Start Aktuelles Japan aktuell: Wasser aus unterirdischem Tank am AKW Fukushima übergelaufen

Japan aktuell: Wasser aus unterirdischem Tank am AKW Fukushima übergelaufen

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Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Neues Wasserproblem auf der Anlage (Foto: TEPCO)

Neben den vier Todesopfern die der Taifun Man-yi bislang forderte, wird aus Japan aktuell auch ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem Taifun gemeldet.

Die heutigen Fukushima News befassen sich allerdings nicht nur mit Mängeln bei der Entsorgung von 1.130 Tonnen Regenwasser, sondern auch mit erneuten Schwankungen der Tritiumwerte im Grundwasser.

Weitere Meldungen die beim Thema Fukushima aktuell von Interesse sind, umfassen etwa das erneute Auftreten von Dampf und die Langzeitkontrolle von künftigen Rückkehrern. Einzelheiten zu den Ereignissen am AKW Fukushima heute wieder im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. September 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Überlaufendes Rohwasser aus unterirdischem Wassertank
  • Tonnen von verklapptem Taifun-Regenwasser nicht auf Cäsium getestet
  • Tritiumkonzentration an Kontrollposten zurückgegangen
  • Kindergarten muss Hinterbliebene von Tsunami-Opfern entschädigen
  • Dosimeter zur Dauerkontrolle von Fukushima-Rückkehrern geplant
  • Südkorea lehnt Antrag auf Aufhebung des Fischimport-Stopps ab
  • Wiederholt Dampf über AKW Fukushima

Überlaufendes Rohwasser aus unterirdischem Wassertank: Gegen 13:15 Uhr entdeckte ein Angestellter, dass frisches Wasser vom Sakashita Damm aus einem unterirdischen Tank für Rohwasser überlief. Der Behälter ist Teil des Reinwasserfiltersystems der Kraftwerksanlage.

Als Rohwasser wird Wasser bezeichnet, bevor es weiteren Maßnahmen wie Filterung oder Aufbereitung unterzogen wird.

Das Wasser ist in einen nahe gelegenen Vorfluter gelaufen und der Austritt des Wassers endete, als ein Ventil am Einspeisungsrohr des Tanks geschlossen wurde.

Weder an dem Behälter, noch an anderen Teilen des Kraftwerks traten irgendwelche Abweichungen auf. Eine vor wenigen Tagen, am 10. September entnommene Probe in der Nähe des Behälters, lag die Belastung unter dem nachweisbaren Wert.

Tonnen von verklapptem Taifun-Regenwasser nicht auf Cäsium getestet: Wie Kraftwerksbetreiber TEPCO noch am gestrigen Montag einräumen musste, verlief das Ablassen von Regenwasser nach dem Taifun nicht vorschriftsmäßig. Anders als zunächst versichert, wurde die Flüssigkeit zuvor nicht vollständig auf radioaktives Material kontrolliert.

AKW Fukushima: Regenwasseransammlung innerhalb der Betonbarriere am 15. September 2013 (Foto; TEPCO)
AKW Fukushima: Regenwasseransammlung innerhalb der Betonbarriere am 15. September 2013 (Foto; TEPCO)

Der Konzern hatte sich zu dieser Notfallmaßnahme entschlossen, da die Wasserstände innerhalb der Tankbereiche stark anstiegen. Als weiterführende Begründung wurde genannt, dass erneute Lecks der Wassertanks unentdeckt bleiben könnten, falls man das angesammelte Regenwasser dort beließe.

Die Wassertankgruppen sind jeweils von sieben niedrigen Betonbarrieren umgeben, die eine Höhe von 30 Zentimetern haben und über ein Ablassventil verfügen. Diese waren bis zum Zwischenfall vom August, als durch ein bislang ungeklärtes Leck 300 Tonnen radioaktives Wasser austraten, durchweg geöffnet gewesen.

Wie das Unternehmen heute mitteilte, wurde aus sieben Tankbereichen das angesammelte Wasser abgelassen, da sie bereits die Betonfundamente der Stahltanks überspülten. Aus diesem Grund öffnete man die Ventile und entließ gestern zwischen 12:40 Uhr und 16:30 Uhr insgesamt 1.130 Tonnen angesammeltes Wasser, die im nahe gelegenen Erdboden versickerten.

