Start Aktuelles Japan aktuell: Vorwurf der Manipulation gegen Subunternehmen am AKW Fukushima

Japan aktuell: Vorwurf der Manipulation gegen Subunternehmen am AKW Fukushima

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Fukushima-Arbeitsroutine: Dosimeterrückgabe (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Dosimeterrückgabe (Video: TEPCO)
Fukushima-Arbeitsroutine: Dosimeterrückgabe (Video: TEPCO)
Klage wegen versuchter Messwert-Manipulation (Video: TEPCO)

Erneut ist die Manipulation von Strahlungwerten Thema, doch anders als zuvor geht es bei dem jüngsten Fall am AKW Fukushima heute nicht um TEPCO, sondern einen seiner Geschäftspartner.

Durch eine derartige Meldung tritt auch die Präsentation von neuen Robotern für den Einsatz an der Anlage in Fukushima aktuell zurück.

Mit Informationen zu neuen Tsunami-Warnungen, einer Richtlinienverschärfung und den Inselstreitigkeiten gibt es neben Fukushima News auch zum Wochenende noch einmal weitere interessante Themen. Das ganze wie immer im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Dezember 2012

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO-Subunternehmen wegen Dosimeter-Bleiabschirmung verklagt
  • Verwerfung am AKW Shika bereits vor 25 Jahren bekannt
  • Test von vereinfachten Tsunami-Warnungen
  • Strengere Richtlinien zur Beurteilung von Verwerfungen
  • Google Street View ermöglicht Einblicke in Gebäude des Katastrophengebiets
  • Zwei neue Roboter für Fukushima-Einsatz präsentiert
  • Senkaku und nordkoreanische Rakete bleiben aktuell
    • Erneut chinesische Schiffe in Japans Gewässern
    • Japans Außenministerium legt Protest ein
    • Verteidigungsministerium ordnet Abschuss von Nordkoreas Rakete an

TEPCO-Subunternehmen wegen Dosimeter-Bleiabschirmung verklagt: Das Arbeitsaufsichtsbüro in Tomioka (Präf. Fukushima) hat Akusesu Aomori, ein Subunternehmen des Fukushima-Betreibers TEPCO, für die Verfälschung der Angaben zur Strahlungsbelastung seiner Angestellten verklagt.

Die Arbeitsrechtler werfen dem 55 Jahre alten Präsidenten des Unternehmens vor, am 1. Dezember vergangenen Jahres, durch die Bleiabschirmung der Dosimeter von vier seiner Angestellten, die eine Stunde am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt gewesen waren, die erfasste Strahlungsbelastung manipuliert und damit gegen Gesetze zur Arbeitssicherheit verstoßen zu haben.

Über diese neuen juristischen Entwicklungen in einem versuchten Fall von Messwertemanipulation, berichtete die jiji. Es ist nicht das erste Mal, dass derartige illegale Maßnahmen bekannt wurden. In der Vergangenheit hatte es hierzu bereits Meldungen gegeben (Spreadnews berichtete etwa am 23. Juli 2012).

Verwerfung am AKW Shika bereits vor 25 Jahren bekannt: Japans Atomaufsicht NRA veröffentlichte Dokumente, aus denen hervor geht, dass eine Verwerfung auf dem Gelände des AKW Shika (Präf. Ishikawa) bereits vor dem Bau der Anlage bekannt geworden war. Ein ähnlicher Verdacht war in diesem Jahr wieder aufgekommen.

Nach Untersuchungen zwischen  Mai und Juni 1987 waren Experten bei einer Überprüfung des Geländes zu dem Schluss gekommen, dass eine dort festgestellte Verschiebung auf eine Verwerfung hinweise. Dennoch wurde das Kernkraftwerk ein Jahr später, 1988 gebaut. Ursache hierfür sind ältere Sicherheitsstandards.

Die besagte Formation ist schätzungsweise etwa 120.000 bis 130.000 Jahre alt. Zum damaligen Zeitpunkt galt eine Verwerfung erst dann als aktiv, wenn in einem Zeitraum von 50.000 Jahren tektonische Änderungen festgestellt wurden. Da eine Ausweitung des Zeitraum erst 2006 erfolgte, stand dem Bau damals nichts im Wege.

