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Japan aktuell: Wasseransammlung in Lagergebäude von Fukushima-Reaktor 2

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Fukushima-Reaktor 2: Einfliessendes Wasser am Wandrohrübergang der Abfalllagerung am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Einfliessendes Wasser am Wandrohrübergang der Abfalllagerung am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Einfliessendes Wasser am Wandrohrübergang der Abfalllagerung am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Einfliessendes Wasser am Wandrohrübergang der Abfalllagerung am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Fast könnte man meinen, TEPCO würde im AKW Fukushima aktuell in eine erneute Serie von Pannen und Zwischenfällen übergehen.

Nachdem gestern der bislang als unproblematisch angesehene Reaktor 6 ein Problem meldete, ist es nun ein Leck an einer bisher unauffälligen Stelle eines anderen Reaktors, das an der Anlage von Fukushima aktuell eine weitere Meldung erforderlich macht.

Da helfen auch die heute von TEPCO präsentierten zusätzlichen Aufnahmen aus dem Schaltschrank, oder von der Einsatzübung eines luftgekühlten Gasturbinen-Elektrizitätsfahrzeugs  nicht, um die gegenwärtigen Entwicklungen zu kaschieren.

Detaillierte Fukushima News und Meldungen zu dem, was sich außerhalb des AKW Fukushima aktuell sonst noch ereignete, jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Ansammlung von Wasser in unterirdischer Abfalllagerung von Reaktor 2
  • NISA fordert genauere Untersuchungen von Verwerfungen an Atomkraftwerken
  • Neue TEPCO-Führung besucht beide Fukushima-Kraftwerke
  • Sintflutartige Regenfälle fordern Todesopfer
  • Nachfolgeorganisation der Giftgas-Sekte kauft Gebäude als Ausbildungszentrum

Ansammlung von Wasser in unterirdischer Abfalllagerung von Reaktor 2: Am gestrigen Tag veröffentlichte TEPCO noch weiteres Material, dass sich diesmal mit einem Leck an ungewöhnlicher Stelle befasst. Den jüngsten Berichten des Kraftwerksbetreibers TEPCO zufolge, wurde bereits am Montag im Gebäude der unterirdischen Lagerungseinheit für radioaktive Abfälle an Reaktor 2 eine Ansammlung von radioaktiv kontaminiertem Wasser festgestellt.

Fukushima-Reaktor-2: Angesammeltes Wasser am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor-2: Angesammeltes Wasser im Abfalllagergebäude am 2. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Das angesammelte Wasser war während einer Untersuchung der dortigen Behälter entdeckt worden. Es hatte sich im Lagerbehälter für verwendetes Harz angesammelt. In dem Gebäude wurde an der Oberseite des Behälters eine Strahlung von 0,8 Millisievert pro Stunde gemessen. In einem Abstand von 60 Zentimeter zur Wasseroberfläche wurden dagegen 20 Millisievert pro Stunde oder mehr gemessen.

Es könne nicht festgestellt werden, ob diese Werte durch den Inhalt des Behälters oder durch das angesammelte Wasser beeinflusst wurden, heisst es von Betreiberseite. Daher gelte es die später stattfindenen Nuklidanalyse abzuwarten. Eine Freisetzung außerhalb des Bereichs ist nach Angaben von TEPCO nicht möglich, da der Grundwasserspiegel höher liege, als der Wasserstand in diesem Gebäude.

NISA fordert genauere Untersuchungen von Verwerfungen an Atomkraftwerken: Die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA erklärte, geologische Verwerfungen  die sich in der Nähe oder sogar unterhalb von Kernkraftwerken befinden, müssten gründlicher untersucht werden.

So besteht nach Ansicht der NISA die Gefahr, dass sich die Bruchzonen zwischen zwei Kernkraftanlagen – dem AKW Mihama (Betreiber: KEPCO) sowie dem Reaktor vom Typ eines schnellen Brüters am AKW Monju (Betreiber: JAEA) in der Präfektur Fukui – gemeinsam mit nahe gelegenen aktiven Verwerfungen bewegen könnten.

Die als aktiv eingestufte Shiraki-Nyu Verwerfung verläuft etwa einen Kilometer östlich vom AKW Mihama von Norden nach Süden und damit 500 Meter westlich des AKW Monju. Zusätzlich finden sich auf dem Gelände der Anlage des AKW Mihama neun weitere Verwerfungen, während unter dem AKW Monju nein weitere verlaufen.

