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Kachelmann-Prozess: Rechtsmediziner zweifelt an Schilderungen

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Am Landgericht Mannheim begann heute der 25. Prozesstag gegen Jörg Kachelmann. Ihm wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin vergewaltigt und mit einem Küchenmesser bedroht zu haben. Kachelmann bestreitet die Tat begangen zu haben.

Die 5. Große Strafkammer befragte im Saal 1 den kommissarischen Leiter der Rechtsmedizin an der Universität Heidelberg, Rainer Mattern. Er gilt als wichtigster Sachverständige im Prozess.

Am 9. Fabruar und somit etwa elf Stunden nach der angeblichen Vergewaltigung, hatte er die Frau, die Anzeige gegen Kachelmann eingereicht hatte, untersucht. Zahlreiche Fotografien, die der Rechtsmediziner in zeitlichen Abständen gemacht hatte, legte er dem Gericht vor.

Als er der Frau bei seinen Untersuchungen das angebliche Tatmesser an ihren Hals gehalten hatte, habe sie geweint und zu zittern begonnen. Das Experiment sei dann beendet worden.

Rainer Mattern sagte, der Vergewaltigungsfall gehöre zu jenen „mit denen ich mich am meisten befasst habe“. In wesentlichen Punkten widersprach der Rechtsmedizinische Gutachter den Ausführungen, die seiterzeit sein Kollege Bernd Brinkmann zu Protokoll gegeben hatte (spreadnews berichtete).

Vor dem Landgericht sagte Rainer Mattern:“Ich kann nicht beweisen, dass der Angeklagte die Verletzungen beigebracht hat, aber ich halte es für traumatomechanisch für möglich“.

Die Verletzungen des mutmaßlichen Opfers, wie die Verletzungen am Hals und die Hämatome an den Oberschenkeln der Frau, können durch eine Krafteinwirkung der Knie, oder des Küchenmessers entstanden sein. Allerdings sei eine Selbstverletzung ebenfalls nicht auszuschließen.

Bestimmte Kriterien seien für eine erfolgreiche Selbstverletzung erforderlich: Um blaue Flecken hervorzurufen, wie sie auch beim Knien auf den geschlossenen Oberschenkeln einer anderen Person entstehen, müssten mehrere kräftige Faustschläge mit einer Krafteinwirkung von 500 Kilonewton ausgeführt werden.

Diese Vorgehensweisen hatte der Rechtsmediziner im Versuch mit seiner Ehefrau demonstriert. Mit höchster Krafteinwirkung lagen die blauen Flecken an ähnlichen Stellen, wie die der mutmaßlichen Vergewaltigten.

Für wenig wahrscheinlich hielt der Gutachter allerdings die These, dass sich die Ex-Freundin die Kratzspuren mit ihren Fingernägeln am Hals selbst zugefügt haben könnte, die Beibringung der Halsverletzung durch längeres Andrücken des Messerrückens sei wahrscheinlicher.

Da das Tatmesser nicht völlig statisch an nur einer Stelle gehalten wurde, erklärt, warum mehrere „Linien“ vorhanden waren . Schlüssig ist für den Rechtsmediziner, dass die Druckintensität über die gesamte Fläche des Halses nicht gleich sein kann – dadurch sind die Spuren am Hals kürzer als der Messerrücken.

Eine durchgehende Linie sei sehr schwierig, da beim Kratzen am Hals die Haut Falten wirft. Dies belegte Rainer Mattern mit einer Fotografie von seiner Assistentin, die diesen Versuch unternahm. Ausschließen könne man die Variante der Selbstverletzung am Hals aber auch nicht.

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