Start Aktuelles Japan aktuell: Wasseraustritt in Fukushima-Reaktor nur schwer zu stoppen

Japan aktuell: Wasseraustritt in Fukushima-Reaktor nur schwer zu stoppen

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Leck am Wassertank der Entsalzungsanlage am 3. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Wasser bleibt schwerwiegendes Problem - wie hier bei einem Leck am 3. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Leck am Wassertank der Entsalzungsanlage am 3. Februar 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima: Leck am Wassertank der Entsalzungsanlage am 3. Februar 2012 (Foto: TEPCO)

Im Shinshoji, einem Tempel östlich von Tokyo, versuchten die Bürger beim traditionellen Bohnenwerfen (Mamemaki), das jedes Jahr zum Mondkalender-Frühlingsbeginn (Setsubun) in Japan am 3. Februar stattfindet, einige von ihnen zu fangen, da dies als glückbringend für das neue Jahr gilt. Glück hatte definitiv eine 84 Jahre alte Frau in der Präfektur Yamagata, die einer Meldung der Mainichi Shimbun zufolge, nachdem sie bei Schneeräumarbeiten vom Dach gefallen war, vier Stunden unter Schneemassen überlebte.

Wenig Glück hatten weitere Japaner, meldete die NHK doch heute bereits 63 Tote durch das Schneechaos, während an 90 Prozent der Messtationen das Thermometer unter null Grad fiel – und auch Kraftwerksbetreiber TEPCO, ist mit den jüngsten Ereignissen am AKW Fukushima aktuell sicher alles andere als glücklich. Weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten aus Japan aktuell im Spreadnews Japan-Ticker vom 03. Februar 2012.

Fukushima-Reaktor: Radioaktives Wasser tritt weiterhin aus: Die Betreiberfirma TEPCO erklärte am heutigen Freitag, das am  Reaktor Nummer 4 weiterhin radioaktives Wasser austritt. Dies geschieht möglicherweise an Reaktorbehältern, dessen Abklingbecken oder einem anderen Becken für Geräte mit Bezug zum Reaktor. Dennoch halte das Unternehmen die Wasserstände in allen drei Einheiten, die miteinander verbunden sind,  fast auf voller Höhe.

Das Unternehmen konnte trotz des einigermaßen konstanten Wasserstandes der drei Anlagen das Leck nachweisen, da der Pegel in einem Tank für die Aufnahme von überfliessendem Wasser doppelt so schnell sank, als dies normalerweise der Fall ist. Man geht davon aus, dass das freiwerdende Wasser in den Keller des Reaktorgebäudes läuft, wo sich bereits eine Menge radioaktiv kontaminierten Wassers angesammelt hat.

Arbeiter vor Ort versuchen den genauen Ort des Lecks zu lokalisieren. Als Ursache geht man erneut von Schäden an Verbindungsstellen von Wasserohren und anderen Stellen, die für Frost anfällig sind, aus.

Überprüfungen am AKW Fukushima: Die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA will am Montag eine Inspektion des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi beginnen. Anders als bei Stresstests geht es in diesem Fall darum zu beurteilen, ob die Anlage weiter sicher im Zustand des Cold Shutdown gehalten werden kann. Die Beamten sollen Ausrüstung und Vorbereitung auf unvorhergesehene Zwischenfälle untersuchen. Zu diesem Zweck sollen während der dreiwöchigen Kontrolle Richtlinien überprüfen und Befragungen von Arbeitern durchgeführt werden.

Zu den sieben Arten von Anlagen die dabei geprüft werden, gehören das Kühlsystem der Reaktoren, dass durch die Wiederaufbereitung eine Rückführung der radioaktiven Abwässer in den Kühlkreislauf ermöglicht und das System zur Einspeisung von Stickstoff um mögliche Wasserstoffexplosionen in den ruhenden Reaktoren zu verhindern. Die Kontrollen werden nach Angaben der Behörden auch für die Medien zugänglich sein, so eine Meldung der NHK.

SPEEDI für weitere Präfekturen:  Wie das japanische Wissenschaftsministerium am heutigen Freitag mitteilte, habe man damit begonnen, fünf Präfekturen Informationen über die Strahlungswerte, die vom Computersystem SPEEDI mit dem derartige Werte für Notfälle errechnet werden, anzubieten. Die fünf Präfekturen Fukuoka, Gifu und Shiga, sowie Toyama und Yamaguchi werden Teil der neuen UPZ-Einteilung, da sie innerhalb von 30 Kilometern um Atomkraftwerke liegen. Die Entscheidung hierzu war bereits im Dezember 2011 getroffen worden.

Auch wenn die Terminals für das Computersystem noch eingerichtet werden müssen, werde man bereits jetzt, auf Anfrage diese Daten bereitstellen. Bislang verfügen 19 Präfekturen über derartige SPEEDI-Terminals. Das berichtete die Nachrichtenagentur jiji.

Dem steht jedoch die Meinung einer Arbeitsgruppe der Nuclear Safety Commission (NSC) vom Januar 2012 entgegen, die  offiziellen Stellen dazu riet, die Nutzung von SPEEDI aufzugeben, da die Voraussagen einen großen Grad an Unsicherheit aufwiesen, was das Computersystem in Notfällen unzuverlässig mache. Entscheidungen über Evakuierungen sollten vielmehr auf Basis gesammelter Daten, wie etwa über das Strahlungsniveau basieren, anstatt SPEEDI zu nutzen, dass eine geringe Zuverlässigkeit habe.

Diese Kritik widerspricht definitiv der Einschätzung einer früheren Ausschusses, der in einem Zwischenbericht zu dem Schluss gekommen war, hätten mehr Präfekturen die Informationen des System erhalten, wären bessere Entscheidungen getroffen worden. Informationen über diese Einschätzungen fanden sich etwa in der Yomiuri Shimbun vom 19. Januar.

Ausfall von Wärmekraftanlage durch Kälte: TEPCO wäre es sicher lieber, es würde sich um einen Aprilscherz handeln, doch tatsächlich will die Stadt Musashimurayama, in der Präfektur Tokyo und westlich von Japans Haupstadt Tokyo gelegen, die Stromversorgung für viele ihrer Hauptgebäude zu diesem Datum einem anderen Energiekonzern überlassen. Dass es sich bei einem Problem, dass dem Konkurrenten Kyushu Electrics zu schaffen machte, ebenfalls um eine Folge der Kälte handelt, ist durchaus nachvollziehbar. Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen sprachlichen Ironie, wenn, wie in diesem Fall, der Schaden an einer Wärmekraftanlage auftritt.

Eine Notabschaltung am Wärmekraftwerk Shin Oita ereignete sich gegen vier Uhr Morgens (Ortszeit), als ein Stahlrohr für  Druckluft einfror, was den Betrieb eines Ventils, das die Menge des verflüssigten Gases zu den Turbinen regulierte, behinderte. Das Ventil schloss sich, als keine Druckluft mehr zugeführt wurde, aus Sicherheitsgründen selbst. Dies führte zu Besorgnis über einen möglichen Ausfall des mit 13 Generatoren ausgestatteten Kraftwerks, da dies zu einer ernsten Stromknappheit durch die Anlage geführt hätte. Der Betrieb des 2,29 Millionen Kilowatt produzierenden Kraftwerks konnte innerhalb von vier Stunden schrittweise wieder aufgenommen werden.

Ein großer Stromausfall konnte aufgrund der schnellen Wiederherstellung und des raschen Kaufs  von 2,4 Millionen Kilowatt bei sechs anderen Elektrizitätsanbietern – darunter 500.000 Kilowatt von TEPCO – abgewendet werden. Auch wurden 46 Unternehmen mit denen Abkommen bestehen, im Fall einer Stromknappheit ihren Energieverbrauch zu senken, hierum gebeten und etwa 30 erklärten sich damit einverstanden.

Tokyo Regierungsgebäude 6 Justizminsterium und PSIA (Foto: っ cc-by)
Tokyo Regierungsgebäude 6: Sitz der PSIA (Foto: っ cc-by)

Geheimdienst mit Razzia bei Ableger der Giftgas-Sekte: Der japanische Geheimdienst Public Security Intelligence Agency (PSIA) hat am Freitag mehrere Räumlichkeiten der religiösen Bewegung „Hikari no Wa“ durchsucht – darunter auch das Hauptzentrum der Sekte im Tokyoter Stadtteil Setagaya. Weitere Zweigstellen in den Präfekturen Aichi, Chiba un Fukuoka, sowie in Kanagawa, Miyagi, Nagano und Osaka wurden ebenfalls kontrolliert. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Bei „Hikari no Wa“ handelt es sich um eine der so genannten neuen religiösen Bewegungen (Shinshukyo) und zwar um einen Ableger der Sekte Omu Shinrikyo, die für ihre Anschläge mit Giftgas auf die U-Bahn in Tokyo 1995 weltweit bekannt wurde und sich selbst im Jahr 2000 in Aleph umbenannt  hat. Die Anhängerschaft von Hikari no Wa hatte sich im Jahr 2007 unter der Leitung von Fumihiro Joyu abgespalten.

Es handelt sich um die erste Durchsuchung in den Anlagen der Sekte, seit die Überwachungsbefugnisse gegen die Gruppierung auf weitere drei Jahre ausgeweitet worden war.

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