Sowohl KEPCO als auch die japanische Atomenergiebehörde JAEA erklären, keine der dort verlaufenden Verwerfungen zeige Aktivität und auch die Möglichkeit, die Verwerfungen könnten sich gemeinsam bei Aktivitäten der Shiraki-Nyu Verwerfung mitbewegen wurde ausgeschlossen.

Allerdings zeigt das Beispiel des AKW Tsuruga (Betreiber: JAPC), bei dem die NISA eine erneute Untersuchung auf mögliche Auswirkungen der aktiven Urazoko Verwerfung auf die Sicherheit von Reaktor 2, dass derartige Faktoren nicht zu unterschätzen sind.

Bei einer Expertenanhörung rief die NISA, welche dem Industrieministerium untersteht, dazu auf, entsprechende Daten über Verwerfungen an 13 weiteren Kraftwerken zu sammeln – darunter auch am AKW Oi (Betreiber KEPCO), an dem erst kürzlich der Neustart eines Reaktors eingeleitet worden war.

Über diese Themen wie auch die mögliche Notwendigkeit für die landesweite Untersuchung von Bruchzonen im Bereich von Atomkraftwerken berichteten die Asahi Shimbun und die Kyodo, sowie die Mainichi Shimbun unddie jiji.

Neue TEPCO-Führung besucht beide Fukushima-Kraftwerke: Am heutigen Mittwoch besuchte erstmals die neue TEPCO-Konzernspitze – der Vorsitzende Kazuhiko Shimokobe und der Präsident Naomi Hirose – zwei Anlagen in der Präfektur Fukushima. Shimokobe hatte bereits gestern 13 Gemeinden dort bereist und sich mit Vertretern der örtlichen Verwaltung getroffen.

Besichtigung von Fukushima Daini-durch neue TEPCO-Führung am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Besichtigung von Fukushima Daini-durch neue TEPCO-Führung am 4. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Bei der anschliessenden Pressekonferenz bekräftigte Shimokobe, er werde die Forderung einiger Gemeinden, alle Atomkraftwerke in der Region endgültig stillzulegen ernst nehmen.

Über die Zukunft des AKW Fukushima Daini (Fukushima 2) müsse das Unternehmen im Bezug auf Japans neue Atompolitik noch beraten.

Im weiteren Verlauf erklärte Shimokobe, ihm sei nach den Besichtigungen der vergangenen Tage bewusst geworden, wir schwerwiegend und weitreichend der Schaden durch die Nuklearkatastrophe sei und TEPCO aufrichtige Bemühungen unternehme, um die Lebensbedingungen der Menschen auf den Stand vor dem Reaktorunglück zu bringen.

Die Pressekonferenz im erdbebensicheren Gebäude von Fukushima Daiichi und das Treffen mit 450 Angestellten am AKW Daini waren im übrigen die einzigen Gelegenheiten bei denen Journalisten anwesend sein durften. Bei seiner Besichtung des AKW Fukushima Daiichi war die Begleitung durch Medienvertreter untersagt worden. Hierüber berichtete die NHK.

Sintflutartige Regenfälle fordern Todesopfer: Heftige Regenfälle und Rekordniederschläge haben am gestrigen Dienstag mehrere Gebiete im Südwesten Japans heimgesucht und dabei zu Überflutungen und Erdrutschen geführt. Dabei gab es bislang mindestens ein Todesopfer.

Der 80 Jahre alte Toshikune Ide wurde am Dienstagmorgen in Asakura (Präf. Fukuoka) nach einem Erdrutsch von den Trümmern seines Hauses begraben und konnte um 16:30 Uhr nur noch tot geborgen werden. Die 79 Jahre alte Ehefrau konnte unverletzt entkommen.

Aus der Präfektur Oita gibt es Meldungen über einen 90 Jahre alten Mann in Usa, der bei der Konfrontation mit einem Erdrutsch mehrere Rippenbrüche erlitt, sowie die Vermisstenmeldung des 76 Jahre alten Hatsuo Soga,  Angestellter  einer landwirtschaftlichen Kooperative in Nakatsu. Dieser wird vermisst, seit die Fluten die Verarbeitungsanlage für landwirtschaftliche Produkte in der er Arbeitete, weggespült hatten. Seine Arbeitskollegen entkamen.

