Start Aktuelles Japan aktuell: Wichtige Arbeiten an Fukushima-Reaktor 4 abgeschlossen

Japan aktuell: Wichtige Arbeiten an Fukushima-Reaktor 4 abgeschlossen

1082
0
TEILEN
Fukushima-Reaktor 4 nach Räumarbeiten: Blick auf die Kuppel des Sicherheitsbehälters am 9. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4 nach Räumarbeiten: Blick auf die Kuppel des Sicherheitsbehälters am 9. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4 nach Räumarbeiten: Blick auf die Kuppel des Sicherheitsbehälters am 9. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4 nach Räumarbeiten: Blick auf die Kuppel des Sicherheitsbehälters am 9. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Vom AKW Fukushima aktuell positives berichten zu können, ist bislang eine eher seltene Gelegenheit gewesen. Jetzt gab die Betreiberfirma TEPCO jedoch bekannt, ein wichtiger Teil der Vorbereitungen zur endgültigen Stilllegung des AKW Fukushima sei zumindest an Reaktor 4 abgeschlossen worden.

Die Entwicklung eines neuen Fukushima-Roboters ist ebenfalls erfreulich, doch möglicherweise sogar dringend erforderlich, scheint doch ein Untersuchungsroboter ausgefallen zu sein.

Abseits der Fukushima News gibt es ebenfalls schlechte Nachrichten – kam es doch durch die Folgen schwerer Regenfälle auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu zu Todesfällen. Detaillierte Informationen, wie die Lage am AKW Fukushima aktuell aussieht sowie weitere Neuigkeiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Juli 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Vorbereitungen am Fukushima-Reaktor 4 abgeschlossen
  • Neuer Roboter für Arbeiten am AKW-Fukushima vorgestellt
  • Fukushima-Roboter „Survey Runner“ wahrscheinlich verloren
  • TEPCO will Videokonferenz-Aufnahmen veröffentlichen
  • Termin für Neustart von Reaktor 4 am AKW Oi festgelegt
  • Stresstest-Bewertung am AKW Tomari
  • Schwere Regenfälle im Südwesten Japans fordern Opfer

Vorbereitungen am Fukushima-Reaktor 4 abgeschlossen: Wie Aufnahmen zeigen, die vom Betreiber der Anlage im Zusammenhang mit Pressematerial veröffentlicht wurden, sind die Abtragungen von Trümmerstrukturen am Obergeschoss von Reaktor 4 abgeschlossen.

Fukushima-Reaktor-4-am 22. September 2011 (oben) und 4. Juli 2012 (unten) - Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor-4-am 22. September 2011 (oben) und 4. Juli 2012 (unten) - Foto: TEPCO)

Die am 26. November 2011 begonnenen Arbeiten, waren seit April 2012 durch schweres Gerät, das vom fünften Stock der Anlage aus operierte, weitergeführt und am 11. Juli 2012 offiziell für abgeschlossen erklärt.

Auf den beigefügten Abbildungen der Dokumente ist unter anderem die nun freiliegende Kuppel des Sicherheitsbehälters zu sehen.

In den folgenden Schritten sollen von Ende Juli bis Oktober diesen Jahres das schwere Gerät dort entfernt werden.

Auch der Bau einer Abdeckung des Reaktors für die spätere Bergung der dort enthaltenen Brennelemente in den Abklingbecken  ist nach Angaben von TEPCO bereits geplant.

Neuer Roboter für Arbeiten am AKW-Fukushima vorgestellt: Er lieferte Bilder aus dem Inneren der zerstörten Anlage, doch nun geht er in den Ruhestand. Eine Dame macht dem Roboter Quince nun den Arbeitsplatz streitig. Das auf den Namen „Rosemary“ hörende Gerät befindet sich auf dem neusten Stand der Technik und wurde am Chiba Institute of Technology entwickelt.

Dort wurde der neue Roboter heute vorgestellt und kann möglicherweise bereits im kommenden August eingesetzt werden.

Stark ist die „Dame“ allemal, kann sie doch deutlich schwerere Objekte transportieren, als ihr Vorgänger. Ihre Entwickler demonstrierten dies eindrucksvoll, indem sie das Gerät 60 Kilogramm Gewicht stemmen liessen. Quince hatte lediglich 10 Kilogramm heben können.