Im aktuellen Fall war die Betreiberfirma Hokuriku Electrics durch Japans Atomaufsicht zu einer erneuten Beurteilung veranlasst worden. In einem heute vorgelegten Zwischenbericht des Betreibers heisst es jedoch, man habe keine Hinweise auf Aktivität der Verwerfung gefunden, die unter einem der Reaktoren verläuft.

Nach Angaben der Kyodo heisst es von Betreiberseite, diese Formation sei die Folge von Gezeitenerosion  und stelle kein Sicherheitsproblem dar. Der Endbericht von Hokuriku Electric soll im Juni kommenden Jahres vorlegen.

Test von vereinfachten Tsunami-Warnungen: Am heutigen Freitag führte Japans Wetterbehörde einen ersten Testlauf der neuen Tsunami-Warnungen durch. Anstatt wie bislang die Höhe des erwarteten Tsunami in Zahlen anzugeben, die zu abstrakt klingen, wird man im Katastrophenfall von „großen“ oder „hohen„Tsunami  warnen.

Im Rahmen der Tests, die bis zur Einführung des neuen Systems im März kommenden Jahres nun zweimal pro Monat durchgeführt werden sollen, erhalten sowohl staatliche als  Präfekturalstellen, eine entsprechende „Tsunami-Warnung“ im vereinfachten Stil. Formulierungen wie etwa „ähnlich hoch wie beim Tohoku-Erdbeben“ sollen eine Einschätzung erleichtern.

Die Überarbeitung und Vereinfachung der verwendeten Formulierungen ist eine Reaktion auf die Erfahrungen der Katastrophe des 3/11. Damals war die Höhe des Tsunami unterschätzt worden, so dass viele Menschen nicht sofort in höher gelegene Gebiete flohen und in den Fluten starben. Über den aktuellen Test berichtete die NHK.

Strengere Richtlinien zur Beurteilung von Verwerfungen: Japans Atomaufsichtsbehörde NRA will die Definition zur Beurteilung von geologischen Formationen als aktive Verwerfungen im Rahmen der Ausarbeitung neuer  Sicherheits-Standards für Kernkraftwerk deutlich ausweiten.

Bislang gilt unter der bestehenden Regelung eine Verwerfung nur dann als aktiv, wenn in ihrem Bereich in den vergangenen 120.000 bis 130.000 Jahren keine seismische Aktivität mehr festgestellt wurde. Die NRA beabsichtigt nun, diesen Zeitraum auf die letzten 400.000 Jahre auszudehnen.

Der auf einem Treffen mit Experten am heutigen Freitag vorgebrachte Vorschlag, wurde von den Experten einstimmig akzeptiert und wird daher wahrscheinlich in die Richtlinien Eingang finden. hierüber berichtete die jiji.

Google Street View ermöglicht Einblicke in Gebäude des Katastrophengebiets: Internetnutzer können ab sofort auf Google Street View einen Einblick in das Innere von schwer beschädigten Gebäuden in der Region Tohoku erhalten.

Zerstörtes Gebäude nach den Tohoku-Katastrophen (Foto; Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zerstörtes Gebäude nach den Tohoku-Katastrophen (Foto; Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Durch das Einverständnis der Ortsverwaltungen in den Präfekturen Iwate und Fukushima, die Google eine dreiwöchige Aufnahme der Innenräume ermöglichte, können nun insgesamt 34 Gebäude virtuell besichtigt werden.

Die Aktion soll nach Aussagen des Internetriesen dazu beitragen, die Folgen der dramatischen Ereignisse in den betroffenen Gebieten zu dokumentieren.

 

Aufbauarbeiten im Katastrophengebiet (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Aufbauarbeiten im Katastrophengebiet (Foto: Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Unter anderem ist Einsicht in mehrstöckige Gebäude in Rikuzentakata (Präf. Iwate) und Namie (Präf. Fukushima) möglich. Die Navigation erfolgt dabei dem üblichen Schema von Google Street View durch einfache Mausklicks.

