Start Aktuelles Japan aktuell: Warnung vor Kernschmelze am AKW Fukushima wurde ignoriert

Japan aktuell: Warnung vor Kernschmelze am AKW Fukushima wurde ignoriert

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TEPCO: Modell eines Reaktor-Druckbehälters
Modell eines Reaktor-Druckbehälters (Foto: TEPCO)
TEPCO: Modell eines Reaktor-Druckbehälters
Modell eines Reaktor-Druckbehälters (Foto: TEPCO)

Während ein Aquarium der Präfektur Akita einen Seeteufel präsentieren konnte, der aufgrund einer Pigmentstörung eine goldene Farbe zu haben scheint, sind zu Beginn der Woche nicht alle Neuigkeiten ebenso strahlend – es sei denn man bezieht dies auf die großen Mengen radioaktiv verstrahlten  Reisstrohs, das für viele Präfekturen, darunter auch Fukushima, aktuell immer noch ein Problem darstellt.

Auch Überlebende der Katastrophen kämpfen weiterhin mit Problemen, darunter auch psychische und körperliche Folgen, wie Schlaflosigkeit und Bluthochdruck.

Im Bezug auf das Atomkraftwerk Fukushima aktuell interessant zu nennen ist ein Bericht, dem zufolge die Kernschmelze schnell erkannt, der Hinweis hierauf jedoch ignoriert wurde. Zudem gibt es auch am heutigen Montag neben den Fukushima-News weitere Berichte – im Spreadnews Japan-Ticker vom 05. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Kernschmelze-Warnungen wurden ignoriert
  • Landwirte kämpfen mit Tonnen radioaktiven Reisstrohs
  • Tsunami-Evakuierungsturm in Shizuoka fertiggestellt
  • Tenno aus Klinik entlassen

Kernschmelze-Warnungen wurden ignoriert: Die Asahi Shimbun gelangte durch eine Anfrage zur Offenlegung von Dokumenten an Material, das belegt, wie bereits zwei Monate vor öffentlichem Eingeständnis, es habe Kernschmelzen am AKW Fukushima Daiichi gegeben, ein Team innerhalb der  NISA ebenfalls zum selben Schluss gekommen war – diese wichtigen Informationen jedoch nicht genutzt worden waren.

Bei dem Bericht handelt es sich um ein Dokument, dass von einer provisorisch eingerichteten Organisation, die aus zehn hastig zusammengesuchten Mitarbeitern, unter anderem aus dem Industrieministerium und Japans Atomsicherheitsorganisation (JNES) zusammengestellt worden war. Die eigentlich für diese Analysen zuständigen Abteilungen, waren mit den Notfallmaßnahmen ausgelastet. Das Team hatte am 14. März 2011 die Arbeit aufgenommen und war wenig später zu dem Schluss gekommen, die Kernschmelze müsse sich ereignet haben.

Das Team hatte seine Analyse auf der Basis von verfügbaren Informationen über Wasserstand, Druck und Strahlungswerte in den Druckbehältern durchgeführt, die von TEPCO rund um die Uhr geliefert worden waren. Bereits am 15. März hatten Strahlungsanstiege in den Reaktoren 1 und 2 nahe gelegt, dass geschmolzene Brennelemente auf den Boden der Druckbehälter gefallen seien.

Die offizielle Bestätigung durch den Fukushima-Betreiber TEPCO erfolgte dann erst zwei Monate später. Die Kernschmelze an Fukushima-Reaktor 1 wurde  am 15. Mai 2011 eingeräumt, die weiteren Kernschmelzen in den Reaktoren 2 und 3 dann am 24. Mai 2011 (Spreadnews berichtete).  Erst dann bestätigte auch die NISA dies offiziell.

Die NISA hatte die ihr viel früher vorliegende Analyse des Teams keine hohe Priorität eingeräumt und auch nicht veröffentlicht, da es keine Bestimmungen darüber gegeben habe, wie die Arbeit provisorisch eingerichteter Organisationen einzubinden sei. Auch zur Aufklärung der Öffentlichkeit fand das Material keine Verwendung.

Rückblickend müsse man über den Umstand, dass dieses Team nicht in die formale Organisationsstruktur eingebunden wurde, nachdenken, erklärte Eiji Hiraoko, stellvertretender Generaldirektor der NISA.

Landwirte kämpfen mit Tonnen radioaktiven Reisstrohs: Während  Shoji Nishida, Bürgermeister der Stadt Date am Freitag ankündigte, man werde zu Forschungszwecken Reis auch in Gebieten anpflanzen, in denen dies aufgrund der hohen Belastung mit radioaktivem Cäsium normalerweise untersagt ist, kämpfen Landwirte mit den verbliebenen Massen an kontaminiertem Reisstroh.

