Start Aktuelles Japan aktuell: Ungewöhnliche Strahlungswerte in Fukushima-Sicherheitsbehälter gemessen

Japan aktuell: Ungewöhnliche Strahlungswerte in Fukushima-Sicherheitsbehälter gemessen

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Fukushima-Reaktor 1: Unterwasser-Aufnahmen im Sicherheitsbehälter am 10. Oktober 2012 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Unterwasser-Aufnahmen im Sicherheitsbehälter am 10. Oktober 2012 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Unterwasser-Aufnahmen im Sicherheitsbehälter am 10. Oktober 2012 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Unterwasser-Aufnahmen im Sicherheitsbehälter am 10. Oktober 2012 (Video: TEPCO)

TEPCO liefert aus dem AKW Fukushima heute erste Einschätzungen zum Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 und veröffentlicht weitere Videoaufnahmen aus dem erstmals untersuchten Komplex.

Hinter diesen Fukushima News stehen erwartungsgemäß andere Meldungen zurück, doch auch heute wird es neben der Lage am Kernkraftwerk in Fukushima aktuelle Nachrichten geben.Was abseits der Reaktoren sonst noch geschah, findet sich wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Oktober 2012. Unsere heutigen Themen:

  • Erste Ergebnisse nach Untersuchung von Sicherheitsbehälter:
    • Wasserstand ausreichend für Kühlung
    • Bislang keine kritischen Schäden entdeckt
    • Ungewöhnliche Verteilung der Strahlung
    • Vergleich zu Fukushima-Reaktor 2
  • Präfektur Shizuoka lehnt Antrag auf AKW-Referendum ab
  • Abgetragenes kontaminiertes Erdreich bleibt unentsorgt
  • Testreis aus Sperrzone geerntet
  • Die Notfallausrüstung im Handgepäck
  • Weitere propagandistische Bewegungen im Inselstreit
    • Taiwan schaltet ebenfalls Propaganda in US-Zeitungen
    • Japans Botschafter bestreitet Rechtsruck
    • VR China verweigert japanischen Musikern Visa

Erste Ergebnisse nach Untersuchung von Sicherheitsbehälter: Nachdem wir an dieser Stelle über die erstmalige Einführung von Messgeräten in den Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 berichteten und erste Informationen über Strahlungswerte und Wasserstand verfügbar waren, gibt es heute vom Betreiber TEPCO weitere Informationen bzw. Bestätigungen erster Beobachtungen.

Auch wurde heute erneut Videomaterial veröffentlicht, die diesmal jedoch Aufnahmen aus dem Bereich des Wassers zeigen. Hierzu werden vermutlich ebenfalls noch Informationen des Kraftwerksbetreibers folgen.

Wasserstand ausreichend für Kühlung: So gewährleiste der hohe Wasserstand von 2,8 Metern eine effektive Kühlung der geschmolzenen Brennelemente, die am Boden des Behälters vermutet werden. Dies ermögliche eine Weiterführung des bislang für die Zukunft festgelegten Zeitplans.

Die Feuchtigkeit, die etwa im Dampf zu sehen ist, führt jedoch auch zu Rost und Korrosionserscheinungen, wie auf den Bildern der Kamera zu erkennen ist, auch wenn nach ersten Einschätzungen von TEPCO keine schweren Schäden im unteren Bereich des Behälters vorhanden sein dürften, da sonst der Wasserstand nicht diese Höhe erreicht hätte.

Bislang keine kritischen Schäden entdeckt: Allerdings war auf einer Plattform, die im Normalfall von Kraftwerksarbeitern genutzt wird, ein Gegenstand entdeckt worden, bei dem es sich um einen Bolzen handeln könnte. Dieser sei vermutlich nicht Teil einer tragenden Struktur gewesen, dennoch dürften durch die Wasserstoffexplosion einige Schäden entstanden sein, heisst es von TEPCO.

Eine genauere Einschätzung des Zustands des Sicherheitsbehälters setzt jedoch Aufnahmen von den Strukturen, wie den Mechanismen der Kontrollstäbe, die sich unterhalb des Sicherheitsbehälters befinden, voraus. Auch die genaue Lage der geschmolzenen Brennelemente am Boden des Behälters bleibt zunächst unklar.

Ungewöhnliche Verteilung der Strahlung: Die hohen Strahlungswerte, die innerhalb des Sicherheitsbehälters gemessen wurden, machen einen effektiven Einsatz von Kraftwerksangestellten in absehbarer Zukunft unmöglich.

Der gestern bekannt gewordene Höchstwert liegt bei 11,1 Sievert pro Stunde und war in einer Höhe von 8,6 Metern über dem Boden des Behälters gemessen worden. Ein Mensch würde bei derartigen Werten bereits in 40 Minuten  eine tödliche Strahlungsdosis erreichen.

