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Japan aktuell: Weihnachten im Schatten des Fuji

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Tokyo: Weihnachtsfreuden Ende November (Foto: Copyright by KJ)

„Hoshi wa hikari…„. Die Worte mögen fremdartig klingen, doch die vertraute Melodie von „Stille Nacht“ die aus den Lautsprechern plätschert macht deutlich: Auch in Japan ist Weihnachtszeit.

Tokyo Dome City: Weihnachtsspaß mit Water Walking Balls (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo Dome City 2014: Weihnachtsspaß mit Water Walking Balls (Foto: Copyright by KJ)

Da allerdings weniger als zwei Prozent der Japaner Christen sind, darf man keine besondere Frömmigkeit, oder gar Begeisterung erwarten, denn ähnlich wie bei den doppelten Hochzeiten, dient die Übernahme des westlichen Brauchs lediglich dazu, eine „angenehme Atmosphäre“ in einem hübschen Rahmen zu schaffen.

Aufwändige Weihnachtsdekorationen, verkleidete Weihnachtsmänner, Wichtel und Rentiere finden sich daher auch zumeist nur in den japanischen Großstädten. Dort gibt es dann aber in der Tat durchaus interessante Angebote für den heimwehkranken Besucher.

So wurde bereits am 14. November der größte deutsche Weihnachtsmarkt Asiens in Osaka eröffnet. Der Besucher darf sich dort noch bis zum 23. Dezember über Glühwein und Lebkuchenherzen freuen.

Für Arbeitnehmer ist die Weihnachtszeit allerdings von keiner besonderen Bedeutung – wo kein Feiertag, da auch keine freien Tage. Dafür, das es ausreichend finanzielle Transaktionen gibt, sorgen natürlich Prominente, Stars und Sternchen, die es sich nicht nehmen lassen,  durch Weihnachtsalben und Merchandising-Produkte mit Weihnachtsbezug, sowohl Bekanntheit und Medienpräsenz, als auch Einnahmen zu steigern.

So brachte etwa die Idol-Group X21 ihre Single „X Gift“ pünktlich am dritten Dezember heraus und steht damit ganz in der Tradition des japanischen Unterhaltungsgewerbes.

Weihnachtstorte in Japan (Foto: masaya, cc-by)
Weihnachtstorte in Japan (Foto: masaya, cc-by)

Doch auch ohne offiziellen Feiertag ist den Japanern der Weihnachtsstress nicht unbekannt.

So fürchteten beispielsweise Japans Bäckereien zu Beginn des Monats einen Butterengpass, so dass sich das Landwirtschatfsministerium zur Aufforderung einer Produktionssteigerung genötigt sah.

Denn neben den Chicken Nuggets, die aufgrund einer äußerst erfolgreichen Werbekampagne des Fast-Food-Unternehmens Kentucky Fried Chicken, zum Quasi-Standard für Weihnachtsessen wurden, ist eben auch die „kurisumasu keki“ (Weihnachtstorte) aus Bisquitteig, vereister Schlagsahne und Obst der Saison ein Verkaufsschlager in Japan.

Die fertigen Produkte werden dann ansprechend präsentiert und in weihnachtlichem Glanz beleuchtet.

Doch nicht allein in Japans Großstädten erfreut man sich an weihnachtlicher Beleuchtung, denn seit dem 1. Dezember sind auch die Übergangshäuser in Minamisoma durch 30.000 LED erhellt. Die dort untergebrachten mehr als 570 Haushalte, deren Mitglieder vor den Katastrophen im März 2011 flohen, dürfen sich noch bis zum 12. Januar an den bunten Lichtern erfreuen.

Auch in Iwaki, die ebenfalls von den Tohoku-Katastrophen 2011 betroffen ist, beginnt am 6. Dezember die Beleuchtung. Auf einer Länge von 350 Metern erwecken 150 000 LED den Eindruck von Kirschblüten an den Bäumen. Auch diese Attraktion ist bis zum 12. Januar zu bewundern.

Japanisches Weihnachts-Rentier (Foto: Copyright by KJ)
Japanisches Weihnachts-Rentier (Foto: Copyright by KJ)

Die Winterzeit besteht aber nicht nur aus Werbebeschallung, Weihnachtstorte und der Aufmunterung, denn gänzlich ohne besonderen Nutzen ist das Weihnachtsfest in Japan nicht. Dies gilt zumindest für Paare, hat es sich doch etabliert, romantische Begegnungen auf dieses Datum zu legen.

Damit wurde eine Alternative zum eher förmlichen Valentinstag mit seinen verpflichtenden Schokoladengeschenken geschaffen – und Weihnachten erhält auch ohne Christkind eine romantische Atmosphäre.

Wer in dieser Zeit noch Single ist, muss sich angesichts von Pärchen, die sich an den weihnachtlich beleuchteten Gebäuden erfreuen und mit ihren Reservierungen die Suche nach einem Sitzplatz im Restaurant schwierig gestalten, nicht allein damit trösten, dass ja bald Neujahr ist.

Ein volles Programm ist auf Wunsch nämlich auch jenen Menschen garantiert, die nicht in  einer Beziehung leben. So muss nicht jeder einen Ikea-Weihnachtsbaum in die kleine japanische Wohnung quetschen, sondern kann in Nagoya ein Feuerwerk bestaunen, oder im Tokyo Disneyland einer Weihnachtsparade beiwohnen.

Wer einen guten Schluck zu schätzen weiß, der könnte sich im Shopping Mekka „Roppongi Hills“ in Tokyo, weniger für die dortigen Weihnachtskonzerte, als vielmehr das Verköstigungsangebot „Whiskey Hills“ interessieren und bei einer Whiskey-Weltreise durchaus warm ums Herz werden. Weihnachten kann eben doch „japanisch“ sein.

Doch die Freude währt nicht lang, denn die Weihnachtszeit geht praktisch nicht über den 23. Dezember hinaus, da mit dem Neujahr (oshogatsu)  ein offizieller japanischer Feiertag ins Haus steht, für den es zahlreiche Vorbereitungen zu treffen gilt. Dann weicht die kurzzeitige Romantik der hektischen Betriebsamkeit.

Tokyo: Getränkeregel (Foto: Copyright by KJ)
Keine Festlichkeit ohne Einkauf (Foto: Copyright by KJ)

Nicht allein, dass schon ab dem 30. Oktober Neujahrskarten (nengajo) verfügbar waren, mit denen nun bis zum 7. Januar pflichtbewusst Kollegen, Familie und Bekanntschaft eingedeckt werden – auch die Jahresendfeiern (bonenkai) mit Arbeitskollegen und Freunden, die bereits weit vor Neujahr beginnen, bringen ihre ganz eigenen Belastungen bei Lautstärke und Leber mit sich.

Da scheint es nur allzu verständlich wenn der Begriff „shiwasu„, der manchmal als Synonym für den zwölften Monat des Jahres dient, soviel wie „Mönchslauf“ bedeutet – die Zeit, in der sogar die sonst so ruhigen buddhistischen Meister rennen müssen und ordentlich zu tun haben.

Doch das ist eine andere Geschichte…

1 KOMMENTAR

  1. Hallo!
    Das ist ein sehr niedliches Rentier.
    This is a very cute reindeer.
    この馴鹿がとても可愛いです。^^

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