Stadt Hita in Präfektur Oita (Foto: pd)
Alte Straße in der Stadt Hita (Foto: pd)

Für 20.000 Einwohner der Stadt Hita  (Präf. Oita)  und des Ortes Koge (Präf. Fukuoka) erging eine Evakuierungsaufforderung, berichtet die Kyodo. Nach Angaben der NHK erhielten etwa 17.000 Einwohner der Städte Hita und Yufu (beide Präf. Oita) eine Evakuerungsempfehlung.

Auch für andere Gemeinden wurden zumindest entsprechende Evakuierungsempfehlungen ausgesprochen.

Die  japanische Wetterbehörde meldet Rekordniederschläge. In Nakatsu (Präf. Oita)  wurden 91,0 Millimeter pro Stunde gemessen, in Soeda (Präf. Fukuoka) fielen  bis zu 86,5 Millimeter pro Stunde

Für den heutigen Mittwochmorgen wurde für den Norden der Hauptinsel Kyushu weitere schwere Regenfälle vorausgesagt, auch schwere Gewitter seien möglich, berichtet die Behörde. Über das Wetterchaos berichteten die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji, sowie die NHK, Asahi Shimbun und die Mainichi Shimbun.

Nachfolgeorganisation der Giftgas-Sekte kauft Gebäude als Ausbildungszentrum: Die Gruppierung Aleph zählt zu den so genannten neuen Religionen, oder Shinshukyo, die in der Regel eine Mischung verschiedener Glaubensinhalten unterschiedlicher Herkunft lehren. Das besondere an dieser Gruppierung ist jedoch, dass es sich bei ihr um eine der beiden Nachfolgeorganisationen der als „Giftgas-Sekte“ bekannt gewordenen Omu Shinrikyo handelt.

Stadt Hasuda in der Präfektur Saitama (Foto: pd)
Stadt Hasuda: Angst vor geplantem Sektenzentrum (Foto: pd)

Während gegen Katsuya Takahashi, ein bereits inhaftiertes Mitglied der Omu Shinrikyo, ein zusätzlicher Haftbefehl wegen der vermuteten Beteiligung an einem Paketbombenanschlag auf die Verwaltung von Tokyo im Jahr 1995, bei dem durch einen, als Buch getarnten Sprengsatz ein Angestellter schwer verletzt worden war, ausgestellt wurde, agieren die Nachfolgeorganisationen der terroristischen Bewegung weiter.

Unter Berufung auf Ermittlerquellen berichtet die Yomiuri Shimbun, eine Person mit Verbindungen zur Sekte habe bei einer Auktion ein dreistöckiges Betongebäude in der Stadt Hasuda (Präf. Saitama) erworben.

Der Käufer will das für 12 Millionen Yen erworbene Gebäude nach einer entsprechenden Anfrage der Sekte nun an diese vermieten. Ein Mietvertrag wurde zwar noch nicht unterschrieben, jedoch erhielten Mitglieder der Gruppierung bereits einen Schlüssel.

Tatsächlich wurden bei polizeilichen Observierungen entsprechende Personen beobachtet, die das Gebäude betraten und verliessen. Polizeibehörden und der japanische Geheimdienst PSIA überwachen die Sekte mit Sonderbefugnissen und gehen davon aus, dass der Kult dort ein Ausbildungszentrum für Laienanhänger einrichten will.

Zuletzt hatte die Sekte versucht, durch das Angebot von Yoga-Kursen besonders stressgeplagte junge Studenten anzusprechen, ohne dabei den Hintergrund der Lehrer zu offenbaren. Die Anhänger verehren weiterhin Shoko Asahara (Realname Chizuo Matsumoto) als ihren spirituellen Führer und halten an seinen Endzeit-Lehren und Übungstechniken fest. Aleph und die Splittergruppe Hikari no Wa verfügen über insgesamt 1.500 Mitglieder.

Die Einwohner sind nach Angaben des Bürgermeisters Kazunobu Nakano besorgt über die mögliche Niederlassung der Sekte. Die Stadtversammlung prüft nun, ob es rechtliche Schritte gibt, die gegen das Vorhaben eingeleitet werden können. Unter anderem wird ein Erlass erwogen, der antisozialen Gruppen die Ansiedlung verbieten soll.

Aleph verfügt nach Erkenntnissen der Behörden über 24 Einrichtungen in 13 Präfekturen, darunter in Tokyo (Bezirk Adachi), Sapporo und Ryugaseki (Präf. Ibaraki)

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