Start Aktuelles Japan aktuell: Unbekannte Täter beschädigen Strahlungszähler in Präfektur Fukushima

Japan aktuell: Unbekannte Täter beschädigen Strahlungszähler in Präfektur Fukushima

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Minamisoma: Private Messung am 4. November 2011 (Foto: osaMu cc-by)
Bürger vertrauen auf eigene Messungen (Symbolbild Foto: osaMu cc-by)
Minamisoma: Private Messung am 4. November 2011 (Foto: osaMu cc-by)
Bürger vertrauen auf eigene Messungen (Symbolbild Foto: osaMu cc-by)

Auch wenn die aus Fukushima heute gemeldeten Sachbeschädigungen bereits in den vergangenen Monaten erfolgten, so gibt es nun detailliertere Informationen, die auch die jüngsten Fehlmessungen in Erinnerung rufen.

Das Thema Schäden ist jedoch nicht nur in der Präfektur Fukushima aktuell, wie jetzt im Zusammenhang mit dem erwarteten Nankai-Erdbeben veröffentlichte Tsunami-Schätzungen zeigen.

Mehrere AKW sind ebenfalls von Interesse, geht es doch in beiden Fällen um die Einschätzung der Sicherheit, als Voraussetzungen für Neustarts.

Damit gibt es neben den Fukushima News auch weitere interessante Meldungen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. November 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Vorsätzliche Beschädigung von Strahlungsmessposten
  • NRA zieht Betreiberuntersuchung des AKW Oi in Zweifel
  • Termin zur Kontrolle des AKW Tsuruga steht
  • 42 Staaten halten Lebensmittel-Restriktionen aufrecht
  • Tsunami des Nankai-Großbebens wäre verheerend

Vorsätzliche Beschädigung von Strahlungsmessposten: In der Präfektur Fukushima wurden zwischen Ende Juni bis Mitte Oktober mindestens fünf öffentliche Strahlungsmessposten von Unbekannten mutwillig beschädigt, meldet das Wissenschaftsministerium. Insgesamt befinden sich 3.245 dieser Messposten im Gebiet der Präfektur.

Die betroffenen Messstationen, von denen drei in Koriyama und jeweils einer in Iwaki und Motomiya stehen, befinden sich alle in öffentlichen Parks oder an öffentlichen Gebäuden. Als Reaktion auf den Vandalismus hat die Polizei nun ihre Streifentätigkeit im Bereich der Strahlungsmessposten verstärkt.

Bei den am ersten gemeldeten Schaden in Koriyama waren Schäden an der Kunststoffhülle eines Detektors festgestellt worden. Im Fall der Beschädigung in Motomiya wies die Solarzellenplatte mehrere Risse auf, die offenbar durch Steinwürfe verursacht worden waren.

Die Reparaturkosten könnten pro Einheit bis zu 150.000 Yen betragen. Eine zuverlässige Messung der Strahlung ist dennoch gewährleistet, da die Schäden nicht umfangreich genug sind, um die Messfunktion der Geräte zu beeinträchtigen.

Nach Angaben der Yomiuri Shimbun behandelt die Polizei die Angelegenheit als „vorsätzliche Sachbeschädigung“. Die NHK hatte Ende Oktober erstmals über die Sachbeschädigungen berichtet. Damals hatte es Spekulationen über mögliche Verheimlichungsversuche von Strahlungsdaten gegeben.

Auch hatten Diskrepanzen zwischen Messungen von Bürgern und den offiziellen Strahlungsmessposten zur Entdeckung von Messfehlern aufgrund versehentlicher Abschirmung der Detektoren geführt (Spreadnews berichtete am 8. November 2012).

NRA zieht Betreiberuntersuchung des AKW Oi in Zweifel: Nachdem die Experten der Atomsicherheitsbehörde NRA bei ihrem Besuch des AKW Oi am 2. November hatten machen können und vom Betreiber weitere Untersuchungen gefordert hatten, werden die bisherigen Angaben von Kansai Electric in Frage gestellt.

Bei einer Befragung der Betreiber am heutigen Mittwoch habe es in den Behauptungen des Elektrizitätsanbieters, die geologischen Risse wären an anderer Stelle zu finden und deutlich kürzer als bei zuvor durchgeführten Untersuchungen festgestellt, einige unklare Punkte gegeben.

Kunihiko Shimazaki von der NRA bemängelte nach Angaben der NHK zudem die bisherigen Untersuchungsmöglichkeiten seiner Behörde und forderte eine Verbesserung. So sei im Fall des AKW Oi im Voraus nicht genug Material zur Verfügung gestellt worden, um sich bereits vorab einen Eindruck verschaffen zu können, auch sei der Zeitrahmen zu eng.