AKW Fukushima: Sandsäcke vor (o.) und nachdem (u.) sie am 15. September 2013 weggespült wurden (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Sandsäcke vor (o.) und nachdem (u.) sie am 15. September 2013 weggespült wurden (Foto: TEPCO)

Bei vorangegangenen Strahlungskontrollen war die Flüssigkeit auf Betastrahler wie Strontium getestet und zunächst Werte unterhalb von neun Becquerel festgestellt worden. Auch Schnelltests in den sieben Bereichen ergaben nur Konzentrationen zwischen drei und 24 Becquerel pro Liter an Betastrahlern. Dies liegt unter dem Grenzwert für Freisetzung in die Umwelt von 30 Becquerel.

Daher ging man bei TEPCO davon aus, dass auch die Menge an Gammastrahlern wie Cäsium gering sein würde und führte keine separate Kontrollen auf Gammastrahler durch.

Der Kraftwerksbetreiber betonte jedoch, dass kein Wasser aus Bereichen freigesetzt wurde, in dem zuvor hohe Strahlungswerte gemessen worden waren. Beispielsweise waren im Bereich H4 bereits 170.00 Becquerel an Betastrahlern entdeckt worden. Dieses Wasser werde gezielt abgepumpt (Spreadnews berichtete am gestrigen Montag).

Die Entscheidung ist vor allem deshalb problematisch, da sie zeigt, dass der Kraftwerksbetreiber über keine Vorgaben für derartige Aktionen verfügte und diese auch nicht kurzfristig festlegte, obwohl die Ankunft des Taifun und die erheblichen Niederschläge bereits bekannt war. Über die umstrittene Maßnahmen berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Tritiumkonzentration an Kontrollposten zurückgegangen: Da die Regenfälle auch Auswirkungen auf das Grundwasser haben können, machte der Konzern auch hierzu Angaben. So konnte beispielsweise erstmals ein Rückgang der Tritiumkonzentration an Grundwasserkontrollposten gemeldet werden.

Nachdem zunächst am 12. September noch 130.000, am 13. September ein Anstieg auf 150.000 und am 14. September schließlich 170.000 Becquerel Tritium pro Liter festgestellt wurden, konnte gestern, am 16. September, erstmals ein Rückgang auf 140.000 Becquerel pro Liter festgestellt werden. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Kindergarten muss Hinterbliebene von Tsunami-Opfern entschädigen: Ein Gericht in Sendai verurteilte des privat betriebenen Kindergartens Hiyori in Ishinomaki (Präf. Miyagi) zur Zahlung von 177 Millionen Yen an die Eltern von vier Kindern.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Kindergarten muss Hinterbliebene von Tsunami-Opfern entschädigen (Symbolfoto: pd)

Die Kinder waren nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 ums Leben gekommen, als der Tsunami den Bus erfasste, der sie in Sicherheit bringen sollte.

Die Eltern von vier der fünf Opfer gingen vor Gericht und klagten, da den Verantwortlichen des Kindergartens die Gefährlichkeit der gewählten Küstenstrecke nach einem Erdbeben bewusst gewesen sein müsste.

Die Verteidigung hatte argumentiert, dass niemand einen derartigen Tsunami, wie er nur alle tausend Jahre auftrete,  hätte voraussehen können. Der Richter Norio Saiki entschied nun zugunsten der Kläger. Zur Begründung führte er an, nach einem dreiminütigen Erdbeben seien die Aufsichtspersonen verpflichtet gewesen, so schnell wie möglich Informationen über die Medien zu erhalten.

Es ist das erste Mal, dass eine Entscheidung über Schadenszahlungen, durch die Angehörigen von Tsunami-Opfer gegen die Betreiber einer Einrichtung im Katastrophengebiet, getroffen wurde. Über den Fall berichteten Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

Dosimeter zur Dauerkontrolle von Fukushima-Rückkehrern geplant: Das japanische Umweltministerium gab heute einen Plan bekannt, mit dem die Rückkehr einstiger Einwohner und die Strahlungsmessung vor Ort kombiniert werden könnte.

