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Japan aktuell: Zwischenfall in Nuklearforschungszentrum nahe Tokyo

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Zwischenfall an Nuklearforschungslabor nahe Tokyo (Foto:pd)

Mit einem Zwischenfall an einer Nuklearforschungsanlage nahe Tokyo, hat Japan nach der Katastrophe am Kernkraftwerk Fukushima aktuell eine weitere Meldung zu Problemen der Atomenergie.

In diesem Fall reagierte man ebenfalls sehr spät und der Informationsfluss erfolgte langsam.

Daher steht anstelle des AKW Fukushima heute eine andere Atomanlage im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Auch wenn der jüngste Zwischenfall offiziell nicht bedrohlich ist  – nachdenklich dürfte er dennoch stimmen. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. Mai 2013.

 

  • Zwischenfall in Nuklearforschungslabor nahe Tokyo
    • Zahl belasteter Forschungsmitarbeiter auf 30 angestiegen
    • Strahlungsalarm wurde ignoriert
    • Stopp des Experiments erfolgte spät
    • Wissenschaftler wurden nicht sofort vollständig kontrolliert
    • Strahlungsaustritt erst über Nacht erkannt
    • Behörden erst am Freitagmorgen informiert
    • Regierung stuft Tokai als Stufe-1-Zwischenfall ein

Zwischenfall in Nuklearforschungslabor nahe Tokyo: Wie die japanische Atomenergiebehörde JAEA am Samstag mitteilte, war es in der vergangenen Woche in einem Labor innerhalb des „Japan Proton Accelerator Research Complex“ (J-PARC) in Tokai (Präf. Ibaraki) etwa 120 Kilometer nordöstlich von Tokyo, zu einem Unfall gekommen, bei dem mehrere Mitarbeiter verstrahlt wurden.

Japan-Karte: Tokyo und Tokai (Grafik: pd)
Zwischenfall in Atomanlage Tokai (rot) nahe Tokyo (Grafik: pd)

Bereits am Donnerstag hatte es gegen 11:55 Uhr bei einem Experiment zur Erschaffung von Elementarteilchen, in dessen Verlauf ein Protonenstrahl gegen ein Ziel aus Gold gerichtet worden war, in der „Hadron Experimental Facility“ auf dem Gelände zu einer Fehlfunktion gekommen.

Dadurch stieg die Menge an Protonen sprunghaft auf das 400-fache der geplanten Menge an, was zu einer teilweisen Zersetzung des Goldes führte und die Forscher im Labor das dabei entstehende Natrium und radioaktive Substanzen eingeatmet hätten.

Der Austritt konnte bereits gestoppt werden, allerdings kam es zur internen Strahlungsbelastung mehrerer Mitarbeiter.

Zum Zeitpunkt des Unglücks waren 20 Wissenschaftler im Labor. Insgesamt 55 Personen waren in der Anlage anwesend.

Zahl belasteter Forschungsmitarbeiter auf 30 angestiegen: War am Samstag noch von sechs Mitarbeitern die Rede gewesen, die internen Belastungen bis zu 1,6 Millisievert ausgesetzt gewesen seien, wurde diese Zahl nun deutlich nach oben korrigiert.

Wie das Sekretariat der Atomsicherheitsbehörde NRA mitteilte, wurden bei 24 weiteren Personen eine Belastung durch Radioaktivität festgestellt. Damit steigt die Zahl betroffener Personen auf 55 Mitarbeiter. Die Menge betrage dabei zwischen 0,1 und 1,7 Millisievert.

Mittlerweile sind mit 49 Personen fast alle der Mitarbeiter vor Ort Strahlungstests unterzogen worden. In 19 Fällen wurde keine messbare Strahlung nachgewiesen.

Strahlungsalarm wurde ignoriert: Wie die JAEA am Samstag mitteilte, war man zunächst davon ausgegangen, dass es sich nicht um einen schwerwiegenden Unfall handeln würde und ignorierte den Alarm, der darauf hinwies, das radioaktives Material ausgetreten sei. Derartige Ausfälle seien nicht ungewöhnlich, teilte die JAEA mit.