Zudem kann Rosemary eine Kamera mit sich führen, die bis auf drei Meter Höhe ausgefahren werden kann und so beispielsweise Rohre nah der Reaktordecken aufnehmen kann.

Eiji Koyanagi, stellvertretender Direktor des „Future Robotics Technology Center“, das zum Technologie-Institut gehört erklärte, das Gerät sei nun in der Lage schwierige Arbeiten durchzuführen, da seine Bewegungsabläufe stabilisiert werden konnten.

Er hoffe, dass der Roboter möglichst viel Informationen sammeln werde. Das berichtet die Kyodo. Ob Rosemary bei dem Fortschritt der Technik noch Nachkommen haben wird, ist noch unklar.

Fukushima-Roboter „Survey Runner“ wahrscheinlich verloren: Der Kontakt zum Roboter „Survey Runner“, der besonders dafür ausgelegt ist, in schwierigem Gelände zu operieren, ist einer Meldung der jiji zufolge abgebrochen.

Am gestrigen Mittwoch war das Gerät von 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr dazu eingesetzt worden, in der torusförmigen Kondensationskammer Strahlungsmessungen durchzuführen und Bildmaterial aufzunehmen. Während dieser Tätigkeit brach der Kontakt zum verkabelten Roboter ab.

Die bis zuletzt gesendeten Bildaufnahmen wurden heute veröffentlicht.

Fukushima-Reaktor 3: Blick auf die Treppe im Südwesten des Kondensationskammer-Torus am 11. Juli 2012 (Foto: TEPCO)
Eine der letzten Aufnahmen: Blick auf die Treppe im Südwesten des Kondensationskammer-Torus am 11. Juli 2012 (Foto: TEPCO)

Die Ursache ist noch unklar, TEPCO vermutet, das Schäden am Kabel vorhanden sein könnten. Der Roboter hatte in einer Audio-Einheit auch Tonaufnahmen gemacht.

Mit diesen sollte das Geräusch von fließendem Wasser auf mögliche Leckstellen aufmerksam machen. Da diese Daten nur im Roboter gespeichert sind, wäre der Verlust des Roboters ein klarer Rückschlag.

Eine sofortige Bergung des Roboters durch Angestellte ist aufgrund der hohen Strahlung dort nicht möglich und sei sehr schwierig. Zuletzt waren dort 360 Millisievert pro Stunde gemessen worden.

TEPCO will Videokonferenz-Aufnahmen veröffentlichen: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Elektrizitätskonzern TEPCO gibt klein bei und kündigte an, man werde wie gefordert die Aufnahmen der Videokonferenzen zwischen dem Unternehmen und dem Büro des Premierministers während der Fukushima-Krise veröffentlichen.

Tokyo: TEPCO-Gebäude im Juni 2007 (Foto: yoppy cc-by)
TEPCO will Videomaterial veröffentlichen (Foto: yoppy cc-by)

TEPCO hatte zuvor die Herausgabe verweigert und sich auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte berufen, doch nachdem zuletzt Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie das Unternehmen mit klaren Worten stark unter Druck gesetzt hatte, gab der Kraftwerksbetreiber seinen Widerstand auf.

Auch konnte der Datenschutz-Einwand des Betreibers durch den Hinweis, bis auf einige kleinere Angestellte, deren Gesichter man leicht verfremden könnte, seien alle Beteiligten längst der Öffentlichkeit bekannt, entkräftet werden.

Nicht zuletzt dürfte die Quasi-Verstaatlichung des Unternehmens eine Rolle gespielt haben.

Nachdem TEPCO eine Leistung von I Trillion Yen von der Regierung erhalten hatte, blieb ihnen praktisch keine andere Möglichkeit.

Anteilseigner hatten bereits eine Gerichtsentscheidung angestrebt, mit der TEPCO von der Löschung des Materials abgehalten werden sollte.

Dennoch ist die Veröffentlichung keineswegs ohne Hindernisse. Der neue TEPCO-Vorsitzende Kazuhiko Shimokobe hatte nach seinem Amtsantritt in Juni erklärt, er werde das Material zuvor sichten. Die neue Führung sagte, man akzeptiere die allgemein geforderte Offenlegung und den Umstand, dass es sich um öffentliche Aufzeichnungen handelt, durch die Ursachenforschung zur Katastrophe erfolgen könnte.

