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Japan aktuell: Warnung vor riskantem Standort des AKW Tsuruga vier Jahre lang ignoriert

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Blick auf den Hafen von Tsuruga (Foto: pd)
Tsuruga: Gebiet auf unsicherem Boden (Foto: pd)
Blick auf den Hafen von Tsuruga (Foto: pd)
Tsuruga: Gebiet auf unsicherem Boden (Foto: pd)

Der Tornado vom Sonntag hat möglicherweise mehr Schäden verursacht als gedacht – und bereits jetzt warnt die Wetterbehörde für den Donnerstag vor einem Tornado, da kalte Luft aus Sibirien geeignete Bedingungen bieten könnte.

Frostig sind jedoch nicht nur die Winde, hat doch die Regierung offenbar eiskalt Hinweise auf einen potentiell gefährlichen AKW-Standort ignoriert.

Damit zeigt sich erneut, dass neben dem AKW Fukushima aktuell auch weitere Anlagen dem Risiko von Naturkatastrophen besonders ausgesetzt sind. Einzelheiten zu diesen Themen nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 08. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Warnung vor gefährlichem Standort des AKW Tsuruga vier Jahre ignoriert
  • Tsukuba-Tornado möglicherweise für weitere Schäden verantwortlich
  • Präfekturversammlung Gifu lehnt AKW-Neustarts vorerst ab
  • Walfangort plant friedlichere Zukunft

Warnung vor gefährlichem Standort des AKW Tsuruga vier Jahre ignoriert: Redensarten, die sich darauf beziehen, dass jemand wegschaut, ein Auge zudrückt, oder sogar auf beiden Augen blind ist, kommen vor allem dann auf, wenn Risiken, oder unangenehme Tatsachen vorsätzlich ignoriert, oder verschwiegen wurden. Experten kamen zu der Einschätzung, dass der Standort des AKW Tsuruga aufgrund der tektonischen Besonderheiten gefährlich ist – Spreadnews berichtete am 25. April 2012. Mitsuhisa Watanabe, Experte für Geomorphologie wies ebenfalls darauf hin – allerdings bereits vor vier Jahren.

Der Professor der Universität Toyo wirft der Atomsicherheitsbehörde NISA vor, bewusst die Augen vor der Gefahr verschlossen zu haben, anstatt schnelle Maßnahmen zu treffen, obwohl er in einem Forschungspapier vor vier Jahren bereits auf die, durch die aus grobem Fels bestehenden Bruchzonen bestehende Gefahren aufmerksam gemacht habe.

Die NISA hatte dann den Kraftwerksbetreiber Japan Atomic Power Co. angewiesen, diese Bereiche zu untersuchen, da diese sich mit der Bruchlinie der Urazoko-Verwerfung bewegen könnte, die in der Nähe des AKW Tsuruga (Präf. Fukui) verläuft. Insgesamt befinden sich etwa 160 bekannte Bruchzohnen unter dem Gelände der Atomkraftanlage, auf der zwei Reaktoren stehen. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Tsukuba-Tornado möglicherweise für weitere Schäden verantwortlich: Wie die örtliche Meteorologiewarte Mito mitteilte, wurden am 6. Mai auch weitere Ortschaften der Präfektur Ibaraki von schweren Winden heimgesucht.

Rathaus von Sakuragawa/Manabe (Foto: pd)
Rathaus von Sakuragawa/Manabe (Foto: pd)

Sowohl aus Chikusei, als auch aus Sakuragawa wurden heftige Winde gemeldet. Feldforschungen vor Ort, zu denen am gestrigen Tag drei und am heutigen Dienstag vier Mitarbeiter entsandt worden waren, sollen nun klären, ob es sich ähnlich wie in Tsukuba, das südlich beider Orte liegt, um die Auswirkung eines Tornados handelt.

Damit wird frühestens heute im Laufe des Tages feststehen, ob es sich bei den Schäden in beiden Orten gleichfalls um Tornado-Folgen handelt. Neben baulichen Schäden an 164 Häusern in Chikusei, von denen 87 komplett zerstört wurden und 45 Häusern in Sakuragawa, gab es eine bzw. zwei verletzte Personen, so die Angaben der Präfekturleitung Ibaraki.

