Start Aktuelles Japan aktuell: Weitere Panne an der Entsalzungseinheit im AKW Fukushima

Japan aktuell: Weitere Panne an der Entsalzungseinheit im AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Leckstelle an der Wasserentsalzungsanlage am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckstelle an der Wasserentsalzungsanlage am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckstelle an der Wasserentsalzungsanlage am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leckstelle an der Wasserentsalzungsanlage am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)

Bereits seit längerer Zeit gab es keine Berichte über größere Lecks, doch mit einer Meldung vom Wochenende bietet das AKW Fukushima aktuell ein weiteres Beispiel für wiederkehrende Probleme an der Anlage.

An diesem Eindruck können auch die Pressefotos über die Dekontamination von Bussen und Privatfahrzeugen kaum etwas ändern, die TEPCO nun veröffentlicht hat.

Darüber hinaus brachte die Ferienperiode der „Goldenen Woche“, die am Samstag begann, auch Anderen kein Glück, wie die weiteren Meldungen zeigen werden. Somit neben Fukushima News auch heute zu Wochenbeginn weitere Themen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO meldet Leck in Wasserentsalzung
  • Erdbeben in Region um Tokyo
  • Busunglück fordert Todesopfer
  • Antiterrorübung am Tokyo Sky Tree
  • Aktuelle Zahlen zu Todesopfern der Naturkatastrophen
  • Freiwillige Helfer opfern Urlaubszeit

TEPCO meldet Leck in Wasserentsalzung: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat ein weiteres Leck zu melden. Am Freitag gegen 9:17 Uhr Ortszeit entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens austretendes Wasser an einem Verbindungsstück der Wasserentsalzungsanlage Nummer 2.

Leck an der Wasserentsalzungs-Anlage 2 am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)
Leck an der Wasserentsalzungs-Anlage 2 am 27. April 2012 (Foto: TEPCO)

Man schätzt, dass zum Zeitpunkt der Entdeckung etwa 18 Liter ausgetreten waren. Um 9:30 Uhr sei die Anlage dann angehalten worden . Um zu verhindern, dass das Wasser weiter austritt und dabei auf den Boden tropfte, habe man den Bereich mit Plastiksäcken gesichert und Ventile in der Nähe des Lecks geschlossen. Um 10:19 Uhr wurde dann offiziell festgestellt, das kein Wasser mehr austrete.

Die Gesamtmenge freigewordenen Wassers wird mit 36 Litern angegeben. Das ausgetretene Wasser selbst sammelte sich am Gerät an, so dass kein Kontakt außerhalb des Gebäudes bestand.  Die Strahlung des Wassers habe 7 Millisievert pro Stunde betragen. Die gemessene Gammastrahlung habe bei 1 Millisievert pro Stunde gelegen. Die Ergebnisse der entnommenen Wasserproben sehen nach Angaben von TEPCO wie folgt aus:

  • Cäsium-134: 1.5 X 100Bq/cm3
  • Cäsium-137: 2.1 X 100Bq/cm3
  • Gesamte Gammastrahlung: 4.9 X 101Bq/cm3
  • Gesamte Betastrahlung: 5.4 X 104Bq/cm3

Da sich noch genug gereinigtes Wasser im Kühlkreislauf befinde und andere Wasserentsalzungssysteme in Betrieb seien, bestehen keine Probleme bei der Kühlwasserversorgung, erklärte der Kernkraftwerkbetreiber

Erdbeben in Region um Tokyo: Am Sonntagabend ereignete sich gegen 19:28 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 5,8 in der Präfektur Chiba. Das berichtete die japanische Wetterbehörde. Das Epizentrum habe sich in 50 Kilometern Tiefe im nordöstlichen Teil der Präfektur befunden. Eine Tsunamiwarnung wurde angesichts des Bebens der Stärke 5- auf der siebenstufigen japanischen Skala nicht ausgerufen.

Busunglück fordert Todesopfer: Der Beginn der landesweiten Reisezeit während der so genannten „Goldenen Woche“, bei der das ganze Land auf den Beinen zu sein scheint, endete für einige der Reisenden tragisch. Bei einem Busunglück in Fujioka (Präf. Gunma) am Sonntagmorgen gegen4:40 Uhr Ortszeit fuhr ein Reisebus auf Kan’etsu-Autobahn gegen eine Schallschutzwand.

