Start Panorama Kachelmann-Prozess: Die Stunde der Verteidiger

Kachelmann-Prozess: Die Stunde der Verteidiger

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Jörg Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combè zerpflückt zurzeit vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim die Aussage der Frau, die den Wettermoderator wegen schwerer Vergewaltigung beschuldigt hat.

Die Nebenklägerin saß am heutigen Dienstag ohne Emotionen und regungslos im Gerichtssaal.

Am 43.sten und damit vorletzten Prozesstag ging am heutigen Vormittag Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combè minutiös Punkt für Punkt die Aussage der Ex-Freundin Kachelmanns durch und schloss jeden Punkt mit dem gleichen Satz: „Es gibt keine objektiv bezogene Beweismittel, welche die Angaben der Frau stützten„. Sämtliche Beweismittel seien ungenügend.

Die Pflichtverteidigerin bezog sich zuerst auf die „Anordnung“ von Blut und Sperma im Bett. Zwar sei solches auf dem Laken gefunden worden, aber es weise nichts drauf hin, dass der Geschlechtsverkehr nicht einvernehmlich war.

Der große Streitpunkt ist das angebliche Tatmesser. DNA-Analysen und Gutachten ließen keine Schlüsse zu, wie das Messer eingesetzt wurde und vor allem nicht, dass es so eingesetzt wurde, wie die Zeugin es geschildert hat. Andrea Combè: „Es gibt keine Spuren an dem Messer, die die Version der Nebenklägerin bestätigen„.

Die Pflichtverteidigerin wurde nicht müde zu erklären, dass die Zeugin mehrfach Falschaussagen gemacht habe und auch mehrmals nicht die Wahrheit gesagt habe.

Ein weiterer Punkt waren die Verletzungen am Hals der Zeugin. An vieles habe sich die Ex-Freundin nicht erinnern können, das stelle ihre aktenkundige Aussage in Frage. Ähnliches gelte auch für die blauen Flecken an ihren Beinen.

Die Zeugin habe ein klares Motiv: Rache und Hass. Sie habe nie damit gerechnet, dass der Angeklagte sie verlassen würde. Nach langem Zögern habe sie Kachelmann auf eine Parallelbeziehung angesprochen. Aus Wut habe sie nach dem Prinzip entschieden “ du hast mich vernichtet, also werde ich dich vernichten“.

Am Nachmittag wird nun Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn vor dem Landgericht Mannheim sprechen und es ist davon auszugehen, dass er auf Freispruch plädieren wird. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und drei Monate Haft gefordert.

Fakt ist selbst kurz vor Ende des Prozesses, dass die Beweislage allein wenig aussagekräftig ist, somit wird der Richterspruch auch davon abhängen, für wie glaubwürdig die Aussagen der Klägerin erachtet werden und in welcher Weise die Richter die Aussagen von Gutachtern und Experten für das Urteil werten. Das Urteil wird am 31. Mai erwartet.