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Japan aktuell: Vorerst keine Gentests an Fukushima-Einwohnern

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DNS-Doppelhelix (Grafik: pd)
Vorerst keine Gentests an Fukushima-Familien (Grafik: pd)
DNS-Doppelhelix (Grafik: pd)
Vorerst keine Gentests an Fukushima-Familien (Grafik: pd)

Nach den gestrigen Gedenkfeierlichkeiten geht das Ringen um die Zukunft der Menschen nicht nur in der Präfektur Fukushima heute weiter. Neben Trauer war der Tag vor allem von Versprechungen und Zusagen für einen schnellen Wiederaufbau der Region und Unterstützung für die Bevölkerung bestimmt.

Doch zumindest in der Frage der Gentests gab es nun einen Dämpfer und die übrigen Meldungen zeigen, dass die Krise von Fukushima aktuell bleibt – ebenso wie die Folgen des Tohoku-Bebens.

Interessierten, die erfahren wollen, wie Katastrophenhelfer die Situation erlebten, sei an dieser Stelle die morgige zweite Folge unserer Serie „Katastrophenhelfer in Japan“ in der Rubrik „Panorama“ ermpfohlen.

Doch heute gibt es zunächst Einzelheiten zu den Fukushima-News und sonstigen Themen, im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. März 2013

Unsere heutigen Themen:

  • Vorerst keine Gentests für Fukushima-Einwohner
  • Plan zur Fukushima-Dekontamination könnte überarbeitet werden
  • Strahlungssorgen trotz hoher Lebensmittelsicherheit
  • Große Zahl an Beurlaubungen in Katastrophenregion
  • China und Südkorea nicht bei 3/11 Gedenkveranstaltung anwesend
  • Über 9.500 Nachbeben der Tohoku-Katastrophe
  • Über 30 Prozent der Fukushima-Familien leben getrennt

Vorerst keine Gentests für Fukushima-Einwohner: Die vom Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) ursprünglich für das Fiskaljahr 2013 geplanten Gentests bei Bewohnern der Präfektur Fukushima, um den Ängsten vor künftigen Risiken der Strahlungsbelastung zu begegnen sind jetzt bis auf weiteres verschoben worden.

Insgesamt wären 500 Elternpaare und ihre Neugeborenen über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet worden. Jede der insgesamt 1.500 Personen müsste eine Blutprobe für DNA-Tests zur Prüfung genetischer Unterschiede zwischen Eltern und Kindern abgeben, wobei Abweichungen auf Strahlungsfolgen zurückgeführt werden könnten.

Das Gentest-Kontrollprogramm, für das bereits 1,1 Milliarden Yen an Finanzmitteln beantragt worden war, geriet jedoch in Kritik. Wie die Mainichi Shimbun berichtet, kam es bei ersten Versuchstests zu Fehlern in der DNA-Auswertung und Experten kritisierten, dass nicht jede genetische Differenz nur auf Radioaktivität zurückzuführen sei.

Auch könnte es als Nebeneffekt zur Aufdeckung von unehelichen Kindern kommen, was ethische Probleme aufwerfe. Gänzlich vom Tisch sei das Projekt jedoch nicht, vielmehr befasse man sich nun mit den vorhandenen Problemen und werde den weiteren Ablauf überdenken.

Plan zur Fukushima-Dekontamination könnte überarbeitet werden: Wie Umweltminister Nobuteru Ishihara heute auf einer Pressekonferenz im Bezug auf die Verzögerungen bei der Dekontamination der Präfektur erklärte, müsse die Regierung möglicherweise den Plan noch einmal durchsehen und gegebenenfalls neu bewerten.

Möglicherweise noch in diesem Sommer könnte eine genaue Überprüfung der erreichten Fortschritte erfolgen und sich eine mögliche Anpassung des gegenwärtigen Plans, einen Abschluss der Dekontamination bis Ende März 2014 zu erreichen, anschliessen, heisst es von der jiji.

