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Japan aktuell: Wieder Dampf über Fukushima-Reaktor 3

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Fukushima-Reaktor 3: Ort des Dampfaufstiegs am 24. Juli 2013 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Ort des Dampfaufstiegs am 24. Juli 2013 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Ort des Dampfaufstiegs am 24. Juli 2013 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Ort des Dampfaufstiegs am 24. Juli 2013 (Video: TEPCO)

Auch am Gedenktag des ersten Atombombenabwurfes ist die Katastrophe von Fukushima aktuell weiterhin präsent.

Seien es die innerhalb weniger Tage dramatisch gestiegenen Strahlungswerte an der einen, oder die erneute Sichtung von Dampf über einem Reaktor – das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi zeigt, dass auch die zivile Nutzung der Atomenergie massive Gefahren birgt.

Mehr zu dem, was von der Anlage in Fukushima heute gemeldet wurde, sowie weitere Fukushima News aus der Präfektur, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom . August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Erneut Sichtung von Dampf über Fukushima-Reaktor 3
  • Grundwasserwerte in fünf Tagen fast fünfzig Prozent angestiegen
  • Präfektur und Regierung gehen Fukushima-Grundwasserproblem an
  • Gedenken an Atombombenopfer von Hiroshima

Erneut Sichtung von Dampf über Fukushima-Reaktor 3: Heute wurde gegen 8:00 Uhr morgens erneut Dampf aus dem mittleren Teil des fünften Stockwerks durch eine Kamera ausgemacht.

Fukushima-Reaktor 3: Ort der Dampfsichtung am 2. Juli 2013 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Ort der Dampfsichtung am 2. Juli 2013 (Video: TEPCO)

Es habe weder in den Strahlungswerten der Reaktoren, noch an den Messpunkten oder bei der Temperatur des Sicherheitsbehälters signifikante Änderungen gegeben. Zum Zeitpunkt des Ereignisses habe eine Lufttemperatur von 26,3 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 92 Prozent geherrscht.

Bereits am gestrigen Montag war gegen 7:30 Uhr an Reaktor 3 erneut der Aufstieg von Dampf beobachtet. Die bis 8:00 Uhr erfassten Daten von Messpunkten wiesen nach Angaben des Betreibers keine Unregelmäßigkeiten auf. Gegen 12:00 Uhr war der Dampf nicht mehr feststellbar.

Zu den gestrigen Wetterbedingungen meldete TEPCO um 7:40 Uhr eine Temperatur von 21.6 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 91,4 Prozent. Nach dem Verschwinden des Dampfes lag die Lufttemperatur etwas höher bei 23,9 Grad Celsius, während die Luftfeuchtigkeit leicht auf 87,5 Prozent gefallen war.

Wiederholte Kontrollen von Strahlungswerten und sonstigen Daten ergaben weiterhin keine Abweichungen.

Allerdings hat TEPCO nun Aufnahmen des Dampfes, der im Juli gesichtet worden war, veröffentlicht. Das jetzt veröffentlichte Material stammt aus dem Zeitraum vom 23. Juli bis 26. Juli 2013 und zeigt das bereits bekannte dampfähnliche Phänomen, dessen genaue  Ursache weiterhin ungeklärt bleibt, während TEPCO seine Regenwasser-Theorie vorerst beibehält.

Grundwasserwerte in fünf Tagen fast fünfzig Prozent angestiegen: Proben die am gestrigen Montag aus einem Grundwasserkontrollpunkt in der Nähe von Fukushima-Reaktor 2 entnommen worden waren, wiesen mit 960 Becquerel pro Liter den 15-fachen Wert der am vergangenen Mittwoch entnommenen Wasserprobe auf.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Untersucht man diese Cäsiumbelastung im Einzelnen, so wurden mit Werten von 310 Becquerel an Cäsium-134 und sogar 650 Becquerel an Cäsium-137 dramatisch höhere Messungen erzielt, als bei der Kontrolle vom 31. Juli. Damals waren lediglich 21 bzw. 44 Becquerel der radioaktiven Substanzen nachgewiesen worden.

Die gemessenen Werte von Strontium und anderen Betastrahlern im Grundwasser, wiesen einen Anstieg um das 47-fache auf und erreichten damit 56.000 Becquerel pro Liter.

Die Ende Juli nachgewiesene Zahl betrug 1.200 Becquerel pro Liter. Über den neusten Anstieg innerhalb von nur fünf Tagen berichteten Asahi Shimbun und jiji.

Präfektur und Regierung gehen Fukushima-Grundwasserproblem an: Nachdem die japanische Atomaufsichtsbehörde NRA das steigende radioaktive Grundwasser am AKW Fukushima offiziell als Notfall bezeichnet hatte, bemüht man sich nun von mehreren Seiten um eine Lösung.

