Start Aktuelles Japan aktuell: Zwischenbericht zeigt mangelhaftes Fukushima-Krisenmanagement

Japan aktuell: Zwischenbericht zeigt mangelhaftes Fukushima-Krisenmanagement

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Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Die Fukushima-Reaktoren 1 und 2 am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)
Die Reaktoren 1 und 1 des AKW Fukushima
AKW Fukushima: Krisenmanagement mit Fehlern ( Foto: TEPCO)

Während sich unsere Leser womöglich über die Feiertage eine kleine Atempause vom Arbeitsalltag verschaffen konnten, blieb die Zeit auch in Japan nicht stehen und so gibt es im Zusammenhang mit der Lage am AKW Fukushima aktuell die Meldungen der vergangenen Tage. Das größte Thema dürfte dabei natürlich der eingereichte Bericht sein, der Fehleinschätzungen, Kommunikationsfehler und eigenmächtiges Handeln aufzeigt – und damit letztlich nichts Neues bietet, außer einer Bestätigung des bereits berichteten.

Somit also heute wieder die Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Dezember 2011.

Zwischenbericht zeigt Mängel im Krisenmanagement: Japans Premierminister Yasuhiko Noda versprach in seiner gestrigen Rede, ein derartiges Atomunglück werde sich nicht wiederholen. Wenn man jedoch den jetzt erschienenen Zwischenbericht liest, können jedoch durchaus Zweifel aufkommen, scheint doch der Faktor Mensch eine nicht unwichtige Rolle bei der Katastrophe am AKW Fukushima Daiichi gespielt zu haben.

Der Untersuchungsausschuss unter Leitung von Yotaro Hatamura, Professor Emeritus der Universität von Tokyo, kommt in seinem Bericht zu dem Schluss, dass sowohl die Regierung als auch der Energiekonzern TEPCO sehr schlecht auf das große Tohoku-Erdbeben und dem damit verbundenen Tsunami vorbereitet waren.

Risiken vernachlässigt: Verantwortliche bei TEPCO räumten gegenüber dem Ausschuss ein, dass man sich nicht mit der Möglichkeit von Naturkatastrophen, welche den Aufbau des Kraftwerks überlasten könnten befasst habe und daher auch keine Vorbereitungen für ein derartiges Ereignis getroffen habe. Allerdings habe auch keiner der für den Bericht befragten Verantwortlichen erklären können, warum das Element riesiger Naturkatastrophen nicht behandelt worden war. Offenbar waren derartige Szenarien als zu unwahrscheinlich betrachtet worden.

TEPCO zeigte sich einen Tag nach der Veröffentlichung unzufrieden mit dem Standpunkt des Berichts, das Unternehmen hätte entsprechende Sicherheitsmaßnahmen treffen müssen – auch wenn rückblickend die zuvor getroffenen Maßnahmen nicht ausreichend gewesen seien. Dem Vorwurf, man habe eine eigene Studie aus dem Jahr 2008 zur Möglichkeit von Tsunami über zehn Metern Höhe nicht berücksichtigt, wurde mit der hypothetischen Natur der Berechnungen der Studie erklärt.

Die Vorwürfe gegen TEPCO beziehen sich jedoch auch auf weitere Punkte, wie etwa eine Fehleinschätzung bezüglich des Kühlsystems, da man vermutet habe, dieses funktioniere noch und die zu späte Durchführung der behelfsmäßigen Kühlung. Zudem seien die Angestellten nicht in der Bewältigung von Zwischenfällen wie einem großen Stromausfall geschult worden und hätten eigenmächtig Entscheidungen getroffen.

Der insgesamt 507 Seiten starke Zwischenbericht untersucht in seinen insgesamt sieben Kapiteln auch die von der Regierung getroffenen Maßnahmen, die vor allem vom Büro des Premierministers und der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA ausgingen und wie die Bewältigung der einsetzenden Katastrophe am Atomkraftwerk handgehabt worden war.

Die Mängel der Regierung sieht die Fukushima-Untersuchungskommission vor allem im schlechten Informationsfluss und Kommunikationspannen zwischen den verschiedenen Instanzen, sowie dem Kraftwerksbetreiber.

Nachrichtenmeldungen zum Zwischenbericht gab es in praktisch allen Medien, ein Abschlussbericht soll im Sommer 2012 vorgelegt werden.