Dosimeter (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Dosimeter für Fukushima-Rückkehrer geplant (Symbolfoto, Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

So erklärte das Ministerium, man werde Personen, die nach Aufhebung der Evakuierungsempfehlung freiwillig in ihre Häuser innerhalb dekontaminierter Ortschaften zurückkehren, darum bitten, ein Dosimeter bei sich zu tragen, um ihre Strahlungsbelastung langfristig nachvollziehen zu können.

Für das Dosimeter-Kontrollprogramm, durch dessen Durchführung man sich Erkenntnisse zur verbesserten Reduktion der Strahlenbelastung erhofft, sind im Etat für das Fiskaljahr 2014 Gelder in Millionenhöhe angesetzt.

Auch Rückkehrer in Bereiche außerhalb der Präfektur, in denen staatlich geförderte Dekontaminationsmaßnahmen durchgeführt werden, sollen die Geräte erhalten, berichtet die NHK.

Südkorea lehnt Antrag auf Aufhebung des Fischimport-Stopps ab: Am gestrigen Morgen bat Kanji Kagawa, Leiter einer PR-Abteilung der japanischen Fischereibehörde, in Südkoreas Hauptstadt Seoul um die Aufhebung eines Importverbots für japanische Fischereiprodukte – ohne jedoch eine Einigung erzielen zu können.

Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Fukushima-Fisch: Keine Abnahme durch Südkorea (Foto vom 1. August, TEPCO)

Südkorea hat bislang ohne zeitliche Begrenzung, die Einfuhr von Meeresprodukten aus acht japanischen Präfekturen, darunter auch Fukushima, untersagt. Ursache des Embargos war die Entdeckung, dass bereits langfristig radioaktives Wasser aus der AKW-Ruine Fukushima Daiichi ins Meer gelangt.

Kagawa hatte erklärt, der Bann sei unverhältnismäßig und habe keine wissenschaftliche Grundlage. Zudem habe man Seoul aktualisierte Informationen zukommen lassen.

Ein Vertreter des koreanischen Ministeriums für Lebensmittel- und Medikamentensicherheit lehnte die Bitte ab und erklärte, das Verbot werde weiterhin bestehen, um Sicherheit und Gesundheit der Bürger Südkoreas gewährleisten zu können.

Nun erwägt Japan möglicherweise, die Welthandelsorganisation WTO einzuschalten. Hierüber berichteten jiji und Asahi Shimbun.

Wiederholt Dampf über AKW Fukushima: Seit dem gestrigen Morgen um 8:00 Uhr waren keine Hinweise auf Dampf über dem fünften Stock von Reaktor 3 gesichtet worden.

Nun belegen jedoch Aufnahmen einer Kamera, dass es am heutigen Dienstag ebenfalls um 8:00 Uhr erneut zum Aufstieg von Dampf kam. Dieser endete diesmal jedoch bereits gegen 9:40 Uhr.

Wie bereits bei den Sichtungen zuvor, konnten keine ungewöhnlichen Veränderungen an der Kühlung des Abklingbeckens, noch an der Einspeisung von Wasser in den Reaktor festgestellt werden.

Sicherheitskontrollen am AKW Oi fortgesetzt: Nach einer zweimonatigen Pause nahm die Atomaufsichtsbehörde NRA heute die Sicherheitsbeurteilung am AKW Oi (Präf. Fukui) wieder auf. Der Betreiber Kansai Electric muss den strengeren Sicherheitsrichtlinien folgen, will er die Reaktoren 3 und 4 wieder hochfahren

Die NRA hatte die Prüfungen ausgesetzt, um die ausstehende Beurteilung eines Expertenteams abzuwarten. Diese waren am 2. September zu dem Schluss gelangt, dass potentiell kritische Verwerfungen unter der Anlage nicht als aktiv einzustufen sei.

Bei den heutigen Gesprächen tauschten sich NRA und Betreiber über die möglicherweise erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen aus, die zur Verhinderung und Bewältigung schwerer Zwischenfälle zu treffen. Die beiden Reaktoren gehören zu insgesamt 12, für die Kansai Electric im Juli eine Prüfung für eine Neustartgenehmigung beantragt hatte.Hierüber berichteten jiji und NHK.

 

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