Start Aktuelles Japan aktuell: Umlagerung von Brennelementen am AKW Fukushima läuft an

Japan aktuell: Umlagerung von Brennelementen am AKW Fukushima läuft an

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AKW Fukushima: Behälter für 38 Brennelemente eines Siedewasserreaktors (Foto: TEPCO)
Aufnahmen ähnlich wie dieses Bild verärgern TEPCO (Foto: April 2011/TEPCO)
AKW Fukushima: Behälter für 38 Brennelemente eines Siedewasserreaktors (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Behälter für 38 Brennelemente eines Siedewasserreaktors (Foto: TEPCO)

Kraftwerksbetreiber TEPCO meldet vom AKW Fukushima heute mehrere bemerkenswerte Neuigkeiten. Zum Einen war es erneut zu einem zeitweisen Ausfall eines Kühlystems gekommen.

Zum Anderen wurde auf dem Gelände des Kraftwerks in Fukushima aktuell damit begonnen, Brennelemente zwischen verschiedenen Gebäuden zu transferieren.

Neben den Fukushima News gibt es weitere Meldungen, darunter zu den Sicherheitsregeln für AKW-Betreiber. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Vorbereitungen für künftigen Brennelementetransfer aus Fukushima-Reaktor 4
  • Erneut Kühlung an Fukushima-Reaktor 3 zeitweise ausgefallen
  • TEPCO manipulierte durch Mitarbeiter öffentliche Anhörungen
  • Vulkane sollen in Richtlinien für AKW-Sicherheit einbezogen werden

Vorbereitungen für künftigen Brennelementetransfer aus Fukushima-Reaktor 4:  Wie TEPCO mitteilte, habe man gestern damit begonnen, abgebrannte Brennelemente innerhalb des Geländes der Kraftwerksanlage des AKW Fukushima Daiichi zu transportieren.

AKW Fukushima: Transport des Sicherheitsbehälters aus dem Gebäude des Abkligbeckens am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Transport des Sicherheitsbehälters aus dem Gebäude des Abkligbeckens am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Man habe gestern 37 Brennelemente in Sicherheitsbehältern zu einer temporären Lagereinheit für Sicherheitsbehälter gebracht.

Auch ein weiterer Sicherheitsbehälter sei zum Transport in das Gebäude gebracht worden, in dem sich das gemeinsame Lagerbecken mit bislang 6.377 Brennelementen befindet, so dass man von dort mehr Elemente in das Behelfslager bringen könne.

Indem man Brennelemente aus einem gemeinsamen Becken in eine temporäre Lagereinheit verlegt, hofft der Betreiber offenbar, Platz im externen Gemeinschaftsbecken zu schaffen, so dass schließlich Brennstäbe aus Fukushima-Reaktor 4 dorthin transportiert werden können.

AKW Fukushima: Transport des Sicherheitsbehälters am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Transport des Sicherheitsbehälters am 4. April 2013 (Foto: TEPCO)

Es ist das erste Mal seit der Kraftwerkskatastrophe, dass Brennelemente aus dem gemeinsamen Becken transferiert werden.

Nach dem Tohoku-Erdbeben war es an Reaktor 4 zu einer Wasserstoffverpuffung gekommen, die dem Gebäude schwere Schäden zugefügt hatte und die Sicherheit der dort gelagerten Brennelemente in Frage stellt. Über die Transporte der Sicherheitsbehälter berichteten jiji und Asahi Shimbun.

Kühlung an Fukushima-Reaktor 3 zeitweise ausgefallen: Gegen 14:27 Uhr kam es zu einem Alarm, der auf einen Ausfall der Stromversorgung an einem Netzteil hinwies. Tatsächlich wurde kurz darauf festgestellt, dass das Kühlsystem für das Abklingbecken von Reaktor 3 ausgefallen war.

AKW Fukushima: Metall-Schutznetze an Stromversorgungseinheit am 5. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Metall-Schutznetze an Stromversorgungseinheit am 5. April 2013 (Foto: TEPCO)

Eine Überprüfung des Isolierungswiderstands, die zwischen 15:50 Uhr bis 16:00 Uhr an den betroffenen Stromversorgungseinheiten durchgeführt wurde, habe keine Ungleichmäßigikeiten gezeigt. Ab 16:16 Uhr wurde mit Arbeiten zum Neustart des Systems begonnen.

Da man dabei gewesen sei, Drahtnetze um einen elektrischen Verteiler herum anzubringen, um das Eindringen von Kleintieren zu verhindern, sei es sehr wahrscheinlich, dass während der Arbeiten ein Fehler auftreten sei. Möglicherweise war der Draht mit dem Verteiler in Berührung gekommen.

