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Japan aktuell: Wieder Unklarheiten um Zustand von Fukushima-Reaktor 4

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Ansicht von Fukushima-Reaktor 4 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Unsicherheiten trotz Sicherheitskontrolle (Foto: TEPCO)
Ansicht von Fukushima-Reaktor 4 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Unsicherheiten trotz Sicherheitskontrolle (Foto: TEPCO)

Gerüchte über ein Absacken von Fukushima-Reaktor 4 halten sich hartnäckig, wenn von eben diesem Reaktor des AKW Fukushima heute zweifelhaftes Vorgehen bei den Kontrollen berichtet wird, dürften sich Anhänger dieser Theorien zunächst bestätigt fühlen.

Doch offiziell gilt das Abklingbecken des Gebäudes sogar als erdbebensicher.

Auch wenn die Situation des Kernkraftwerks Fukushima aktuell das meiste Interesse erregen mag, so sollte nicht vergessen werden, dass auch an anderen japanischen AKW bereits Nachlässigkeiten festgestellt wurden. Einzelheiten zu den Fukushima News und den weiteren Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Februar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Erneute Unklarheiten bei Zustandstests an Fukushima-Reaktor 4
  • Nach Irreführung nun Kontrolle von Reaktor 1 geplant
  • Inspektion am AKW Monju nach Unregelmäßgikeiten
  • Anonyme Goldspende an Fischmarkt

Erneute Unklarheiten bei Zustandstests an Fukushima-Reaktor 4:TEPCO veröffentlicht heute seinen Bericht zur Stabilitätsuntersuchung von Fukushima-Reaktor 4.

Fukushima-Reaktor 4: Visuelle Inspektion der östlichen Seitenwand am Abklingbecken (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Visuelle Inspektion der östlichen Seitenwand am Abklingbecken (Foto: TEPCO)

Diese Untersuchungen waren zwischen dem 4. und 12. Februar 2013 durchgeführt worden. Die letzte der alle drei Monate durchgeführten Untersuchungen fanden im November vergangenen Jahres statt.

Dabei umfasste die Prüfung die gleichen Punkte wie bei den Kontrollen zuvor.

Zu den Prüfungspunkten gehören sowohl strukturelle Prüfungen durch Geräte, als auch rein visuelle Inspektionen durch Experten.

  • Messung des Wasserstands zur Gebäudeneigung
  • Vermessung der Außenwände
  • Visuelle Inspektion
  • Beurteilung der Betonstabilität

Die Ergebnisse blieben, trotz teilweise geringer Abweichungen, die von TEPCO durch die normale Fehlerquote bei derart genauen Messungen und jahreszeitlich bedingten Änderungen des Betons  gerechtfertigt wurden, praktisch identisch zu den vorangegangenen Untersuchungen (Spreadnews berichtete am 30. November 2012).

Einige Besonderheiten gab es jedoch, die durchaus erwähnenswert sind.

Vermessung der Außenwände: Bei der Vermessung der Außenwände unter Einsatz eines optischen Geräts und anhand von Fixpunkten am oberen und unteren Ende der Wände, wurde an der Südwand fünf bislang genutzte Fixpunkte ausgelassen, da dort am Schutzmantel zur Brennstäbeentfernung aus dem Reaktor gebaut wird.

Fotomanipulation der Aufnahmen: Nachdem die nachträgliche Bearbeitung von Reaktorfotos im September 2012 für aufsehen sorgte, hatte TEPCO nachträglich einen Hinweis angebracht.

Fukushima-Reaktor 4: Retuschierte Aufnahme der westlichen Außenmauer am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Retuschierte Aufnahme der westlichen Außenmauer am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Auch bei der jüngsten Zustandskontrolle wurden Bilder verändert. Erneut handelt es sich um die westliche Außenmauer, wo sich zuvor ein Zugang zum Reaktorraum befunden hatte.

Diesmal weist TEPCO jedoch selbst auf die Veränderung des Fotos hin,  mit  dem Hinweis, es geschehe zur „physical protection“. Was genau durch diese Maßnahme „geschützt“ werden soll, ist unklar und wird von TEPCO auch nicht näher erläutert.