Bislang sind nur in vier von elf Gemeinden tatsächlich umfangreiche Dekontaminationsarbeiten angelaufen –  diese verlaufen aufgrund der mangelnden Lagermöglichkeiten für radioaktiv kontaminiertes Erdreich sehr schleppend. In den verbliebenen sieben Gemeinden sind derartige Maßnahmen bislang nicht angelaufen und in zwei Fällen liegt noch nicht einmal ein Dekontaminationsplan vor.

Strahlungssorgen trotz hoher Lebensmittelsicherheit: Das Gesundheitsministerium teilte gestern mit, dass im vergangenen Jahr bei Speisen in der Präfektur Fukushima der Gehalt an radioaktivem Cäsium um mindestens zwei Drittel gesunken sei und der Maximalwert von 0,0066 Millisievert, der bei Messungen im Februar und März 2012 in Nakadori ermittelt worden war, deutlich unterhalb des Jahrsgrenzwerts von einem Millisievert liege.

Japanische Suppe (Foto: KJ)
Radioaktivität: Japaner sorgen sich um Lebensmittelbelastung (Foto:KJ)

Im Nakadori-Gebiet der Präfektur Fukushima, war zuvor im Herbst 2011 noch eine Belastung von 0,0193 Millisievert nachgewiesen worden. Nach Angaben der Asahi Shimbun waren im vergangenen Jahr erstmalig auch in zwei weiteren Gebieten derartige Kontrollen durchgeführt worden. In Hamadori, im Osten der Präfektur wurden 0.0063 Millisievert und im Aizu-Gebiet im Westteil nur 0,0039 Millisievert an radioaktivem Cäsium festgestellt.

Dennoch ist das Misstrauen noch groß. Eine Online-Umfrage des Verbraucherministeriums mit 4.176 verwertbaren Antworten geben 3.531 Kunden an, auf die Herkunftsbezeichnung zu achten. Nach dem Grund befragt gaben 40,9 Prozenz der Verbraucher an, dass sie Lebensmittel ohne Strahlungsbelastung kaufen wollen.

Zu den Befragten gehörten sowohl Personen aus den Katastrophenpräfekturen, als auch Verbraucher aus Ballungsräumen wie Tokyo, Chiba, Yokohama, oder Kobe, Nagoya, Osaka und Saitama, berichten die Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Im Bezug auf die festgelegten Grenzwerte gaben lediglich 28,2 Prozent an, die Sicherheitsstandards des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales, für sicher genug zu halten um lebenslang derartige Produkte zu essen. Das größte Misstrauen geniessen mit 69,5 Prozent Nahrungsmittel aus der Präfektur Fukushima. Skepsis im Bezug auf die gesamte Tohoku-Region hatten 53,3 Prozent.

Interessant ist, dass offenbar auch der Umstand, dass Strahlungskontrollen für Lebensmittel noch nicht allgemein bekannt zu sein scheinen, erklärten doch 22 Prozent, sie hätten nicht gewusst, dass deratige Tests durchgeführt werden.

Große Zahl an Beurlaubungen in Katastrophenregion: Die Verwaltungen in den Katastrophengebieten sahen im vergangenen Jahr mit einer hohen Zahl an Beurlaubungen und Freistellungen bei Regierungsbeamten aufgrund von Depressionen, psychischen Problemen, oder anderen Krankheiten konfrontiert.

Durch die Ausfälle wird mit einem Mangel an qualifiziertem Personal und somit zusätzlichen Belastungen bei den verbliebenen Beschäftigten der Verwaltungen gerechnet.

In mehr als 500 Fällen mussten diese Beschäftigten ihre Arbeit niederlegen. Seit der Katastrophe vom März 2011 haben 1.000 Beschäftigte in Ortsverwaltungen und Gemeinden ihren Beruf aufgrund der dramatischen Änderung ihrer Lebensumstände, oder Krankheitsfällen aufgegeben.

Diese Zahlen entstammen einer Befragung von 37 Gemeindeverwaltungen in den drei Katastrophenpräfekturen durch die NHK. Allein zwischen April vergangenen Jahres und Januar nahmen 522 Beschäftigte gesundheitlich bedingte Auszeiten. In 57 Prozent der Fälle lagen psychische Probleme zugrunde.

