Japan begeht traditionelle Sommerfeste

Japan begeht traditionelle Sommerfeste

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Artikelbild - Awa Odori 2016 in Koganei, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Awa Odori 2016 in Koganei, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Nachdem vom Kernkraftwerk Fukushima aktuell keine besonderen Ereignisse gemeldet werden, werfen wir heute einen Blick auf das Japan abseits der AKW-Schlagzeilen.

Zahlreiche Reiseratgeber weisen darauf hin, dass der Sommer in Japan mit seinen hohen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit eine extrem anstrengende Reisezeit ist.

Doch ausgerechnet in diese Zeit fallen die “ Natsu Matsuri“ genannten Sommerfeste, die auch in den modernen Metropolen wie Tokyo, Menschen zu Tanz und Musik gemeinsam auf die Straße bringen.

Manche von ihnen, wie das „Gion Matsuri“ in Kyoto sind längst auch außerhalb Japans ein Begriff. Andere haben sich dagegen ausschließlich als lokale Tradition erhalten und werden beispielsweise nur innerhalb eines bestimmten Landkreises gepflegt.

Die Popularität innerhalb Japans allein ist jedoch bereits Grund genug, einen Blick auf die unterschiedlichen Aspekte dieser Feierlichkeiten zu werfen.

Ursprung der Matsuri

Viele der sommerlichen Festivitäten gehen auf Riten des Shintô zurück – jener animistischen Urreligion Japans, in der auch Tieren, Pflanzen und sogar unbelebten Dingen, wie etwa Felsen, Sitz einer innewohnenden Gottheit (Kami) sind.

Tanabata-Dekoration in Tokyo-Asagaya (Foto: Copyright by KJ)
Tanabata-Dekoration in Tokyo-Asagaya (Foto: Copyright by KJ)

Bitten um Fruchtbarkeit und eine gute Ernte werden nicht allein von einem Shintô-Priester gegenüber den Göttern in einem Schrein vorgebracht, sondern die gesamte Gemeinschaft beteiligt sich an den Festivitäten.

In den August fällt das buddhistische Totenfest Obon, bei dem die Ahnen für eine gewisse Zeit zu den Lebenden zurückkehren. Anlässlich dieses Ereignisses werden nicht nur Willkommensfeuer entzündet- sondern eben auch gefeiert.

Andere Feste sind auf Legenden oder historische Ereignisse zurückzuführen.

Das Tanabata-Festival findet in Japan am 7. Juli statt (in Sendai vom 6. bis 8. August) und zwar anlässlich eines astronomischen Ereignisses – die visuelle Annäherung der Sterne Wega und Altair im so  genannten Sommerdreieck.

Sie sollen ein Liebespaar aus einem Hirten und einer Weberin darstellen, dass das ganze Jahr über durch die Milchstraße voneinander getrennt ist und nur an diesem Tag zusammenfindet,

Das Fest ist vor allem für seine großen kugelförmigen Dekorationen (Kusudama) und die langen Bambusstangen bekannt, an denen die Besucher Zettel mit Wünschen befestigen können. Längst gibt es auch Wettbewerbe um die prächtigste Dekoration.

Kleidung auf Matsuri

Tanabata Matsuri 2016: Shopping im Sommerkimono (Foto: Copyright by KJ)
Tanabata Matsuri 2016: Shopping im Sommerkimono (Foto: Copyright by KJ)

Typische Kleidung auf Sommerfesten sind die leichten Kimono (Yukata) aus Baumwolle oder Leinen, die im Vergleich zu den formellen Gewändern für zeremonielle Anlässe häufig sehr bunt und farbenfroh sind.

Während bei Herren vor allem geometrische Muster dominieren, sind die Damen-Yukata häufig großflächig mit jahreszeitlichen Motiven, wie beispielsweise Blüten und Libellen geschmückt und tragen zum bunten Bild bei.

Häufig zu sehen sind außerdem die „Happi“ genannten kurzen Jacken, die meist geometrische Bandmuster haben. Den Rücken ziert in der Regel das Schriftzeichen „Matsuri“.

Da Aktivitäten während der Temperaturen erwartungsgemäß schweißtreibend sind, werden auch Stirnbänder (hachimaki) gerne getragen. Diese werden entweder konventionell um die Stirn gebunden, oder aufgerollt.

Manche Festivitäten kommen sogar annähernd gänzlich ohne Bekleidung aus – bei „Hadaka Matsuri“ präsentieren sich die Teilnehmer gerne nur mit dem traditionellen Lendentuch (fundoshi) bekleidet.