Man werde nun entscheiden, wie viel Videomaterial man veröffentliche – und beruft sich dabei erneut auf die Privatsphäre von Mitarbeitern die nicht Teil der Konzernspitze sind.

Japans Ex-Premier Naoto Kan im November 2011 (Foto: Gobierno de Chile cc-by)
Videomaterial mit Naoto Kan soll veröffentlicht werden (Foto: Gobierno de Chile cc-by)

Mit besonderer Spannung wird dabei die mehrfach diskutierte Situation genannt, in der Japans damaliger Premierminister Naoto Kan in einem regelrechten Wutanfall sogar Führungsmitglieder von TEPCO verbal zurechtstutzt.

Auch die von Kan behauptete Aussage von TEPCO, man habe alle Arbeiter abziehen und die Reaktoren sich selbst überlassen wollen, dürfte Teil der Aufzeichnungen sein.

Nicht zuletzt wird das Videomaterial aber möglicherweise auch Aufschluss über die Entscheidungen der TEPCO-Führung geben – etwa bei den Fehlern zum Druckabbau in den Reaktoren und zur Einspeisung von Meerwasser in die Reaktoren. Über das Einverständnis zur Veröffentlichung berichteten  Asahi Shimbun, Kyodo und NHK

Termin für Neustart von Reaktor 4 am AKW Oi festgelegt: Der bislang wegen regulärer Inspektionen heruntergefahrene Reaktor 4 des AKW Oi kann nach dem Willen des Betreibers Kansai Electric, bereits am kommenden Mittwoch, dem 18. Juli wieder hochgefahren werden.

Nachdem Reaktor 3 am 1. Juli wieder hochgefahren und am Montag seinen Vollbetrieb aufgenommen hatte, sollen nun die Kontrollstäbe von Reaktor 4 am 18. Juli gehoben und die Kettenreaktion zum Neustart in Gang gebracht werden. Der für den Betrieb erforderliche Zustand der Kritikalität wird für den folgenden Morgen erwartet.

Die Energieerzeugung des Reaktors soll am 21. Juli erfolgen und die vollständige Kapazität zum 25. Juli erfolgen. Hierüber berichteten Kyodo und NHK.

Stresstest-Bewertung am AKW Tomari: Am heutigen Donnerstag begann Japans Atomaufsichtsbehörde NISA mit der Inspekation des AKW Tomari (Hokkaido). Die Kontrolle umfasste die Überprüfung des Wassertanks und eines Schlauchs an einer Kühlvorrichtung, die als Reaktion auf das Fukushima-Unglück 31 Meter über dem Meeresspiegel angebracht worden war. Auch Pumpfahrzeuge waren Teil der Inspektion.

Atomsymbol
Kontrolle des AKW Tomari nach Stresstests (Grafik: pd)

Seine Behörde werde vor allem acht Punkte kontrollieren, kündigte der leitende Inspekteur der NISA, Takumi Koyamada auf dem Gelände der Anlage gegenüber Vertretern von Hokkaido Electric an. Darunter sind auch die Beurteilung von Maßnahmen zum Schutz der Reaktoren vor Riesen-Tsunami.

Die Überprüfung durch die NISA ist Voraussetzung für die Anerkennung der  Stresstests des Betreibers Hokkaido Electric, der diese im Dezember 2011 an den Reaktoren 1 und 2 durchgeführt hatte. Ohne diese ist ein Neustart nicht zugelassen. Bis Ende August soll die Beurteilung abgeschlossen sein.

Die Aussichten auf einen Neustart bleiben jedoch unklar, da im September eine neue Kontrollbehörde die Arbeit von NISA und NSC übernehmen und eine Überarbeitung der Sicherheitsrichtlinien für Neustarts durch diese erfolgen wird. Das berichteten die Nachrichtenagentur jiji und die NHK.

Schwere Regenfälle im Südwesten Japans fordern Opfer: Auf Japans vierter Hauptinsel Kyushu haben starke Regenfälle und damit verbundene Überschwemmungen und Erdrutsche bereits erste Todesopfer gefordert. Besonders schwer betroffen sind die Präfekturen Kagoshima und Oita. Dort wurden bislang mindestens 11 Menschen getötet.

