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Japan aktuell: Umweltskandal in Fukushima nach illegaler Entsorgung kontaminierter Abfälle

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Präfektur Fukushima: Kontaminierte Abfälle sollen in Gruben entsorgt werden(Symbolbild, pd)
Präfektur Fukushima: Kontaminierte Abfälle sollen in Gruben entsorgt werden(Symbolbild, pd)
Präfektur Fukushima: Radioaktiv kontaminierte Abfälle in Umwelt entsorgt (Symbolbild, pd)
Präfektur Fukushima: Radioaktiv kontaminierte Abfälle in Umwelt entsorgt (Symbolbild, pd)

Mit den heutigen Meldungen ist klar: Die Präfektur Fukushima hat einen neuen Skandal. Die illegale Beseitigung kontaminierter Abfälle könnte daher auch in den folgenden Tagen weiterhin Thema sein.

Eigentlich soll die Präfektur durch die Dekontaminationsarbeiten wieder zu neuer Blüte erwachen, doch nun scheint es im Fall von Fukushima aktuell, als ob alle Bemühungen vergeblich waren.

Tatsächlich dürfte das Vertrauen in den schnellen Wiederaufbau unter den neusten Enthüllungen deutlich leiden, so dass auch Fukushima News über Hindernisse bei der Normalisierung weiterhin aktuell bleiben werden.

Alle Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Illegale Entsorgung radioaktiv kontaminierter Abfälle
    • Verträge mit Unternehmen
    • Abfälle wurden in Waldgebiete neben Straße gekippt
    • Gespräche belegen Vorsatz
    • Kontaminiertes Laub in Fluss entsorgt
    • Unternehmen ignorieren bislang Anfragen

Illegale Entsorgung radioaktiv kontaminierter Abfälle: Durch investigativen Journalismus ist es Mitarbeitern der Asahi Shimbun offenbar gelungen, die illegale Entsorgung von radioaktiv kontaminierten Abfällen aus den Dekontaminationsarbeiten aufzudecken.

Mitarbeiter beobachteten zwischen 11. und 18. Dezember 2012 die Dekontaminationsarbeiten an mehreren Stellen in der Präfektur Fukushima und konnte an 13 Orten beobachten, wie Arbeiter radioaktiv kontaminiertes Erdreich und Laub, sowie Wasser mit dem Gebäude abgespritzt worden waren, einfach in der Umgebung entsorgten.

An 11 Stellen konnten Fotos gemacht werden, bevor die Angelegenheit dem Umweltministerium mitgeteilt wurde. Das Ministerium leitete Untersuchungen ein und erklärte, man werde die leitenden Verantwortlichen der beauftragten Unternehmen über die Handhabung kontaminierter Abfälle befragen.

Verträge mit Unternehmen: Da das Umweltministerium selbst nicht über die technischen Möglichkeiten zur Dekontamination großer Gebiete verfügt, wurden Milliardenverträge mit einer Gruppe verschiedener Firmen, unter der Leitung von großen Bauunternehmen geschlossen.

  • Ein Vertrag über 18,8 Milliarden Yen für die Dekontamination der Stadt Naraha wurde an eine Gruppe, zu der auch die Maeda Corporation und die Dai Nippon Construction zählten, vergeben.
  • Ein Vertrag über 7,7 Milliarden Yen für die Dekontamination von Iitate wurde an eine Gruppe, zu der auch die Taisei Corporation gehörte, vergeben
  • Weitere Veträge für die Dekontamination von Kawauchi im Wert von 4,3 Milliarden Yen gingen an eine Gruppe, die unter der Leitung der Obayashi Corp. stand.
  • Für die Dekontamination von Tamura erhielt eine Gruppe, darunter die Kajima Corp. 3,3 Milliarden Yen.

Mit der Unterzeichnung der Verträge wurden die Unternehmen zur korrekten Handhabung von kontaminiertem Material verpflichtet. Eine unsachgemäße Entsorgung kann mit Gefängnisstrafen von fünf Jahren, oder einer Zahlung von 10 Millionen Yen geahndet werden.

Eine Kontrolle der durchgeführten Arbeiten ist jedoch schwierig und anfällig für Manipulationen. So müssen die Unternehmen zwar Strahlungswerte vor- und nach der Dekontamination vorlegen – nach Angaben eines Arbeiters wurde in solch einem Fall eben nur jener Bereich sachgemäß kontaminiert, an dem die Nachmessung erfolgte.

