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Japan aktuell: Weitere Probleme an Fukushima-Reaktor 3

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Fukushima-Reaktor 3: Zustand an der Betonabdeckung am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Zustand an der Betonabdeckung am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Zustand an der Betonabdeckung am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Zustand an der Betonabdeckung am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Die jüngsten Dampfbildungen und erhöhten Strahlungswerte an Reaktor 3 bleiben in den Meldungen zum AKW Fukushima heute weiterhin ein Thema.

Während TEPCO versucht, die genauen Umstände zu ermitteln, scheint es so, als stünde die Messung der Luftbelastung dort auf unsicheren Beinen.

Welche Ereignisse die Situation in Fukushima aktuell beeinflussen und sonstige Fukushima News, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Juli 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Weiterhin hohe Messwerte an Fukushima-Reaktor 3
  • Infrarot-Aufnahmen am Fukushima-Reaktor 3
  • Messungen an Fukushima-Reaktor 3 gefährdet
  • Leck an Notfall-Dieselgenerator von Fukushima-Reaktor 6
  • NRA befürwortet Verklappung von Fukushima-Wasser

Weiterhin hohe Messwerte an Fukushima-Reaktor 3: Einem Bericht von TEPCO zufolge, wurde auch heute noch der Dampfaustritt an dem Gebäude beobachtet.

Bei Messungen der Strahlungsbelastung über dem Bereich, wurde an sechs von 25 Messpunkten eine Strahlung von mehr als 1 Sievert pro Stunde nachgewiesen.

Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig der Wasserdampf selbst radioaktive Belastung aufweist, da bereits das Reaktorgebäude noch hochgradig radioaktiv kontaminiert ist.

Die drei höchsten Werte wurden dabei um das Zentrum der Betonabdeckung festgestellt. Die genaue Ursache hierfür ist nach Betreiberangaben derzeit unklar.

Infrarot-Aufnahmen am Fukushima-Reaktor 3: Am heutigen Mittwoch machte TEPCO zwischen 4:40 Uhr und 6:04 Uhr mit einer Infrarotkamera erneut Aufnahmen aus dem oberen Bereich von Reaktor 3, um eine mögliche Temperaturentwicklung nachvollziehen zu können.

Fukushima-Reaktor 3: Wärmebildaufnahme vom 24. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Wärmebildaufnahme vom 24. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Derartige Arbeiten waren bereits zuvor durchgeführt worden (Spreadnews berichtete am 22. Juli 2013).

Auch in diesem Fall wurde eine Infrarotkamera an einem Kran herabgelassen und machte aus unterschiedlicher Höhe dann im Dauermodus mehrere Aufnahmen.

Die derart erfassten Daten wurden anschließend auf Richtigkeit geprüft und ausgewertet.

Zu den Wetterbedingungen um 5:30 Uhr machte TEPCO folgende Angaben:

  • Lufttemperatur: 18,6 Grad Celsius
  • Luftfeuchtigkeit: 91,1 Prozent
  • Windgeschwindigkeit: 1,3 Meter pro Sekunde
  • Windrichtung: West-Südwest

Nach der Auswertung kam das Unternehmen zu folgenden Erkenntnissen:  Im Bereich, in dem die zweite Dampfbildung festgestellt worden war, betrug die Temperatur in 40 Metern Höhe 30,7 Grad Celsius und in einer deutlicher niedrigen Höhe von fünf Metern bei 34,3 Grad Celsius.

Im Bereich des Verbindungsstücks der Abdeckung lag die Temperatur in einer Höhe von 40 Metern bei 24,7 Grad Celsius. Diese Ergebnisse sind höher als die am 20. Juli ermittelten Werte, was nach Angaben von TEPCO durch genauere Messwerte bedingt ist, da man im aktuellen Fall noch näher heran gelangt war.

Messungen an Fukushima-Reaktor 3 gefährdet: Erst gestern sorgten die hohen Messwerte an Reaktor 3 für Aufmerksamkeit und noch am selben Tag meldete der Betreiber, dass das System B zur Überwachung der Werte an radioaktivem Staub, aufgrund von Problemen an der Vakuumpumpe zeitweise abgestellt werden musste.

Gegen 9:00 Uhr hatte ein Alarm auf Fehler am Abluftsystem von Reaktor 2 hingewiesen. Der Filter des Abluftsystems entfernt radioaktives Material aus der Luft im Inneren des Reaktors. Es gibt zwei Anlagen (System A und System B) die den radioaktiven Staub, der aus dem Abluftsystem geblasen wird, während des Betriebs überwachen.