Disneyland Tokyo: Das Cinderella-Schloss bei Nacht im Jahr 2007 (Foto: pd)
Disneyland Tokyo: Das Ziel der Unglücksfahrt (Abb. symbolisch, pd)

Sieben der 45 Passagiere zwischen 10 und 64 Jahren  starben –  darunter sechs Frauen und ein Mann. Weitere 13 wurden schwer verletzt. Desweiteren gab es 25 Leichtverletzte. Der Bus befand sich auf dem Weg zum Tokyo Disneyland in Urayasu (Präf. Chiba). Zur Unfallursache gab der Fahrer Kazan Kono an, am Steuer eingeschlafen zu sein und wird sich vermutlich für den Unfall verantworten müssen.

Ein weiterer Angestellter sagte jedoch aus, Busfahrer Kono habe in den vergangenen Tagen keineswegs müde gewirkt und seine Pflichten wie üblich versehen.

Dennoch liegt nun eine Diskussion über die Einhaltung der verordneten Pausen und der Druck auf die Fahrer durch den Konkurrenzkampf der Fahrunternehmen nahe.

Am Sonntag ereignete sich jedoch auch ein weiterer Unfall mit einem Reisebus, meldet die Yomiuri Shimbun. Auf der Nationalstraße 32 kam es bei Mitoyo (Präf. Kagawa) zu einem Frontalzusammenstoß zwischen einem Tourbus und einem PKW.  Der Bus des Unternehmens Okayama Kotsu Co. war zum Zeitpunkt des Unglücks mit 19 Reisenden unterwegs. Einige erlitten leichte Verletzungen und wurden ins Krankenhaus gebracht.

Die Fahrerin des PKW, eine Frau Mitte 20 erlitt einen Beinbruch. Die Polizei von Mitoyo geht davon aus, dass der Wagen der Frau über den Mittelstreifen gefahren und mit dem Bus auf der anderen Fahrbahn kollidiert war.

Antiterrorübung am Tokyo Sky Tree: Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete am heutigen Montag von einer Anti-Terror-Übung, die gemeinsam von der Verwaltung des Großraums Tokyo, sowie den Behörden des Bezirks Sumida durchgeführt worden war. Ort der Übung, an der etwa 1.000 Personen teilnahmen, war der 634 Meter hohe Tokyo Sky Tree, der am 22. Mai eröffnet werden soll.

Die Übung fand auf einer der Aussichtsplattformen des Turms in 350 Metern Höhe statt und umfasste das Szenario, Terroristen hätten während einer Besuchszeit mit vielen Touristen einen Chemie-Anschlag verübt – nicht von ungefähr bestehen Ähnlichkeiten zum Sarin-Gasanschlag in der U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995.

Im Rahmen der Übung halfen Polizei und Feuerwehr den Verletzten, während die Sicherheitskräfte des Turms die verbliebenen unverletzten Besucher über das Nottreppenhaus mit 2.000Stufen, evakuierten.

Am Boden beobachteten Angestellte jeden der Evakuierungsschritte, um die Besucher zu dekontaminieren und in eine nahe gelegene Grundschule die als Notauffanglager dient und zu evakuieren. Polizeibeamte stellten gemeinsam mit Hunden eine verdächtige Person, die in dem Szenario einen Sprengsatz bei sich führte und machten diesen unschädlich.

Aktuelle Zahlen zu Todesopfern der Naturkatastrophen: Die Behörde für Wiederaufbau machte am Freitag offizielle Angaben zu der Zahl der Toten die nicht unmittelbar durch das Tohoku-Erdbeben, sondern durch so genannte indirekte Tode ums Leben gekommen waren. Demnach liegt, mit dem Stand vom 31. März 2012 die Zahl der indirekten Todesfälle bei 1.618 Personen. Die Zahl der indirekten Todesfälle ist deutlich höher als beim großen Hanshin-Erdbeben von Kobe im Jahr 1995. Damals waren 919 indirekte Todesfälle ermittelt worden.

Die nationale Polizeibehörde gab mit dem Stand vom Mittwoch an, die Zahl jener die entweder unmittelbar durch die Naturkatastrophen ums Leben kamen, oder noch als vermisst gelten, belaufe sich auf 18.914 Personen.
Zählt man die direkten Todesopfer mit den Indirekten und den Vermissten zusammen, so steigt die Gesamtzahl der Toten und Vermissten des Tohoku-Erdbebens 2011 auf über 20.000 Personen.

