Japan-Tag 2016: Zwischen Kampfkunst und Mangamanie

Japan-Tag 2016: Zwischen Kampfkunst und Mangamanie

3808
1
TEILEN
Artikelbild - Japantag 2016: Iaido-Vorführung (Copyright: Eva Lenert)
Japantag 2016: Iaido-Vorführung (Copyright: Eva Lenert)

Zum 15. Mal fand am heutigen Samstag der Japan-Tag Düsseldorf/NRW in der Rheinmetropole statt.

Dass es dabei um mehr geht, als um kostümierte Gestalten aus japanischen Comics, zeigt der Bericht unserer freien Mitarbeiterin Eva Lenert – sie war für Spreadnews.de vor Ort.

Sonnenschein am Rhein: Japantag 2016

Japan, das Land der „aufgehenden Sonne“ schlug dem lokalen Wetterbericht ein Schnippchen. Statt der angekündigten Wolken und Regenschauer am Nachmittag, wurden die Besucher von strahlend blauem Himmel begrüßt.

Das gute Wetter trug auch zu bester Stimmung bei – das zeigt beispielsweise der freundliche Hinweis des Busfahrers an der Haltestelle „Landtag/Kniebrücke“ als er bekannt gab, „Alle die nach Japan wollen, müssen hier raus„.

Der Kampfplatz

Wie in den Jahren zuvor, stand am Johannes-Rau-Platz alles im Zeichen der japanischen Kampfkünste und Wettkampfsportarten. Dabei wurden die Präsentationen der Stile mit interessanten Informationen verbunden.

Japantag 2016: Naginata-Kämpfer (Copyright: Eva Lenert)
Japantag 2016: Naginata-Kämpfer (Copyright: Eva Lenert)

Bemerkenswert war der Augenblick, in dem ein Kendoka mit seinem Bambusschwert auf einen Kämpfer der Schwertlanze Naginata traf. Noch interessanter konnte der Vergleich beider Stile kaum verdeutlicht werden.

Sowohl Kendo als auch Naginata beeindruckten durch ihre schnellen, gezielten Bewegungen, die insbesondere bei der Länge der Naginata (annähernd drei Meter) ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit erforderlichen machen.

Solche körperliche Disziplin fordert auch ihren Tribut und so fand sich in den langen Schlangen vor den Ständen mit Speisen auch ein „müder Krieger“ des Heerlagers Takeda – in vollständiger Samurai-Rüstung.

Auch an die kleinen Besucher wurde vor Ort gedacht. So bot ein Klettergarten die Möglichkeit zur körperlichen Betätigung für die Kinder. Die Feinmotorik konnte dagegen bei Masken-Basteln und Origami geschult werden.

Freier Geist auf grüner Wiese

Japantag 2016: Kyudo - Zen in der Kunst des Bogenschießens (Copyright: Eva Lenert)
Japantag 2016: Kyudo – Zen in der Kunst des Bogenschießens (Copyright: Eva Lenert)

Die Wiese vor dem Landtag war Schauplatz einer japanischen Kampfkunst, die wohl kaum wie eine Andere mit Philosophie und Meditation in Verbindung gebracht wird: Kyudo – das japanische Bogenschießen.

Tatsächlich wirkten die genau festgelegten Bewegungen, die von jungen Damen mit äußerster Konzentration unter Aufsicht des japanischen Meisters durchgeführt wurden, wie eine sakrale Handlung an.

Eine ähnliche geistige Sammlung war bei der Kunst des Schwertziehens, dem Iaido zu spüren

Das Samurai-Heerlager

In einem gesonderten Bereich hatten die Krieger der Samuraigruppe „Takeda“ ihr Lager aufgeschlagen – inklusive Banner und Standarten.

An den sehenswerten Häuschen konnte man viel erfahren – wenn man denn vor lauter Schaulustigen denn tatsächlich etwas mitbekam.

Japantag 2016: Samurai-Rüstung im Heerlager Takeda (Copyright: Eva Lenert)
Japantag 2016: Samurai-Rüstung im Heerlager Takeda (Copyright: Eva Lenert)

Vielleicht ist es gefährlich, hier einen solchen „Geheimtipp“ preiszugeben, aber insgesamt waren an allen bislang genannten Standorten deutlich weniger Cosplayer zu sehen, als auf den Rheinuferpromenaden.

Die Vorführungen der verschiedenen japanischen Kampfkünste vermittelten auf jeden Fall etwas von dem Anspruch der Kulturveranstaltung, der nur allzu oft hinter dem Cosplay-Charakter zurücktritt.

Rheinuferpromenaden

Das Mekka der Anime-Fans und Cosplay-Jünger. Die dort aufgebauten Stände waren sehr gut besucht, viele Menschen nutzten die Wiesen zu einem ausgiebigen Sonnenbad oder Picknick.

Dass in Fragen von Kleidung und Kostümen nicht jeder die gleichen Ansprüche stellte, wurde allerdings auch an vielen anderen Stellen des Events deutlich.

Während auffallend viele Herren in traditionellen Sommer-Kimono (Yukata) zu sehen waren und damit zum Ambiente beitrugen, begnügten sich einige junge Damen mit Polyester-Produkten, die mit dem japanischen Kimono gerade einmal den Namen gemein haben.

Allerdings muss man auch erwähnen, dass es auch hier einen echten Lichtblick gab – denn die Vorstellung, bei der Präfektur Fukushima handele es sich um ein unbewohnbares Niemansland, wurde hier durch einen Tourismus-Infostand korrigiert.

Dienstbare Geister

Der Begriff „Samurai“ für die japanischen Krieger ist vom alten Verb „samorau“ (dienen) abgeleitet – und dienstbar waren am heutigen Tag auch weit mehr als 100 Angestellte des Düsseldorfer Verkehrsbetriebe.

Sie legten Sonderschichten ein, um die Besucher länger als sonst die An- und Abreise zu ermöglichen. Ein herzliches Dankeschön dafür.

Rahmenprogramm

Wer den Japantag 2016 aufgrund der Menschenmassen scheute, konnte sich am kulturellen Rahmenprogramm erfreuen, das u.a. vom EKO-Haus und dem Keramikmuseum geboten wurde.

Abschluss der Veranstaltung wird natürlich das Feuerwerk, bei dem es sich im Übrigen um das größte Feuerwerk japanischen Stils außerhalb Japans handeln soll.

Das diesjährige Thema des Spektakels lautet „Bäume, Blumen, Tiere – die Vielfalt der Natur“ und kann von Interessierten ab 22:45 Uhr auch im WDR3 und dem Internet-Livestream des Senders verfolgt werden.

Fazit

Gerade wenn man ihn unter dem kulturellen Aspekt betrachtet, wird ein einzelner Tag der Vielfalt eigentlich nicht gerecht – eine mehrtägige Veranstaltung wäre wünschenswert.

1 KOMMENTAR

  1. Guten Tag!

    Ein schöner Artikel.

    Sind Sie zufälligerweise am 24. Juli 2016 auf dem kleinen, japanischen Sommerfest in Berlin? Eine Berichterstattung wäre interessant.

    Dort wird es nicht nur eine Shamisen-Vorführung, sondern auch japanischen Tanz, Spezialitäten und Japanwaren geben.

    Ist es gestattet, ihnen den Link zu übersenden?

    https://www.facebook.com/events/1778100502436721/

    Freundliche Grüße

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT