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Japan aktuell: Umbau und Rohrarbeiten am AKW Fukushima

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Fukushima-Reaktor 3: Bisherige Schlauchführung am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Bisherige Schlauchführung am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Bisherige Schlauchführung am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Bisherige Schlauchführung am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)

Wie bereits angekündigt, legte der Betreiber des AKW Fukushima heute Informationen über Arbeiten der jüngsten Vergangenheit vor.

Dabei geht es im Wesentlichen um Arbeiten innerhalb der Reaktoren, doch leider ist auch ein weiterer Unfall eines Arbeiters am Kernkraftwerk Fukushima aktuell.

Neben einer ganzen Zahl weiterer Fukushima News ist auch der endgültige Entwurf der AKW-Sicherheitsrichtlinien nun Thema. Alle Einzelheiten zu diesen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Rohrarbeiten und Umbau in Fukushima-Reaktor 3
  • Bohrungen an Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 2
  • Fukushima-Arbeiter bei Elektrizitätsarbeiten verletzt
  • Kühlsystem für Abklingbecken von Reaktor 3 abgestellt
  • Arbeitskräftemangel bei Dekontamination in Fukushima
  • Zutritt für Presse zum AKW Fukushima
  • Finaler Entwurf der neuen NRA-Sicherheitsbestimmungen

Rohrarbeiten und Umbau in Fukushima-Reaktor 3:  Innerhalb von Reaktor 3 wurden zwei Arbeitsschritte unternommen, die nach Angaben von TEPCO offenbar problemlos verliefen. Aufgrund der Arbeiten wird jedoch das Gaskontrollsystem für den Hauptsicherheitsbehälter des Reaktors abgeschaltet werden.

  • Erster Arbeitsschritt: Nachdem bislang an insgesamt drei Stellen im ersten Stock des Turbinengebäudes nur Kunststoffschläuche eingesetzt worden waren und dies als unsicher gilt, sollen diese nun zunächst an zwei Stellen des Eingangs zum Speisewasser-Heizraum durch Stahlrohre ersetzt werden.

Dies soll neben dem Sicherheitsaspekt auch den Durchgang für die Arbeiter verbessern, so dass neben der Ersetzung auch der Aufbau der Leitungen angepasst werden wird, um den Weg nicht zu behindern. Die Arbeiten werden nicht auch im zweiten Stock des Turbinengebäudes durchgeführt, da die Strahlung dort sehr hoch ist und Arbeiter diesen Bereich selten betreten.

Fukushima-Reaktor  1: Geplante Verbesserungen durch Rohrtausch (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Geplante Verbesserungen durch Rohrtausch (Foto: TEPCO)
  • Zweiter Arbeitsschritt: Nachdem es im Führerstand des Reaktors bislang keine Alarmfunktion, die bei einem Ausfall beider Absaugventilatoren im erdbebensicheren Hauptgebäude der Einsatzzentrale auslöst, wird diese nun nachgerüstet.

Neben dem Signal an die Zentrale wird nach Abschluss der Arbeiten auch auf dem Bedienfeld des Reaktors der kritische Ausfall der Ventilatoren anzeigt.

  • Aussetzung des Gaskontrollsystems: Bei der Durchführung beider Arbeiten, wird die Absaugung durch das Gaskontrollsystems des Hauptsicherheitsbehälters kurzzeitig ausgesetzt.

Aufgrund des Umstands, das dieses Vorgehen nicht der Vorschrift entspricht, weicht man in diesem Fall offenbar auf eine andere Regelung aus, um die Arbeiten durchführen zu können.

Bohrungen an Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 2: Am Sonntag begann TEPCO mit Arbeiten an der torusförmigen Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 2. Dabei wurde aus einem höheren Stockwerk ein 30 Zentimeter messendes Loch in den Boden gebohrt, um so einen Zugang zur Kondensationskammer zu erlangen.

Fukushima-Reaktor 2: Gebohrte Öffnung zum Torus am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Gebohrte Öffnung zum Torus am 28. Januar 2013 (Foto: TEPCO)

Die Angestellten waren nach Angaben von TEPCO dabei einer maximalen Strahlungsbelastung von 2,03 Millisievert ausgesetzt

Am gestrigen Montag wurde die Bohrung weitergeführt, diesmal mit einem etwas geringeren Durchmesser von 20 Zentimetern. Nach Angaben von TEPCO wurde die kreisförmige Öffnung erfolgreich abgeschlossen.

Die Maximalbelastung der Angestellten bei diesem zweiten Arbeitsschritt betrug 1,87 Millisievert.

Hintergrund der Maßnahme ist die Einführung eines Thermometers, eines Dosimeters sowie einer Kamera, um die Zustände im Inneren des Torus besser untersuchen zu können. Bei den Arbeiten, die im nördlichen Bereich der Anlage durchgeführt wurden, wurden zwar Hindernisse (Rohre und Gitter) festgestellt, die jedoch den Einsatz offenbar nicht behinderten.

TEPCO schließt seine diesbezügliche Meldung mit dem Hinweis, es sei kein Anstieg der atmosphärischen Strahlung im Arbeitsbereich der Arbeiten im oberen Stockwerk festgestellt wurden, nachdem die Öffnung erfolgt worden war. Die dortige Belastung habe etwa 4,5 Millisievert pro Stunde betragen.

Das Risiko einer potentiell gefährlichen Wasserstoffansammlung bestehe ebenfalls nicht, da bei den Bohrungen kein Wasserstoff nachgewiesen wurde. Für die Zukunft wird die Bohrung weiterer Öffnung an anderer Stelle erwogen.

