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Japan aktuell: Übergangshäuser immer noch nicht winterfest

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Fast ein Jahr, nämlich acht Monate ist es her, dass das sich das Tohoku-Erdbeben am 11. März 2011 ereignete und neben einem Tsunami, der vielen Menschen das Leben kostete, auch die Kernschmelzen und Explosionen am japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi auslöste.

Auch wenn die internationale Berichterstattung im Laufe der Zeit merklich nachlies und lediglich bei besonders aufsehenerregenden Erkenntnissen eine Meldung üblich wurde, so ist die Krise in Fukushima aktuell noch längst nicht vorüber.

Auch das heutige Datum ist wieder eine der Gelegenheiten, zu denen sich die Presse, welche größtenteils längst den Mantel des Schweigens über Fukushima gebreitet hat wieder berichtet und ähnlich  wie in einer künstlerischen Retrospektive, die Geschehnisse wieder ins Gedächtnis ruft – nur um in wenigen Tagen, oder maximal Wochen, das Thema zugunsten aktuellerer Geschehnisse ad acta zu legen.

Spreadnews dagegen berichtet seit Beginn der Krise durchgehend und so werden wir  auch heute keinen Blick zurückwerfen, sondern unsere Leser mit aktuellen Informationen und Fukushima News auf dem Laufenden halten – im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. November 2011.

Totenzahlen und Leichenidentifikationen: Offiziellen Angaben der nationalen Polizeibehörde vom Donnerstag zufolge sind bei den Naturkatastrophen vom März insgesamt 15.836 Menschen getötet worden, 3.652 Personen gelten noch als vermisst. Am 28. Oktober betrug die Zahl der als tot eingestuften Vermissten 3.537, so das Justizministerium. Über 800 Leichen müssen noch identifiziert werden, ihre Identität ist auch acht Monate nach dem Unglück weiterhin ungeklärt.

Mit dem Stand vom 2. November gab es landesweit 71.565 Flüchtlinge und Evakuierte, 933 von ihnen waren in öffentlichen Einrichtungen wie Gemeindezentren in den Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Miyagi, Saitama, Tokyo und Yamagata untergebracht. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Übergangshäuser in Miyagi noch nicht winterfest: Eine am 1. November von der Mainichi Shimbun in den Präfekturverwaltungen von Fukushima, Miyagi und Iwate durchgeführte Umfrage ergab, dass die Übergangshäuser der Präfektur Miyagi noch am Wenigsten auf die Erfordernisse des Winters vorbereitet sind.

Die Verwaltungen waren zu den Fortschritten bei Beheizung, dem Einbau isolierverglaster Fenster, der Bereitstellung von Wärmedämmungsmaterial, der Einspeisung von Frostschutz in Wasserrohren und der Aufstellung von Witterungsschutzen vor den Eingängen der Gebäudekomplexe.

Während Fukushima und Iwate die entsprechenden Punkte entweder vollständig oder teilweise erfüllt haben, hinkt die Präfektur Miyagi, welche unter den drei Präfekturen die größte Zahl an Übergangshäusern aufweist, weiterhin hinterher. Ein Datum zu dem die Maßnahmen abgeschlossen sein sollen, kann noch nicht genannt werden. Wetterschutz, Wärmedämmung und doppelt verglaste Fenster befänden sich noch in Arbeit und würden „irgendwann innerhalb dieses Jahres“ fertiggestellt werden.

Als Grund nannte die Katastrophenhilfe der Präfektur organisatorische Probleme. Ursprünglich habe man jede von den Naturkatastrophen betroffene Gemeinde dazu aufgerufen, die entsprechenden Unternehmen selbst zu kontaktieren, doch nachdem darum gebeten worden war, dass die Präfekturalverwaltung die Arbeiten koordinieren sollte, habe man den ursprünglichen Plan ändern müssen, was zur Verzögerung geführt habe.

Hohe Radioaktivitätswerte in Pilzen aus Präfektur Tochigi: Wie die Präfekturalbehörde Tochigi am Donnerstag mitteilte, wurden in Freilandpilzen insgesamt eine Belastung von 649 Becquerel radioaktivem Cäsium pro Kilo Kuritake festgestellt und damit der gesetzlich zugelassene Höchstwert von 500 Becquerel pro Kilo überschritten.