Niederschlagsmengen von über 100 Millimeter pro Stunde dauerten bereits vor Sonnenaufgang an. Nach Angaben der Asahi Shimbun wurden 33.000 Haushalte zur Evakuierung aufgefordert.

Ryumon-no-Taki: Wasserfall in der Präfektur Oita (Foto: JKT cc-by)
Präfektur Oita: Jetzige Wassermassen alles andere als malerisch (Foto: JKT cc-by)

Unterdessen hat die japanische Wetterbehörde ihre Warnungen für die zwei Präfekturen über „noch nie erlebte schwere Regenfälle“ erstmals auf die wesentlichen Informationen zusammengekürzt. Das seit Juni eingeführte System soll die Bürger nicht länger mit detaillierten Informationen verwirren, sondern diesen die relevanten Warnungen übermitteln.

Die Mainichi Shimbun berichtet von insgesamt fünf Toten und 18 Vermissten. Vier der Getöteten und 17 der Verletzten wurden aus der Präfektur Kumamoto gemeldet, die anderen Fälle ereigneten  sich in der Präfektur Oita. Nach Angaben der Zeitung sind in beiden Präfekturen insgesamt mindestens 68.000 Einwohner vom Evakuierungsbefehl betroffen.

Wie die Wetterbeobachtung von Fukuoka meldet, wurde die höchste Niederschlagsmenge von bis zu 108 Millimeter pro Stunde in Aso (Präf. Kumamoto) nachgewiesen. Auch im bezug auf die 24-Stunden-Niederschlagswerte liegt Aso vorne. Hier fielen innerhalb von 24 Stunden 507,5 Millimeter Regen.

Für denselben Zeitraum wurden in Kikuchi (Präf. Kumamoto) 327 Millimeter und in  Taketa (Präf. Oita), 253.5 Millimeter Regen gemessen.

Nach Polizeiangaben starb in Aso (Präf. Kumamoto) eine 81 Jahre alte Frau, nachdem sie 30 Meter vom Erdrutsch, der in ihr Haus gelangt war, mitgerissen worden war. Eine weitere Frau von 80 Jahren wurde in ihrem Haus begraben.

In Taketa (Präf. Oita), dass mit 135 Millimetern den höchsten Niederschlag einer Drei-Stunden-Periode aufwies, trat der Tamaraikawa über seine Ufer und riss den 75 Jahre alten Masakazu Hasegawa mit sich. Er konnte nur noch tot geborgen werden. Ein 80 Jahre alter Mann wird noch vermisst.

Der Bürgermeister von Taketa  forderte beim Gouverneur der Präfektur Unterstützung durch die Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF) an. Nachdem eine Brücke zusammengebrochen war, sind viele Häuser von der Umwelt abgeschnitten. Wasser- und Stromversorgung sind dort unterbrochen und auch die Telefonverbindung ist sehr schlecht.

In Teilen von Minamiaso (Präf. Kumamoto) sind mindestens acht Wohnhäuser ganz oder teilweise zerstört. Zwei Männer werden dort vermisst. Die Präfektur meldet Evakuierungsbefehle für 26.588 Häuser und Evakuierungsempfehlungen für mindestens 6.716 Häuser.

Die NHK meldete um 19:52 Uhr Ortszeit 11 Tote und 15 Vermisste (Angaben aktualisiert). In Aso und Minami-Aso wurden Häuser weggespült. Die Polizei meldete dort zuvor sieben Tote und 19 Vermisste. Bei dem achten Toten handelt es sich um einen Mann in den 70ern aus Taketa. Er ertrank in einem Fluss.

Ein 80 Jahre alter Mann aus Taketa wird noch vermisst. Er war hinausgegangen, um nach den Reisfeldern zu sehen.

Die Wetterbehörde warnt vor weiteren schweren Regenfällen wie den heutigen, die am frühen Donnerstagmorgen einsetzten. Zwar schwäche sich das Unwetter zunächst ab, jedoch müsse auf Kyushu un anderen Gebieten in West- und Zentraljapan mit weiteren 200 Millimetern an Niederschlag gerechnet werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here