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Japan aktuell: Zweifel trotz angeblich stabiler Lage durch Cold Shutdown am AKW Fukushima

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Cold Shutdown Grafik (Foto: Eis von André Mouraux, cc-by)
Fukushima: Cold Shutdown soll Sicherheit bringen (Foto: Eis von André Mouraux, cc-by)

Die japanische Regierung hat ihr Versprechen, man werde bis Jahresende die Lage im AKW Fukushima Daiichi unter Kontrolle haben nun zwar eingelöst – allerdings muss man nicht einmal der von der Mainichi Shimbun zitierte Undercover-Reporter Tomohiko Suzuki, der mehr als einen Monat verdeckt dort recherchierte sein, um Zweifel daran zu haben, dass tatsächlich wesentliche Fortschritte erreicht wurden, nur weil man jetzt den stabilen Zustand des „Cold Shutdown“ ausgerufen habe.

Auch wenn, wie einige Kritiker sagen, die gestern gemeldeten Millionenwerte an Cäsium in der Präfektur Fukushima lediglich auf dem Reissbrett errechnet und sogar Berechnungsfehler gemacht worden seien, ist eine gesunde Skepsis in beide Richtungen – Übertreibung/Falschmeldung und Verharmlosung/Verschleierung – weiterhin notwendig.

Fukushima News und was neben den Ereignissen am AKW Fukushima aktuell sonst geschieht nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Dezember 2011.

Japans Regierung erklärt erfolgreichen Cold Shutdown: Japans Premierminister Yoshihiko Noda erklärte heute vor anderen Ministern, der Zustand des Cold Shutdown („kalte Stilllegung“) am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi, dass seit dem März-Unglück für den Austritt radioaktiven Materials, die Kontamination der Umwelt und die Belastung von Lebensmitteln verantwortlich ist, sei jetzt erreicht worden. Alle Reaktoren des Kraftwerks befänden sich nun in einem stabilen Zustand, in dem die Temperatur nicht über 100°C steigt. Mit dieser Erklärung erfüllt die Kommission zur Bewältigung der Atomkrise ihre Zusage, es sei möglich bis Ende des Jahres 2011 die Lage im AKW Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Zugleich ist mit der Kaltabschaltung „Schritt Zwei“ des Krisenplans offiziell erfolgreich abgeschlossen.

Dennoch, so räumte Premierminister Noda ein, liege noch viel Arbeit vor der Regierung. Neben dem Wiederaufbau der besonders durch den Tsunami geschädigten Küstenregionen stelle die Dekontamination ganzer Landstriche, um eine Rückkehr evakuierter Einwohner zu ermöglichen, vor große Aufgaben, die es nun zu bewältigen gilt.

Ungenaue Messergebnisse führen zu Fehlalarmen: Die Asahi Shimbun greift eine Meldung der NHK auf, in der Belege für Ungenauigkeiten bei der Messung radioaktiver Belastung und damit verbundene übertriebene Warnungen aufgeführt werden. Ursachen für die Messung zu hoher Werte seien etwa beschädigte Messgeräte, sowie eine mangelnde Einigkeit über die Einbeziehung von natürlicher Hintergrundstrahlung bei den Ergebnissen.

Zudem seien viele Prüfstellen in Japan nicht zertifiziert und somit könnten bei diesen Prüfinstituten nicht die Einhaltung bestehender internationaler Standards für die Gewährleistung der Genauigkeit von Prüfgeräten garantiert werden. Außerdem sei die Messung von Strahlung komplexer als vielfach angenommen, allein die Anzeige eines Messwerts gäbe keine ausreichende Auskunft. Besonders Strontium sei nur schwer nachzuweisen, lediglich wenige Stellen könnten dies akkurat messen.

