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Japan aktuell: Übermüdeter Fukushima-Arbeiter vergaß Dosimeter zu tragen

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Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Daten zur Strahlungsbelastung der AKW-Arbeiter veröffentlicht (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter "vergaß" Dosimeter (Foto: TEPCO)

Während gestern noch die World Cosplay Championships 2012 ihr zehnjähriges Jubiläum feierten und Teile der Netzgemeinde heute erstmals den Netzkulturtag begehen, gedenken Menschen weltweit der Opfer des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6. August 1945.

Natürlich bleibt es da nicht aus, dass zwischen Hiroshima und Fukushima heute Verbindungen hergestellt werden, in denen die Gefahr der Atomenergie herausgestellt wird. Daneben gibt es am AKW Fukushima aktuell ebenfalls Neues zu berichten, scheint es nach Betrug nun offenbar die Nachlässigkeit zu sein, die Dosimeter wieder ins Gespräch bringen. Diese Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 6. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Arbeiter vergaß Dosimeter zu tragen
  • Fukushima-Videomaterial für Presse zugänglich
  • Premierminister verspricht Atomausstieg zu prüfen
  • Giftgas-Sektenmitglied wegen Paketbombe angeklagt
  • 67. Gedenktag zum Atombombenabwurf auf Hiroshima

Fukushima-Arbeiter vergaß Dosimeter zu tragen: Am Samstag meldete der Kraftwerksbetreiber TEPCO, dass am Tag zuvor bei einem Angestellten eines Partnerunternehmens, der mit der Verlegung von Rohren aus Polyethylen beschäftigt war, das Fehlen eines Taschendosimeters (APD) festgestellt wurde.

Da die Strahlungsdosis anderer Arbeiter, die mit der selben Arbeit betraut waren, bei durchschnittlich 0,1 Millisievert (APD-Anzeigewert) lag, sei davon auszugehen, dass der Angestellte den gleichen Belastungen ausgesetzt wurde. Man schätzt zudem, dass man die Dosis anhand der Langzeit-Dosimeters einschätzen könne. Die Dosisschätzung sei auch durch das Langzeit-Dosimeter schätzbar.

Japanische Medien nahmen sich der Meldung von Kraftwerksbetreiber TEPCO an und berichteten detaillierter. Demnach habe der Arbeiter, der Mitte Zwanzig sein soll, als Angestellter eines zweitrangigen Subunternehmens seit Juni am Kraftwerk gearbeitet und war am 3. August dem Team zur Rohrverlegen zugeteilt worden.

Die Arbeiten vor Ort erfolgten im Auftrag von Tokyo Energy and Systems Incorporated, einem Unternehmen, das zur TEPCO-Gruppe gehört.

Alle Arbeiter sind angewiesen, Dosimeter von TEPCO zu leihen, allerdings hatte das von Tokyo Energy and Systems eingesetzte Subunternehmen lediglich ausreichend Dosimeter für die eigenen Angestellten mitgenommen – nicht jedoch für die Angestellten eines untergeordneten, zweitrangigen Subunternehmens.

TEPCO und Tokyo Energy and System berichten übereinstimmend, der fragliche Angestellte habe am 3. August von 7:00 Uhr bis kurz nach 11:00 Uhr gearbeitet. Erst nach Ende seiner Schicht meldete er, dass er kein Dosimeter erhalten habe und erklärte, er habe es vergessen. Die Asahi Shimbun zitiert den Arbeiter mit den Worten:

Ich war geistesabwesend, da ich nicht genug Schlaf hatte und habe vergessen, ein Dosimeter zu leihen„.

TEPCO-Mitarbeiter Junichi Matsumoto räumte noch am selben Tag auf einer Pressekonferenz ein, dass es ein Schlupfloch im Sicherheitsmanagement gegeben habe. Dies stelle ein ernstes Problem dar. In der Vergangenheit habe es bereits ähnliche Fälle gegeben erklärte Matsumoto, deren genaue Anzahl müsse jedoch noch ermittelt werden.