Strahlungsdetektoren innerhalb der Einrichtung zeigten gegen 12:30 Uhr steigende Werte an. Strahlungsüberwachungen innerhalb der Einrichtung, maßen gegen 13:30 Uhr das Zehnfach des Normalwertes. Die Wissenschaftler unterbrachen das Experiment erst gegen 14:26 Uhr für etwa 13 Minuten.

Die Strahlungswerte sanken nach der Einschaltung einer Lüftung um 15:15 Uhr, so dass die Strahlungswerte im Labor sanken – da sich kein Filter in dem Gerät befand, gelangte radioaktives Material jedoch in andere Bereiche des Komplexes.

Stopp des Experiments erfolgte spät: Da die Grenzwerte für Bereiche mit Strahlungsbelastung nicht erreicht wurden, schien der Zwischenfall nicht beachtenswert. Erst nach einem erneuten plötzlichen Strahlungsanstieg gegen 16:00 Uhr beendeten die Forscher das Experiment um 16:15 Uhr und die Lüftung wurde abgeschaltet.

Eine Strahlungskontrolle der Einrichtung gegen 17:00 Uhr stelle eine Belastung von 30 Becquerel pro Quadratzentimeter fest, so dass die Überschreitung der Grenzwerte gemeldet wurde. Die Lüftung wurde gegen 17:30 Uhr erneut in Betrieb genommen um die kontaminierte Atemluft aus dem Labor zu saugen.

Wissenschaftler wurden nicht sofort vollständig kontrolliert: Die Wissenschaftler wurden auf äußere Strahlungsbelastung untersucht und durften nach Hause gehen. Die letzten Mitarbeiter verließen die Einrichtung gegen 23:00 Uhr. In der Nacht zum Freitag wurde dann die interne Belastung der Mitarbeiter gemessen.

Strahlungsaustritt erst über Nacht erkannt: Vertreter der JAEA untersuchten die Werte vom frühen Donnerstagabend und stellten erst zu diesem Zeitpunkt fest, dass die Strahlungswerte außerhalb des Labors mit der Einschaltung der Lüfter sprunghaft angestiegen war und somit radioaktives Material von dort in andere Teile der Anlage gelangt war.

Behörden erst am Freitagmorgen informiert: Am Freitag teilte die JAEA der Atomaufsicht NRA um 9:20 Uhr mit, dass radioaktives Material aus dem Bereich gelangt war. Die Ortsverwaltung von Tokai und die Präfekturleitung von Ibaraki erfuhren um 9:40 Uhr vom Zwischenfall am Donnerstagabend. Das bedeutet, dass die Behörden erst 30 Stunden nach dem Zwischenfall informiert wurden.

Mögliche Ursache des Strahlungsunfalls: Vertreter der „High Energy Accelerator Research Organization“, die das Experiment im Labor der JAEA durchführten erklärten, man gehe von einer Fehlfunktion einer der Elektromagneten aus, die zur Kontrolle der Protonen dienen.

Regierung stuft Tokai als Stufe-1-Zwischenfall ein: Japans Atomsicherheitsbehörde NRA hat den Zwischenfall vorerst als Störung eingestuft – das ist mit „Stufe 1“ die niedrigste Bewertung nach einer internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse. Japan hat in der Vergangenheit bereits einige Stufe-1-Ereignisse, etwa 2004 am AKW Mihama (Präf. Fukui).

Im aktuellen Fall sind in der Ortschaft Tokai keine erhöhten Werte gemessen worden – dennoch kritisiert die NRA den Mangel einer Sicherheitskultur in der Forschungseinrichtung der JAEA. Diese war bereits in der Vergangenheit für ihre mangelnden Sicherheitskontrollen und Wartungen am Forschungsreaktor Monju in die Kritik geraten.

Über den Zwischenfall berichteten unter anderem Kyodo, Asahi Shimbun. jiji und NHK.

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