Neben der Höhe weisen die aktuellen Messungen eine weitere Besonderheit auf: Wie die von TEPCO veröffentlichten Grafiken zeigen, sinken die Strahlungswerte im Inneren, je mehr man sich dem Boden nähert.

Messungen kurz unterhalb der Wasseroberfläche hatten Werte von 0,5 Sievert pro Stunde gezeigt.  Da sich die geschmolzenen Brennelmente den bisherigen Einschätzungen zufolge jedoch am Boden des Sicherheitsbehälters befinden sollen, müsste dort die Strahlungshöhe zunehmen.

Das radioaktive Material könnte sich unterschiedlich verteilt haben, da es während der Akutphase der Krise gelungen war, Reaktor 1 zu entlüften, während dies bei Reaktor 2 nicht der Fall gewesen ist.

Vergleich zu Fukushima-Reaktor 2: Ein von der Asahi Shimbun gezogener Vergleich mit dem Anfang des Jahres untersuchten Sicherheitsbehälters von Fukushima-Reaktor 2 ergibt somit zumindest niedrigere Strahlungswerte.

In Reaktor 2 liegen diese bei etwa 73 Sievert pro Stunde und wären somit bereits innerhalb weniger Minuten tödlich. Auch sei bei der Untersuchung von Reaktor 2 mehr kondensiertes Wasser und dichterer Wasserdampf festgestellt worden.

Präfektur Shizuoka lehnt Antrag auf AKW-Referendum ab: Die Präfekturversammlung Shizuoka hat einstimmig einen im September durch Gouverneur Heita Kawakatsu eingereichten Antrag auf die Durchführung einer Bürgerbefragung über den Neustart von drei Reaktoren am AKW Hamaoka in Omaezaki abgelehnt

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Bürger haben kein Mitspracherecht in der Atompolitik (Grafik; pd)

Kawakatsu hatte dem Referendum positiv gegenübergestanden und die Präfekturversammlung zur Behebung von zehn Mängeln, darunter des Mindestalter für das Referendum gebeten, das niedriger angesetzt war, als das Mindestalter für öffentliche Wahlbüros.

Auch ein zweiter, etwas abgeänderter Antrag auf Nachbesserungen, der von Versammlungsmitgliedern, die den Parteien DPJ und der Neuen Komeito nahe stehen, eingereicht wurde, fand keine Anerkennung und wurde mit Verweis auf die Tatsache, dass Atomenergie eine Frage der nationalen Politik sei und nicht durch die Ergebnisse örtliche Abstimmungen beeinflusst werden dürfe, abgelehnt.

Es handelte sich um das erste örtliche Referendum sei der Fukushima-Katastrophe, in dem das Thema des Neustarts von Kernkraftwerken behandelt wurde. Über die Ablehnung berichteten etwa jiji und NHK.

Abgetragenes kontaminiertes Erdreich bleibt unentsorgt: Bei einem Streik der Abfallentsorgungsbetriebe bleibt der Müll schon einmal am Straßenrand stehen. Wenn es jedoch nicht um die städtische Müllabfuhr, sondern um die fachgerechte Entsorgung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich durch die Verwaltungen handelt, hat dies eine andere Dimension.

Wie eine Untersuchung  der NHK ergab, bleiben in der Präfektur Fukushima aufgrund eines Mangels an temporären Lagerstätten, offenbar mehrere hunderttausend Säcke mit radioaktiv kontaminiertem Erdreich bislang unentsorgt.

Wann der Bau des dringend benötigten Zwischenlagers in Futaba beginnen soll, ist bislang unklar.

Somit sind etwa 4.600 Privathäuser und Bürogebäude, und damit lediglich 1,1 Prozent der Bereiche, die dekontaminiert werden müssen, von diesen Lasten befreit. In etwa einem Drittel der Fälle wurde jedoch, insbesondere in städtischen Gebieten, die Erde einfach an Ort und Stelle auf dem Grundstück belassen.

Testreis aus Sperrzone geerntet:  In der Präfektur Fukushima durfte sich die Ortschaft Hirono, innerhalb der früheren Evakuierungszone, bereits über das Bestehen der Strahlungskontrolle an dort angebautem Reis freuen. Doch während  dieser Reis in den Handeln gelangen darf, sieht eine weitere Ernte deutlich anders aus.

Radioaktiver Reis (Foto: Kushi Institute cc-by)
Radioaktiv kontaminierter Testreis geerntet (Reis-Foto: Kushi Institute cc-by)

In einem Reisfeld der Ortschaft Okuma und damit gerade einmal sechs Kilometer vom AKW Fukushima entfernt, ernteten in Schutzanzüge gekleidete Mitglieder der Ortsverwaltung am gestrigen Mittwoch ebenfalls Reis.