Als Beispiel wird die Uneinigkeit von einer im Oktober im Auftrag der Stadt Yokohama durchgeführte Messung angeführt.  Die beauftragte Stelle wies mit einem neuen Verfahren, das die Prüfzeit von drei Wochen auf einen Tag verkürzt, eine Belastung von radioaktivem Strontium in Höhe von 129 sowie 59 Becquerel pro Kilogramm nach. Die im November veröffentlichten Werte des Ministeriums für Wissenschaft und Industrie wiesen jedoch nur 1,1 Becquerel an Strontium-90 sowie keinerlei Strontium-89 das eine Halbwertszeit von 50 Tagen hat, nach. Die vom Ministerium angeführte Erklärung, das Prüfinstitut könne möglicherweise falsche Werte durch eine Verunreinigung ermittelt haben, wurde von diesem zurückgewiesen.

Investigativer Journalist bestreitet Fortschritte in Fukushima: Die vom Journalisten Tomohiko Suzuki nach seiner verdeckten Tätigkeit öffentlich gemachten Kritikpunkte, reichen von mangelnder Kooperation von Unternehmen aufgrund von Konkurrenzdenken bis zum Vorwurf, die Arbeiter würden aufgrund des Zeitdrucks nicht nur schlampig arbeiten, sondern aus Verpflichtungsgefühl und Angst davor gefeuert zu werden, sogar freiwillig  ihre Dosimeter manipulieren, um bis zu einer halben Stunde länger arbeiten zu können, bevor das Gerät den Grenzwert für Arbeiten anzeigt.

Sogar bei den täglichen Strahlungsprüfungen an den Arbeitern handele es sich lediglich um Show, da nicht nur der Detektor zu schnell über die Körper bewegt würde, sondern auch die Verbindung des akkustischen Signalgebers getrennt sei. Viele Arbeiten seien rein kosmetischer Natur, die wirklichen Arbeiten zur Bewältigung der Krise hätten gerade erst begonnen.

Nur wenig Radioaktivitäts-Tests an Reis abgeschlossen: Mit dem heutigen Freitag ist es einen Monat her, seit die Regierung meldete, es sei erstmalig eine Belastung über dem Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm in Reis nachgewiesen worden. Seitdem hatte es immer wieder Nachrichten über weitere Funde, besonders in der Präfektur Fukushima, gegeben. Zuletzt war sogar belasteter Reis in den Handel gelangt.

Am 22. November begannen die Untersuchungen an Reis von insgesamt 25.100 landwirtschaftlichen Betrieben, was insgesamt 40 Prozent der gesamten Reisanbauern entspricht. Die jetzt veröffentlichten Zahlen zeigen, dass bis zum 14. Dezember die Tests an Reis von 2.400 Betrieben abgeschlossen wurden. Bei insgesamt 24 Reisanbaubetrieben in den Städten Date, Fukushima und Nihonmatsu seien dabei Werte über dem Grenzwert festgestellt worden.

Diese Zahlen bedeuten jedoch vor allem Eines: Bislang sind lediglich 10 Prozent der anvisierten Betriebe der Gebiete, in denen bereits zuvor kritische Werte gemessen worden waren, von der Präfekturverwaltung Fukushima abschließend getestet worden.

Sea Shepherd zur Jagd nach Walfängern aufgebrochen: Am gestrigen Donnerstag zeigte sich die radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd trotz der Drohung juristischer Schritte unbeeindruckt und so lief als erstes Schiff die „Bob Barker“ aus, um sich auf den Weg zu machen, die bereits am 6. Dezember ausgelaufenen japanischen Walfänger bei ihrer Arbeit zu behindern. Heute soll als zweites Schiff die „Steve Irwin“ folgen. Am Samstag wird dann mit der „Brigitte Bardot“ das dritte Schiff der Aktivisten in See stechen. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Der Walfang dient offiziellen Angaben lediglich Forschungszwecken und wird, wie jüngst bekannt wurde, auch durch Gelder die für den Wiederaufbau vorgesehen sind, von der Regierung finanziell unterstützt.