Matsuri und Musik

Musikwagen beim Sanja Matsuri (Foto: Copyright by KJ)
Musikwagen beim Sanja Matsuri (Foto: Copyright by KJ)

Bei den Volksfesten sind häufig auch traditionelle Volkslieder (Min’yo) zu hören, die auch die Grundlage für die Tänze darstellen. Typisch sind dabei ein wiederkehrender Refrain, oder markante Rufe (Kakegoe), an der sich die Teilnehmer lautstark beteiligen.

Diese Lautmalereien hatten dabei bisweilen ursprünglich auch einen praktischen Nutzen. So sollen die Rufe beim „Soran Bushi“ auf die rhythmischen Anfeuerungen der Fischer beim kollektiven Einholen der schweren Fangnetzte zurückgehen.

Bei großen Umzügen gibt es Festwagen, auf denen Taiko-Trommeln stehen und den Teilnehmern einheizen. Doch selbst, wenn die eigentliche Melodie von Band kommt und keine Live-Trommeln verfügbar, trägt das Mitsingen der Besucher zur Stimmung bei.

Matsuri und Tänze

Tanabata Matsuri 2016: Tänze in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Tanabata Matsuri 2016: Tänze in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Charakteristisches Element der meisten Matsuri sind Tänze (Odori), die zwar von Tänzergruppen angeführt werden, an denen sich jedoch häufig praktisch jeder Passant spontan beteiligen kann.

Tänze haben in Japan eine lange religiöse Tradition.  So soll ein frivoler Tanz die verärgerte Sonnengöttin Amaterasu Omikami aus einer Höhle hervorgelockt haben, in die sich sich zurückgezogen hatte, so dass die Welt in Finsternis lag.

Doch neben den zeremoniellen Kagura-Tänzen des Shintô, die weiterhin vor allem kultische Funktion haben, entwickelten sich auch zahlreiche Volkstänze.

Die verschiedenen Tänze waren ursprünglich Lokalbräuche, bevor sie auch überregional beliebt wurden und sich zu einer Art Standardrepertoire entwickelten.

Bemerkenswert ist, dass erwartungsgemäß die Tänze zwar mit traditionellem Gesang begleitet werden, jedoch nicht immer zwingend an diese gebunden sind.

Es kann dem Touristen somit durchaus passieren, dass er in eine Polonaise tanzender Festivalgäste gerät, die ihre Performance zu den Klängen eines beliebten Schlagers absolvieren.

Ein bekanntes Beispiel für einen „Bon Odori“ ist beispielsweise das Lied „Tanko Bushi„, dessen Text den Anblick des Mondes durch zurückkehrende Minenarbeiter behandelt.

Der damit verbundene Tanz greift in seinen Bewegungen verschiedene Tätigkeiten der Arbeiter, wie Schaufeln und das Schieben der Lore auf.

Geschäfte und Matsuri

Tanabata 2016: Maskenverkauf in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Tanabata 2016: Maskenverkauf in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Natürlich sind Volksfeste auch eine hervorragende Möglichkeit für Händler, um ihre Waren an den Mann zu bringen, und so finden sich auf Matsuri auch zahlreiche Verkaufsstände.

Früher wie heute stehen dabei vor allem Speisen wie Reisklöße am Spieß (Kushi-Dango), Teigbällchen mit Oktopus (Takoyaki) und Zubereitungen auf einer heißen Eisenplatte (Okonomiyaki) im Vordergrund.

Tanabata Matsuri 2016: Getränkestand in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)
Tanabata Matsuri 2016: Getränkestand in Fussa, Präf. Tokyo (Foto: Copyright by KJ)

Lautes Rufen und Mitsingen macht erwartungsgemäß durstig und schläund so sind neben den kleinen Grillständen (yatai) auch die Getränkeangebote ein gern genutzter Service während der Sommerfeste.

Daneben werden aber auch  traditionelles Kleinspielzeug wie das Geschicklichkeitsspiel Kendama und Zikaden in kleinen Käfigen ebenso angeboten, wie beispielsweise Masken.

Diese stellen dann allerdings auch moderne Figuren wie den Anpanman, das beliebte Pokémon, oder die unvermeidliche „Hello Kitty“ dar.

Auch Matsuri sind eben ein typisches Beispiel für das nebeneinander von Tradition und Moderne in Japan – ein Land, dass von Sommerurlaubern eine gute Kondition verlangt, aber dafür auch einzigartige Eindrücke bietet.

 

 

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