Tatsächlich handelt es sich um eine Dokumentation, da auf einigen der Aufnahmen sowohl bereits wieder aufgebäute Häuser, als auch solche zu sehen sind, die abgerissen werden müssen.

Google bittet auch die Verwaltungen der Präfektur Miyagi um Kooperation, damit auch dort die Schäden virtuell erfasst werden können.

Die Aufnahmen der Gebäude können konventionell über Google Streets View, oder die eigens dafür eingerichtete Webseite „Memories for the Future“ eingesehen werden: http://www.miraikioku.com/streetview/en/building

Zwei neue Roboter für Fukushima-Einsatz präsentiert: Gleich zwei Unternehmen stellten ihre neuen Roboter vor. Beide sollen sich zum Einsatz im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi eignen. Dort ist in vielen Bereichen der Reaktoren die Radioaktivität zu hoch für den Einsatz menschlicher Arbeiter.

Ein gestern von Mitsubishi Heavy Industries vorgestellte Roboter „MHI-MEISTeR“ ist dazu konzipiert, auch über Trümmer fahren zu können und weist zwei Arme auf, die nach Angaben des Herstellers ebenso komplexe Arbeiten ausführen können, wie dies Menschen möglich ist. Die Arme können darüber hinaus mit unterschiedlichem Werkzeug ausgestattet werden.

So ist der Roboter in der Lage, mit radioaktivem Wasser durchtränkte Teile von Betonwänden entfernen und beschädigte Rohre zu durchtrennen und zu entsorgen. Auch eine Strahlungsmessung ist möglich.

Heute stellte dann auch Hitachi seinen neusten Roboter vor. Der technische Helfer hört auf den Namen „Astaco-SoRa“ ist mit seinen beiden Armen dafür entworfen worden, Bereiche aufzuräumen, oder Gegenstände in stark verstrahlte Abschnitte des Gebäudes zu transportieren.

Er ist zusätzlich mit einer Schaufel ausgestattet, die Trümmer aus dem Weg räumen kann. Über die Präsentation der neuen technischen Fukushima-Helfer berichteten etwa NHK und Kyodo.

Senkaku und nordkoreanische Rakete bleiben aktuell: Chinas wiederholte Provokation und die Ankündigung des kommunistischen Regimes in Nordkorea, am Raketenstart festhalten zu wollen, sorgen für Schlagzeilen. Die neusten Meldungen hier in einer Übersicht.

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
14. Verletzung japanischer Hoheitsgewässer durch China (Foto: pd)

Erneut chinesische Schiffe in Japans Gewässern: Gegen 12:44 Uhr drangen vier chinesische Schiffe nord-nordöstlich von Kubajima in japanische Gewässer ein. Japans Küstenwache warnte die Schiffe vor der Grenzübertretung. Es folgten von chinesischer Seite die üblichen Behauptungen über Chinas Oberhoheit der Inseln und Gewässern.

Es handelt sich um die 14. Grenzverletzung seit September. Die letzte liegt gerade erst drei Tage zurück und ereignete sich am Dienstag. Mittlerweile hat die japanische Regierung für die Senkaku-Zwischenfälle eine Taskforce gebildet um schneller auf die illegalen Aktionen reagieren zu können.

Japans Außenministerium legt Protest ein: Shinsuke Sugiyama,  Generaldirekter des Büros für asiatische und ozeanische Angelegenheiten im Außenministerium, legte über die chinesische Botschaft in Tokyo telefonisch Prost bei Minister Han Zhiqiang ein.

Verteidigungsministerium ordnet Abschuss von Nordkoreas Rakete an: Japans Verteidigungsminister Satoshi Morimoto wies die Selbstverteidigungsstreitkräfte an, nordkoreanische Rakete abzufangen, sollte sie japanisches Territorium bedrohen. Am Sonntag sollen alle Raketenabwehrmaßnahmen einsatzbereit sein.

Während Nordkoreas Führung behauptet, die Rakete trage einen Satelliten, gehen ausländische Beobachter davon aus, dass es sich um den Test einer Langstreckenrakete handelt.

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