Reisstroh (Foto: pd)
Problem Reisstroh (Foto: pd)

Die Versuche der Regierung in Tokyo durch die Einleitung verschiedener Schritte der in diesem Ausmaß bislang nicht gekannten Art der Krise Herr zu werden, zeigen nur wenig Effekt. Auch trotz Maßnahmen wie etwa der Genehmigung, Abfälle mit einer Belastung von bis zu 8.000 Becquerel pro Kilogramm nach offiziellen Richtlinien vergraben werden können, finden diese wenig Anwendung. Eine Lösung ist bislang nicht in Sicht.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun belaufen sich die Mengen auf  6.800 metrische Tonnen. Neben dem Stroh selbst, sind radioaktiv belasteter Klärschlamm und Asche weitere Entsorgungsprobleme und erreichen einen Umfang von 97.000 Tonnen in 12 Präfekturen.

In der Präfektur Miyagi warten etwa 4.800 Tonnen, in der Präfektur Fukushima 1.100 Tonnen und in Iwate 600 Tonnen radioaktiv kontaminiertes Reisstroh auf ihre Entsorgung. In der Präfektur Tochigi sind es 320 Tonnen. Die Problematik wird deutlich, wenn man etwa die Angaben der Präfekturleitung Miyagi heranzieht. Die erklärt, man könne dort in absehbarer Zukunft lediglich 2.880 Tonnen übergangsweise lagern.

Viele Präfekturen oder Gemeinden lehnen es zudem ab, die Lagerung von Material aus anderen Gebieten zu übernehmen, meist aus Rücksicht auf die Angst der Bewohner vor radioaktiver Kontamination.

Tsunami-Evakuierungsturm in Shizuoka fertiggestellt: Wie die NHK am heutigen Montag berichtet, hat die an der Pazifikküste der Präfektur Shizuoka gelegene Stadt Omaezaki einen Tsunami-Evakuierungsturm festlicht eingeweiht. Der zwölf Meter hohe Stahlturm bietet im Notfall an seiner höchsten Stelle Platz für 100 Personen. Er befindet sich in der Nähe eines Gemeindezentrums etwa 300 Meter von der Küste entfernt.

Die Stockwerke sind netzartig konstruiert, so dass das Konstrukt nicht unter dem Druck der Wassermassen eines Tsunami einbricht.  Der Turm ist eine Reaktion auf das Tohoku-Erdbeben des 3/11 und die Prognose, im Fall eines schweren Erdbebens könne es hier zu einem sieben Meter hohem Tsunami kommen. Nach Angaben der Stadtverwaltung existierten bislang praktisch keine hohen Gebäude in der Nähe, in die Einwohner flüchten könnten.

Tenno aus Klinik entlassen: Wie geplant konnte der Tenno am Sonntag das Universitätsklinikum Tokyo, in dem sich das 78-jährige Symbol des Staates am 18. Februar einer Bypass-Operation unterzogen hatte, verlassen. Dabei wurde er von über 100 Patienten und Besuchern willkommen geheissen. Nach dem Eingriff hatte er die Folgezeit mit Maßnahmen zur Rehabilitation und leichten Kreislaufübungen verbracht.

Heisei Tenno Akihito am 17. April 2011 (Foto: pd)
Der Tenno am 17. April 2011 (Foto: pd)

Allerdings bedarf sein Zustand weiterer Beobachtung und Kontrolle. Man könne nicht sagen, dass der Erholungsprozess reibungslos verlaufe, heisst es etwa in einer Pressekonferenz des Hofamtes. Dennoch befinde sich die Verfassung innerhalb der Erwartungen und alle Symptome deuteten auf eine Verbesserung hin.

Nach Angabe von Ichiro Kanazawa, zuständiger Beamter für die medizinischen Angelegenheiten der kaiserlichen Familie, sprach von einem Fieber in Höhe von 37°C, Entzündungungsreaktionen  und Leberfunktionsstörungen nach der Operation. Diese Symptome seien jedoch zum größten Teil wieder verschwunden.

Dennoch zeigt der Tenno noch Zeichen gesundheitlicher Probleme. So habe er eine geringe Eiweisskonzentration im Blut und leide an Appetitmangel. Zudem habe sich Wasser im Brustraum angesammelt. Auch wenn das Herzproblem gelöst sein mag, so bestehen noch weiterhin gesundheitliche Probleme.

Zur weiteren Besserung wird er sich nun auf dem Gelände des Kaiserpalastes mit Spaziergängen und leichten sportlichen Übungen erholen. Dennoch wird er, abgesehen von den Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des Jahrestags das großen Tohoku-Erdbebens, weiterhin keine offiziellen Angelegenheiten regeln.

Wie das kaiserliche Hofamt heute mitteilte, hat Kronprinz Naruhito jetzt die Teilnahme am alle drei Jahre stattfindenden Weltwasserforum abgesagt. Als Grund hierfür wird die Wahrnehmung von öffentlichen Pflichten in Vertretung des Tenno genannt. Der Kronprinz übernimmt diese während der Rekonvaleszenz seiners Vaters. Möglicherweise wird jedoch eine Videobotschaft während des Weltwasserforums ausgestrahlt werden. Das melden die Nachrichtenagentur jiji und Kyodo.

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