Dieser im Juni gepflanzte Reis dient jedoch ausschließlich Testzwecken, um die radioaktive Belastung des mitten in der Sperrzone gepflanzten Nahrungsmittels zu prüfen.

Der Reisanbau auf zwei Flächen von jeweils vier mal vier Metern ist Teil eines Experiments, in dem ein Reisfeld durch die Entfernung von fünf Zentimetern oberflächlicher Erdschicht dekontaminiert, das andere jedoch unverändert belassen wurde. Nach einer zweiwöchigen Trocknung wird die Strahlungshöhe der unverarbeiteten Pflanzen getestet.

Identische Versuche werden in 14 Gemeinden innerhalb der Präfektur durchgeführt, berichtet die Asahi Shimbun. Von den Ergebnissen erhofft man sich Aufschluss über die Menge an radioaktivem Cäsium, das durch den verseuchten Boden aufgenommen wird, wodurch die Möglichkeiten für eine Wiederbelebung der Landwirtschaft im Gebiet besser abschätzbar werden sollen.

Die Notfallausrüstung im Handgepäck: Den Slogan eines bekannten Kreditkartenunternehmens, das einen daran erinnert, nicht ohne aus dem Haus zu gehen, haben insbesondere japanische Mütter verinnerlicht – und führen statt der Kreditkarte stets eine kleine Notfallausrüstung mit sich.

Tatsächlich entwickeln sich, einem Artikel der Yomiuri Shimbun zufolge, entsprechende Angebote wie Trillerpfeifen mit integrierter Taschenlampe, die sich am Schlüsselbund oder Mobiltelefon befestigen lassen,ebenso zu einem Verkaufsschlager, wie Ponchos und Notfalldecken, die beide bis auf Handtellergröße zusammengefaltet werden können.

Japanisches Mädchen bei Katastrophenübung (Foto: 星玉 cc-by)
Katastrophenübungen auch für die Kleinsten (Foto: 星玉 cc-by)

Entsprechende Empfehlungslisten wurden unter Berücksichtigung der Erfahrungen vom Tohoku-Erdbeben 2011 zusammengestellt. Da sich dieses am Nachmittag ereignete, befanden sich viele Menschen nicht zuhause, so dass Empfehlungen zur Mitführung leichtgewichtige Nahrungsmittel, einer Flasche Wasser und einer Taschenlampe integriert wurden.

Letztlich müsse jedoch jeder die verschiedenen Empfehlungen, etwa die Nutzung von kleinen kartenähnlichen Radios, oder die Mitnahme von Taschenwärmern in der kalten Jahreszeit, auf seine eigenen Bedürfnisse anpassen, betont etwa die „Disaster Reduction and Human Renovation Institution“, die Lehrgänge für Katastrophenfälle abhält und derartige Notfall-Sets ausarbeitet.

Weitere propagandistische Bewegungen im Inselstreit: In den Streitigkeiten um die Inselketten der Senkaku und Takeshima geht unter anderem auch die Zeitungsschlacht weiter. Einzelheiten jetzt im Überblick:

Taiwan schaltet ebenfalls Propaganda in US-Zeitungen: Nachdem der große Nachbar China es vormachte, zog nun auch Taiwan nach und ließ in der New York Times, der Washington Post, dem Wall Street Journal und der Los Angeles Times eine Anzeige schalten, in der das Eigentumsrecht Taiwans behauptet wird. Die Inseln seien während der Ming-Dynastie entdeckt und in der Qing-Dynastie Eigentum Chinas geworden.

Taiwan behauptet in der Anzeige auch, sich für Kooperation zwischen China, Taiwan und Japan einzusetzten, nachdem zuletzt auch ein taiwanesisches Schiff im Grenzgebier zu japanischen Hoheitsgewässern manövriert hatte.

Japans Botschafter bestreitet Rechtsruck: In einem Online-Artikel der Huffington Post erklärt Ichiro Fujisaki, Japans Botschafter in den USA, Japan erlebe derzeit keinen Ruck nach rechts. Es sei verständlich, dass die steigende Frustration aufgrund der Stagnation zu härteren Einstellung gegenüber den Nachbarstaaten führe. Japan habe nicht mit den Spannungen begonnen.

VR China verweigert japanischen Musikern Visa: Drei japanischen Mitgliedern des 96 Mitglieder umfassenden  National Symphony Orchestra of Taiwan wurden Visa verweigert. Auch wenn ihr chinesischer Agent keinen Bezug zu den Inselstreitigkeiten nannte, sei ein Zusammenhang nahe liegend, heisst es von Seiten Taiwans. Das Orchester soll im November in mehreren chinesischen Städten auftreten.