Die indirekten  Todesfälle bei den Naturkatastrophen im vergangenen Jahr, gliedern sich wie folgt:

  • 764 Personen in der Präfektur Fukushima
  • 636 Personen in der Präfektur Miyagi
  • 179 Personen in der Präfektur Iwate
  • 29 Personen in der Präfektur Ibaraki
  • je 3 Personen in der Präfektur Chiba und derPräfektur Nagano
  • je 1 Person in den Präfekturen Tokyo, Yamagata, Saitama und Kanagawa

In diesen Zahlen sind auch Fälle im Bezug auf das AKW Fukushima Daiichi enthalten und Tatsuo Hirano, Minister für Wiederaufbau, deutete in einer Pressekonferenz am Freitag seine Absicht an, die genauen Todesursachen zu ermitteln.

Es existiert jedoch keine offizielle Richtlinie, welche Umstände erfüllt sein müssen, um Todesfälle als „Folge einer Naturkatastrophe“ und nicht als unmittelbare Opfer einzustufen. Dies obliegt bislang den einzelnen Ortsverwaltungen. Die jetzt veröffentlichte Zahl von 1.618 umfasst Personen, die nach ihrer Evakuierung nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten und solche, deren chronische Krankheiten sich während ihrer Zeit in Übergangshäusern verschlechtert hatten. Auch Selbstmorde finden sich in dieser Zahl wieder.

Als grobe Richtlinien gab das Gesundheitsministerium unmittelbar nach dem Tohoku-Erdbeben mehrere Fälle an, die von der Verwaltung von Nagaoka nach dem Niigate Chuetsu Erdbeben als indirekte Todesfälle klassifiziert worden waren. Basierend auf diesen Fällen, sei es wahrscheinlicher das Tode innerhalb einer Zeitspanne von einem Monat nach der Katastrophe eher als indirekte Todesfälle anerkannt werden, als solche, die sich zu einem späteren Zeitpunkt ereignen.

Die Klärung derartiger Sachverhalte könnte bei Entschädigungszahlungen künftig eine Rolle spielen. Minister Hirano erklärte in der Pressekonferenz am Freitag, man nehme die Gesunderhaltung der Überlebenden ernst und diese Zahlen machten eine Untersuchung der Todesursachen erforderlich, um künftig weitere Todesfälle in den Übergangshäusern zu verhindern. Die berichteten die Yomiuri Shimbun, die NHK und die Mainichi Shimbun.

Freiwillige Helfer opfern Urlaubszeit: Nicht alle Japaner nutzen die freien Tage dazu, im Land zu reisen um sich zu erholen. Wie die Yomiuri Shimbun berichtet, gibt es auch eine Reihe von Freiwilligen, welche die freie Zeit dazu nutzen, um die Gebiete in Japans Tohoku-Region aufzusuchen und den Menschen vor Ort zu helfen.

Zu diesen freiwilligen Helfern gehören auch Mitglieder der Non-Profit-Organisation  „Kokyo Seisaku Shiendan“ aus Tokyo, die eine Siedlung aus Übergangshäusern in Minamisoma (Präf. Fukushima) besuchten, um dort 5.000 Setzlinge – darunter Ringelblumen und Petunien – anzubieten und gemeinsam mit 50 Personen zu pflanzen.

Ein Mitglied der Gruppe erklärte, viele der dort lebenden Personen seien Landwirte und sie hoffen, ihnen das Leben als Flüchtlinge leichter zu machen, indem sie ihnen ermöglichen, wieder mit Erde zu arbeiten.

Eine weitere Gruppe zeigt sich dagegen praktischer orientiert. Mitglieder der Jugendgruppe der „Muikamachi Commerce and Industry Association“ gaben in der Stadt Minami-Uonuma (Präf. Niigata) an etwa 250 Personen Reisgerichte aus, die mit Reis der beliebten Sorte Koshihikari zubereitet worden waren. Die Stadt selbst gehört zu den wichtiugsten Produktionsstätten der Reismarke.

Der 40 Jahre alte Leiter der Gruppe, Yasushi Sakurai sagte, man bedanke sich auf diese Weise für die Hilfe, die man dort von Menschen aus dem ganzen Land, während und nach dem Chuetsu-Erdbeben 2004 erhalten habe. Auch wenn die Gruppe lediglich selbst zubereitete Mahlzeiten zur Verfügung stellen könnte, sei man glücklich darüber zumindest ein klein wenig zum Wiederaufbau beizutragen.

Auch in den Präfekturen Iwate und Miyagi gibt es Hilfsprojekte von Freiwilligen, die sowohl durch die Beseitigung von Trümmern, als auch beim erneuten Aufbau der Landwirtschaft und der Fischfangindustrie in den Regionen, Hilfestellungen leisten.

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