China und Südkorea nicht bei 3/11 Gedenkveranstaltung anwesend: Nachdem es im vergangenen Jahr Proteste gegeben hatte, dass mit Taiwan ein großer Helfer nach der Katastrophe offenbar aus politischen Gründen nicht bei der Verlesung der Unterstützer genannt worden war, wurde dieser Fehler in diesem Jahr korrigiert.

Banner mit Ermutigungs-Parole in Tokyo (Foto: KJ)
Banner mit Ermutigungs-Parole in Tokyo (Foto: KJ)

Die Volksrepublik China reagierte verärert über diese „Sonderbehandlung“ der Republik Taiwan, da man Taiwan als Teil der Volksrepublik sehe.

Vermutlich aus diesem Grund gehörte in diesem Jahr kein chinesischer Abgesandter zu den Vertretern von 140 Nationen und internationalen Organisationen, die angereist waren.

Taiwan dagegen bedankte sich für die Nennung im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten

Die Regierung Südkoreas erklärte, die eigene Abwesenheit bei der Zeremonie sei keine politisch motivierte Entscheidung gewesen. Viemehr habe es sich um einen Planungsfehler der Verwaltung gehandelt. Über diese Ereignisse berichtete jiji und NHK.

Über 9.500 Nachbeben der Tohoku-Katastrophe: Zwei Jahre nach dem verheerenden Tohoku-Erdbeben erschüttern immer noch Nachbeben das Inselreich und erreichten mit dem Stand des gestrigen Jahrestags die Zahl von 9.577 Nachbeben. Das meldet die japanische Wetterbehörde. Auf der siebenstufigen japanischen Skala sah dies wie folgt aus:

  • Beben der stärke sechs plus in zwei Fällen
  • Beben der Stärke sechs minus in zwei Fällen
  • Beben der Stärke fünf plus in 12 Fällen
  • Beben der Stärken fünf minus in 44 Fällen
  • Beben der Stärke vier in 226 Fällen

Die Zahl der Nachbeben pro Monat schwankte dabei zwischen knapp über Hundert und mehreren hundert Erschütterungen. Waren im März 2011 noch 2.941 Nachbeben, konnte im Februar nur noch 92 Nachbeben festgestellt werden, heisst es von der Kyodo.

In der Erdbebenzone des Tohoku-Bebens, die sich über 600 Kilometer von der Präfektur Aomori bis zur Halbinsel Boso erstreckt und eine Ausbreitung von 350 Kilometern erreicht, wurden in 84 Fällen noch Erschütterungen der Stärke fünf oder höher ermittelt – das ist das Vierfache der seismischen Aktivität von 19 Erdbeben vor dem Tohoku-Großbeben.

Über 30 Prozent der Fukushima-Familien leben getrennt: Einer Erhebung zufolge die von verschiedenen Stellen, darunter auch der Behörde für Wiederaufbau durchgeführt wurde, leben über 30 Prozent der Familien, die aus dem Umkreis des AKW Fukushima Daiichi evakuiert worden waren, getrennt.

In vielen Fällen ist es, sei, dass die Väter aufgrund von Arbeiten in der Präfektur Fukushima blieben, während die Mütter mit ihren Kindern nun in anderen Präfekturen lebten. Auch Platzmangel spiele bei den Erwägungen zur Teilung von Familien eine Rolle, die jetzt teilweise über mehr als vier Orte verteilt leben.

Den Zahlen zufolge leben 46,7 Prozent der Familien, die zuvor in Namie lebten nun getrennt voneinander. In Familien aus der Ortschaft Futaba ist dies in 39,2 Prozent und 31,2 Prozent in Okuma der Fall. In 3,5 Prozent der Familien aus Namie und 1,5 Prozent aus Tomioka leben die Angehörigen sogar über mehr als vier Orte verteilt, berichtet die jiji.

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