TEPCO bittet Regierung um Geld für Entschädigungszahlungen: Der Energiekonzern TEPCO hat neben dem Versuch einer Kontrolle der Lage und den Dekontaminationsarbeiten noch ein weiteres Problem – die Entschädigungszahlungen an Einwohner, die ihre Orte evakuieren mussten, oder in anderer Weise betroffen sind. Um diese leisten zu können, bittet das Energieunternehmen den Staat um weitere 690 Milliarden Yen an finanzieller Unterstützung. Die Regierung erklärte jedoch, man werde zuvor die Kosteneinsparungen und das Finanzmanagement von TEPCO prüfen, bevor man eine Entscheidung treffe.

Radioaktive Belastung in Zedernpollen: Wie NHK und jiji am heutigen Dienstag berichtet, wurden in männlichen Blüten von japanischen Zedern innerhalb des Sperrgebiets um das AKW Fukushima Daiichi hohe Belastungen durch radioaktives Cäsium nachgewiesen.

Das Material für die Untersuchung war von der japanischen Forstagentur zwischen Ende November und Anfang Dezember an insgesamt 87 Stellen, innerhalb der Präfektur Fukushima gesammelt und ausgewertet worden.

Dabei wurden in den Blüten an insgesamt 29 Stellen mehr als 10.000 Becquerel radioaktives Cäsium pro Kilogramm nachgewiesen. Die stärkste Belastung wird aus Omaru, einem Ortsteil von Namie und damit 11,3 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt gemeldet.  Hier wurden 253.000 Becquerel pro Kilogramm festgestellt.

Die größte in der Luft gemessene Menge an Zedernpollen betrug nach Angaben des Umweltministeriums 2.207 Körnchen pro Kubikmeter. Ein Einatmen über einen Zeitraum von vier Monaten hinweg, hätte für den Menschen eine Belastung von 0,553 Mikrosievert zu folge.

Doch auch in diesem Fall wird das scheinbare Bedrohungsszenario abgeschwächt:  Zum einen würden, selbst wenn Pollen mit einer derartigen Menge an Cäsium in die Luft gelangte, die maximale Strahlungsdosis für einen Erwachsenen vermutlich lediglich 0,000192 Mikrosievert pro Stunde betragen. Zum anderen würde die geschätzte Strahlenbelastung weniger als ein Dreihunderstel der am 20. Dezember im  Stadtteil Shinjuku von Japans Hauptstadt Tokyo darstellen, es bestehe daher keine Gesundheitsgefahr.

Forstwirtschaft nicht durch TEPCO-Entschädigungsregelung gedeckt: Mit Problemen mit der radioaktiven Belastung von Wäldern hat auch die Forstwirtschaft zu kämpfen. Aus Angst vor radioaktiver Belastung, ist die Abnahme von Holz gefällter Bäume zurückgegangen. Normalerweise werden Baumstämme zur Zucht von Pilzen und zur Herstellung von Holzkohle genutzt. Auch an Entschädigungszahlungen des Fukushima-Betreibers TEPCO kommen Forstwirte nur schwer, da sie selber Messungen der radioaktiven Belastung vornehmen müssen, da anders als bei Landwirtschaft und Fischerei die Forstarbeit nicht durch gesetzliche Regelungen erfasst sind.

Fest stehen dagegen die Grenzwerte, welche die Behörden festlegten. Im Oktober wurde die maximale Belastung von Holz, das zur Pilzzucht dienen soll auf 150 Becquerel pro Kilogramm Rohholz festgelegt. Im November folgte dann der Grenzwert für Feuerholz und Holzkohle zum Kochen auf 40 beziehungsweise 280 Becquerel pro Kilogramm, so die Mainichi Shimbun am Montag.

Toshiba bietet mobilen Dekontaminationsdienst an: Die Toshiba Corporation hat einen mobilen Dekontaminationsdienst zur Reinigung von belastetem Erdreich und Wasser vorgestellt. Gegen einen täglichen Betrag von mehreren Millionen Yen können Gemeinden die auf Trucks montierte Einheiten zur Dekontamination nutzen. Dies gilt jedoch nur für die Region Tohoku sowie die angrenzende Kanto-Region.

Durch die Einspeisung von Oxalsäure wird dem belasteten Erdreich das radioaktive Cäsium entzogen, so dass bei einer Waschung mit Wasser 97 Prozent der Belastung neutralisiert und das so gereinigte Erdreich nach Angaben von Toshiba auch für öffentliche Plätze und Schulhöfe genutzt werden könne. Insgesamt sei die Einheit dazu in der Lage bis zu 1,7 Tonnen Erdreich am Tag zu reinigen.