Termin zur Kontrolle des AKW Tsuruga steht:  Die Atomaufsicht NRA hat den Termin für die Untersuchung der geologischen Besonderheiten des AKKW Tsuruga (Präf. Fukui) bekannt gegeben. Demnach wird die Kontrolle am 1. und 2. Dezember erfolgen.

Neben dem NRA-Kommissionsvorsitzendem Kunihiko Shimazaki, gehören vier weitere Experten zum Untersuchungsteam, darunter auch Professor Yasuhiro Suzuki von der Universität Nagoya. Nach der zweitägigen Kontrolle will man am 10. Dezember die Ergebnisse beurteilen.

Die Feststellung von Aktivität einer der verdächtigen Bruchstellen hätte ein Neustartverbot zur Folge. Im April war festgestellt worden, dass einer der Risse mit einer aktiven Verwerfung im Gelände in Verbindung stehen könnte. Im weiteren Verlauf des Monats soll sich eine Untersuchung des AKW Higashidori (Präf. Aomori) anschließen.
Die Bekanntgabe fand sich in mehreren Medienberichten wieder, etwa bei der Yomiuri Shimbun, Kyodo, NHK und jiji.

42 Staaten halten Lebensmittel-Restriktionen aufrecht: Eine heute von der Regierung vorgestellte Erhebung des Ministeriums für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei zeigt, das bislang lediglich neun Staaten, darunter Kanada und Mexiko ihre nach der Fukushima-Katastrophe erlassenen Importbeschränkungen für japanische Lebensmittel aufgehoben haben.

Insgesamt 42 Länder und Regionen halten nach wie vor verschärften Bestimmungen bei der Einfuhr fest, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Einschränkungen waren zumeist nach der Freisetzung von Radioaktivität durch die Reaktorschäden am AKW Fukushima Daiichi in Kraft getreten.

Tsunami des Nankai-Großbebens wäre verheerend: Wenn nach einem Erdbeben berichtet wird, es erfolge keine Tsunami-Warnung, dann geht man in der Regel davon aus, dass dies an der geringen Höhe der Flutwellen liegt. Doch wie Ergebnisse zur Erforschung möglicher Effekte des erwarteten Nankai-Großbebens zeigen, sind theoretisch bereits Tsunami von nur einem Meter Höhe tödlich.

Tsunamiwelle spült Autos fort 11-03-2011 Foto: Tepco
Tsunami spült Autos fort (Aufnahme vom 11. März 2011. Foto: TEPCO)

Dies ist durch den Umstand bedingt, dass die Wellen eines Tsunami, anders als herkömmliche Wellen nicht nur durch den Wind aufgepeitscht werden, sondern ihre Energie aus der tektonischen Bewegung ziehen. Somit ist eine Tsunami-Welle deutlich stärker als eine normale Meereswelle, auch wenn beide die selbe Höhe aufweisen.

Untersuchungen mit einem Simulator des Hafen- und Flughafen-Forschungsinstituts in Yokosuka (Präf. Kanagawa), der bis zu 2,5 Meter hohe Tsunami erzeugen kann, zeigen die erstaunlichen Kräfte der Erdbebenwellen. Ein Experiment aus dem Jahr 2006 belegt dies mit konkreten Zahlen.

  • Ein Tsunami von 50 Zentimetern Höhe, reisst einen Menschen bereits von den Beinen, bei 70 Zentimetern ist das Stehen unmöglich.
  • Männer können lediglich bis zu 30 Zentimetern hohe Tsunami standhalten,Frauen verlieren bereits ab 20-Zentimeter-Wellen den Boden unter den Füßen.
  • Die Wucht eines Tsunami von einem Meter Höhe, entspricht dem Zusammenstoß mit einem Kleinwagen bei 30 km/h
  • Die Wucht eines Tsunami von zwei bis drei Metern Höhe, entspricht dem Zusammenstoß mit einem normalen Fahrzeug bei 40 – 50 km/h

Da im Fall des Nankai-Großbebens für die Ortschaft Kuroshio (Präf. Kochi) Tsunami bis zu 34 Metern erwartet werden, bleibt laut Mainichi Shimbun die offizielle Expertenempfehlung trotz aller technischen Entwicklung, die rechtzeitige Flucht in höher gelegene Gebiete. Selbst das Anlegen von Schwimmwesten wird teilweise kritisch, als mögliche Zeitverschwendung angesehen.

In Anbetracht der Tatsache, das die Fluten auch massive Trümmer mit sich reissen, bringt den Berechnungen zum Nankai-Erdbeben zufolge, die anhand der Daten des Tohoku-Erdbebens 2011 sowie weiterer Ereignisse ermittelt wurden, bereits ein Tsunami von einem Meter Höhe rechnerisch eine hundertprozentige Mortalitätsrate mit sich.

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