushima in Tokyo ausverkauft: Wie gestern angekündigt, wurden die Lieferungen des Oktopus-Fangs heute auf dem Fischmarkt Tsukiji in Tokyo verkauft. Das verkaufende Unternehmen Tohto Suisan bot den Großhändlern insgesamt 50 Kilogramm Oktopus, der vor der Küste von Soma (Präf. Fukushima) gefangen worden war, an.

Bei der Fischversteigerung konnten die Händler auch die offiziellen Zertifikate zur Sicherheit der verkauften Ware einsehen. Der Fisch stammt aus dem ersten testweisen Fischfang der Fischereivereinigung Fukushima. Von Erfolg und Nachfrage hängt ab, ob man wieder in den Vollbetrieb einsteige, berichtete die jiji.

Der Fisch war nach Angaben des Unternehmens noch am Morgen vollständig verkauft worden. Sollte man in der Lage sein, die Produkte langfristig liefern zu können, rechne man auch mit einer steigenden Zahl an Kunden.

Premierminister Noda muss mit Atomkraftgegnern sprechen: Die japanische Regierung zeigte sich zuletzt angesichts der „Ajisai“-Bewegung und ihrer Proteste einigermaßen ratlos, da es sich um ein Spektrum unterschiedlicher Organisationen und Bevölkerungsschichten handelt und es, anders als bei poltisischen Protesten einer einzelnen Gruppe, keine Leitung gibt, die das Interesse aller Demonstranten vertreten.

Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)
Japans Premierminister Yoshihiko Noda (Foto: Leon E. Panetta cc-by)

Zudem hatte Noda die Möglichkeit mit Demonstranten vor seinem Büro zu sprechen, bislang ausgeschlagen.

Doch nun will der Premierminister zumindest Vertreter einer der größten Organisatoren der Proteste treffen – möglicherweise bereits im Verlauf der nächsten Woche. Das meldet die Kyodo unter Berufung auf Regierungsquellen.

Mitglieder der „Metropolitan Coalition Against Nukes“, die vor allem gegen den Neustart des AKW Oi protestieren, hatten den früheren Premierminister Naoto Kan, sowie Mitglieder des Parlaments darum gebeten, ein derartiges Treffen zu arrangieren.

Auch in diesem Fall hatte sich Premier Noda widerwillig gezeigt, jedoch zu diesem Schritt gedrängt worden.

Nach Meldung der Mainichi Shimbun heisst es von Quellen aus dem Umkreis des Premierministers Yoshihiko Noda, dieser habe gesagt er sei „positiv“ im Bezug auf ein Treffen mit den Vertretern der Atomkraftgegner. Die Zeitung sieht dies als eine Antwort auf Anregung der regierenden demokratischen Partei DPJ an, die zu bedenken gegeben hatte, es könne der Eindruck entstehen, dass er die Meinung des Volkes ignoriere.

In einem Telefongespräch mit Ex-Premier Kan am Dienstag habe Noda erklärt, er wolle d