Start Aktuelles Japan: Im Reaktor Fukushima 1 Kernschmelze befürchtet

Japan: Im Reaktor Fukushima 1 Kernschmelze befürchtet

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Nach einer Explosion auf dem Gelände des Atomreaktors Fukushima 1 und dem Austritt von radioaktivem Cäsium gilt es nun offenbar nur noch als Frage der Zeit, bis tatsächlich die gefürchtete Kernschmelze eintritt und es möglicherweise zu einem Super-GAU kommen könnte.

Die Probleme hatten am gestrigen Tag begonnen, als nach einem Erdbeben der Stärke 8,9 die Anlage von Wassermaßen überschwemmt wurde und die Stromversorgung der Kühlanlage ausfiel.

10:00 Explosion im AKW Bei der Explosion auf dem Reaktorgelände um 10:00, die sich japanischen Angaben zufolge jedoch nicht im Reaktor selbst ereigneten steigt dichter Dampf auf, Teile der Gebäude sind schwer beschädigt, die Außenhülle des Gebäude wurde weggesprengt.

10:30 Strahlenleck: Rund eine halbe Stunde später gegen bestätigte ein Regierungssprecher ein Leck, aus dem Radioaktivität ausgetreten. Bei der  Sprengung der Gebäudehülle wurden vier Mitarbeiter verletzt. Etwa gegen 12:00 meldete Kyodo, die verletzten seien bei Bewusstsein, die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich.

11:00 Erste Angaben: Regierungschef Yukio Edano machte erste Angaben zur Lage. Die bisherige Evakuierungszone von 10km um das Gelände sei ausreichend, gegenwärtig versuche man die genaue Ursache der Detonation festzustellen. Möglicherweise handelt es sich um eine Wasserstoffexplosion.

Neben Einsatzkräften der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (SDF) sind nun auch Experten des Technischen Hilfswerks (THW) aus Deutschland aktiv.

11:10 Sperrzone ausgeweitet: Die Sperrzone soll nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters auf 20km ausgedehnt worden sein, Unternehmen im Großraum Tokyo, darunter die Automobilkonzerne Toyota und Nissan , hätten die gesamte Produktion eingestellt.

Nach Hamsterkäufen wird die nördliche Region Tōhoku, in der auch die, durch den Tsunami stark verwüstete Stadt Sendai und die nördliche Kantō-Ebene, in dem der Großraum Tokyo liegt, von vielen Menschen Richtung Süden verlassen. Die Infrastrukturschäden durch das Erdbeben und den Tsunami machen dies jedoch schwierig.

Wetter: Angaben von Experten zufolge sind die Wetterbedingungen von besonderer Bedeutung. Die um 12:00 festgestellten Westwinde, würden im Falle eines Super-GAUS einen Teil der radioaktiven Wolke auf den Pazifik hinauswehen und nicht in die dicht besiedelten Gebiete blasen. Dagegen zählt starker Regen zu den „Worst Case“-Szenarien.

Die Tragikomik: Die 40 Jahre alte Anlage sollte in diesem Monat vom Netz gehen.


Opfer von Erdbeben und Tsunami

Das Rote Kreuz
Das Rote Kreuz

Neben dem atomaren Störfall geht die Suche nach Vermissten und Verletzten weiter. Durch das Erdbeben sind besonders ältere Gebäude zusammengestürzt und haben Menschen unter sich begraben,

18:14 In Ofunato (Präfektur Iwate) soll ein Seniorenheim mit 30 Personen mit tsunami mitgerissen worden sein.

13:52 Minamisanriku: Wie bekannt wurde, meldete der lokale japanische Fernsehsender Fuji TV bereits gegen 13:24 in der Ortschaft Minamisanriku (Präfektur Miyagi) würden 10.000 Menschen vermisst. Die Nachrichtenagentur Kyodo sprach um 14:23 diesbezüglich von 9.500 Vermissten. Die Einwohnerzahl habe 17.000 betragen, so Kyodo weiter.

11:40 Rikuzentakata: Truppen der SDF meldeten aus der völlig zerstörten Küstenstadt Rikuzentakata (Präfektur Iwate) einen Leichenfund. Es soll sich um 300 bis 400 Körper handeln.  Unklar ist, woher die aufgefundenen Leichen stammen. Personen werden aus der Luft evakuiert.

52 Ärzteteams aus Krankenhäusern im ganzen Land sind im Erdbebengebiet unterwegs um vor Ort zu helfen.

Transportwesen: Gegen 13:50 soll der Verkehr auf zwei Shinkansen-Schnellzugstrecken wieder aufgenommen worden sein , Betroffene könnten so schneller nach Hause kommen. Seit 15:04 funktionieren Teile des Mobilfunknetzes wieder, um 15:50 soll auch der Bahnverkehr in Tokyo langsam wieder aufgenommen worden sein.

Bilder des japanischen Fernsehsenders NHK zeigen, dass das Stadtzentrum von Sendai deutlich weniger beschädigt wurde, als die küstennahen Vororte.

