Start Panorama Kachelmann-Prozess: Beleidigungen und Pöbeleien aus dem Publikum

Kachelmann-Prozess: Beleidigungen und Pöbeleien aus dem Publikum

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Am heutigen 26. Verhandlungstag kam es erstmals zu lauten Unmutsäußerungen und Beschimpfungen durch die Besucher des Landgerichts Mannheim, die sich gegen die anwesenden Journalisten und das Gericht wandten.

Im Saal 1 ging der Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann in die nächste Runde. Der Strafverteidiger Kachelmanns, Johann Schwenn stellte einen Antrag auf die Herstellung der Öffentlichkeit. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling lehnte den Antrag ab und so quittierten die Besucher im Gerichtssaal die Entscheidung zum erneuten Ausschluss der Öffentlichkeit mit Pfui-Rufen.

Zur Begründung hieß es, dass Therapiegespräche, die der Traumaexperte Professor Günther Seidler mit dem mutmaßlichen Vergewaltigungsopfer geführt hatte, zum Schutz der Privatsphäre nicht in die Öffentlichkeit gelangen sollen. Seidler ist seit der angeblichen Vergewaltigung der Therapeut von Kachelmanns Ex-Freundin.

Der Verteidiger Kachelmanns wollte zunächst sieben, später sechs Fragen öffentlich stellen. Das Gericht ließ zunächst nur vier Fragen in der öffentlichen Verhandlung zu, die übrigen sollten hinter geschlossenen Türen gestellt werden.

Mehr als von der Unschuld Jörg Kachelmanns überzeugt, sind verschiedene, zum Stammpublikum gehörende „Blogger“. Sie sind ständige Besucher des Kachelmann-Prozesses. Ihr Unmut richtet sich gegen anwesende Journalisten und ganz besonders gegen den Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge.

In der Verhandlungspause nutzte ein Journalist die Gunst der Stunde, um dem Staatsanwalt Fragen in Bezug auf den Therapeuten zu stellen. Der Medienverterter wurde daraufhin angepöbelt. Es ist aber durchaus üblich, Fragen an die Staatsanwaltschaft zu stellen, wie auch an die Verteidigung. Von Journalisten wird und wurde auch Johann Schwenn regelmäßig gefragt.

Allerdings ging der Strafverteidiger am heutigen Donnerstag dazwischen. Zwar wolle er sich nicht in die Arbeit der Journalisten einmischen, aber die Frage des Medienvertreters an den Staatsanwalt sei unsinnig – man wisse doch im Voraus, wie er antworten würde.

Von den „Bloggern“ bekam Schwenn Applaus. Angepöbelt wurde dagegen ein Journalist, der vom ersten Prozesstag schon dabei war; ebenfalls wurde ein weiterer Journalist mit den Worten:“Schämen Sie sich“ angeblafft, als er mit Alice Schwarzer sprach.

Die, für die „Bild“-Zeitung schreibende Alice Schwarzer, musste nach Antrag Schwenns unverzüglich den Gerichtssaal verlassen. Die Verteidigung Kachelmanns hat die Vernehmung von Alice Schwarzer als Zeugin beantragt.

Sie kann bis zur Entscheidung über den Beweisantrag als mögliche Zeugin nicht mehr am Prozess teilnehmen. „Donnerwetter, dass nimmt ja Formen an“, sagte Alice Schwarzer, als sie die Pressebank verließ.

Konkret wird Schwarzer von Schwenn vorgeworfen, sie habe mit dem Therapeuten des angeblichen Vergewaltigungsopfers Kontakt aufgenommen.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt und einige Journalisten erwägen offenbar, nur im Schutz der Gruppe das Gerichtsgebäude zu betreten und zu verlassen, um Eskalationen aus dem Weg zu gehen.

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