Visuelle Inspektion: Ebenso wie bei den vorangegangenen Kontrollen wurden bei der visuellen Untersuchung des Betons  keine Risse mit einer Breite von einem Millimeter oder mehr entdeckt. Diese hätten andernfalls repariert werden müssen.

Fukushima-Reaktor 4: Versuchsweise Verputzung der Wand mit Mörtel (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Versuchsweise Verputzung der Wand mit Mörtel (Foto: TEPCO)

Verputzung mit Mörtel: Da sich die Betonoberfläche an Stützen und Trägern im Inneren des Reaktors durch die Wucht der Wasserstoffexplosion zum Zeitpunkt der Reaktorkatastrophe im März 2011 gelöst hatte, sind dort Teile der Stahlkonstruktion des Stahlbetons sichtbar.

Um eine Korrosion der freiliegenden Konstruktion zu verhindern, sollen die fraglichen Stellen der Reaktorinnenwände etwa ab März 2013 mit Mörtel verkleidet werden.

Eine versuchsweise durchgeführte Maßnahme dieser Art ist auch im Fotomaterial von TEPCO enthalten und besteht aus zwei Aufnahmen, welche eine der Wände vor und nach der Verputzungsmaßnahme mit Mörtel zeigen.

Es bleibt abzuwarten, welchen Erfolg diese Aktion haben wird, denn bereits in der Vergangenheit hatten sich Flickschustereien von TEPCO als wenig wirkungsvoll erwiesen.

Mögliche Unklarheiten: TEPCO hob hervor, dass das Abklingbecken ebenfalls sicher sei und betonte, erstmal habe ein Experte, der nicht zum Unternehmen gehöre, die Inspektion überwacht.

Fukushima-Reaktor 4: Anonymisierte Personen bei der Zustandskontrolle am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Anonymisierte Personen (Experte links) bei der Zustandskontrolle am 13. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Ein Reporter der NHK zog jedoch die Objektivität der Untersuchung und Einschätzung in Zweifel, da nur ein Experte zugelassen wurde, dessen Identität zudem unbekannt bleibt.

Die Fotos der kontrollierenden Personen sind kleiner als die übrigen Aufnahmen und wurden von TEPCO bearbeitet, so dass die Gesichter nicht erkennbar sind – aus Gründen des Datenschutzes und der Privatsphäre wie es offiziell heisst.

Nach offizieller TEPCO-Beurteilung ist der Reaktor erdbebensicher.

Nach Irreführung nun Kontrolle von Reaktor 1 geplant: Auf einer gestrigen Pressekonferenz kündigte Shunichi Tanaka, Vorsitzender von Japans Atomaufsicht NRA an, die Behörde wolle das Innere von Reaktor 1 untersuchen.

Bau der Dachkonstruktion des Schutzmantels von Fukushima-Reaktor 1 am 14. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Inspektion soll Licht ins Dunkel der Reaktorsicherheit bringen (Foto: TEPCO)

Die bislang verhinderte Untersuchung sollte kontrollieren, ob die Isolationskondensatoren im vierten Stock des Reaktorgebäudes möglicherweise bereits durch das Erdbeben beschädigt worden waren.

Diese Möglichkeit wird bislang von anderen Untersuchungsausschüssen verneint. Wäre dies der Fall, so würde dies höhere Gebäudestandards für Reaktoren nach sich ziehen, was weitreichende Folgen für bereits bestehende Reaktoren hätte.

Allerdings solle man auch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Kontrolle müsse objektiv und ohne Voreingenommenheit erfolgen, erklärte der Leiter der Atomaufsichtsbehörde.

Tanaka sprach von einer Reaktorkontrolle „in nicht allzu ferner Zukunft“, erklärte jedoch, aufgrund der hohen Strahlung im vierten Stock sei es noch zu früh ein exaktes Datum zu nennen. Die Strahlungslevel  innerhalb des Reaktorgebäudes sind extrem hoch. In einigen Bereichen erreicht die stündliche Strahlung, gemessen in Millisievert, zweistellige Werte.

Über die aktuellen Pläne der NRA berichteten etwa die Mainichi Shimbun und die Asahi Shimbun.