Die Einheit zur Dekontamination von belastetem Wasser wurde ebenso wie die zuvor genannte Einheit als Teil des Dienstangebots am Montag vorgestellt. Wasser das bei der Reinigung von Gebäuden verwendet wird, kann damit ebenso gereinigt werden, wie Wasser, dass in landwirtschaftlich genutzten Tanks gespeichert ist. Die Menge des verarbeitetenden Wasser, das danach Trinkwasserqualität haben soll, entspricht nach Meldung der Asahi Shimbun dem Äquivalent des Wasserbeckens einer Grundschule.

Fehlende Lärmdämmung in Übergangshäusern wird problematisch: Neben der nicht ausreichenden Wärmeisolation in Übergangshäusern, die zu verstärktem Brandrisiko durch Öfen führte, gibt es mit der Schalldämmung ein weiteres Problem, wie die Yomiuri Shimbun heute zu berichten weiss. Aufgrund des Zeitdrucks wurde diese beim Bau nicht berücksichtigt und auch ein Nachrüsten sei schwierig. Die Eindämmung des Bewegungsdrangs führe bereits zu Verhaltensauffälligkeiten.

Die Zeitung führt zudem den Fall eines siebenjährigen autistischen Jungen an, der bis zum Beginn der Grundschule nichts gesagt hatte und nun gerne laut sang – auch mitten in der Nacht, verbunden mit Aufstampfen und Schlägen gegen die Wände. Trotz aller Versuche der Mutter durch Polsterungen den Lärm einzudämmen, bekommt sie Beschwerden der Nachbarn –  hat allerdings auch Angst, ihren Sohn zu sehr einzuschränken.

Reisaufkauf durch die Regierung: Um die Besorgnis der Verbraucher vor einer möglichen Verbreitung von radioaktiv belastetem Reis in den Handel begegnen und die Landwirte zu unterstützen, plant die japanische Regierung, insgesamt 3.600 Tonnen an stark belastetem Reis aus acht Gebieten innerhalb der Präfektur Fukushima aufzukaufen. Bei dem fraglichen Reis wurde der Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm überschritten und der Vertrieb daher gestoppt. Die Sorge der Bürger ist verständlich, nachdem bereits kontaminierter Reis in den Einzelhandel gelangt war (Spreadnews berichtete am 1. Dezember).

Zudem greife man der neuen Regelung die im April kommenden Jahres in Kraft treten wird voraus und werde weitere 200 Tonnen Reis aufkaufen, die jetzt den dann gültigen Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm übersteigen.

Die Maßnahme, die heute von Landwirtschaftsminister Michihiko Kano angekündigt wurde, wird schätzungsweise eine Milliarde Yen kosten, die jedoch von TEPCO, als Verursacher der Krise getragen werden soll, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Haupttor des Yasukuni-Schreins (Foto: Eryn Vorn, CC-by)
Brandanschlag am Haupttor des Yasukuni-Schreins (Foto: Eryn Vorn, cc-by)

Möglicher Brandanschlag am Yasukuni-Schrein in Tokyo:  Offenbar ist der Yasukuni-Schrein im Stadtteil Chiyoda am gestrigen Montag das Ziel eines Brandanschlags geworden.

Am Shinmon (Haupttor), das für seine großen kaiserlichen Chrysanthemenwappen bekannt ist, stellte ein Wachmann ein Feuer fest, konnte dies jedoch mit einem Feuerlöscher ersticken. Da sowohl Kerosinspuren, als auch zwei leere Sakeflaschen mit Ölrückständen am 13 Meter hohen Holztor entdeckt wurden, geht die Polizei von Brandstiftung aus.

Eine Überwachungskamera habe eine dunkel gekleidete Person aufgezeichnet. Eine Personenbeschreibung gibt es bislang offenbar jedoch nicht. Das meldet die Mainichi Shimbun.

Der Yasukuni-Schrein, in dem die Kriegstoten als shintoistische Gottheiten (Kami) verehrt werden, ist ein wichtiger Ort für japanische Nationalisten und steht aufgrund der Vergöttlichung von Personen, die von den Amerikanern als Kriegsverbrecher eingestuft wurden, immer wieder in der Kritik.

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