Start Aktuelles Japan aktuell: Untersuchungen in Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 1

Japan aktuell: Untersuchungen in Kondensationskammer von Fukushima-Reaktor 1

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Fukushima-Reaktor 1: Probeentnahme am 22. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Probeentnahme am 22. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Probeentnahme am 22. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Probeentnahme am 22. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Wie erwartet lieferte der Betreiber des AKW Fukushima heute die Informationen zu den Aufnahmen aus dem Inneren von Reaktor 1.

Doch auch sonst gibt es vom Kernkraftwerk Fukushima aktuell einige sehr interessante Meldungen.

So könnte etwa das bisherige Dekontaminationssystem des Kühlkreislaufs eine Neuerung erfahren.

Weitere Fukushima News betreffen etwa neue Klagedrohungen gegen TEPCO. Daneben ist aber auch die Erdbebensicherheit von Japans Zugstrecken Thema – im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. Februar 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Untersuchungen im Torus von Fukushima-Reaktor 1
  • TEPCO darf neues Fukushima-Dekontaminationssystem testen
  • Bericht zu Shinkansen-Entgleisung bei Tohoku-Erdbeben
  • TEPCO drohen Klagen nach Todesfällen durch Krankenhaus-Evakuierung
  • Takeshima-Tag sorgt für Spannungen
    • Japanischer Regierungsvertreter bei Takeshima-Tag
    • Japan lehnt diplomatischen Protest ab
    • Proteste gegen Takeshima-Tag

Untersuchungen im Torus von Fukushima-Reaktor 1: Wie erwartet, hat der Kraftwerksbetreiber TEPCO heute Informationen zu den Videoaufnahmen aus der torusförmigen Kondensationskammer von Reaktor 1 vom Mittwoch nachgeliefert. Bei den Untersuchungen am Mittwoch wurden mehrere Informationen gewonnen:

Torus: Deckenbereich, Wasseroberfläche und Boden, Probenentnahme und Sedimentennahmegerät (Fotos. TEPCO)
Torus: Deckenbereich, Wasseroberfläche und Boden, Probenentnahme und Sedimententnahmegerät (Fotos. TEPCO)

Ergebnisse von Tag 1: Neben der Tiefe des angesammelten Wassers, die mit etwa 4,9 Metern angegeben wird und dessen Klarheit , die etwa 60 Zentimeter Tiefe betrug, war insbesondere der Zustand der tragenden Strukturen von Interesse. Man habe jedoch bislang zwar Rost, jedoch keine schweren Schäden feststellen können.

Hohe Strahlungsmessungswerte: Bemerkenswert ist dagegen die Strahlung die dabei gemessen wurde. Kurz oberhalb der Wasseroberfläche wurden 920 Millisievert pro Stunde festgestellt. Unterhalb der Wasseroberfläche nahmen die Strahlungswerte deutlich ab.

TEPCO dokumentiert diese Angaben mit Aufnahmen von Wand, Boden und Decke des Torus.

Ergebnisse von Tag 2: Heute wurden die Untersuchungen dann mit der Entnahme von Wasserproben und Ablagerungen fortgesetzt. Bei den Arbeiten, die zwischen 9:55 Uhr und 12:30 Uhr andauerten, waren 20 Kraftwerksangestellte beschäftigt. Durch eine 20 Zentimeter große Öffnung wurde ein Kamera, sowie Entnahmebehälter herabgelassen.
Dabei gab es auch erste Strahlungsmesswerte.

Strahlungsbelastung der Wasserprobe: So wies der Entnahmebehälter in dem die etwa 250 Kubikzentimeter Feuchtigkeit die einen Meter oberhalb der Wasseroberfläche gewonnen worden waren, an seiner Oberfläche eine Belastung von 0,7 Millisievert auf. Einen Meter über dem Grund betrug die Belastung 0,4 Millisievert.

Strahlungsbelastung der Sedimentprobe: Die Strahlungsbelastung der abgelagerten Sedimente war deutlich höher. So wurde an der Oberfläche des Behälters, mit dem die zehn Kubikzentimeter umfassende Probe genommen worden war, eine Belastung von etwa vier Millisievert gemessen. In der Probe befand sich auch Wasser.

Die maximale Strahlungsbelastung der Arbeit während ihrer Arbeit betrug nach Angaben von TEPCO  1,46 Millisievert.

Auch diese Arbeiten wurden von TEPCO visuell festgehalten. Die Aufnahmen zeigen das Gerät zur Probenennahme, das offenbar aufgrund einer Kooperation mit der ATOX Co. Ltd. und Chubu Electric genutzt werden konnte, den Vorgang der Entnahme durch die kreisförmige Öffnung, sowie eine Flasche mit den gewonnenen Sedimenten aus dem Torusraum.

TEPCO darf neues Fukushima-Dekontaminationssystem testen: Am gestrigen Donnerstag erhielt der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi von der Atomaufsicht NRA grünes Licht zum Testbetrieb eines neuen Dekontaminationssystems, mit dem das radioaktiv kontaminierte Wasser an der Anlage gereinigt werden soll.

Das neue System ALPS ist in der Lage, 62 radioaktive Substanzen, darunter auch Plutonium und Strontium aus dem Wasser zu filtern – das bislang genutzte System konnte lediglich radioaktives Cäsium filtern. Sollte die neue Anlage einmal in Vollbetrieb gehen, könnte dies die Gefahr durch kontaminiertes Wasser deutlich senken.