Shinji Shiina, Leiter der Abteilung für allgemeine Angelegenheiten bei Tokyo Energy and Systems erklärte, die Strahlungsbelastung des Angestellten nähere sich einem betriebsintern geltenden Grenzwert, so dass er ab dem 10. August nicht mehr am AKW Fukushima arbeiten könne. Dies sei dem betroffenen Arbeiter mitgeteilt worden. 

Fukushima-Videomaterial für Presse zugänglich: Am heutigen Montag war es soweit. Der Kraftwerksbetreiber TEPCO erlaubte Journalisten erstmals Einsicht in die Aufnahmen der Videokonferenzen, die während der Akutphase der Nuklearkrise von Fukushima entstanden waren. Der Veröffentlichung vorausgegangen waren Differenzen über den Datenschutz der Teilnehmer und die Begrenzung des Zugriffs durch Journalisten (Spreadnews berichtete).

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

In den Videoaufnahmen enthalten sind der Besuch des damaligen Premierministers Naoto Kan im TEPCO-Hauptsitzt, sowie  Bilder der angespannten Situation nach der Beschädigung mehrerer Reaktorgebäude durch Wasserstoffexpolsionen. Insgesamt 150 Stunden Aufnahmen der Telekonferenzen zwischen dem Tokyoter Hauptsitz von TEPCO, sowie den beiden Fukushima-Kraftwerken werden den Medien präsentiert.

Nach Angaben der NHK zeigte sich Ex-Premier Kan jedoch unzufrieden mit der Veröffentlichung. Die von TEPCO vorgenommenen Veränderungen, wie etwa die Verfremdung von Gesichtern, stünden einer vollständigen und bedingungslosen Aufdeckung der genauen Umstände der Krise entgegen.

Er kritisierte zudem, dass die Video-Aufnahmen seines Besuchs in der TEPCO-Zentrale am 15. März 2011 keine Tonspur aufweise. Kan verlangte, dass auch die Audioaufnahmen verfügbar sein müssten. In ihrer Bedeutung verglich er das Material der Videokonferenzen mit der Funktion eines Flugschreibers.

Dabei bekommt er Unterstützung durch Professor Mikio Haruna. Dieser sieht die Aufnnahmen als Mittel an, die Ursache des Unglücks zu erkennen und eine Wiederholung einer derartigen Katastrophe auszuschliessen. Auch kritisiert er TEPCO für die Löschung ganzer Teile des Videos. Die Allgemeinheit könne den Eindruck bekommen, TEPCO habe etwas zu verbergen.

Über die Sichtung des Materials, von dem jedoch keine Aufnahmen gemacht werden dürfen, berichteten Kyodo und NHK.

Premierminister verspricht Atomausstieg zu prüfen: Premierminister Yoshihiko Noda teilte am heutigen Montag mit, er werde Mitglieder seines Kabinetts anweisen, die Herausforderungen zu erwägen, denen sich Japan bei einem vollständigen Verzicht auf Atomenergie stellen müsste. So eine Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo und der NHK.

Auf diese Weise will er offenbar signalisieren, dass er bereit ist, sich mit den öffentlichen Forderungen auseinanderzusetzen – ist es doch das erste Mal überhaupt, dass er sich auf die Möglichkeit einer dauerhaften AKW-Abschaltung bezieht. Voraussichtlich noch diese Woche wird sich Noda mit Organisatoren der wöchentlich stattfindenden Atomkraft-Proteste treffen.

Giftgas-Sektenmitglied wegen Paketbombe angeklagt: Am heutigen Montag erhob die Staatsanwaltschaft Tokyo Anklage gegen Naoko Kikuchi und wirft ihr Unterstützung eines Mordversuchs und einen Verstoß gegen des Sprengstoffkontrollgesetz vor. Das 40 Jahre alte frühere Mitglied der Glaubensgemeinschaft Omu Shinrikyo wird verdächtigt, gemeinsam mit anderen Sektenmitgliedern, ein Buch mit Sprengstoff präpariert zu haben.