Eine Untersuchung ergab, dass sich ein Stellungsmelder am luftdichten Motorgehäuse der Absaugpumpe gelöst hatte. Dieser Stellungsmelder hält für gewöhnlich das Staubfilterpapier an seinem Platz. Nach einer Relokalisierung wurde gegen 23:43 Uhr die Pumpe und um 23:53 Uhr auch das Staubüberwachungssystem wieder gestartet.

Heute kam es dann zu einem weiteren Alarm, der auf ungewöhnlichen Druck am Staubüberwachungssystem B hinwies, so dass das System erneut abgeschaltet werden musste. Erneut wurde eine Verschiebung der Abdichtung am Staubfilterpapier festgestellt und nach einer weiteren Anpassung des Filters, das System um 14:16 Uhr wieder neu gestartet.

Auch wenn beide Staubüberwachungssysteme Teil einer Anlage an Fukushima-Reaktor 2 sind, würde ein Ausfall von System B bedeuten, dass auch keine Daten mehr von Reaktor 3 erfasst werden können, da dort offenbar kein eigenes System vorhanden ist. Das System A ist derzeit in Reparatur, so dass es nun auf die Stabiltät von System B ankommt. Andernfalls würde TEPCO über keine feste Datenquelle für Luftbelastung an Reaktor 3 verfügen.

Leck an Notfall-Dieselgenerator von Fukushima-Reaktor 6: Bei einem Kontrollgang entdeckte ein TEPCO-Angestellter am gestrigen Dienstag gegen 6:40 Uhr etwas Öl, das in eine Rinne unter einem Ventil des Öleinspeisungsbehälters des Notfallgenerators gelaufen war.

Eine Untersuchung ergab, dass das Ölversorgungsventil leicht geöffnet war und sich das Öl auf einer Fläche von 5 x 5 Metern ausgebreitet hatte. Das Ventil wurde geschlossen und um 7:05 Uhr die Feuerwehr Tomioka informiert, die den Zwischenfall nach einer Untersuchung standardmäßig als Freisetzung gefährlichen Materials einstufte, bevor das Öl auf dem Boden aufgewischt wurde.

Das Ölleck hielt dagegen weiter an. Der Austritt von einem Tropfen etwa alle drei Sekunden, wird nun in einer Ablaufwanne aufgefangen.

Bereits am Montag war es zu Problemen an der Hochdruckpumpe einer Entsalzungsanlage gekommen. In diesem Fall hat die Ursachenforschung ergeben, dass es offenbar aufgrund von Erhitzung zu einem Schwund von Schmieröl und daher zur Verformung am Öleinflussstutzen, sowie der Ölstandsanzeige gekommen war.

Als Gegenmaßnahme wird nicht nur die Pumpe ausgetauscht, sondern in Anbetracht der Tatsache, dass drei baugleiche Pumpen im Betrieb sind, wird man dort das Schmieröl auswechseln und Testläufe durchführen um eine Betriebsfähigkeit gewährleisten zu können.

NRA befürwortet Verklappung von Fukushima-Wasser: Die Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Grunwasser auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi bleibt ein anhaltendes Problem, fallen doch alleine durch das Eindringen von Wasser in die Kellergeschosse täglich 400 Tonnen an radioaktivem Wasser an.

Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Jetzt hat Shunichi Tanaka, Vorsitzender der Atomaufsichtsbehörde NRA einen Plan aufgegriffen, der bereits zuvor im Gespräch war. Tanaka erklärte in einer Pressekonferenz am heutigen Mittwoch, die Verklappung von schwach radioaktiv belastetem Wasser sei die einzige Möglichkeit zur Bewältigung des Problems.

So lange es nicht möglich sei, nicht einmal Wasser, dass sogar durch die neue ALPS-Filteranlage gegangen sei und damit unter dem Sicherheitswert liege, zu entsorgen, sehe er keinen Ausweg aus dem Problem. Über diese neuste Aussage berichtete die jiji.

Das in diesem Punkt eine schnelle Einigung erzielt werden kann, scheint insbesondere seit den letzten Eingeständnissen von TEPCO, das Grundwasser gelange bereits ins Meer, vergleichsweise unwahrscheinlich. In der Vergangenheit hatten derartige Pläne stets für Proteste gesorgt (Spreadnews berichtete etwa am 8. Mai 2013).

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