Japan aktuell: Überschwemmung an mehreren Lagertankgruppen des AKW Fukushima

Japan aktuell: Überschwemmung an mehreren Lagertankgruppen des AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Wasserlache am Ablassventil von Wasserbehälter am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Zwei weitere Ventile wegen Regenwasser geöffnet (Abb. symbolisch TEPCO)

AKW Fukushima: Wasserlache am Ablassventil von Wasserbehälter am 19. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Überschwemmung an mehreren Wassertankgruppen (Abb. symbolisch TEPCO)

Nachdem der erste Schnee auf dem Fuji ein friedliches Wochenende verhieß, kam es am AKW Fukushima aktuell zu Überschwemmungen an Tankbarrieren von bislang ungeahntem Ausmaß.

Daher stellt die Meldung  über diese Ereignisse auf der Anlage in Fukushima heute die Schlagzeile unserer Nachrichten dar.

Einzelheiten zu diesen und weiteren Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Oktober 2013.
Unsere heutigen Themen:

  • Überschwemmung um mehrere Fukushima-Lagertankgruppen
    • Entdeckung
    • Ursache
    • Strontium entdeckt
    • Maßnahmen
    • Folgen
  • Neuer Tritiumrekord in Fukushima-Grundwasser
  • Premier Abe besucht Hafen in der Präfektur Fukushima
  • Dreijährige Verzögerung bei Dekontamination in Fukushima erwartet
  • Sorge vor Taifun Francisco auf Izu-Oshima
  • Wieder Dampf über Reaktor 3
  • Wassertropfen an Lagertank im Bereich H9

Überschwemmung um mehrere Fukushima-Lagertankgruppen: Wie TEPCO am Sonntag mitteilte ist radioaktiv belastetes Regenwasser an insgesamt 11 Tankgruppen über die Betonbarrieren gelangt. Es ist das erste Mal, dass es parallel an so vielen Gruppen zum Überlaufen von Wasser gekommen sei.

In der Vergangenheit hatte man bereits in acht der 11 betroffenen Areale schon Wasser entdeckt, dass über den provisorischen Grenzwerten lag. Im aktuellen Fall sind zudem Wasserlecks am Verbindungsbereich einer Betonbarriere entdeckt worden, in deren Gebiet zuvor schon Konzentrationen über den Grenzwerten festgestellt worden waren.

Entdeckung: Kraftwerksarbeiter hätten am Sonntagnachmittag zunächst die Überschwemmungen an fünf Barrieren festgestellt. Am Abend habe man dann an sieben weiteren Barrieren überfließendes Wasser festgestellt. Eine zunächst gemeldete Zahl von 12 Tankgruppen war von TEPCO später korrigiert worden.

Ursache: Nach Angaben von TEPCO sind die Barrieren 30 Zentimeter hoch. Aufgrund des Taifuns Wipha und der folgenden schweren Regenfälle habe der Wasserstand in einigen Fällen jedoch bereits bei 20 Zentimetern gelegen. Aufgrund der großen Mengen gelingt es Arbeitern täglich nur wenige Zentimeter herauszupumpen. Beim jetzigen Zwischenfall waren die Pumpen nicht mehr ausreichend.

Strontium entdeckt: Nach Meldung von TEPCO sind im Wasser an sechs der betroffenen Barrieren nun Strontiumwerte gemessen worden, die über dem festgelegten Grenzwert liegen. Der höchste gemessene Wert habe 710 Becquerel betragen und sei im Bereich H2 nachgewiesen worden. Der Grenzwert von 10 Becquerel pro Liter wird damit um das 71-fache übertroffen.

Maßnahmen: Man versuche sowohl die Menge an Wasser, als auch die Konzentration radioaktiver Substanzen zu ermitteln. Am Sonntagnachmittag waren über einen Zeitraum von mehr als vier Stunden mehr als 100 Millimeter an Regen gefallen.

TEPCO meldete zudem, dass Arbeiter einen Teil des angestauten Wassers nach Einhaltung der Grenzwerte, in die Umwelt entlassen habe. Bei dem Wasser das unkontrolliert übergelaufen war, sei eine derartige Kontrolle nicht mehr möglich gewesen.

Als direkte Maßnahme werde man die Kontrollgänge an den Betonbarrieren um die Gruppen der Lagerbehälter verschärfen, sowie die Zahl der eingesetzten Pumpen erhöhen.

Um ähnliche Zwischenfälle künftig zu verhindern, sollen neue Betonbarrieren mit einer Höhe von 60 bis 130 Zentimeter errichtet werden. Diese Arbeiten werden jedoch nicht vor Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Folgen: Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass kontaminiertes Wasser über Abflusskanäle in den Pazifik gelangt ist. Hierüber berichteten Kyodo, Asahi Shimbun, NHK und jiji.

