Start Aktuelles Japan aktuell: Zweites Wintersturm-Wochenende in Folge fordert Todesopfer

Japan aktuell: Zweites Wintersturm-Wochenende in Folge fordert Todesopfer

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Artikelbild - Februar 2014: Schneeräumung in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Februar 2014: Schneeräumung auf Bahnsteig in Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Schneerekorde von über einem Meter und mehrere Todesfälle, sowie hunderte Verletzte sind das Ergebnis eines Wintersturms, der am zweiten Wochenende in Folge über Japan hinwegfegte.

Erst am vergangenen Wochenende war Japan von einem Schneesturm getroffen worden, der mehrere Menschenleben forderte und bei den Schneefällen neue Rekorde aufstellte. Doch dieses Wochenende brach weitere Rekorde und stellte neue auf.

  • Neue Schneefallrekorde in Japan
  • Erneut Tote und Verletzte durch Schneefälle
  • Zugunfälle, Staus und Verkehrschaos
  • Die Katastrophenregion Tohoku
  • Sonstige Folgen des Schneefalls
  • Wetterwarnungen und Ausblick

Neue Schneefallrekorde in Japan

Tokyo: Schnee Anfang Februar 2014 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Schneefälle Anfang Februar 2014 (Foto: Copyright by KJ)

Am Samstagmorgen wurden  in Kofu (Präf. Yamanashi) um 9:00 Uhr ein Schneefall von 1,14 Metern gemessen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1894.

Auch an anderer Stelle erreichte der Schneefall beachtliche Werte. So fielen etwa in Chichibu (Präf. Saitama) 98 Zentimeter Schnee.

In Japans Hauptstadt Tokyo wurden im Stadtteil Otemachi um 2:00 Uhr morgens ganze 27 Zentimeter gemessen.

Damit ist der Rekordwert vergangener Woche erneut erreicht.

In der Millionenmetropole sah man vor allem Menschen mit Schneeschaufeln im Einsatz, um zumindest die Gehwege zu räumen. Auch der kurze Regen dort konnte jedoch nicht wirklich etwas ausrichten.

Erneut Tote und Verletzte durch Schneefälle

Mit Stand vom Samstag starben in Japan bislang sechs Menschen aufgrund von wetterbedingten Unfällen. Die meisten davon ereigneten sich im Verkehr, der von Glätte und Schneefall betroffen war.

Eine der Personen starb bei einem Autounfall auf der Tomei-Schnellstraße. Insgesamt fünf Fahrzeuge waren in den Unfall verwickelt. Zwei der Beteiligten erlitten schwere Verletzungen. Beim zweiten Todesfall handelte es sich um den Fahrer eines Traktors, der sich überschlagen hatte.

In Kazo (Präf. Saitama) starb eine 67 Jahre alte Frau, nachdem das Dach ihres Balkons offenbar unter der Last des Schnees zusammengebrochen war und die Schneemassen die Frau unter sich begruben.

Landesweit wurden in 31 Präfektur insgesamt über 2.200 Unfälle gemeldet. Bei vielen der Patienten, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden, handelt es sich um Passanten, die auf den vereisten Wegen gestürzt waren.

Zugunfälle, Staus und Verkehrschaos

Tokyo im Februar 2014: Eingeschneit (Foto: Copyright by KJ)
Eiskalt erwischt: Tokyo im Februar 2014 (Foto: Copyright by KJ)

In Kawasaki (Präf. Kanagawa) kam es am Samstag gegen 12:30 Uhr auf der Tokyu Toyoko Line zu einem Auffahrunfall zweier Züge. Von den insgesamt 140 Fahrgästen wurden 19 leicht verletzt.

Noch ist unklar, ob es einen Zusammenhang mit dem Schnee gibt und warum das automatische Stoppsystem beider Züge versagte. Wann die Strecke wieder befahrbar ist blieb Samstag zunächst unklar.

Auf mehreren Schnellzugstrecken musste der Shinkansen abschnittsweise mit verringerte Geschwindigkeit fahren, oder wurde sogar gänzlich ausgesetzt.

Beim Tokaido-Shinkansen kam es zu Verspätungen von bis zu einer Stunde. Etwa 369.000 Fahrgäste waren hiervon betroffen.

Ein Stromausfall auf der Takasaki-Zuglinie führte dazu, dass 5.800 Personen in den Zügen festsaßen. Viele Passagiere verbrachten den Rest der Nacht in den Zügen, die weder Heizung noch Beleuchtung bieten konnten.

Japan Railways (JR) hatte für Samstag wieder normalen Zugverkehr angekündigt.

