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Japan aktuell: Wieder ungeplante Stromabschaltung am AKW Fukushima

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AKW Fukushima: Blick in den Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick in den Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick in den Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick in den Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)

Innerhalb von fünf Wochen ist es zum dritten Mal zur ungeplanten Abschaltung der Stromversorgung eines Kühlsystems gekommen und auch die am AKW Fukushima heute ermittelte Ursache weist Parallelen zum ersten Zwischenfall dieser Art im März diesen Jahres auf.

Daneben sind jedoch auch der Verstoß gegen  Sicherheitsrichtlinien für Kraftwerksarbeiter und die extreme radioaktive Kontamination in Schulschwimmbecken der Präfektur Fukushima aktuell.

Neben diesen Fukushima News gibt es jedoch noch einige andere Meldungen, die für Aufmerksamkeit sorgen. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 22. April 2013.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Tote Kleintiere führen zu Kühlungsabschaltung am AKW Fukushima
  • Ablagerungen in Fukushima-Schulschwimmbecken weist über 10.000 Becquerel auf
  • 14 Fukushima-Arbeiter bei Leckarbeiten ohne Dosimeter
  • Blinde Tohoku-Überlebende sollen ihre Geschichte erzählen
  • Streit um Besuch und Opfergaben am Yasukuni-Schrein

Tote Kleintiere führen zu Kühlungsabschaltung am AKW Fukushima: Gegen 10:13 Uhr entdeckte ein TEPCO-Angestellter zwei tote Mäuse oder Ratten im Gehäuse des Freilufttransformators des Kühlsystems für das Abklingbecken in Fukushima-Reaktor 2. Mindestens eines der Tiere sei offenbar durch einen elektrischen Schlag gestorben.

AKW Fukushima: Tierkadaver im Gehäuse des Freilufttransformators am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Tierkadaver im Gehäuse des Freilufttransformators am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)

Um 11:36 Uhr wurde das Hauptkühlsystem des Abklingbeckens ausgesetzt, um die Tierkadaver zu entfernen und um 11:40 Uhr auch das zweite Kühlsystem. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Wassertemperatur etwa 13,9 Grad Celsius.

Nach der Beseitigung der Überreste und der Anbringung einer schützenden Hülle zur Abwehr von Kleintieren um 13:40 Uhr wurde das Kühlsystem um 15:48 Uhr wieder in Betrieb genommen.

Die Temperatur lag bei etwa 14 Grad Celsius.

AKW Fukushima: Abdichtung im Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Abdichtung im Freilufttransformator am 22. April 2013 (Foto: TEPCO)

Nach Angaben von TEPCO gab es weder vor, noch nach der Abschaltung irgendwelche Probleme mit der Stromversorgung und auch die Kühlung des Abklingbeckens verlaufe völlig normal, zumal der als kritisch geltende Werte von 65 Grad Celsius weit unterschritten wurde.

Es ist bereits die dritte Unterbrechung in der Elektrizitätsversorgung innerhalb von fünf Wochen.

Im März hatte bei einem ersten Zwischenfall eine Ratte einen Kurzschluss ausgelöst, durch den die Stromversorgung für die Kühlsysteme mehrerer Abklingbecken ausgefallen war und erst nach 29 Stunden wieder neu gestartet werden konnte. Der zweite Zwischenfall Anfang April war durch die Unachtsamkeit eines Arbeiters bei der Anbringung von Drahtnetzen gegen Kleintiere entstanden.

Neben dem Elektrizitätskonzern berichteten auch Medien wie die Asahi Shimbun und die NHK über den jüngsten Zwischenfall.

Schlamm in Fukushima-Schulschwimmbecken weist über 100.000 Becquerel auf: In drei High Schools in und um die Stadt Fukushima wurden extrem hohe Belastungen mit radioaktivem Cäsium nachgewiesen. Im Schlamm, der sich am Boden der Becken angesammelt hatte, wurden über 100.000 Becquerel gemessen. In einer dritten Schule in Minamisoma wurden mindestens 8.000 Becquerel pro Kilogramm Schlamm nachgewiesen.

Unterwasser-Ansicht eines Schwimmbeckens (Foto: pd)
Fukushima: Strahlungsbelastung in Schwimmbecken (Symbolfoto, pd)

Die Präfekturverwaltung hatte bei Kontrollen lediglich die Strahlungsbelastung des Wassers, nicht jedoch der Ablagerungen in den Becken überprüft. Offenbar hat das Wasser in den drei betroffenen Schulen eine Ausbreitung der Strahlung aus dem Schlamm verhindert, da die Messungen der Luft fast die gleichen niedrigen Werte nachwiesen, wie in anderen Bereichen.

Es besteht eine gesetzliche Regelung, dass Substanzen die eine Belastung von mehr als 8.000 Bequerel aufweisen, von der Regierung entsorgt werden müssen. Offenbar sind die Ablagerungen in den Schwimmbecken jedoch nicht von Belang, so lange sie nicht in die Umwelt gelangen.

