Start Aktuelles Japan aktuell: Wasserleck und drohende Millionenklage beschäftigen Fukushima-Betreiber

Japan aktuell: Wasserleck und drohende Millionenklage beschäftigen Fukushima-Betreiber

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AKW Fukushima: Riss in Schlauchleitung der Transferpumpe am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Riss in Schlauchleitung der Transferpumpe am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Riss in Schlauchleitung der Transferpumpe am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Riss in Schlauchleitung der Transferpumpe am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)

Es scheint fast, als hätte TEPCO mit der Ernennung eines neuen Präsidenten auch sein Schweigen gebrochen, denn tatsächlich bietet man der ausländischen Presse nun wieder Material zur Situation, wie sie sich am AKW Fukushima aktuell darstellt.

Doch neben einem weiteren Pannenbericht vom Atomkraftwerk, kann der Betreiber möglicherweise bald auch eine Klage aufgrund eines Todesfalls vorweisen. Mehr Fukushima News und weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 10. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fuji weist potentiell aktive Verwerfung auf
  • Familie von Selbstmordopfer strebt Klage gegen TEPCO an
  • Asteroiden nach Japans Katastrophengebieten benannt

Kameras entdecken spritzenden Wasseraustritt an Anlage des AKW Fukushima: Am gestrigen Mittwoch gegen 12:45 Uhr registrierte eine Überwachungskamera herausspritzendes Wasser in der Nähe der Transferpumpen der Wasserfilterung, vor dem früheren Gebäude des Verwaltungsbüros.

AKW Fukushima: Leckbereich an den Wassertransferpumpen am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckbereich an den Wassertransferpumpen am 9. Mai 2012 (Foto: TEPCO)

Gegen 13:00 Uhr wurde die Pumpe nach Angaben von TEPCO angehalten. Eine Kontrolle durch die Kameras bestätigte um 13:03 Uhr  den Stopp des Lecks. Kurz darauf, um 13:07 Uhr wurde das Ventil für das Filtratwasser geschlossen.

Die an der Oberfläche gemessene Belastung betrug etwa 300 bis 400 Mikrosievert pro Stunde, was dem Umgebungswert entspreche. Eine anschließende Untersuchung habe dann einen Riss in der Schlauchleitung an der Pumpe für Filtratwasser als Ursache für das Herausspritzen des Wassers ergeben. Aufgrund der Tatsache, dass es sich um Filtratwasser gehandelt habe und weder die Abflussrinne, noch in der Nähe des Lecks hinabgeflossen sei, gehe man davon aus, dass sich kein Wasserleck außerhalb dieses Bereichs befinde. Der gerissene Schlauch werde ersetzt, hiess es von TEPCO.

Fuji weist potentiell aktive Verwerfung auf: Japans höchster Berg, der Vulkan Fuji ist vermutlich das bekannteste Wahrzeichen des Landes und nicht erst seit der Ära der Tourismus-Hochglanzprospekte ein beliebtes Motiv der Kunst. Doch jetzt gaben Wissenschaftler bekannt, dass der nach wie vor als aktiv eingestufte Vulkan  ein bislang unerkanntes Risiko birgt.

Fujisan (富士山) mit Shinkansen (新幹線)
Fujisan mit Shinkansen-Schnellzug (Foto: pd)

Untersuchungen des Erdbebenforschungsinstituts der Universität Tokyo und des Ministeriums für Wissenschaft, die unter der Leitung von Professor Hiroshi Sato vom Fiskaljahr 2009 an  bis zum März des Fiskaljahres 2011 durchgeführt worden waren, machten eine vermutlich aktive geologische Verwerfung von 30 Kilometern Länge unter dem Vulkan aus.

Diese, an der südöstlichen Seite des Berges verlaufende Verwerfung könnte ein Erdbeben der Stärke sieben verursachen, was in diesem Fall vermutlich auch mit schweren Erdrutschen an den Hängen des 3.776,24 Meter hohen Vulkans einherginge, der im Berührungsbereich drei tektonischer Platten liegt. Zudem wird eine Verbindung mit einer weiteren, östlich gelegenen Verwerfung angenommen.

Bei der Untersuchung hatten die Wissenschaftler durch schwere Trucks künstlich erzeugte seismische Wellen genutzt, um die unterirdischen Strukturen am östlichen Fuß des Fuji analysieren zu können und kamen dabei zu dem Schluss, dass die entdeckte Verwerfung aktiv sein könnte, da sie Anzeichen von Bewegung vor mehreren hunderttausend Jahren, oder früher gezeigt habe.

Die Entdeckung wurde bereits an die Präfektur Shizuoka gemeldet – neben Yamanashi, eine der Präfekturen in deren Gebiet sich der Berg befindet. Die Einzelheiten zu der neu entdeckten Verwerfung, die in der Nähe von Gotemba (Präf. Shizuoka) verläuft, sollen auf einem Treffen der japanischen Vereinigung für Geowissenschaften, das ab dem 20. Mai 2012 in Chiba, nördlich von Tokyo stattfinden wird, vorgestellt werden. Das berichten die Nachrichtenagentur jiji und die NHK.

Familie von Selbstmordopfer strebt Klage gegen TEPCO an:  Die Hinterbliebenen von Hamako Watanabe, die sich im Alter von 58 Jahren durch Selbstverbrennung das Leben nahm, streben eine Klage gegen den Elektrizitätskonzern TEPCO an. Ihrer Ansicht nach kann der Suizid auf die psychologischen Auswirkungen des Lebens als Flüchtling zurückgeführt werden.

Ihr 61 Jahre alter Witwer Mikio Watanabe will nun, zusammen mit drei weiteren Familienangehörigen, den Fall am 18. Mai vor ein Gericht in Fukushima bringen. Die Kläger planen eine Entschädigungszahlung in Höhe von 72,5 Millionen Yen. Den Schilderungen der Anwälte zufolge, hatte sich der Zustand der Frau nach der Flucht zunehmend verschlechtert.

Unmittelbar nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe hatte das Ehepaar sein Haus in Kawamata verlassen und seit dem 15. März 2011 zunächst bei Verwandten und dann in Turnhallen der Präfektur Fukushima gelebt. Eine Rückkehr in ihr Haus im Ortsteil Yamakiya war jedoch nur von kurzer Dauer, da das Viertel als Teil der erweiterten Evakuierungszone eingestuft wurde. Nach einigen Monaten Wartezeit konnte das Paar dann eine Mietwohnung in der Stadt Fukushima ziehen.

Hamako Watanabe verlor durch diese Umstände nicht nur ihre Arbeit, da das Unternehmen schloss, sondern musste auch getrennt von ihrem ältesten Sohn (37) und weiteren Angehörigen leben. Sie habe dann begonnen Symptome wie Schlaflosigkeit, Appetitmangel und Antriebsarmut zu entwickeln.

Am Morgen des 1. Juli 2011 tötete sich die an Depressionen leidende Frau selbst, indem sie sich bei einem kurzen Besuch ihres alten Hauses mit Benzin überschüttete und auf einer Müllverbrennung in der Nähe ihres Hauses selbst anzündete. Die Rechtsanwälte der künftigen Kläger führen die Lebensumstände durch Fukushima-Krise als Ursache der Depressionen an. Über den Fall berichteten die Mainichi Shimbun sowie die jiji.

Sollte das Gericht die Klage akzeptieren, so handelt es sich für TEPCO um den ersten Fall einer Klage von Angehörigen eines Suizidopfers  gegen den Energiekonzern. Zur geplanten Klage befragt, hiess es von Seiten des Unternehmens lediglich, dieser Umstand sei noch nicht bekannt und aufgrund mangelnder Kenntnis gebe man keinen Kommentar zu den erhobenen Vorwürfen ab.

Asteroiden nach Japans Katastrophengebieten benannt: Mit Genehmigung der International Astronimical Union (IAU) wurde eine Reihe neu entdeckter Asteroiden zwischen Mars und Jupiter nach Präfekturen und Ortschaften im Nordosten Japans benannt, die besonders unter den Folgen des Tohoku-Erdbebens, des Tsunami und der Nuklearkatastrophe vom 11. März 2011 leiden.

Junichi Watanabe, stellvertretender Leiter des Japan National Astronomical Observatory (NAOJ), der selbst aus der Präfektur Fukushima stammt,  hatte die Namensnennung vorgeschlagen und sich mit dem Lowell Observatorium in den USA in Verbindung gesetzt, an dem die Asteroiden entdeckt worden waren. Zuletzt hatte auch die IAU ihre Zustimmung erteilt, da man der Ansicht sei, die namentliche Präsenz könnte den Wiederaufbau der namensgebenden Gebiete verbessern.

Unter den zwölf neuen Asteroidennamen sind erwartungsgemäß auch die Präfekturen Iwate und Miyagi, sowie die Stadt Rikuzentakata, wo sich die einsame Kiefer befand. Das berichtet die NHK.

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