Start Aktuelles Japan aktuell: Vierte Stickstoff-Panne in Folge am AKW Fukushima

Japan aktuell: Vierte Stickstoff-Panne in Folge am AKW Fukushima

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Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
AKW Fukushima: Weiterhin Probleme mit Stickstoffzufuhr( Foto: TEPCO)

Der Unglückstag Freitag der 13. brachte Norkoreas Raketenstart in der Tat wenig Glück, doch obwohl die Rakete auseinanderfiel noch bevor sie das All erreichte, sind nun viele Staaten über den erwarteten Atomtest besorgt, der bislang stets nach einem Raketenabschuss erfolgte.

Wenn dagegen vom AKW Fukushima aktuell erneut Probleme bei der Einspeisung von Stickstoff gemeldet werden, so scheint dies zu einer gefährlichen Routine zu werden. Doch neben diesen Fukushima News berichten wir auch über die Kontamination von Tee und dies wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. April 2012.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Erneutes Aussetzen der Stickstoff-Einspeisung
  • Yacón-Tee aus Miyagi stark radioaktiv belastet
  • Weiteres Ministertreffen zum Neustart des AKW Oi
  • Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen weiter hoch
  • Weitere Beobachtung der Giftgas-Sekte notwendig

Erneutes Aussetzen der Stickstoff-Einspeisung: Wie TEPCO, der Betreiber des durch eine Nuklearkatastrophe beschädigten AKW Fukushima Daiichi, am heutigen Freitag berichtete, kam es nach 1:00 Uhr Morgens zu einem kurzzeitigen Stopp bei der Einspeisung von Stickstoff in die Reaktoren des AKW.

Es handelt sich damit bereits um den vierten Fall seit März, bei dem die Zufuhr von Stickstoff, der dazu dient, die Ansammlung von explosionsgefährdetem Wasserstoff zu verhindern, ausfiel. Im aktuellen Fall habe man gegen 10:00 Uhr ein Ersatzsystem einsetzen können, es sei zu keinen wahrnehmbaren Änderungen in der Konzentration von Wasserstoff während des temporären Stopps gekommen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Yacón-Tee aus Miyagi stark radioaktiv belastet: Am gestrigen Donnerstag teilte die Leitung der Präfektur Miyagi, das im Yacón Tee des Herstellers  GOLDrand in der Präfektur eine Belastung mit radioaktivem Cäsium in Höhe von 17.200 Becquerel pro Kilogramm  festgestellt wurde, die somit 172 mal höher ist als der gesetzlich zugelassene Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm.

Die in der Stadt Zao angebaute Pflanze, die ursprünglich aus den Hochanden Südamerikas stammt und deren Zubereitung als Tee den Blutzuckerspiegel senken soll und bei Menschen mit Diabetes gefragt ist, war im Mai vergangenen Jahres ausgesät worden. Der Hersteller habe die Präfekturleitung nach einem freiwillig durchgeführten Test in einem Privatlabor vergangenen Monat, über die radioaktive Kontamination informiert.

Bislang sind nach Angaben von Präfektur und Hersteller bislang 1.100 Packungen über das Internet und in Läden verkauft worden. Man habe bereits freiwillig eine Rückrufaktion gestartet.

Gegenüber der Asahi Shimbun erklärte Yoji Sakai, Präsident des Unternehmens GOLDrand, man habe das Produkt testen lassen, da der Fukushima-Betreiber TEPCO erklärt hatte, der Energiekonzern werde ohne Ergebnisse von Strahlungstests keine Enschädigungszahlungen leisten. Aus Besorgnis habe er sich dann an die Präfekturleitung gewandt. Die kündigte an, man werde auch ein ähnliches Produkt eines anderen Herstellers im südlichen Teil der Präfektur testen.

Nach Angaben von Michiaki Kai, Professor für Strahlenschutz an der Universität für Pflege und Gesundheitswissenschaften besteht keine unmittelbare Gesundheitsgefahr. Nach dem Konsum sei der Tee unschädlich. Dennoch gelte es wachsam im Bezug auf Waren aus landwirtschaftlichen Produkten zu sein, die gegen September letzten Jahres geerntet wurden.

Weiteres Ministertreffen zum Neustart des AKW Oi: Zum sechsten Mal in diesem Monat trafen sich Premierminister Yoshihiko Noda und drei weitere Minister am heutigen Freitag, um den möglichen Neustart von zwei Reaktoren am AKW Oi (Präf. Fukui) zu beraten. Bereits am Montag hatte man sich darauf geeinigt, dass die Reaktoren grundsätzlich den Sicherheitststandards der Regierung entsprechen. Es fehlt jedoch noch eine offizielle Bestätigung, dass die Anlagen tatsächlich auch sicher genug für einen Weiterbetrieb sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Unterdessen verurteilt Yuhei Sato, Gouverneut der Präfektur Fukushima die Pläne zu einem Neustart. Dieser beruhe nur auf politischen  Erwägungen. Es sei fraglich, ob die Regierung wirklich die Schwere eines Atomunfalls nachvollziehen könnten, berichtet die Asahi Shimbun. Auch in der Meldung der Mainichi Shimbun heisst es, Sato kritisiere, dass derartige Dinge diskutiert würden, obwohl nicht einmal die Untersuchungen am AKW Fukushima Daiichi abgeschlossen seien und man praktisch täglich von Problemen dort höre.

Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen weiter hoch: Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit werden oft in einem Satz genannt, doch zumindest in Japan gehen beide zumindest statistisch getrennte Wege. Während laut einer Meldung der jiji die Zahl der Obdachlosen im Januar 2012 insgesamt 9.576 Personen betrug und damit das erste Mal seit Beginn der Erfassung 2003 auf unter 10.000 Personen sank, ist der Mainichi Shimbun zufolge die Zahl der in Tokyo lebenden Flüchtlinge die nach wie vor ohne Beschäfigung sind, weiterhin hoch.

Regierungsgebäude der Präfektur Tokyo in Shinjuku (Foto: pd)
Regierungsgebäude der Präfektur Tokyo in Shinjuku (Foto: pd)

Eine Untersuchung der Verwaltung der Präfektur Tokyo zeigt zum Thema Arbeitslosigkeit unter Katastrophenflüchtlingen kein gutes Bild. Eine schriftliche Befragung von 3.802 Familienvorständen unter 60 Jahren, die nach den Naturkatastrophen vom März 2011 in Japans Hauptstadt geflüchtet waren, wurde von 1.519 der Haushalte beantwortet. 80 Prozent lebten zum Zeitpunkt der Katastrophe in der Präfektur Fukushima, 13 in der Präfektur Miyagi und 5 in der Präfektur Iwate.

Ergebnis: Das Ergebnis zeigt, dass 32 Prozent der Flüchtlinge in Tokyo ohne Beschäftigung sind. Zu ihrer vorigen beruflichen Situation befragt gab die Hälfte an, Vollzeit gearbeitet zu haben, zehn Prozent erklärten, sie hatten eine Teilzeitbeschäftigung gehabt, während acht Prozent angaben, in kurzfristigem, zeitweisem Arbeitsverhältnis gestanden zu haben. Vor den Naturkatastrophen waren lediglich neun Prozent als arbeitslos registriert.

Ursache: Als Ursache für ihre jetzige Arbeitslosigkeit wurden die Rezession, Schwierigkeit beim finden passender Arbeitstellen und die Unsicherheit möglicherweise in absehbarer Zukunft wieder nach Hause zurückkehren zu können, genannt.

Arbeitssuche: Letzteres hält auch 37 Prozent von der Jobsuche ab, weil man nicht sicher sei, wie lange man am jetzigen Wohnort bleiben, oder weil man zurückkehren wolle. Die Mehrheit, 43 Prozent erklärte jedoch, sie befänden sich bereits auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.

Wohnort: Über ihren Verbleib befragt, erklärte die Hälfte der Befragten, dass sie in ihre alten Wohnorte zurückkehren wolle, sobald dies möglich ist, 37 Prozent zogen es vor sich in Tokyo niederzulassen. Hauptgrund der Unsicherheit über eine Rückkehr ist der unbekannte Zeitpunkt, wann die Dekontaminationsarbeiten abgeschlossen sind. Die Personen welche in Tokyo bleiben, gaben als Begründung die Angst vor Strahlungsschäden an.

Weitere Beobachtung der Giftgas-Sekte notwendig: Japans Justizminister Toshio Ogawa teilte anlässlich seines Berichts während des Kabinettstreffens am heutigen Freitag mit, eine weitere Überwachung der Sekte Omu Shinrikyo, die sich unter anderem für die Nervengas-Angriffe auf die Tokyoter U-Bahn im Jahr 1995 verantwortlich zeigt, sei notwendig, da der inhaftierte und zum Tode verurteilte Sektenführer Shoko Asahara (Realname Chizuo Matsumoto) immer noch fast vollständigen Einfluss auf die Mitglieder der Gruppierung habe.

Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Aum-Sekte in Tokyo Shinjuku (Foto: KJ)
Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Sekte an einer Polizeistation in Tokyo Shinjuku, (Foto: KJ)

Die Gruppierung, die ihren Namen im Jahr 2000 in „Aleph“ änderte und sich zu Entschädigungen für Opfer und Hinterbliebene bereit erklärt hatte, lasse seine Anhänger nach wie vor DVDs ansehen, die Asahara/Matsumoto verherrlichten, heisst es in dem Bericht. Im vergangenen Jahr waren dem Dokument zufolge 48 Einrichtungen der Endzeit-Bewegung durch den Geheimdienst PSIA und die Nationale Polizeibehörde überprüft, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Die zeitlich befristeten Überwachungsbefugnisse durch ein 1999 in Kraft getretenes Gesetz, werden nach Fristablauf immer wieder erneuert. Auch eine Abspaltung des Kults namens „Hikari no Wa“ steht unter Beobachtung. Zudem werden einige flüchtige Mitglieder, die im Zusammenhang mit Anschlägen stehen sollen, weiterhin landesweit polizeilich gesucht.

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