An allen drei Schulen war das Wasser in den Freiluftschwimmbecken seit der Katastrophe im März 2011 nicht ausgetauscht worden. Dagegen hätten dies 63 der 70 High Schools in der Präfektur, die über Schwimmbecken verfügten, das Wasser bereits abgelassen – und in Flüsse und Abwässerkanäle entsorgt, so dass nun Kontrollen durchgeführt werden sollen, um mögliche Umweltbelastung zu prüfen.

Die Asahi Shimbun, welche bereits die illegale Entsorgung von radioaktiv kontaminierten Abfällen im Rahmen von Dekontaminationsarbeiten aufgedeckt hatte, ging der Angelegenheit mit Erlaubnis der drei Schulen und der Unterstützung der im Juli 2011 gegründetenNonprofit-Organisation „Citizen’s Radioactivity Measuring Station (CRMS)“ nach.

Im März 2012 von der CRMS entnommene Proben wiesen eine radioaktive Belastung von 65.900 Becquerel auf. Das geht aus den Ergebnissen hervor, die am 1. April diesen Jahres veröffentlicht worden waren. Die jüngsten Messergebnisse in einem Becken ergaben Werte von 104.100 Becquerel pro Kilogramm.

Auch Proben aus den Schwimmbecken der beiden anderen betroffenen Schulen wurden nun entnommen und wiesen bei der Schule unmittelbar außerhalb der Stadt eine Konzentration von 119.461 Becquerel nach. Die Ablagerungen aus dem Becken in Minamisoma ergaben eine Belastung in Höhe von 8.468 Becquerel.

Die Präfekturleitung räumte ein, bei den Dekontaminationsarbeiten nicht an die Ablagerungen in den Becken gedacht zu haben und werde nun Untersuchungen durchführen um herauszufinden, wie diese Becken am besten dekontaminiert werden könnten und das Umweltministerium informieren.

14 Fukushima-Arbeiter bei Leckarbeiten ohne Dosimeter: Wie der Kraftwerksbetreiber TEPCO am Freitag meldete, arbeiteten offenbar 14 Angestellte eines Partnerunternehmens seit dem 6. April, kurz nach Entdeckung der Lecks an den unterirdischen Wassertanks am Tag zuvor, ohne dabei persönliche Dosimeter zu tragen.

TEPCO erklärte, man habe erst am 8. April von der fehlenden Nutzung der Dosimeter erfahren. Bei den Messgeräten handelt es sich um ringförmige Dosimeter, mit denen etwa die Belastung durch Beta-Strahlung erfasst wird. Man habe den Zwischenfall bereits an das Kontrollbüro für Arbeitsrichtlinien in Tomioka gemeldet, das bereits entsprechende Maßnahmen getroffen habe.

Blinde Tohoku-Überlebende sollen ihre Geschichte erzählen: Die japanische Blindenvereinigung will im Mai mit einer landesweiten Aktion das Schicksal von blinden Überlebenden der Tohhoku-Katastrophe stärker bekannt machen und so mehr Unterstützung für Blinde in Katastrophenfällen erreichen, die sich auch in Auffanglagern mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sehen würden.

Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungen sollen etwa 20 blinde Personen aus den drei Katastrophenpräfekturen über ihre Erfahrungen reden. Es ist nach Angaben der Organisatoren das erste Mal überhaupt, dass Menschen mit derartigen Einschränkungen über ihre Erfahrungen in einer Katastrophensituation berichten.

Wie die NHK berichteten waren während des Tohoku-Erdbebens mehrere blinde Einwohner der Präfekturen gestorben, da sie nicht in der Lage waren, sich vor dem Tsunami in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen.

Streit um Besuch und Opfergaben am Yasukuni-Schrein: Während Minister der Regierung Abe – darunter auch der stellvertretende Premierminister Taro Aso –  am Sonntag den Schrein besuchten, stattete Premier Shinzo Abe dem Schrein zwar keinen Besuch ab, spendete jedoch eine Opfergabe, einen symbolischen Masakaki-Baum.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Gedenkort für die Kriegstoten (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Als Reaktion darauf sagte der südkoreanische Außenminister Yun Byung Se einen Japan-Besuch heute offiziell ab. Chefkabinettssekretär Yoshihide Suga erklärte dagegen, es sei sehr unglücklich, dass die Schreinbesuche diese Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen hätten – jedoch könne die Regierung den Ministern nicht vorschreiben, was sie privat machten.

Der shintoistische „Yasukuni Jinja“ im Tokyoter Bezirk Chiyoda ist dem Gedenken an die Kriegstoten gewidmet, die dort in vergöttlichter Form, als so genannte „Kami“ verehrt werden. Dazu zählen jedoch auch Selbstmordpiloten und Militärs, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch die US-Besatzer als Kriegsverbrecher hingerichtet worden waren. Deren Verehrung führt immer wiedr zu Spannungen mit Japans Nachbarstaaten.

Über die aktuellen Reaktionen berichteten etwa jiji, NHK und Kyodo.

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