Inspektion am AKW Monju nach Unregelmäßigkeiten: Am heutigen Donnerstag besuchten acht Vertreter der Atomaufsicht NRA die Anlage des AKW Monju (Präf. Fukui) um dort Dokumente zu sichten und Angestellte zu befragen. Hintergrund der Kontrolle ist die Entdeckung von 9.800 Versäumnissen des Betreibers, darunter nicht durchgeführte Sicherheitskontrollen.

Im Bericht des Betreibers fehlen nach Angaben der NHK Informationen darüber, welche Arbeiten von welchen Angestellten durchgeführt worden waren. Dies sei ein schwerwiegendes Problem, dass eine derartige Untersuchung erforderlich mache.

Dabei ist der Forschungsreaktor bereits wegen seiner Pannen berüchtigt. Einer der schwersten Zwischenfälle an der zur Zeit weitgehend heruntergefahrenen Anlage war der Austritt eines Natrium-Kühlmittels im Jahr 1995.

Anonyme Goldspende an Fischmarkt: Ein Fischmarkt in der vom Tsunami des Tohoku-Erdbebens schwer getroffenen Stadt Ishinomaki (Präf. Miyagi) konnte sich über eine ungewöhnliche Sachspende freuen, hatte doch ein anonymer Spender zwei Goldbarren an den Leiter des Fischmarkts verschickt.

Den beiden insgesamt zwei Kilo schweren Goldbarren, die einen Wert von etwa zehn Millionen Yen haben, wurden aus Nagano verschickt –  doch bis auf den fiktiven Absender „Vereinigung für Unterstützung und Kooperation der Opfer von Erdbeben und Tsunami“ und das Zeitungspapier, in das sie eingewickelt waren, gibt es keine Hinweise auf den Spender.

Auf Korrektheit legte der anonyme Helfer jedenfalls Wert – war den Goldbarren mit der Prägung der Credit Suisse doch auch eine schriftliche Reinheitsgarantie beigefügt. Nur Absender und Telefonnummer fehlen auf dem Paket, dass als „Hilfsgut“ deklariert worden war.

Kunio Suno, Leiter des Fischmarkts Ishinomaki, bedankte sich gestern über die Medien beim Unbekannten und versprach, man werde den Geldwert des Edelmetalls für den Wiederaufbau des Fischmarkts nutzen. Auch habe diese Spende eine sehr ermutigende Wirkung für die Betroffenen, wenn man bedenke, das ein gänzlich Unbekannter sie unterstützt.

Über die ungewöhnliche Spende berichteten Mainichi Shimbun, sowie die Asahi Shimbun.

3 KOMMENTARE

  1. Was für eine unglaubliche SAUEREI das doch ist. Monatelang hört man nichts mehr, und dann am Jahrestag erst wieder?!!!

    Warum überlässt man TEPCO weiterhin die Arbeit am Kraftwerk? Warum?
    Die haben doch absolut nichts im Griff, und auch heute noch Lügen, Lügen, Lügen.
    Aussenstehende dürfen nicht das Kraftwerk kontrollieren? Und das wird zugelassen?
    Ganz Tokio ist verseucht und an eine Evakuierung denkt man nicht einmal. Schei… doch der Hund drauf… Was ist da los?
    Und einen Schutzmantel über die Reaktoren legen ist ja wirklich so beruhigend! Und der wird auch noch von Tepco gebaut? Halloooo!!!!
    Brennstäbe liegen unter freiem Himmel, auch nicht schlecht.
    Ich habe eine Wut in mir, wahnsinn. Ganz ehrlich, anscheinend muss doch nochmal ein Tsunami oder starkes Erdbeben kommen und alles wieder abreißen, so dass alles nochmal um einiges schlimmer wird. Vielleicht macht man ja dann etwas, und zieht endlich Tepco ab!! so oder so, es ist nicht unter Kontrolle, das Meer und die Umgebung verstrahlen weiterhin.
    Mir fehelen die WORTE!

    • Hallo RaGe,

      dass die Massenmedien immer erst berichten, wenn die Kacke am dampfen ist, weiss man doch schon lange.

      Deshalb lese ich ja auch hier bei Spread, weil SPON und Co gar nicht mehr ausreichend über das Thema berichten.

      Hier kriegt man wenigstens täglich news zu Fukushima.

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