Fukushima-Arbeiter bei Elektrizitätsarbeiten verletzt: Am heutigen Montag fiel der Angestellte eines Partnerunternehmens, der mit der Reparatur elektrischer Kabel im Schaltanlagenraum im Untergeschoss eines Anbaus von Fukushima-Reaktor 1 beschäftigt war, gegen 10:29 Uhr von einem etwa 90 Zentimeter hohen Hocker.

Bei dem Zwischenfall verletzte er sich am Ellenbogen und wurde nach Begutachtung durch einen Arzt um 10:55 Uhr in die Klinik gefahren. Der Angestellte ist bei Bewusstsein und wies keine radioaktive Belastung auf. Die Arbeiten fanden im „kontrollierten Bereich“, in dem die Ausbreitung von radioaktiver Kontamination verhindert wird, um unnötige Belastung der Arbeiter zu verhindern.

Kühlsystem für Abklingbecken von Reaktor 3 abgestellt: Gestern wurde um 6:58 Uhr das Hauptsystem des alternativen Kühlsystems abgestellt, damit ein Stahlträger geborgen werden kann, der die Entfernung von Trümmern behindert. Die Wassertemperatur des Beckens betrug zum Zeitpunkt der Abschaltung etwa 9,1°Celsius.

Auch wenn das System noch bis zum 1. Februar abgestellt bleiben soll, sieht TEPCO dies als unkritisch an, da der Temperaturanstieg schätzungsweise 0,16 Grad pro Stunde betragen wird und der zulässige Maximalwert von 65°Celsius nicht erreicht wird. Nachts soll das Kühlsystem laufen, da zu diesem Zeitpunkt keine Arbeiten durchgeführt werden.

Arbeitskräftemangel bei Dekontamination in Fukushima: Die Präfektur Fukushima hat mit einem Mangel an Arbeitskräften für die Dekontamination zu kämpfen. Ursache hierfür sind nach Angaben des Arbeitsamts Fukushima sind es vor allem die Angst vor der Strahlung und die geringen Löhne, die Arbeitssuchende abschrecken.

Winterwald in der Präfektur Fukushima (Foto: 麗士さん cc-by)
Fukushima: Arbeitskräftemangel bei winterlicher Dekontamination (Foto: 麗士さん cc-by)

Zahlen der Behörde zufolge sind gerade einmal zehn Prozent der etwa 1.800 angebotenen offenen Stellen im Dekontaminationsbereich belegt, berichtet die jiji.

Auch Bauunternehmen die mit der Dekontamination beauftragt sind, klagen der neusten Meldung nach über den Arbeitskräftemangel.

Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Unternehmen, die bei großen Baufirmen unter Vertrag stehen, ihre Angestellten illegalerweise zeitweise entlassen, um während der erzwungenen Arbeitspausen im Winter keinen Lohn weiterzahlen zu müssen, muten die Klagen der Betriebe etwas seltsam an (Spreadnews berichtete am 25. Januar 2013 über die illegalen Entlassungen).

Zutritt für Presse zum AKW Fukushima: TEPCO öffnete am gestrigen Tag die Pforten zum AKW Fukushima Daiichi für die Presse und zeigte dabei vergleichbar wenig Neues.

Vergleichbar den Besuchen durch Politiker bestand auch die Besichtigung der Anlage durch Journalisten im Wesentlichen aus einer Bustour und der Besichtigung des erdbebengeschützten Notfallzentrums Zu den  Besichtigungspunkten zählte die Baustelle eines Gebäudes zur Kühlwasserdekontamination und der Aushub von Gräben für Pumpen zum Schutz des Grundwassers.

Die Journalisten der Mainichi Shimbun bezeichneten die Eindrücke als eine Mischung aus Fortschritten und anhaltenden Zeichen der Zerstörung, wie etwa Autowracks, die seit dem Tsunami vom März 2011 nicht abtransportiert worden waren.

Die Belastung innerhalb des Busses erreichte in der Nähe des Turbinengebäudes von Reaktor drei 1,3 Millisieviert pro Stunde und ein tragbares Dosimeter bezifferte die Gesamtbelastung der dreistündigen Tour auf 38 Mikrosievert.

Finaler Entwurf der neuen NRA-Sicherheitsbestimmungen: Am heutigen Dienstag wurde schließlich der endgültige Entwurf der AKW-Sicherheitsrichtlinien der japanischen Atomaufsicht vorgelegt. Diese sollen am 18. Juli 2013 Gültigkeit erlangen.

  • Endültig als Sicherheitsbedingung  ist festgelegt, dass Reaktoren nicht auf aktiven Verwerfungen errichtet werden dürfen
  • Für jedes Kraftwerk wird individuell der denkbar höchste Tsunami als Referenzwert festgelegt, gegen den Maßnahmen zu treffen sind
  • Tsunami werden als eigenständige Gefährdung gehandhabt,  nicht nur als Folgeerscheinung eines Erdbebens
  • Neben Erdbeben und Tsunami müssen dann auch Vulkanausbrüche und Erdrutsche als Risiken berücksichtigt werden

Ein weiterer Expertenausschuss beschäftigt sich unterdessen mit der Schaffung von Richtlinien zum Schutz gegen schwere Störfälle an Kraftwerken und wie deren Auswirkungen im Katastrophenfall minimiert werden können.

Es wird erwartet, dass an mehreren Kernkraftwerken Anpassungen, wie etwa die Erhöhung bestehender Dämme notwendig werden, will der Betreiber einer Genehmigung zum Start der Anlage erhalten. Über den endgültigen Entwurf berichteten NHK, Kyodo und Asahi Shimbun.

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