Zum einen inspizierten heute Mitglieder des Rats, der von der Präfekturleitung für die Überwachung der Stilllegungsmaßnahmen eingesetzt worden war, den Verlauf eines unterirdischen  Tunnels, der mit große Mengen von radioaktivem Wasser gefüllt sein soll. Auch wurden die Verstärkungsarbeiten an den Dämmen besichtigt, die mit zum Problem beigetragen hatten.

Wie die NHK berichtet, seien die Präfekturvertreter unzufrieden mit der Herangehensweise des AKW-Betreibers die Probleme erst zu lösen, wenn diese auftreten, anstatt geeignete Präventivmaßnahmen zu ergreifen um deren Auftreten zu verhindern.

Daher wandte sich die Präfektur Fukushima, vertreten durch Vize-Gouverneur Masao Uchibori nun an die Regierung in Tokyo. In dem Schreiben, dass er heute einem Vertreter der Atomaufsichtsbehörde NRA, sowie Vize-Industrieminister Kazuyoshi Akaba überreichte, fordert die Präfektur, man müsse sicherstellen, dass TEPCO wirksame Präventivmaßnahmen ergreife und das Wasser aus den Tunneln entsorge.

Auch solle die Regierung die Verantwortung für die Stilllegung der Kraftwerksanlage übernehmen, da sich TEPCO offenbar überfordert zeige und mit mehrheitlich kosmetischen Maßnahmen zuletzt sogar zur Verschlimmerung der Lage beigetragen habe.

Teilweise Erlaubnis für Neustartkontrollen an TEPCO-Kraftwerk: Nach heutigen Angaben von TEPCO ist es dem Betreiber des AKW Kashiwazaki-Kariwa gelungen, zumindest eine teilweise Zusage zu erhalten. Die beiden Ortsverwaltungen, auf deren Gelände sich die Anlage befindet, haben offenbar eingewilligt, die NRA Kontrollen durchführen zu lassen, die für eine Neustartgenehmigung erforderlich sind.

AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)

Allerdings steht die Präfekturleitung dem Anliegen nach wie vor skeptisch gegenüber, so dass nach Angaben der Kyodo zunächst unklar bleiben wird, ob ein entsprechender Prüfungsantrag erfolgen kann. Über diese Ereignisse berichteten auch jiji und NHK.

Die Haltung von Gemeinden, die sich in der Nähe der Kernkraftwerkwerke befinden, ist teils sehr ambivalent.

Einerseits fürchtet man nun die möglichen Folgen eines Zwischenfalls, andererseits sind einige Geschäfte praktisch von den Kraftwerksarbeiten und ihren Familien als Kunden abhängig.

Gedenken an Atombombenopfer von Hiroshima: Weltweit wurde heute der Opfer des ersten Atombombenabwurfs auf eine Stadt gedacht.

Atombombendom in Hiroshima (Foto: kepii, cc by-nd)
Atombombendom in Hiroshima (Foto: kepii, cc by-nd)

Am 6. August 1945 um 8:15 Uhr explodierte die von den Amerikanern „Little Boy“ genannte Bombe, die vom Bomber „Enola Gay“ abgeworfen worden war.

Am heutigen Dienstag versammelten sich etwa 50.000 Menschen im Friedenspark von Hiroshima um am 68. Jahrestag des Abwurfs der Opfer zu gedenken und für eine Welt ohne Atomwaffen zu beten.

Belegen neu entdeckte Dokumente vom 4. Juli 1945 noch, dass Großbritannien einen Monat vor dem Abwurf den Einsatz der Bombe befürwortet hatte, wurde heute auch in London eine Gedenkveranstaltung abgehalten.

In Hiroshima selbst war der US-Abgesandte Roos bei der Friedenszeremonie anwesend, in deren Verlauf die Friedensglocke ertönte. Bereits gestern hatte unter Anwesenheit von 200 Gästen eine Veranstaltung zur Erinnerung an die südkoreanischen Opfer stattgefunden. Am selben Tag besuchte der US-Filmregisseur Oliver Stone das Denkmal in Hiroshima und legte Blumen nieder.

In Genf pflanzten Vertreter des Roten Kreuzes am Hauptsitz der Organisation den Schössling eines Baums, der den Atombombenangriff überlebt hatte. Dabei wurde die besondere Verbindung zwischen der japanischen Stadt und der Hilfsorganisation betont – war Marcel Junod vom Roten Kreuz doch der erste ausländische Arzt, der im September 1945 die Stadt betrat.

In Japans Hauptstadt Tokyo fand unter anderem im Gohyaku Rakanji eine Veranstaltung zu Ehren von neun Mitglieder einer reisenden Theatertruppe statt. Die Männer der „Sakuratai“ waren während der Kriegszeit und vor ihrem Tod durch die Atombombe an verschiedenen Orten aufgetreten, um die Menschen zu unterhalten.

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