Da ALPS jedoch kein radioaktives Tritium aus dem Reaktorkühlwasser filtern kann, wäre selbst in diesem Fall die Einleitung von dekontaminiertem und gefilterten Wasser in das Meer weiterhin nicht erlaubt – eine Option die TEPCO allerdings für die Zukunft ins Auge fasst, da man nur noch für die kommenden zwei Jahre über Behälter verfüge.

Täglich fallen etwa 400 Tonnen an radioaktivem Wasser an, die nicht zurück in den Kühlkreislauf wandern können und daher in geeigneten Behältern gelagert werden müssen. Nicht zuletzt deshalb war eine der Vorbedingungen für den Testlauf, dass die Aufbewahrungsbehälter für das gefilterte Material besonderen Sicherheitstests unterzogen werden mussten.

Der Testbetrieb soll dann über mehrere Monate laufen, bevor über die Möglichkeit eines dauerhaften Betriebs nachgedacht wird. Über die Erlaubnis zum Beginn dieser Maßnahme berichteten NHK und Mainichi Shimbun.

Bericht zu Shinkansen-Entgleisung bei Tohoku-Erdbeben: Nachdem alle 27 Shinkansen-Schnellzüge, die während des Großbebens in der Region Tohoku unterwegs waren sicher bremsten und es keine Verletzten zu beklagen gab, kam es bei einem Schnellzug im Testbetrieb auf einer Brücke zur Entgleisung.

Ein Shinkansen Schnellzug in Tokyo (Foto: KJ)
Shinkansen: Schnellzugsystem ist sehr erdbebensicher (Symbolfoto: KJ)

Zu diesem Fall legte Japans Transportsicherheitsbehörde nun einen Bericht vor. Offenbar führten die gleichzeitigen, synchronen Erschütterungen auf der Brücke die im Abstand von 0,6 bis 0,7 Sekunden erfolgten, zur Entgleisung des Zugs, berichtet die NHK.

Es handelt sich um die erste Entgleisung, die auf gleichzeitige Erschütterungen zurückzuführen ist.

Dennoch hätten sich die Erdbebenschutzmaßnahmen als effektiv gezeigt und schwere Schäden am Zugverkehr verhindert.

TEPCO drohen Klagen nach Todesfällen durch Krankenhaus-Evakuierung: Die Angehörigen von sieben Patienten, die aufgrund der Fukushima-Katastrophe evakuiert werden mussten und anschließend starben, streben eine Klage gegen TEPCO an.

jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Sie wollen vor einem Gericht in Tokyo für jedes der sieben Opfer eine Entschädigung von 30 Millionen Yen vom Elektrizitätsunternehmen einklagen.

Die Hinterbliebenen machen TEPCO für das Chaos verantwortlich, auch wenn eine Regierungskommission im Juli die schlechte Kooperation zwischen der Präfekturleitung, der Polizei und den Selbstverteidigungsstreitkräften als Ursache für Verzögerungen bei der Evakuierung der Krankenhäuser feststellte.

Insgesamt  starben während der fünf Tage dauernden Evakuierung des vier Kilometer vom AKW Fukushima entfernt gelegenen Krankenhauses in Futaba, die durch Wasserstoffexplosionen an den Reaktoren unterbrochen wurde, etwa 40 der 340 Patienten entweder bereits während der ersten Evakuierung, oder kurz darauf.

Dennoch sehen die Betroffenen, von denen laut Angaben der Asahi Shimbun die ersten vier bereits im März ihre Klage einreichen wollen, den Atomkonzern als eigentlichen Schuldigen, da ohne die Reaktorkatastrophen gar keine Evakuierung notwendig geworden wäre. Für sie ist klar, bei wem die Verantwortung liegt.

Für viele Angehörige geht es dabei nicht primär um das Geld, sondern darum, dass TEPCO damit die Anerkennung ihrer Verantwortung zeige, nachdem TEPCO etwa zuvor erklärt hatte, die Erstattung von Bestattungskosten sei nicht durch die Regelung für Entschädigungszahlungen gedeckt. Zu den drohenden Klagen wollte sich das Unternehmen nicht äußern.

Takeshima-Tag sorgt für Spannungen: Die jährliche Zeremonie und die Anwesenheit von Politikern dort anlässlich des Takeshima-Tags sorgt für Verstimmungen beim Nachbarn Südkorea, unter dessen Verwaltung die Inseln stehen. Japan will jedoch weiterhin positive Beziehungen. Die aktuellen Informationen für Sie zusammengefasst:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Südkorea reagiert gereizt auf Takeshima-Tag (Grafik: pd)

Japanischer Regierunsvertreter bei Takeshima-Tag: Die Anwesenheit von Aiko Shimajiri aus dem Kabinettsbüro bei der Zeremonie in der Stadt Matsue ist nicht nur eine Provokation für Südkorea, sondern zudem das erste Mal überhaupt, dass ein Mitlied der hohen Regierungsebene in Tokyo dort anwesend ist. Auch die Zahl von 19 Parlamentsabgeordneten ist ein neuer Rekord.

Japan lehnt diplomatischen Protest ab: Park Yun Yon, Generaldirektor für Nordostasiatische Angelegenheiten im südkoreanischen Außenministerium berief den japanischen Gesandten aus der Botschaft ein und legte offizielle Beschwerde ein. Japan erklärte jedoch, man könne den Protest nicht akzeptieren.

Proteste gegen Takeshima-Tag: In Südkoreas Hauptstadt Seoul protestierten Bürger mit Transparenten vor der japanischen Botschaft gegen die Feierlichkeiten des Takeshima-Tags in der japanischen Präfektur Shimane. Auch am Veranstaltungsort in Japan gab es koreanische Proteste.

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