Die Temperatur im Abklingbecken von Reaktor 3 lag um 14:00 Uhr bei 15,1℃elsius und die bisherige Temperaturanstiegsrate habe 0.145℃elsius pro Stunde betragen, was bedeutet hätte, dass der Sicherheitswert von 65℃elsius in etwa zwei Wochen erreicht worden wäre.

Um 17:20 Uhr, also etwa drei Stunden nach dem Zwischenfall, sei die Stromversorgung für das Abklingbecken von Reaktor 3 wieder in Betrieb gewesen. In dem Becken befinden sich 514 abgebrannte Brennelemente und 52 Einheiten ungenutzter Brennelemente.  Während des Zwischenfalls sei es nicht zum Anstieg von Radioaktivität auf dem Gelände gekommen, teilte TEPCO mit.

Erst im vergangenen Monat war es an den Kühlsystemen der Abklingbecken mehrerer Reaktoren zu einem Stromausfall gekommen, für den offenbar eine Ratte verantwortlich ist, die einen Kurzschluss ausgelöst hatte. Die Netze die nun möglicherweise den zweiten Zwischenfall verursachten, sollten derartige Ereignisse eigentlich verhindern.

Das heutige Ereignis zeigt jedoch außerdem, dass das angekündigte Backup-System für die Stromversorgung offenbar noch nicht einsatzbereit ist. Neben TEPCO berichteten unter anderem auch Kyodo, jiji und NHK über den erneuten Stromausfall.

TEPCO manipulierte durch Mitarbeiter öffentliche Anhörungen: Kernkraftwerksbetreiber waren bereits mehrfach durch Versuche aufgefallen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Zuletzt hatten wir vom Elektrizitätskonzern Kyushu Electric berichtet, der bei einer Anhörung im August 2005 sogar 150 der 179 Anwesenden gestellt hatte (Spreadnews berichtete am 28. März 2013). Nun musste auch Fukushima-Betreiber TEPCO eine interne Untersuchung aufgrund ähnlicher Vorwürfe einleiten.

Das Unternehmen soll im gleichen Jahr bei einer öffentlichen Veranstaltung der Atomenergiekommission des Kabinettsbüros (AEC) mit 135 teilnehmenden Bürgern, mindestens 35 Personen, darunter direkte Angestellte entsandt haben, damit diese bei der Anhörung positive Äußerung zur Atomenergie machten.

Bei sechs der 23 Personen, die als Bürger ihre Meinung äußern durften, habe es sich ebenfalls um Personen mit Verbindung zu unternehmen gehandelt. TEPCO räumte die Vorwürfe ein und erklärte, man untersuche derzeit den Inhalt der damals gemachten Aussagen.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, war bereits zuvor bekannt geworden, dass im Jahr 2003 bei Treffen zur Diskussion der Sicherheit von Atomkraftwerken, sowohl TEPCO-Angestellte, als auch Beschäftigte von Subunternehmen dort anwesend waren, nachdem ihnen zuvor erklärt worden war, wie sie die Fragebögen auf dem Treffen auszufüllen hätten.

Vulkane sollen in Richtlinien für AKW-Sicherheit einbezogen werden: Auf einem gestrigen Treffen beriet ein Teil von Japans Atomaufsichtsbehörde NRA über einen Entwurf, die Energiekonzerne zur Risikoeinschätzung und Berücksichtigung von Vulkanen verpflichten soll, die sich in einem Radius von 160 Kilometern um ein Kernkraftwerk befinden.

Fujisan mit Shinkansen
Der Fuji: Japans bekanntester Vulkan (Foto: pd)

Dem Inhalt des Entwurfs zufolge, könnte ein Vulkanausbruch in der Nähe einer derartigen Anlage und die damit verbunden Ereignisse wie geschmolzene Gesteinsmassen, Gase und emporgeschleuderte glühende Gesteinsbrockeneinen einen kritischen Einfluss auf die Sicherheit der Anlage haben, berichtet die jiji.

Die Erwägungen der Atomaufsicht sind dabei durchaus begründet, weisen doch die meisten von Japans Reaktoren mindestens einen potentiell aktiven Vulkan in diesem Umkreis auf. Die neuen Richtlinien würden nicht nur die Verpflichtung zur Risikoeinschätzungen umfassen, sondern auch Schätzungen zum schnellen Abtransport von Brennelementen.

Anlagen, die nach solchen Einschätzungen besonders gefährdet sind, könnten sogar stillgelegt werden.

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