Die Untersuchungen der Presse ergaben dann auch, dass das rechtliche Risiko offenbar von den Unternehmen bewusst eingegangen wurde. Gespräche mit etwa 20 Arbeitern ergaben, dass die Vertragspartner, oder deren Subunternehmen die Anordnung zur illegalen Entsorgung gegeben hätten.

Als Begründung nannten die Arbeiter, bei Befolgung der ganzen Vorschriften würden die Dekontaminationsarbeiten niemals ein Ende finden. So verwundert es dann auch nicht, dass ein Arbeiter berichtet, wie er und seine Kollegen die Abfälle entsorgt hätten und den Journalisten sogar das Waldgebiet zeigte, wo sie ihre Arbeit verrichteten.

Abfälle wurden in Waldgebiete neben Straße gekippt: Das Waldgebiet befindet sich gerade einmal 15 Kilometer südlich vom AKW Fukushima Daiichi und etwa 20 Meter von einer Präfekturstraße in Naraha entfernt.

Laub (Foto: David Bleasdale cc-by)
Kontaminiertes Laub wurde in Umwelt verstreut (Symbolbild: David Bleasdale cc-by)

Dort hätten sie das kontaminierte Laub entsorgt, indem sei es auf einem 1m x 50m großen Bereich verstreuten. An einigen Stellen wurden bis zu 1,5 Meter hohe Abfallberge aufgeschichtet.

Die für Naraha zuständigen Entsorgungsunternehmen verstießen damit gegen die Regelung, dass Pflanzenwuchs und Erdreich in einer Distanz von 20 Metern auf beiden Seiten der Straße gesammelt und in Säcke verpackt werden müssen.

Dies ist der erste Schritt, um die Belastung der Luft langfristig auf unter 0,23 Mikrosievert pro Stunde zu senken und der vorsätzlich missachtet wurde..

Gespräche belegen Vorsatz: Ein Angestellter eines Subunternehmens dritter Stufe im vergangenen Oktober beschäftigt war erklärte, der Vorarbeiter der Dai Nippon Construction, habe die  etwa 30 Arbeiter angewiesen, Material das nicht in die Säcke passe, einfach liegen zu lassen, oder außerhalb des 20-Meter-Bereichs neben der Straße wegzuwerfen.

Das dies nicht die Verfehlung eines einzelnen Mitarbeiters war, zeigt der Umstand, dass jeder Vorarbeiter praktisch ähnliche Anweisungen gegeben hatte. Auch gibt es  Audioaufnahmen eines Gesprächs vom 27. November 2012.

Auf die Frage, ob es in Ordnung sei, „das Zeug einfach auszukippen“ antwortete der Vorarbeiter „Ja, ja es ist okay, es geht nicht anders„. Der Arbeiter fragte dann, ob die Anweisung hierzu vom Umweltministerium kam. Der Mann verneinte dies und erklärte, er habe diese Anordnung „aus seinem Umfeld“ erhalten.

Um wen es sich genau dabei handeln würde, fragte der Arbeiter nicht und befolgte die Anordnungen, bis er gegen Ende vergangenen Jahres das Umweltministerium über die illegale Entsorgung informierte.

Kontaminiertes Laub in Fluss entsorgt: Am 16. und 17. November 2012 waren vier Arbeiter eines drittstufigen Subunternehmens der Kajima Corp. mit der Dekontamination in Wäldern beschäfigt, wobei sie die Anordnung erhielten, herabgefallenes Laub und Stämme entlang eines Flusses aufzusammeln – umd die drei Kubikmeter Material dann in den Fluss zu kippen.

Fluss Abukuma in der Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Präf. Fukushima: Flüsse wurden als illegale Abladeplätze missbraucht (Symbolfoto: pd)

Auch in diesem Fall konnte ein früheres Mitglied der Gruppe, der am 26. Dezember seine Arbeit dort beendet hatte, den illegalen Entsorgungsplatz zeigen.

Dort wurde am unteren Ende der Flussböschung noch ein Laubhaufen gefunden.

Unternehmen ignorieren bislang Anfragen: Weder Vertreter der Maeda Corp, noch der Dai Nippon Construction haben sich bislang zu den Enthüllungen geäußert. Von der Kajima Corp hiess es, das Unternehmen untersuche den Zwischenfall.

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