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Japan aktuell: Unterwasserbarriere am Hafen des AKW Fukushima beschädigt

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AKW Fukushima: Schäden am Schlickzaun am 26. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schäden am Schlickzaun am 26. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schäden am Schlickzaun am 26. September 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Schäden am Schlickzaun am 26. September 2013 (Foto: TEPCO)

Die Gefahr der Meereskontamination ist am AKW Fukushima heute potentiell gestiegen, nachdem es zu einem Schaden an einem Schlickzaun kam.

Auch scheint die bisherige Leckursache eines großen Wassertanks durch neue Erkenntnisse des Betreibers der Anlage in Fukushima aktuell in Frage gestellt.

Unterdessen soll eine moderne Filteranlage wieder fit gemacht worden sein. Einzelheiten der Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. September 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Kontaminationsbarriere am Hafen des AKW Fukushima beschädigt
  • Kleine Spalten im Boden von Fukushima-Lecktank nachgewiesen
  • TEPCO will Test am ALPS-Filtersystem neu starten
  • Fukushima-Fischer kehren mit Fang zurück

Kontaminationsbarriere am Hafen des AKW Fukushima beschädigt: Zu verhindern, dass radioaktives Material vom Kraftwerksgelände außerhalb des Hafenbereichs gelangt, ist einer der wichtigsten Aufgaben für TEPCO.

AKW Fukushima: Ölbarriere des Schlickzauns am 26. August 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Barriere des Schlickzauns am 26. August 2013 (Foto: TEPCO)

Nun hat es offenbar Schäden im Schlickzaun gegeben, der radioaktiv kontaminierten Schlamm davon abhalten soll, in den Pazifik zu gelangen.

Wie der Kraftwerksbetreiber heute mitteilte, wurden gegen 10:40 Uhr an den Unterwasserbarrieren im Hafen, mit denen die Ausbreitung von radioaktivem Material verhindert werden soll, ein Riss entdeckt.

Der Schaden sei, nach Meldung durch den Angestellten eines Partnerunternehmens, in der Nähe des Wasserzulaufs der Reaktoren 5 und 6 aufgetreten.

Weitere Angaben machte TEPCO zunächst nicht. Man untersuche den Schaden und die mögliche Ursache. Notwendige Reparaturen würden so bald wie möglich durchgeführt.

Wie schnell die Reparaturen tatsächlich durchgeführt werden können bleibt jedoch abzuwarten, da durch einen Taifun in der Nähe der japanischen Inseln dort derzeit hohe Wellen herrschen. Diese Wellen könnten auch kontaminierten Ablagerungen aus dem Meeresboden aufschwemmen.

Die Schlickzäune bestehen im Wesentlichen aus Bojen, von denen mit Gewichten beschwerte Barrieren herabhängen und so die Verbreitung von Schlick, der durch die Reaktorkatastrophen radioaktiv belastet ist, verhindern sollen.

Ein Teil dieser Vorrichtungen befindet sich im Bereich um die beschädigten Reaktoren 1 bis 4, wo die Strahlungsbelastung des Wassers hoch ist, und ein weiterer Teil im Meer um die unbeschädigten Reaktoren 5 und 6, um das dortige Wasser vor einer stärkeren Belastung durch Vermischung zu schützen.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Schäden an diesem Bereich der  Schlickzäunen gegeben (Spreadnews berichtete am 8. April 2013). Damals hatte der Elektrizitätskonzern schweren Wellengang für den Zwischenfall verantwortlich gemacht.

Die Atomaufsichtsbehörde NRA wies den Betreiber TEPCO umgehend an, die Strahlungsbelastung des Meeres in der Nähe der Reaktoren 5 und 6 zu kontrollieren.

Meerwasserproben wiesen demnach eine Belastung von 21 Becquerel pro Liter an Betastrahlern wie Strontium und 18 Becquerel an Tritium auf. Die Werte an Cäsium lagen unter dem Nachweiswert

Auf einer Pressekonferenz erklärte Chefkabinettssekretär Yoshide Suga, man werde das Problem schnell lösen. Allerdings lehnte er es ab, Angaben darüber zu machen, ob bereits mehr radioaktives Material ins Meer gelangt sei. Dies berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Kleine Spalten im Boden von Fukushima-Lecktank nachgewiesen: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO noch gestern bekannt gab, haben Untersuchungen an dem demontierten Wassertank, aus dem 300 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten waren, bislang unbemerkte kleine Öffnungen aufgedeckt.

Fukushima-Lagertank: Ausgetretener Vakuum-Schaum am 25. September 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Lagertank: Ausgetretener Vakuum-Schaum am 25. September 2013 (Foto: TEPCO)

Bei einem Vakuumtest, bei dessen Durchführung Schaum auf dem Boden des Tanks ausgebracht wurde, sollte festgestellt werden, an welchen Stellen der Schaum möglicherweise austritt, wenn dieser von der anderen Seite aus angesaugt wird. Tatsächlich wurde auf der Südseite des Tanks im Bereich von zwei nebeneinander liegenden Bolzen an einer der Tanknähte, der Hinweis auf Öffnungen erbracht.

