Start Aktuelles Japan aktuell: Verdacht auf radioaktives Wasser in zweitem Graben am AKW Fukushima

Japan aktuell: Verdacht auf radioaktives Wasser in zweitem Graben am AKW Fukushima

843
0
TEILEN
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Weiterer unterirdischer Graben im Fokus (Symbolfoto: TEPCO)

Die Probleme, die sich durch radioaktiv kontaminiertes Grundwasser ergaben, dauern auf dem Gelände des AKW Fukushima aktuell nicht nur weiter an, sondern könnten sich nach ersten Einschätzungen auch noch ausweiten.

Ein weiteres Thema sind die weiterhin bestehenden Gesundheitsprobleme, über die wir im Zusammenhang mit dem Kernkraftwerk in Fukushima heute berichten.

Einzelheiten zu den Fukushima News, sowie weitere Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Verdacht auf radioaktives Wasser in zweitem Graben am AKW Fukushima
  • Fukushima-Arbeiter wegen Dehydration eingeliefert
  • Einzelheiten zur Kontamination von Fukushima-Arbeiter durch Kühlvorrichtung
  • Rückkehr in die Sperrzone zum Ahnengedenken

Verdacht auf radioaktives Wasser in zweitem Graben am AKW Fukushima: Die japanische Atomenergiebehörde NRA hat den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi gestern angewiesen, einen unterirdischen Grabenschacht, der in Verbindung zu Reaktor 1 der Anlage steht, zu untersuchen.

Nachdem eine unterirdische Barriere, die durch chemische Aushärtung des Bodens geschaffen worden war, bereits überspült wurde, will die NRA nun die Ursache des Problems eingrenzen. Es bestehe die Möglichkeit, dass das hochgradig radioaktive Wasser am Rohrgraben für Reaktor 2 nun auch in den Schacht für Reaktor 1 gelangt sein könnte.

Dafür spreche, dass dort an einem neuen Messposten in der Nähe des Wasserzulaufs von Reaktor 1 eine Belastung von 34.000 Becquerel an Tritium pro Liter festgestellt worden war (Spreadnews berichtete am gestrigen Montag).

Die bislang letzte Untersuchung des Wassers im Graben von Reaktor 1 war im Dezember vergangenen Jahres erfolgt und seitdem habe man keine Daten von dort erfasst. Zuletzt waren an dieser Stelle nur vergleichsweise geringe Belastungen von 89 Becquerel an Cäsium-137 nachgewiesen worden. Nun seien weitere Kontrollen notwendig.

Zusätzlich sollen neue Messposten in der Nähe des Grabens die radioaktive Belastung des Grundwassers im Umkreis erfassen, um der Befürchtung nachzugehen, es könne ein unterirdischer Transfer von radioaktivem Wasser aus dem Rohrgraben von Reaktor 2 in jenen von Reaktor 1 stattfinden. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Fukushima-Arbeiter wegen Dehydration eingeliefert: Gestern klagte gegen 15:10 Uhr der Angestellte eines Partnerunternehmens während einer Arbeitspause über Kopfschmerzen und Übelkeit, so dass er zunächst im Notfallraum des Eingangskontrollgebäudes eine Infusion erhielt.

Da sich jedoch keine Besserung zeigte, erklärte ein Arzt, der Angestellte müsse dringend in ein Krankenhaus gebracht werden, so dass gegen 16:00 Uhr der Krankenwagen gerufen wurde. In der Klinik wurden dann leichte Anzeichen einer Dehydrierung festgestellt, so dass er nach Besserung seines Zustands wieder nach Hause zurückkehren kann.

Einzelheiten zur Kontamination von Fukushima-Arbeitern durch Kühlvorrichtung: Gestern hatte der Alarm eines Geräts zur Luftbelastung am erdbebensicheren Hauptgebäude, die radioaktive Kontamination von Arbeitern durch ein Sprühsystem und Befürchtungen über kontaminiertes Leitungswasser zu Besorgnis geführt (Spreadnews berichtete).

Fukushima-Arbeiter am Bus 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter vor Einstieg in Bus radioaktiv belastet (Foto: TEPCO)

Während die übrigen Ereignisse nach Darstellung von TEPCO weniger dramatisch verliefen, als zunächst vom Unternehmen geschildert, bleibt die Kontamination von zehn Kraftwerksarbeitern weiterhin ein Thema für den Betreiber, musste er doch etwa bereits gemachte Angaben korrigieren.

Offenbar hat ein Gerät, dessen Wasserschleier die Arbeiter eigentlich vor Hitzeproblemen schützen soll, die Angestellten mit radioaktivem Material besprüht. TEPCO hatte die Belastung für die Angestellten im Kopfbereich zunächst mit 10 Becquerel pro Kubikzentimeter angegeben, diese Angaben dann jedoch auf 19 Becquerel korrigieren müssen.

Nachdem Kontrollen ergeben hatten, das weder die gemeinsame Wasserquelle für Verneblungsgerät und das Leitungswasser in den Gebäuden, noch der Vernebler selbst eine radioaktive Kontamination aufwiesen, geht TEPCO nun davon aus, dass die Kontamination beim Laufen durch die Rohre zum Gerät entstanden sei.

Die Angestellten im Alter zwischen 20 und 50 Jahren hatten keine gesundheitlichen Beschwerden gezeigt und auch die Ergebnisse eines Ganzkörperzählers zeigten keine interne radioaktive Belastung an. Die äußere Kontamination war bei den Standardkontrollen beim Betreten und Verlassen der Gebäude entdeckt worden.

Da die genaue Ursache der Kontamination vorerst noch ungeklärt und der Erklärungsversuch durch kontaminierte Leitungen zunächst nur eine Theorie darstellt, plant TEPCO Untersuchungen, um die genauen Umstände der Kontamination zu ermitteln, berichtet die Asahi Shimbun.

Rückkehr in die Sperrzone zum Ahnengedenken: Auch nachdem 96 Prozent der Ortschaft Okuma (Präf. Fukushima) als Zone klassifiziert wurden, in der eine Rückkehr frühestens in fünf Jahren möglich ist, erhielten die früheren Einwohner die Genehmigung, erstmals seit der AKW-Katastrophe die Gräber ihrer Angehörigen anlässlich des buddhistischen Totenfestes Obon zu besuchen.

Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)
Straßensperre in der Präfektur Fukushima (Foto: Prof. Haruhiko Okumura cc-by)

Auch in der Präfektur Iwate, die schwer vom Tsunami 2011 getroffen worden war, kehrten einstige Bewohner zeitweise zurück, um die Gräber zu pflegen und Opfergaben zu bringen.

Anders als in Okuma mussten jedoch die Friedhofsbesucher in Otsuchi keine Schutzkleidung tragen.Viele Menschen nutzten ihre freien Tage um teilweise aus anderen Landesteilen anzureisen.

In Otsuchi verloren 853 Personen ihr Leben durch die Naturkatastrophe, weitere 433 gelten offiziell noch als vermisst. Das Hauptgebäude des dortigen Tempels Koganji war, ebenso wie viele Grabsteine, fortgespült worden. Über die Bemühungen der einstigen Einwohner in den Präfekturen, trotz Radioaktivität und Zerstörung die Gräbern zu besuchen, berichteten Mainichi Shimbun und NHK.

Schilderungen aus den Krisengebieten finden sich in unserer Artikelserie „Katastrophenhelfer in Japan„, in der Andreas Teichert von der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. (DTRG) unter anderem auch von seinen Eindrücken in den Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi berichtet.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here