Start Panorama Kachelmann-Prozess: Psychologisches Gutachten spricht für Falschaussage statt emotionalem Ausnahmezustand

Kachelmann-Prozess: Psychologisches Gutachten spricht für Falschaussage statt emotionalem Ausnahmezustand

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Am 40. Verhandlungstag gegen den seit September 2010 wegen Vergewaltigung vor dem Landgericht Mannheim stehende Jörg Kachelmann wurde der Kieler Psychologe Günter Köhnken als Gutachter befragt. Der ehemalige Strafverteidiger Reinhard Birkenstock hatte schon seinerzeit den Psychologen mit einem Gutachten beauftragt.

Falschaussage der Klägerin nicht ausgeschlossen

Nach Einschätzung des Sachverständigen Günter Köhnke konnte der von der Hauptbelastungszeugin behauptete emotionale Ausnahmezustand durch die psychologische Aussageanalyse nicht bestätigt werden.

Da die Ex-Freundin sehr detailliert ihre Beziehung zum Angeklagten geschildert habe, sich jedoch nach eigener Aussage nicht an Details der Vergewaltigung erinnern könne, obwohl sie wahrscheinlich überdurchschnittlich intelligent sei, könne er dagegen eine bewusste Falschaussage nicht ausschließen.

Autosuggestion des angeblichen Opfers unwahrscheinlich

Allerdings schloss Günther Köhnke die Möglichkeit einer Autosuggestion aus, also den Umstand, dass sich die Klägerin in einer emotional belastenden Situation etwas eingeredet haben könnte.

Als Grund hierfür nannte der Psychologe das rationale Denkmuster, dass die Ex-Freundin in der Nacht der angeblichen Vergewaltigung gezeigt habe. Das Gericht müsse aber beurteilen, wie groß die Wahrscheinlichkeit der Aussage sei.

Emotionale Ausnahmesituation nicht nachgewiesen

Die Glaubwürdigkeit der Zeugin im Bezug auf das tatsächliche Erleben einer emotional belastenden Situation wie sie eine Vergewaltigung darstellt, konnte durch die Ergebnisse der Aussagepsychologie nicht bestätigt werden.

Analyse der Aussage bei der Polizei erschwert

Genauere Ergebnisse konnte die psychologische Analyse nicht erbringen, da nach Ansicht Köhnkes die erste und damit aus psychologischer Sicht relevanteste Aussage der Klägerin bei der Polizei nicht im Wortlaut, sondern als summierender Bericht dokumentiert wurde. In dieser Form habe der Inhalt des ausgesagten nur wenig Wert für eine  psychologische Beurteilung.

Weiterer Prozessverlauf

Das Urteil wird am 27. Mai erwartet. Am 11. Mai will die Kammer über Anträge der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft entscheiden.

Es geht unter anderem auch um den Befangenheitsantrag, den Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn gegen den Heidelberger Rechtsmediziner Rainer Mattern gestellt hatte. Der Rechtsmediziner hatte das angebliche Vergewaltigungsopfer nach der Tat untersucht.

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