Das besondere an dieser Entdeckung ist der Umstand, dass die Stelle sich nicht in der Nähe der fünf gelockerten Bolzen befindet, die bereits zuvor entdeckt und für das Leck verantwortlich gemacht wurden (Spreadnews berichtete am 23. September 2013).

Auch wenn nun davon auszugehen sei, dass möglicherweise diese neu entdeckten Öffnungen für das Leck verantwortlich waren, möchte TEPCO die Bolzen als Faktor nicht ausschließen. Da der Druck in dem Wassertank in gefülltem Zustand stärker sei, werde man nun ermitteln, wie sich die Spalten und die gelockerten Bolzen unter Druck verhalten.

Das Unternehmen hatte bereits die Vermutung, dass die Leckstelle an der Bodenplatte zu finden sei, da an den Innenseiten zwar Rost und Abnutzungserscheinungen, jedoch keine Hinweise auf Wasserlecks sichtbar waren. Hierüber berichteten jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Noch ist unklar, ob die Ursache in Verformungen nach Bodenschäden an einem anderen Standort, oder dem unsachgemäßen Aufbau durch Kraftwerksarbeiter ohne Fachkenntnisse zu suchen ist. Sollte es sich im schlimmsten Fall um einen Chargenfehler handeln, wären 350 Wassertanks vom gleichen Bautyp ebenfalls potentiell gefährdet.

TEPCO will Test am ALPS-Filtersystem neu starten: Nachdem ein Wasserleck bei einem Testlauf im Juni den ursprünglichen Starttermin im August verschoben hatte, will TEPCO am morgigen Freitag den Testlauf des ALPS (Advanced Liquid Processing System) wieder aufnehmen.

AKW Fukushima: Nordöstliche Ansicht des Gebäudes der Multinuklid-Filteranlage am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Nordöstliche Ansicht des Gebäudes der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)

Als wahrscheinlichste Ursache für das Leck habe man Chemikalien ausgemacht, die zur Korrosion geführt hatten.

Dieser Faktor sei nun durch die Auskleidung mit korrosionsbeständigem Material behoben.

Das Multinuklid-Filtersystem selbst, gilt als einer der Schlüssel zur Bewältigung des radioaktiven Wassers, da es in der Lage ist 62 radioaktive Nuklide zu filtern.

Sollte der Start am Freitag problemlos verlaufen und keine weiteren Fehler auftreten, sollen Mitte November die anderen beiden ALPS-Einheiten ebenfalls gestartet werden. Im Vollbetrieb sind die Einheiten in der Lage, 500 Tonnen an kontaminiertem Wasser zu filtern. Bei einer späteren Einführung nach leistungsfähigerer Filtersysteme könnte dies auf 1.500 Tonnen steigen. Dies berichtet die NHK.

Das ALPS ist allerdings nicht in der Lage Tritium zu filtern. Dies ist nach Vorstellungen eines Ausschuss der Atomenergiebehörde Japans (AESJ) jedoch kein Problem. Ausreichend verdünnt ließe sich das gefilterte Wasser dennoch gefahrlos kontrolliert im Pazifik verklappen (Spreadnews berichtete am 29. August 2013).

Fukushima-Fischer kehren mit Fang zurück: Nach dem gestern durchgeführten Fischzug, konnten die Mitglieder einer Fischereikooperative einen Fang von 5,2 Tonnen Fisch vorweisen.

Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo (Foto: Laszlo Ilyes cc-by)
Tsukiji-Fischmarkt in Tokyo (Foto: Laszlo Ilyes cc-by)

Ein Teil des Ertrags musste jedoch wieder entsorgt werden, da er Meerestieren angehörte, deren Verkauf aufgrund der allgemein höheren Strahlungsbelastung verboten ist.

Sollte die übrige Ausbeute, die insgesamt 11 Sorten Fisch umfasst, die notwendigen Strahlungstests bestehen, so werden erstmals seit der Katastrophe wieder Supermärkte und andere Händler testweise mit Fisch aus Fukushima beliefert.

Auch der Tsukiji, der Fischmarkt in Japans Hauptstadt Tokyo, der als größter seiner Art weltweit gilt, soll mit Fisch aus Fukushima beliefert werden.

Wie gut die Ware beim Verbraucher ankommen wird, bleibt abzuwarten. Der heute festgestellte Schaden an einem Schlickzaun der Hafenanlage des AKW Fukushima könnte das Vertrauen der Käufer jedoch bereits jetzt negativ beeinflusst haben.

Der Fischfang war bereits fast einen Monat verschoben worden, nachdem am AKW Fukushima Daiichi Lecks von radioaktivem Wasser bekannt geworden waren. Über den jüngsten Fangerfolg berichteten unter anderem Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun

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