Foto von Naoko Kikuchi auf Omu Shinrikyo Fahndungsplakat (Foto: KJ)
Naoko Kikuchi wird Paketbombe angelastet (Foto: KJ)

Der Mordanschlag vom Mai 1995 hatte dem Gouverneur der Präfektur Tokyo gegolten. Der Sprengsatz war jedoch in der Poststelle des Verwaltungssitzes explodiert und hatte einen Angestellten schwer verletzt.

Möglicherweise wird es sich um einen Schöffenprozess handeln und die Nachrichtenagenturen jiji und Kyodo halten es unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen durchaus für möglich, dass von weiteren Anklagen – zur vermuteten Beteiligung am Sarin-Gasanschlag auf die Tokyoter U-Bahn im Jahr 1995 und dreifachen Mordes durch VX-Gas in den Jahren 1994 und 1995  – abgesehen wird.

67. Gedenktag zum Atombombenabwurf auf Hiroshima: Anlässlich des 67. Jahrestages des Atombombenabwurfs durch die USA, fanden in Hiroshima die Gedenkfeierlichkeiten statt, um den Opfern zu gedenken. Während der Zeremonie fügten der Bürgermeister der Stadt und zwei Vertreter der Atombombenopfer eine Liste von 5.729 Personen, die im verganenen Jahr als Opfer bestätigt worden waren, den bisherigen Dokumenten hinzu.

Die offizielle Zahl der Todesopfer beträgt 280.959 Personen. Ihre Namen werden in insgesamt 102 Büchern in der Gedenkstätte aufbewahrt.

Der Kenotaph in Hiroshima (Foto: pd)
Der Kenotaph im Friedenspark von Hiroshima (Foto: pd)

Kazumi Matsui , Bürgermeister der Stadt Hiroshima rief zum Ende der Atomwaffennutzung und zur Hilfe für die Hibakusha genannten Überlebenden des Angriffs auf. Diese würden neben den Strahlungsfolgen auch durch die starke Sommerhitze an gesundheitlichen Problemen leiden.

Er forderte von der Regierung in Tokyo, ohne jede Verzögerung eine Energiepolitik zu beginnen, mit der die Sicherheit der Bürger gewährleistet werden könne.

Auch Premierminister Yoshihiko Noda nahm an der Veranstaltung teil. Er erinnerte an die Verantwortung die Japan habe, das Wissen um die schrecklichen Folgen von Atomwaffen auch an künftige Generationen weiterzugeben und sich für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen.

Auch zur zivilen Nutzung der Atomenergie äußerte sich Noda und erklärte, es sei Zeit für die japanische Nation, sich von der Abhängigkeit der Atomenergie zu befreien. Die Regierung werde sich um die Dekontamination von Gebieten bemühen, die durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima radioaktiv kontaminiert worden waren.

Der langfristige Ausstieg aus der Atomenergie und die Förderung regenerativer Energien sei ein langfristiges Ziel seiner Regierung.

Der Enkel des früheren US-Präsidenten Harry S. Truman, der 55 Jahre alte Clifton Truman Daniel, nahm ebenfalls an der Zeremonie teil, nachdem er bereits am Samstag für die Opfer des Atombombenangriffs, den US-Präsident Truman nach der Entwicklung der Atombombe im Rahmen des Manhattan-Projekts befohlen hatte.

Etwa 50.000 Menschen waren im Hiroshima Peace Park zusammengekommen, darunter auch Überlebende. Die Zahl der noch lebenden Opfer beträgt mit dem Stand vom März diesen Jahres 210.830 Personen. Aufgrund von Sterbefällen sank die Zahl zum Vorjahr um 8.580.

Auch außerhalb Japans wurde der Atombombenopfer gedacht. So liess etwa UN-Generalsekretär  Ban Ki-moon eine Botschaft übermitteln. In Liberdade, einem Stadtteil von Sao Paolo, der die größte japanische Siedlung außerhalb Japans darstellt, wurde gebetet. Anschließend wurde von den 500 Teilnehmern einer Zeremonie genau zum Zeitpunkt des Abwurfs insgesamt 2.000 von Schulkindern gefertigte Laternen zu Wasser gelassen.

Über die Gedenkfeiern berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun, Mainichi Shimbun, NHK und weitere Medien.

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