Todesopfer: Um 18:12 gab es nach offiziellen Angaben 687 bestätigte Todesopfer, 650 Vermisste. Die Medien  gehen von 1800 Toten aus, besonders aufgrund den Opfer von Rikuzentakata und Minamisanriku wo 10.000 Personen vermisst werden, muss jedoch mit ca. 12.000 Opfern gerechnet werden. Ein Schiff wird noch vermisst.

 

Weitere Entwicklungen um Fukushima

Atomsymbol
Reaktor Fukushima: Keine Entwarnung

19.29 Zugfund: Die vermissten vier Züge sind wieder aufgetaucht, offenbar wurde keiner der Passagiere verletzt.

19:23 Unklarheit:
Noch immer widersprechen sich Angaben der Regierung und die der Medien, ob es eine Kernschmelze gab und in welchem Umfang tatsächlich Strahlung ausgetreten ist.

17:40 Brennstäbe liegen zur Hälfte frei: Aufgrund des sinkenden Kühlwasserspiegels liegen die Brennstäbe im Reaktor zu einem großen Teil frei.

17:26 Reaktormitarbeiter Strahlungsopfer: Bei den um 15:45 durch die Kyodo bestätigten drei Personen, die wegen Strahlenvergiftung behandelt würden,  handelt es sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Jiji nicht um Anwohner, sondern um Mitarbeiter des Atomkraftwerks. Die Betroffenen würden  dekontaminiert.

16:26 Japans Atombehörde NISA meldet, sie bewerte den Störfall von Fukushima im Vergleich zu den Zwischenfällen im US-Kernkraftwerk Three Mile Island (1979) und in im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl (1986) als weniger schwerwiegend.

16:11 Nach Angaben örtlicher Medien sind alle verfügbaren Truppen, Fahrzeuge, Schiffe und Einheiten der Luftwaffe der SDF im Einsatz, von 50.000 Einheiten insgesamt ist die Rede

15:58 Die Präfekturleitung von Fukushima hat nun Zahlen vorgelegt und nannte eine Strahlenbelastung in Höhe von 1015 Mikrosievert/Stunde. Die Dosis ist somit doppelt so hoch wie die meldepflichtige Dosis die den Notfall auslöst. Das meldet der TV-Sender NHK.

15:45 Erste Strahlungsopfer:
Die Gerüchte über drei Personen mit Strahlenvergiftung werden durch die Nachrichtenagentur Kyodo anscheinend bestätigt

15:27 Offenbar wird geplant die Bannmeile um den Reaktor noch weiter auszudehnen, während Anwohner versuchen, das Gebiet zu verlassen.

15:19 Truppen der SDF treffen mit Schiffen und Helikoptern im Gebiet um die Reaktoranlage ein, um dort bei den Rettungsarbeiten Hilfe zu leisten. Die Soldaten sollen auch bei der Verteilung von Kaliumiodid-Tabletten helfen, was vor allem ein logistisches Problem darstellt.

15:16 Bewohner von Fukushima stehen an, um Trinkwasser abzufüllen, während Helikopter die Verletzten abtransportieren.

14:49 Nach Meldungen von NHK ist ein medizinisches Expertenteam mit Fachwissen über Strahlenbelastung in einem Helikopter auf dem Weg. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Es gibt allerdings auch Berichte, drei Zivilisten aus der Umgebung von Fukushima würden bereits wegen Strahlenvergiftung behandelt.

14:40 Es gibt unbestätigte Berichte über Nachbeben und Erdstöße die auch das Gebiet um Fukushima betreffen.

14:20 Noriyuki Shikata, aus dem Büro des Premierministers twittert: „Die Bestrebungen des Betreibers Tepco, den Druck im Inneren zu verringern seien erfolgreich. Die nächsten Maßnahmen bestünden im Einsatz von Meerwasser und Borsäure„.

13:45 Wetter: Die Windrichtung verlaufe nun von Süden nach Norden, so die Angaben der nationalen japanischen Wetterbehörde. Bewohner von Gebieten nördlich der Anlage werden somit stärker der Radioaktivität ausgesetzt. Die Regierung spricht nach wie vor nicht von einer Kernschmelze, sondern momentan von relativer Sicherheit.

13:06 Mögliche Kernschmelze: Die Kernschmelze im Reaktor Fukushima 1 ist möglicherweise eingetreten. Das bestätigte offenbar die Nationale Behörde für Kernkraftsicherheit NISA, nach Angaben der ARD. Dagegen zeigte sich Premierminister Naoto Kan zwar besorgt, sprach jedoch offiziell nicht von einer Kernschmelze, es gibt zur Zeit keine verifizierbaren Informationen.

Um 12:40 habe der Kabinettssprecher Yukio Edano erklärt, es gäbe keine unmittelbaren Schäden an der Reaktorhülle, seit der Explosion sei der Grad an Radioaktivität gesunken. Die japanische Regierung habe der Betreiberfirma gestattet, Meerwasser zur Kühlung einzuleiten.

Gegen 12:00 erklärte ein Sprecher der NISA, der eigentliche Sicherheitsbehälter sei trotz der Explosion noch nicht geborsten. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo.