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Japan aktuell: Wasserstand in Sicherheitsbehälter des AKW Fukushima unter einem Meter

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Toshiba-Arbeiter bei Endoskopie in Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Angestellter von Toshiba bei Endoskopie in Fukushima-Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Toshiba-Arbeiter bei Endoskopie in Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Angestellter von Toshiba bei Endoskopie in Fukushima-Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)

Mit dem heutigen Montag ist hat lediglich einer der 54 Atomreaktoren Japans weiter in Betrieb. Die neben dem zerstörten AKW Fukushima aktuell verbliebenen Anlagen sind aufgrund von Wartungsarbeiten, oder aufgrund von Sicherheitsbedenken vorübergehend heruntergefahren.

Bedenken gibt es im Bezug auf neue Erdbebenrisiken und zudem wurde vom AKW Fukushima ein Leck mit radioaktivem Wasser gemeldet.

Weitere Fukushima News, etwa zu den Ergebnissen der Reaktor-Endoskopie, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Zweite Endoskopie an Fukushima-Reaktor mit interessantem Ergebnis
  • Entscheidungsträger für Neustarts unklar
  • Radioaktives Material gelangt durch Leitungsleck ins Meer
  • Erdbebengefahr nahe Tokyo durch bislang unbekannte Verwerfungen
  • Energiekonzern zahlte Millionen an Ausschussmitglieder
  • NISA akzeptiert Stresstest des AKW Ikata

Zweite Endoskopie an Fukushima-Reaktor mit interessantem Ergebnis: Nachdem eine vergleichbare Untersuchung im Januar diesen Jahres aufgrund der zu geringen Länge der Leitung nicht zu den gewünschten Aufnahmen des Wasserstands im Sicherheitsbehälter des Fukushima-Reaktors 2 geführt hatte, will der Betreiber TEPCO ab dem heutigen Montag einen erneuten Versuch mit einer Dauer von zwei Tagen versuchen.  Das berichtet die NHK.

Endoskop: Unterwasser-Aufnahme des Sicherheits von Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Endoskop: Unterwasser-Aufnahme aus dem Sicherheitsbehälter von Fukushima-Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)

Neben der Kamera und einem Thermometer sollte auch ein Dosimeter eingeführt werden, um neben dem Zustand der Oberfläche und der Temperatur auch die Strahlung an den Wänden und in einem Meter Abstand zu diesen messen zu können.

Nach Angaben von TEPCO sei das Ziel des Versuchs, sich zu vergewissern, dass die Corium genannte Masse aus geschmolzenen Brennelementen, die auf den Boden des Sicherheitsbehälters gefallen war, auch ausreichend gekühlt wird. Die Strahlungsmessung könne bei der Entwicklung von Geräten helfen, die für die vollständige Stilllegung der Reaktoren erforderlich ist. Kenntnis über den Zustand des Behälters ist eine Voraussetzung, bevor die Stilllegung geplant werden kann.

An dem Einsatz waren 18 Mitarbeiter von TEPCO und 16 von Toshiba beteiligt, die radioaktive Belastung betrug 5,29 Millisievert pro Person (der zulässige tägliche Höchstwert liegt bei 10 Millisievert). Die Arbeiten dauerten von 9:40 Uhr bis 10:30 Uhr.

Die vermutlich interessanteste Erkenntnis: Wie aus dem Pressematerial von TEPCO offenbar hervorgeht, scheint die Wassertiefe am Boden des Reaktors gerade einmal 60 Zentimeter zu betragen. Eine Beurteilung hierzu gibt es offenbar noch nicht. Ob dies in Anbetracht der ständigen Kühlung auf ein Leck schließen lässt, ist unklar.

Entscheidungsträger für Neustarts unklar: Auch wenn sie formal nicht erforderlich ist, so versicherte die japanische Regierung mehrmals, man werde die Einwilligung örtlicher Stellen bei Plänen zum Neustart von Atomkraftwerken im Land berücksichtigen. In einem Artikel vom gestrigen Sonntag meldet die Yomiuri Shimbun, es sei längst noch nicht klar, wie „Einwilligung“ und der Begriff der „örtlichen Stellen“ zu verstehen seien.

Zu den Neuregelungen die von der Regierung geplant sind, gehört etwa die Ausweitung der erhöhten Katastrophenhilfebereiche im Fall eines Störfalls an einem AKW von bislang acht bis zehn, auf einen 30 Kilometer Radius.

Sollten alle örtlichen Verwaltungen in diesem Gebiet als „örtliche Stellen“ angesehen werden, von denen eine Einwilligung eingeholt werden muss, so würde dies die Zahl der beteiligten Verwaltungen drastisch steigen und Neustarts, neben der ohnehin entstehenden Verzögerung durch die fehlende neue Aufsichtsbehörde, in noch größerem Ausmaß behindert werden.

Radioaktives Material gelangt durch Leitungsleck ins Meer: Der Betreiber des AKW Fukushima, der Energiekonzern TEPCO berichtet, gegen 8:30 Uhr am heutigen Tag habe ein Angestellter eines Partnerunternehmens in dem Bereich der Wassertanks für kondensiertes Wasser festgestellt, das Wasser aus einer Schlauchleitung, die kondensiertes Wasser aus der Entsalzung zu den Wassertanks leitet, austrat. Als Gegenmaßnahme habe man die Pumpen der Entsalzungsanlage gestoppt. Anschliessend seien die Ventile an beiden Enden der geleckten Leitung geschlossen worden.

Leck: Radioaktives Wasser gelangt durch Graben ins Meer am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Leck: Radioaktives Wasser gelangt durch Graben ins Meer am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)

Bei der anschliessenden Überprüfung wurde festgestellt, dass ein Teil des ausgetretenen Wassers in einen nahe gelegenen Abflusskanal zur allgemeinen Drainage von Wasser eingeflossen war. Die zu Untersuchung entnommenen Proben des ausgetretenen Wassers –  des Wassers, das in den Kanal gelangt war und des Meerwassers am Ende des Ableitungskanals habe ergeben, dass auch Wasser mit radioaktivem Material durch den Ausgang ins Meer gelangt sei – etwa 300 Meter südlich des Abflusskanals der Reaktoren 1-4.

Gegenwärtig laufe die Entsalzung nicht –  da jedoch ausreichend Frischwasser vorhanden sei, gebe es keine Beeinträchtigung des Kühlkreislaufs.

Insgesamt seien etwa 120 Liter Wasser aus dem Leck ausgetreten, 80 Liter seien über die Abwasserleitungen ins Meer gelangt. In dem Meerwasser wurden hoch radioaktive Substanze gemessen, die etwa 0,25 Becquerel pro Kubikzentimter an Beta-Strahlung enthalten hätten. Bei dem freigesetzten Material soll es sich um Strontium handeln. Eine Sicherheitsbarriere befinde sich noch im Bau und sei nicht in der Lage gewesen, die Freisetzung ins Meer zu verhindern.

Erdbebengefahr nahe Tokyo durch bislang unbekannte Verwerfungen: Vor der Boso-Halbinsel der Präfektur Chiba, östlich von Tokyo wurden zwei bislang unbekannte aktive tektonische Verwerfungen entdeckt, die potentielle Risiken für starke Erdbeben darstellen.

Nach Angaben einer Forschergruppe der Universitäten Hiroshima und Nagoya, der “Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology” (JAMSTEC) die sich mit Ozeanologie und Meerestechnik befasst, sowie weiterer Teilnehmer, sind die beiden Verwerfungen, 160 bzw. mehr als 300 Kilometer lang und wurden auf dem Meeresboden des Pazifischen Ozeans, etwa  200 Kilometer südöstlich der Südspitze der Halbinsel entdeckt.

Die Wissenschaftler wollen die Ergebnisse der Untersuchung beider bislang weder gekennzeichneter, noch erforschter Verwerfungen auf einem Treffen der Vereinigung japanischer Geographen am Donnerstag in Tokyo vorlegen.

Mitsuhisa Watanabe, Professor an der Universität Tokyo erklärte jedoch bereits jetzt, dass die Möglichkeit starker Erschütterungen und Tsunami bestehe, die dann die südliche Kanto-Region, inklusive der Haupstadt Tokyo als auch die Region Tokai, die jenen dicht besiedelten Teil der zentralen Region Chubu in der Mitte von Japans Hauptinsel Honshu darstellt, der an der Pazifikküste liegt. Dies solle umgehend im Detail untersucht werden.

Nach Angaben der berichtenden Nachrichtenagentur Kyodo könnte eine gleichzeitige Erschütterung beider Verwerfungen ein Erdbeben der Stärke 8 bis 9 auslösen.

Die Gruppe hatte eine von der japanischen Küstenwache erstellte Tiefenlinienkarte genutzt, um die Geographie des Meeresbodens detailliert analysieren zu können und konnten die Position der beiden, parallel in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Verwerfungen unter Berücksichtigung von, durch Erdbeben entstandene Kliffs und andere erhöhte Formationen abschätzen.

Die beiden Verwerfungen wurden in der Nähe eines Bereichs gefunden, an der die Grenzen zwei ozeanischer und einer Kontinentalplatte aufeinandertreffen. Bislang hatte man angenommen, aktive Verwerfungen hätten eine geringe Verbindung zu Erdbeben die sich in der Nähe von Ozeangräben ereigneten. Dieselbe Forschergruppe hatte jedoch bereits im letzten Jahr die Existenz einer 500 Kilometer langen Verwerfung bestätigt, die sich offenbar während des schweren Tohoku-Erdbebens bewegt hatte.

Präfektur Aichi baut Anlagen für Katastrophentrümmer: Als erste Präfektur überhaupt will die Präfektur Aichi Anlagen bauen, in denen die zum Teil radioaktiv kontaminierten Trümmer aus den Katastrophengebieten sowohl verbrannt, als auch gelagert werden sollen. Wie die Yomiuri Shimbun berichtet, soll der Abfall auf eine künstlichen Insel gelagert werden.

Die neuen Gelände sollen in Chita, im Bereich des Hafen Nagoya entstehen, wo bereits früher eine Müllverarbeitung stand. Insgesamt wäre die Präfektur Aichi bereit, insgesamt 500.000 Tonnen an Trümmern zur Entsorgung zu übernehmen. Man werde versuchen, bei besorgten Gemeinden und Einwohnern in nahe gelegenen Gebieten um Verständnis zu bitten.

Präfekturgouverneur Hideaki Omura sagte auf einer Pressekonferenz am Samstag, zwar sei es an sich Aufgabe der Regierung in Tokyo beim Bau von Entsorgungsanlagen die Initiative zu ergreifen, bislang sei diesbezüglich jedoch nichts geschehen. Da es sich bei Aichi um Japans bedeutendste Industrie-Präfektur handele, wolle man alles was möglich ist unternehmen, um zum Wiederaufbau beizutragen.

Zudem habe man eine Liste weiterer potentieller Standorte erstellt. Dazu gehören ein mögliches Lager auf dem Gelände eines Thermalkraftwerks von Chubu Electrics und die Anfrage bei der Toyota Motor Corporation nach einem Gelände gestellt.

Energiekonzern zahlte Millionen an Ausschussmitglieder: Eine Organisation der Atomindustrie mit Sitz in Osaka und deutlichen Verbindungen zum Elektrizitätskonzern Kansai Electric (KEPCO) hat offenbar vier Mitgliedern eines zwölfköpfigen Beratungsausschusses, der die Präfekturleitung Fukui in Fragen der Atomsicherheit berät, zwischen den Fiskaljahren 2006 und 2010 eine Summe von insgesamz 7,9 Millionen Yen gezahlt.

Aufgabe des Ausschusses ist die Beratung der Präfektur, in der über ein Dutzend Atomkraftwerke stehen, zu technischen Fragen, darunter auch die Beratung zum möglichen Neustart der AKW des Betreibers KEPCO.

Wie eng die Verbindung zwischen dem Spender der offiziell als Forschungsgelder bezeichneten Summen, des „Kansai nuclear power council“ (Kan Gen Kon) und dem Stromanbieters KEPCO ist, zeigt der Umstand, dass normalerweise ein Vorstandsmitglied von KEPCO auch der Kan Gen Kon vorsitzt und das Unternehmen selbst als Geschäftsmitglied fungiert.

Die Kan Gen Kon vergibt Forschunsgelder Wissenschaftler die Beiträge zur Promotion der Atomenergie, der Verwendung von Strahlung und vielversprechende Forschungsarbeit leisten. Gleichzeitig wird betont, dass  man unabhängig von KEPCO agiere.

Zu den Empfängern gehören Professor Yoshinobu Izumi (Univ. Fukui). Er erhielt 300.000 Yen im Fiskaljahr 2010, sowie Kazutoshi Nishimoto (Univ. Osaka) mit 3,6 Millionen Yen zwischen 2006 und 2008, der frühere Professor Kaichiro Mishima (Univ. Kyodo) drei Millionen Yen zwischen 2006 und 2007 und  schließlich Akio Yamamoto (Univ. Nagoya) eine Million Yen zwischen 2009 und 2010. Das meldet die Mainichi Shimbun.

Der Präfekturausschuss verlangt lediglich, dass der Gouverneur die Experten als Teilnehmer des Ausschusses einberuft. Diese sind nicht verpflichtet, Auskunft über Zuwendungen durch die Atomindustrie oder sonstige Details zu machen Die japanische  Atomsicherheitskommission (NSC) ruft künftige Mitglieder der Kommission dazu auf, diese Angaben freiwillig zu machen, um die Neutralität bei den Untersuchungen in Atomangelegenheiten zu gewährleisten.

NISA akzeptiert Stresstest des AKW Ikata: Die Atomenergieaufsichtsbehörde NISA teilte der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge am heutigen Montag mit, dass man die von Shikoku Electric durchgeführten Stresstests an einem Reaktor des AKW Ikata (Präf. Ehime) als ausreichend akzeptiert habe. Wie die NISA erklärte, habe man den Bericht, mit dem man die Korrektheit des Stresstests bestätige, nun wie vorgesehen der Atomsicherheitskommission NSC zukommen lassen. Diese wird prüfen, ob sie der Einschätzung der NISA zustimmt, oder weitere Tests für notwendig hält.

Eine schnelle Durchführung ist jedoch unsicher, da die Umstruktuierung der NSC zur Eingliederung in eine neue Kontrollbehörde die Prüfung verzögere, so der Vorsitzende der Kommission, Haruki Madarame.  Bei dem Reaktor am AKW Ikata handelt es sich um den dritten Reaktor, deren Einschätzung die NISA erneut positiv abgeschlossen hat.

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