Start Panorama Kachelmann-Prozess: Gutachter zweifeln – Schwarzer schweigt

Kachelmann-Prozess: Gutachter zweifeln – Schwarzer schweigt

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Ein guter Start für Jörg Kachelmann am 27. Prozesstag in Mannheim. Am Vormittag hatte der gerichtlich bestellte Rechtsmediziner Dr. Rainer Mattern vor dem Landgericht ausgesagt. Er blieb bei seiner Aussage, dass insgesamt kein genauer Nachweis für Fremd- oder Selbstverletzung möglich sei.

Die Spuren auf dem mutmaßlichen Tatmesser seien dafür nicht deutlich genug. Nach Versuchen Dr. Matterns sei es allerdings möglich, dass die Verletzungen am Hals des mutmaßlichen Opfers vom Messerrücken stammen könnten.

Auch die Entstehung der Hämatome an den Beinen und die Halsverletzung ist umstritten. Dr. Rainer Mattern hält es für denkbar, dass die Blutergüsse durch Kniestöße entstanden sein können.

Der Strafverteidiger Kachelmanns Johann Schwenn fragte auch nach dem „Münchhausen-Syndrom“. Hierbei handelt es sich um eine psychische Störung, bei der die Betroffenen behaupten, an körperlichen Krankheiten zu leiden und sich als Beweis für ihre Behauptungen, selbst Verletzungen zufügen um Aufmerksamkeit zu erfahren.

Eine derartige Störung könnte etwa der Grund für anhaltende Schläge auf die selbe Körperpartie sein, bis Verletzungen durch die Gewebeveränderung sichtbar werden, auftreten.

Auf dem Computer des mutmaßlichen Opfers hatte man Bilder sichergestellt, auf denen die Ex-Freundin Kachelmanns mit blauen Flecken zu sehen ist. Johann Schwenn war bislang ausschließlich davon ausgegangen, dass sadomasochistische Sexualpraktiken im Spiel waren.

Am Nachmittag wurde der Prozess mit den zur Verteidigung von Jörg Kachelmann bestellten Rechtsmedizinern Klaus Püschel und Marcus Rothschild fortgesetzt.

Der Kölner Rechtsmediziner Marcus Rothschild zweifelt die Aussage des mutmaßlichen Opfers an. Die Rechtsmediziner sind sich darüber einig, dass die Verletzung am Hals der Ex-Freundin mit dem Messerrücken verursacht worden sei.

Zumindest am Messerrücken hätte es daher DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers geben müssen. „Dort ist keine DNA und das ist nicht nachvollziehbar“, sagte er.

Das Spuren verloren gegangen sein könnten, schloss der Rechtsmediziner aus. „Man hätte das Messer auf den Boden schmeißen können. Die Epithelien fallen nicht ab, die bleiben dort dran kleben„.

Auch die Hämatome und Verletzungen passen nach Ansicht des Experten nicht zum geschilderten Tatablauf. Teilweise deute das Muster der Wunden eher auf eine Selbstverletzung hin, sagte Marcus Rothschild.

Ursprünglich war Alice Schwarzer für 14:00 Uhr als Zeugin geladen worden. Wie lange sich ihre Befragung verzögern würde, war zunächst unklar, denn die Verhandlung nahm zur Überraschung aller eine interessante Wende.

Der bereits vernommene DNA-Experte des Landeskriminalamts, Gerhard Bässler, erhielt erst jetzt Kenntnis davon, dass die Ex-Freundin nach eigener Aussage, das Messer in der Tatnacht beim aufräumen selbst in der Hand gehalten hatte.  Vor diesem Hintergrund wäre der Experte jedoch  möglicherweise zu einer gänzlich anderen Einschätzung der Spuren gelangt.

Bässler teilte diesen Umstand der Strafkammer mit. Daher könnte der DNA-Experte erneut vom Gericht befragt werden.

Der Strafverteidiger Kachelmanns, Johann Schwenn warf dem Gericht vor, dass er über den Anruf des DNA-Experten und dessen neue Einschätzung nicht informiert worden sei.

Der Vorsitzende Richter Joachim Bock machte darauf aufmerksam, dass es eine Aktennotitz gegeben hätte, die von Schwenn offenbar übersehen wurde.

Die erwartete Befragung von Alice Schwarzer blieb schließlich ganz aus. Sie machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als Journalistin Gebrauch. Dies diene dem Schutz ihrer Informanten, sagte sie.

Schwarzer wurde nach drei Minuten aus dem Zeugenstand entlassen. „Es ist bedauerlich, dass ein so ernster Prozess durch Nebenkriegsschauplätze andauernd  verzögert wird„, sagte Schwarzer anschließend vor dem Gerichtssaal.

Sowohl ihre angeblichen Kontakte zur Klägerin als auch ihr prätentiöses Gebaren lassen ihr Bedauern allerdings wenig überzeugend wirken.

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