Zwei Autounfälle auf der Tomei-Schnellstraße führten zu Verkehrsstaus von 30 bis 40 Kilometern Länge. Fahrer verbrachten bis zu 20 Stunden in ihrem Wagen. Man benötigte mehr als sechs Stunden um die Unfallwagen zu räumen.

Mehrere Schnellstraßen im gesamten Land wurden aufgrund der Schneefälle gesperrt. In Oyama (Präf. Shizuoka) blieben mehrere Fahrzeuge aufgrund des Schnees stecken. Dutzende Beteiligte wurden aus der misslichen Lage gerettet.

In Fujikawaguchuko (Präf. Yamanashi) führten Rekordschneefälle dazu, das mehrere Reisebusse auf einer Nationstraße feststeckten. Die Selbstverteidigungsstreitkräfte entsandten Bodentruppen um 19 Passagiere und weitere Personen zu retten.

Auch der Flugverkehr erlitt erneut Einschnitte. Am Freitag strich die All Nippon Airways ebenso wie die Japan Airlines mehrere Inlandsflüge und meldete Verspätungen. Insgesamt sollen etwa 800 Inlandsflüge gestrichen worden sein.

Allerding konnte der Flughafen Tokyo-Haneda am Samstagmittag um 11:00 Uhr die erfolgreiche Räumung einer gesperrten Landebahn melden. Zuvor hatten etwa 2.600 Fluggäste die Nacht auf dem Flughafen verbringen müssen.

Die Katastrophenregion Tohoku

Yuzuru Hanyu im Jahr 2010 (Foto: pd)
Yuzuru Hanyu bringt olympisches Gold ins verschneite Tohoku (Symbolfoto: pd)

Die Freude bei den Evakuierten in den Übergangshäusern der Präfektur Miyagi war groß, als der Eiskunstläufer Hanyu Yuzuru trotz zweier Stürze, die erste japanische Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi holte.

Hanyu stammt aus Sendai (Präf. Miyagi), das vom Tohoku-Tsunami 2011 schwer getroffen worden war. Auch das Haus des Sportlers war damals beschädigt worden.

Wenig Grund zur Freude brachte jedoch das Wetter, auch wenn hier die Ergebnisse ebenfalls rekordverdächtig waren. Mehrere Flüge von- und nach Sendai wurden aufgrund heftiger Winde gestrichen.

Die Tohoku-Shinkansen-Linie gehörte bereits am Freitag zu den betroffenen Schnellzugstrecken.

An der Nationalstraße 48 bei Sendai kam es zu einer Schneelawine, der Fahrer eines LKW konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Von den Kernkraftwerken der Region, insbesondere dem AKW Fukushima Daiichi, gab es dagegen keine Sondermeldungen über Störungen oder Zwischenfälle.

Sowohl für Samstag als auch Sonntag wurden für die Region schwere Schneefälle prognostiziert.

Sonstige Folgen des Schneefalls

In Hachioji nahe Tokyo stürzte in der Nacht auf Samstag ein Einkaufszentrum unter der Last des Schnees zusammen, es gab keine Verletzten. Auch in Yokohama hielt ein Gebäude dem Gewicht nicht stand und stürzte ein.

In Fujimi (Präf. Saitama) brach im Hauptbereich einer Sporhalle auf einer Länge von 59 Metern und einer Breite von 34 Metern das Dach zusammen. Es gab keine Meldungen über Verletzte.

In insgesamt acht Präfekturen im Osten und Westen Japans waren mehr als 16.000 Haushalte ohne Strom.

Der Elektrizitätskonzern TEPCO berichtet, am Freitag sei es aufgrund des Schneefalls an mehreren Orten zu Stromausfällen gekommen. Das Unternehmen warnte, sich beschädigten Leitungen nicht zu nähern und stattdessen den Betreiber in Kenntnis zu setzen.

Durch Kurzschlüsse und umgestürzte Bäume habe es auch für tausende von Kunden in Hotels Unannehmlichkeiten gegeben, für die sich das Unternehmen entschuldigte. In der Präfektur Tochigi kam es nach Angaben von TEPCO ebenfalls zu Unterbrechungen der Stromversorgung.

Wetterwarnungen und Ausblick

Bereits am Freitag hatte die japanische Wetterbehörde für die Hauptstadt Tokyo eine weitere Warnung vor schweren Schneefällen herausgegeben – das zweite Mal in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen. Die Bürger wurden angewiesen, sich auf weitere Schneefälle vorzubereiten. Für den Nordosten Japans wurde eine Sturmwarnung ausgesprochen.

Über das erneut extreme Winterwochenende berichteten praktisch alle japanischen Medien.

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