Start Aktuelles Japan aktuell: Zweite Veröffentlichung der TEPCO Notfall-Leitfäden belegt weitere Mängel

Japan aktuell: Zweite Veröffentlichung der TEPCO Notfall-Leitfäden belegt weitere Mängel

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Tokyo Regierungsgebäude Nummer 5: Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Umwelt
Umweltministerium beendet Informationskampagne für Zwischenlager (Foto: pd)
Tokyo Regierungsgebäude Nummer 5: Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Umwelt
Tokyo Regierungsgebäude Nummer 5: Ministerien für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Umwelt

Die bereits gestern gemeldete Überschreitung des Grenzwertes für radioaktives Cäsium bei Reis aus der Präfektur Fukushima hat nun erste Konsequenzen. So wurde nach Beratungen eine Anordnung herausgegeben, die den Versand von Reis aus Onami, einem Bezirk der Stadt Fukushima, untersagt. Zwar wird weiterhin versichert, es sei kein belasteter Reis in den Handel gelangt – gleichzeitig wird aber genau diese Möglichkeit untersucht.

Unterdessen gibt es aus Fukushima aktuell bereits neue Meldungen, die ebenfalls von Interesse sind, will man mehr Informationen über die Handhabung der Atomkatastrophe durch den Betreiber TEPCO erfahren. Mehr Fukushima News daher im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. November 2011.

 

TEPCO Notfall-Leitfäden für Reaktoren 2 und 3 veröffentlicht: Am 25. Oktober berichtete Spreadnews über die Veröffentlichung eines ersten Teil des Notfall-Leitfadens für das  Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Zu diesem Zeitpunkt war ein Bestandteil der Notfallpläne für Reaktor 1 weitgehend unzensiert veröffentlicht worden. Nun wurden die Pläne für die Reaktoren 2 und 3 zugänglich gemacht – und ebenso wie beim ersten, wurde auch in diesen beiden Fällen deutliche Mängel im Krisenmanagement sichtbar.

Die jeweils 180 Seiten umfassenden Dokumente beschreiben etwa die Maßnahmen zur Einspeisung von Wasser in die Reaktoren und die Vorgänge um Dampf zum Druckabbau abzulassen. Es finden sich jedoch keine ausreichenden oder detaillierten Hinweise zum Umgang mit der Situation eines länger anhaltenden vollständigen Stromausfalls, wie es nach dem Erdbeben und Tsunami an Reaktor 1 der Fall gewesen war. Das berichtet die NHK.

Ursprünglich hatte TEPCO die Dokumente in fast vollständig geschwärzter Fassung an die Behörden ausgehändigt und auch später noch die Geheimhaltung gefordert, um Terroristen keinen Zugriff auf sensiblen Informationen über Kraftwerke  zu ermöglichen.

Mitglied des Umweltministeriums warf radioaktiven Abfall in Hausnähe weg: Wie Umweltminister Goshi Hosono auf einer heutigen Pressekonferenz einräumte, hat ein Mitglied seiner Behörde offenbar radioaktiv belastetes Erdreich, dass dem Ministerium zugesandt worden war, auf einem unbebauten Grundstück in der Nähe seines Hauses in der Präfektur Saitama entsorgt.

Die Erdprobe war am 8. November in einem Päckchen, kleiner als ein DIN A4 Blatt geliefert worden. Beigelegt war neben der Erdprobe ein Zettel auf dem der Absender erklärte, dies Erdreich stamme aus der Nähe seines Hauses, das Umweltministerium möge es bitte entsorgen. Beigelegt waren Informationen über die Strahlungswerte.

Die in einem Abstand von 80 Zentimeter gemessene Strahlung habe 0,18 Mikrosievert pro Stunde betragen. Außerhalb des Plastiksacks in dem die Erde enthalten war wurden 0,6 Mikrosievert gemessen.

In einer Diskussion über das weitere Vorgehen hatte der Leiter der Abteilung für allgemeine Angelegenheiten gefragt, ob er die nur schwach radioaktive Erde auf seinem Grundstück in Kashiwa (Präf. Chiba) entsorgen solle. Ein anderer Angestellter hatte ihn dann offenbar beim Wort genommen und nahm die Erdprobe selbst mit

Der Zwischenfall wurde erst bekannt, als am 16. November ein weiteres Päckchen, diesmal mit der Aufschrift „Asche“, offenbar vom selben Absender einging und an Hosono und weitere hochrangige Ministeriumsmitglieder gemeldet worden war .

Als Reaktion entschuldigte sich Hosono für den Zwischenfall und erklärte, er erwäge eine Bestrafung des Ministers und eine Versetzung des Chefs der Abteilung für allgemeine Angelegenheiten. Auch seine persönliche Verantwortung für die Überwachung werde er hinterfragen.

Selbstverteidungsstreitkräfte sollen Sperrgebiet dekontaminieren: Truppenübungen auf Japans südlicher Hauptinsel Kyushu, die bereits seit Dienstag laufen und bis zum Dienstag kommender Woche laufen sollen, wurden heute durch den Einsatz von Panzern von Japans nördlicher Hauptinsel Hokkaido ergänzt. Doch abgesehen von solch martialischen Manövern, die in diesem Fall mögliche Probleme bei der Verteidigung entfernter Inseln und den Einsatz weit entfernter Truppen aufzeigen sollen, sind die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF) auch im zivilen Einsatz gefordert.

So sollen ab Dezember Einheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte das 20 Kilometer Sperrgebiet dekontaminieren, heisst es aus Regierungskreisen. Der Zutritt zu dem Areal ist nur autorisiertem Personal gestattet, was einer der Gründe dafür ist, weshalb dort vergleichsweise wenig Arbeiten im Bezug auf die Dekontamination geleistet wurden. Der zweite wichtige Grund ist die hohen Werte an Radioaktivität, die dort immer noch gemessen werden.

Als erstes Ziel der Maßnahmen gelten  Gebäude der Gemeindeverwaltungen der  Ortschaften Namie, Naraha und Tomioka im Landkreis Futaba. Verteidigungsminister Yasuo Ichikawa erklärte, die SDF werde die Arbeiten wo immer möglich, unterstützen. Besonders Sondereinheiten zur ABC-Abwehr, die erfahrung im Umgang mit radioaktivem Material haben, sollen für Einsätze im Sperrgebiet mobilisiert werden, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Unbekannter spendet 10 Millionen Yen: Das es nicht eines Manga-Charakters als Alias bedarf um anonym zu spenden, zeigt ein Fall aus Kanoya (Präf. Kagoshima). Dort überreichte der Unbekannte einem Angestellten des Rathauses eine Papiertüte mit dem Hinweis, diese dem Bürgermeister auszuhändigen, es sei ein Brief, sowie eine Geldspende enthalten.

Tatsächlich enthielt die Tüte insgesamt 10 Milllionen Yen, sowie ein kurzes Schreiben in dem der anonyme Spender darum bat, das Geld den Opfern des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami zukommen zu lassen. Der Mann hatte seine Identität verschleiert, indem er ein Baseball-Cap tief ins Gesicht gezogen trug, so dass seine Augen nicht zu erkennen gewesen seien, berichtet die Mainichi Shimbun.

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