Neuer Tritiumrekord in Fukushima-Grundwasser: In den am Donnerstag entnommenen Proben eines Messpostens in der Nähe eines Lagertanks, wurde mit einem Wert von 790.000 Becquerel pro Liter ein neuer Rekordwert an radioaktivem Tritium nachgewiesen.

Atomsymbol
AKW Fukushima: Neuer Tritiumrekord in Grundwasser (Grafik: pd)

Damit wird der bisherige Höchstwert von 320.000 Becquerel, der am 10. Oktober nachgewiesen worden war, um das 2,5-fache übertroffen.

Der Messposten war im September, zur Kontrolle des Grundwassers auf radioaktive Substanzen, gebohrt worden. Insgesamt sieben weitere Grundwasserkontrollposten wurden ebenfalls in diesem Zeitraum geschaffen.

Bereits zuvor war in Wasserproben vom 17. Oktober, die am selben Messposten entnommen worden waren, ein Rekordwert für Betastrahler von 400.000 Becquerel pro Litern gemeldet worden (Spreadnews berichtete am 18. Oktober 2013).

Der fragliche Grundwasserkontrollpunkt befindet sich nur 20 Kilometer nördlich vom Tank, aus dem im August etwa 300 Tonnen an stark radioaktivem Wasser ausgetreten waren. Der Bereich konnte nicht vollständig durch Abtragung der obersten Erdschichten dekontaminiert werden, da Schläuche, Rohre und anderes Pumpgerät nördlich des Postens stehen.

Auch im Fall des Tritiumanstiegs, bemüht TEPCO wie bereits bei den gestiegenen Werten an Betastrahlung, die Auswaschung radioaktiver Substanzen durch den Regen des Taifuns Wipha.

Tatsächlich sei es wahrscheinlich, dass das radioaktiv kontaminierte Wasser, das bereits in dem Messposten vor dem Lagertank mit dem gefürchteten Großleck nachgewiesen wurde, für eine Strecke von zehn Metern insgesamt eine Zeitspanne von zwei Monaten benötigte.

Der Darstellung von TEPCO folgend, sei möglicherweise das stark radioaktive Wasser im August aus dem Tankleck in den Boden gesickert und habe sich dann langsam seinen Weg durch das Erdreich bis zum Grundwassermessposten gebahnt, wo es nun, zwei Monate später, nachgewiesen wurde.

Trotz der ungünstigen Position will das Unternehmen nun das kontaminierte Erdreich so weit wie möglich entfernen und stark kontaminiertes Grundwasser heraufpumpen Dieses Wasser müsste dann auf jeden Fall eingelagert werden, da selbst das moderne Multinuklid-Filtersystem ALPS nicht in der Lage ist, radioaktives Tritium zu filtern.

Über den neuen Tritiumrekord berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Premier Abe besucht Hafen in der Präfektur Fukushima: Japans Premierminister Shinzo Abe besuchte am Samstag den Hafen Matsukawaura, der sich in der Stadt Soma befindet. Dort verschaffte er sich einen Eindruck von der Arbeit der Fischer vor Ort.

Japans Premierminister Shinzo Abe im Juli 2013 (Foto: pd)
Japans Premier Shinzo Abe will Fukushima-Fisch bewerben (Foto: pd)

Abe erklärte nach dem Verzehr von Oktopus, der in den Gewässern gefangen worden war, gegenüber den Fischern, ihm sei wichtig, dass die Menschen im ganzen Land wissen sollten, dass die Meeresprodukte aus der Präfektur Fukushima sowohl wohl wohlschmeckend, als auch sicher zum menschlichen Verzehr sind.

Die Regierung werde daran arbeiten, geschäftsschädigende Gerüchte durch Bereitstellung korrekter Informationen zu bekämpfen.

Der Fischfang war erst Ende September wieder aufgenommen werden, nachdem zuvor kontaminiertes Wasser aus dem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi  in den Pazifik gelangt war. Über den Besuch berichtete die Kyodo.

Dreijährige Verzögerung bei Dekontamination in Fukushima erwartet: Obwohl die Regierung in Tokyo im Fall von 11 Gemeinden die Verantwortung zur Dekontamination übernommen hat, wird es nach Angaben des Umweltministeriums in sechs Gemeinden bis zu drei Jahre länger dauern als geplant, bevor die Arbeiten abgeschlossen sind.

Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Insgesamt werden sieben Ortschaften mit der Verlängerung zu kämpfen haben, das Dokument des Umweltministeriums macht jedoch nur Angaben zu sechs von ihnen. Bei den verbleibenden vier Gemeinden sind die Arbeiten dagegen entweder bereits abgeschlossen, oder werden plangemäß bis Ende des Fiskaljahres beendet sein.