Zwischenzeitlich meldete die Meteorologiebeobachtung in Utsunomiya einige Details über den Verlauf des Tornado. Den Angaben in dem Artikel der Mainichi Shimbun zufolge, habe sich der Sturm in der Stadt Mooka (Präf. Tochigi), sowie zwei weiteren Orten gebildet und bei Hitachinomiya (Präf. Ibaraki) die Präfekturgrenzen überschritten. Bislang sind Tornado-bezogene Schäden in einer 18 Kilometer messenden Schneise in der Präfektur Tochigi festgestellt worden. Man schätze jedoch, dass der betroffene Bereich größer sei und mehr Forschung bedürfe.

Präfekturversammlung Gifu lehnt AKW-Neustarts vorerst ab:  Eine Präfekturversammlung in Zentraljapan hat einstimmig den Neustart von Atomkraftwerken in der jetzt vorgesehenen Form abgelehnt. Die Präfekturversammlung von Gifu  verabschiedete die Erklärung am heutigen Dienstag. Als Forderungen für einen Neustart wird von den Gemeindem gemeinsam die Bedingung genannt, zunächst habe die Regierung das Vertrauen der Anwohner zu gewinnen.

Außerdem kritisiert das Papier, dass die Erstellung der jetzigen Sicherheitsstandards die von der Regierung als Vorbedingungen für einen Neustart festgelegt wurden erfolgte, obwohl die Untersuchungen am AKW Fukushima Daiichi noch nicht abgeschlossen sind und keine unabhängigen Experten mitgewirkt hatten.   Zusätzlich wird die Haltung von Teilen des Kabinetts kritisiert, die darauf hingewiesen hatten, dass rein rechtlich keine Genehmigung durch Anwohner erforderlich ist, um Reaktoren neu zu starten.

Diese gemeinsame Präfekturerklärung von Gifu ist eine Reaktion auf die jüngsten Pläne zum Neustart des AKW Oi (Präf. Fukui) und die Unterzeichner machten deutlich, dass die Gemeinden eine mangelnde Respektierung der Interessen von Bürgern nicht dulden werde.  Auch in anderen Präfekturen gibt es Einwände und Bedenken. So hatten beispielsweise die Führungen der Präfekturen Shiga und Kyoto die Erfüllung eines Sieben-Punkte-Planes zur Bedingung gemacht. Das berichtet die NHK.

Walfangort plant friedlichere Zukunft: Die Küstenstadt Taiji (Präf. Wakayama) hat vor allem einen zumeist negativen Ruf als Walfangort und so kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen zwischen Tierschützern und Walfängern. Letztere behaupten vom Walfang abhängig zu sein, während nach Angaben von Kritikern, der Bedarf an Walfleisch weiter zurück geht.

Nun versucht man mit der Überlegung, statt des Fangs eine „Whale Farm“ einzurichten, neue Wege zu gehen. Nach Angaben des Bürgermeisters Kazutaka Sangen, ziehe die Stadtverwaltung in Betracht, den gesamten Walfangort in eine Art Naturpark umzuwandeln. In diesem sollen Besucher nicht nur Wale beobachten, sondern sogar mit ihnen Schwimmen, sowie an Kajaktouren innerhalb eines durch Netze gesicherten 28 Hektar großen Gebiets, in dem verschiedene Walarten freigelassen werden, teilnehmen können.

Allerdings wird bis zur Fertigstellung des Projekts eine Dauer von fünf Jahren vermutet, zumal weder die Position der Vertreter der örtlichen Perlenzucht, noch die Finanzierung des Vorhabens geklärt sind. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Auch in diesem Fall könnten jedoch möglicherweise Kritiker eine nicht artgerechte Haltung, oder eine ungewollte Vermenschlichung, bzw. Degradierung der Tiere zu einer Attraktion für Schaulustige, kritisieren.