Die Präfekturverwaltung bat die Stadt nun freiwillig auf die Ausfuhr der Pilze zu verzichten und Ladungen die bereits an den Handel vertrieben worden waren, zurückzurufen. Die fragliche Stadt liegt insgesamt 120 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt. Zuvor hatten bereits vier andere Orte den Vertrieb eingestellt, berichtet die NHK.

Tenno soll Freitag die Klinik verlassen: Wie das kaiserliche Hofamt mitteilt, wird der Tenno voraussichtlich am heutigen Freitag das Krankenhaus verlassen, da seine Genesung stetige Fortschritte gemacht habe. Er war Sonntagnacht aufgrund einer Bronchitis vorsorglich ins Krankenhaus gebracht worden.

Nach Angaben die von Shingo Haketa, Leiter des Amtes in einer Pressekonferenz gemacht wurden, wird erwartet, dass der Tenno seinen öffentlichen Aufgaben wieder ab dem 16. November nachkommen und an einer Empfangsfeier für Bhutans König Jigme Khesar Namgyal Wangchuck und dessen Gemahlin Jetsun Pema teilehmen wird. Der Tenno habe allerdings noch einen leichten Husten, erklärte Haketa der Nachrichtenagentur jiji zufolge.

Nach Türkei-Erdbeben; Japanischer Hoffnungsschimmer der etwas anderen Art: Wenn Opfer von Grubenunglücken oder ähnlichen Katastrophen gerettet werden, berichten sie oft von den Stimmen der Suchmannschaften oder dem durch Trümmer eindringenden Licht, die ihren Lebenswillen erhalten hätten – und in der Tat berichtete auch die nach dem Erdbeben in der türkischen Provinz Van gerettete Ärztin Miyuki Konnai von einem solchen kleinen Licht.

Ganz klar ein rührender Bericht, der auch in deutschen Medien aufgegriffen wurde. Was jedoch verschwiegen wird und in der Mainichi Shimbun nachgelesen werden konnte: Passend zur High-Tech Nation Japan, war es nicht etwa ein schwacher Lichtstrahl, der ihr den Willen zum Durchhalten gab – sondern das kleine Licht an ihrem Laptop, den sie bei sich hatte, als das Hotel einstürzte.

Bakterien gegen radioaktives Cäsium: Viele Versuche radioaktives Material aus Erdreich, Wasser, Asche oder Gröll zu entfernen, wurden in den vergangenen Monaten vorgestellt. Viele von ihnen durch die Entdecker der neuen Methode euphorisch als möglicher Durchbruch gefeiert – zum Einsatz scheint jedoch bislang keines der zahlreichen Wundermittel gekommen zu sein.

Nun soll es nach Ansicht von Professor Ken Sasaki von der internationalen Universität Hiroshima, der die Anwendung von Biotechnologie zur Strahlungsdekontamination untersucht, ein Bakterium richten und das radioaktive Cäsium entfernen können, so ein Bericht der Mainichi Shimbun. Der Professor will zusammen mit dem Unternehmen Ota Kohkan, das Material und Equipment für Wasserversorgungsanlagen herstellt eine Möglichkeit gefunden haben, durch Photosynthese betreibende Bakterien bis zu 90 Prozent an radioaktivem Cäsium aus Schlamm entfernen zu können.

Bei im September durchgeführten Versuchen wurde nach Einbringung eines, aus den Bakterien, Alginsäure und anderen Chemikalien gewonnenen Granulats in 50 Liter radioaktiv belasteten Schlamms, der Strahlungslevel über mehrere Tage beobachtet. Im Verlauf von drei Tagen sank die eingangs gemessene Strahlung zwischen 12,04 und 14,54 Mikrosievert pro Stunde auf 2,6 und 4,1 Mikrosievert pro Stunde. Zieht man hiervon die unmittelbare Umgebungsradioaktivität durch das Fukushima-Unglück von 1,2 Mikrosievert ab, so stellt man fest, das bis zu 89,4 Prozent der Radioaktivität extrahiert werden konnte.

Da sich das Volumen der Bakterienmischung dann durch Dehydration und Verbrennung auf ein fünfundsiebzigstel des Ausgangsvolumens reduzieren lässt, soll auch dieses Wundermittel dazu beitragen, das Lagerungsproblem für radioaktive Abfälle zu lösen – eine Versprechung die auch bereits bei anderen Methoden gemacht wurde.

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