Während die unplanmäßige Verlängerung in Minamisoma noch zwei Jahre beträgt, werden in Iitate, Kawamata, Namie, Tomioka und Katsurao drei Jahre mehr benötigt. Entscheidend für die Zeitspanne ist in diesen Fällen die Zahl der Arbeitskräfte. Für Futaba liegt dagegen noch nicht einmal ein Plan zur Dekontaminations vor. nder the new proposal, decontamination in Iitate would

Allerdings wird die Zahl der Arbeiter von den Gemeinden kritisiert. Die Projekte gehen bei ihrer Berechnung von äußerst unterschiedlichen Arbeiterzahlen aus. Diese reichen von tausend pro Tag, bis hin zu mehreren tausend – Einschätzungen die nach Ansicht der Gemeindeverwaltungen unrealistisch sind. Die neuen Pläne sollen nach Meldung der Asahi Shimbun bis Ende des Jahres vorliegen.

Sorge vor Taifun Francisco auf Izu-Oshima: Die Besorgnis, der kommende Taifun Francisco könne auf der verwüsteten Insel noch stärkere Schäden anrichten, veranlasst die Behörden bereits jetzt dazu, erste Maßnahmen zu treffen.

So senkten die Verwaltung des Großraums Tokyo und die nationale Wetterbehörde ihre Kriterien zur Warnung vor Erdrutschen um 20 Prozent, so dass früher Alarm gegeben wird als vorher. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass bereits Taifun “Wipha” zu Erdrutschen geführt hatte und die Hänge durch die Regenfälle destabilisiert sind.

Während Masafumi Kawashima, Bürgermeister der Ortschaft um Entschuldigung für seine Fehleinschätzung bat, trotz der Wetterwarnung keine Evakuierung veranlasst zu  haben, setzten die Rettungsmannschaften die Suche nach Opfern weiter fort. Ihnen ging es am Samstag vor allem darum, das kritische Zeitfenster von 72 Stunden in dem noch Überlebende zu erwarten sind, so gut wie möglich zu nutzen.

Taifun Wipha hat bislang 28 Todesopfer gefordert, von denen 19 identifiziert sind. Es ist zu erwarten, dass die Opferzahl noch steigen wird, da immer noch 18 Personen als vermisst gelten.  Mit Stand vom Samstag gehen Experten davon aus, das “Francisco” einen ähnlichen Weg nehmen wird, wie zuvor Wipha.

Für den Zeitraum von Samstagnacht bis Sonntagmorgen waren bereits weitere Regenfälle für die Insel gemeldet worden. Allerdings konnte am Montagmorgen die Evakuierungsempfehlungen für etwa 2.300 Einwohner aufgrund verbesserter Wetterbedingungen aufgehoben werden. Auch die Sucharbeiten konnten nach einer Unterbrechung weiter fortgesetzt werden. Über die aktuellen Entwicklungen berichteten Kyodo, Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

Wieder Dampf über Reaktor 3: Am Samstag belegten die Bilder der Überwachungskamera, das gegen 7:00 Uhr wieder Dampf aus dem fünften Stock des Gebäudes aufstieg. Messungen um 8:10 Uhr ergaben keine ungewöhnlichen Werte im Zusammenhang mit dem Reaktor. Kurz nach 13:00 Uhr konnte kein Dampf mehr festgestellt werden.

Wassertropfen an Lagertank im Bereich H9: Am Sonntag entdeckt ein Angestellter auf einem nächtlichen Kontrollgang gegen 1:00 Uhr, das Wasser aus einem Spalt der Wärmeisolation einer Leitung drang. Diese Leitung führt zu einem Lagertank im Bereich H9.

Die Geschwindigkeit betrage etwa ein Tropfen alle 70 Sekunden. Es habe sich eine Pfütze von 30 x 30 Zentimetern und einer Tiefe von einem Millimeter gebildet.

Die kombinierte Strahlungsbelastung aus Gamma- und Betastrahlung des Wassers habe 0,005 Millisievert pro Stunde betragen. Die Strahlung an der Wasseroberfläche habe sich nicht von der Umgebungsradioaktivität abgehoben. Eine genaue Analyse soll folgen.

Im Bereich H9 befindet sich nach Angaben von TEPCO ein Frischwasserreservoir, in dem Wasser nach der Entsalzung gelagert wird.

Nach Entfernung das Isoliermaterials wurde die mögliche Leckstelle noch zehn Minuten lang beobachtet, jedoch kein weiteres Tropfen festgestellt.

Die Strahlungskontrollen des herabgetropften Wassers ergaben, dass die Ergebnisse alle unterhalb der durchschnittlichen Betastrahlungskonzentration von 100.000 Becquerel pro Liter liegen, wie sie im Lagerbehälter vorherrschen.

Messwerte des Tropfwassers:

  • Cäsium-134: 430 Becquerel pro Liter
  • Cäsium-137: 580 Becquerel pro Lite
  • Gesamt-Betastrahlung: 1.100 Becquerel pro Liter

Aufgrund dieser Umstände geht TEPCO davon aus, dass es sich lediglich um angesammeltes Regenwasser gehandelt habe.

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