Start Panorama Kachelmann-Prozess: Scharfe Worte und trockene Technik

Kachelmann-Prozess: Scharfe Worte und trockene Technik

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Es krachte erneut in den Gemäuern des Mannheimer Landgerichts. Am 30. Verhandlungstag im Prozess des wegen Vergewaltigung vor Gericht stehenden Jörg Kachelmann (52) gab es einen weiteren Schlagabtausch zwischen dem Strafverteidiger Johann Schwenn, dem Vorsitzenden Richter Michael Seidling und dem Beisitzenden Richter Joachim Bock.

Eine dreiviertel Stunde lang lieferten sich die Parteien ein Wortgefecht in dessen Verlauf Schwenn dem Gericht vorwarf  „mit Hängen und Würgen etwas Belastendes finden zu wollen“ und durch die Verlängerung der Verhandlung in den Mai entsprechende Zeit hierfür herauszuschlagen.

Die 5. Große Strafkammer mache Termine „ad infinitum“, statt zu prüfen, ob die Beweisaufnahme überhaupt noch einen Sinn macht.

Schwenns Vorwürfe zurückgewiesen

Johann Schwenn wurde daraufhin vom Beisitzenden Richter vorgeworfen, dass er die Strafkammer vor allem in öffentlichen Sitzungen angreifen würde. Bock sagte:“Sobald die Zuschauer nicht mehr da sind, können wir uns ganz gut unterhalten. Es wäre schön, wenn wir das auch in öffentlicher Hauptverhandlung fortsetzen könnten„.

Es sei eine“schlichte Unterstellung„, dass das Gericht auf eine Verurteilung hinarbeiten würde. Es müssen, so Bock, noch einige Zeuginnen vernommen werden, auf die auch die Verteidigung nicht verzichten wolle, daher müssten so viele Termine anberaumt werden.

Der Prozess könne im Mai abgeschlossen sein, so der Vorsitzende Richter,  wenn das Gericht bereits jetzt Kachelmann im April eine Reise nach Kanada zu seinen Kindern genehmigen würde, so dass die Verhandlung nicht verschleppt werde.

Schwenn hat Staatsanwaltschaft im Visier

Schwenn wollte weiterhin Oberstaatsanwalt Oskar Gattner als Zeugen vernehmen lassen, da dieser eine angebliche Aussage der Schweizer Zeugin in den Aktenvermerk geschrieben habe, die sie aber in ihrer in Zürich stattfindenden Befragung nicht gemacht habe.

Auch soll der Züricher Staatsanwalt kritisiert haben, dass Gattner in der Schweiz ermittelt habe – dazu hätte er Rechtshilfe beantragen müssen, so Schwenn. Zwar hätte der Schweizer Staatsanwalt die Frage aufgeworfen, entgegnete das Gericht, hätte dann aber gesagt, dass es sich um eine telefonisch zulässige Vorermittlung gehandelt hätte.

Durch den Schlagabtausch zwischen Verteidigung und Gericht verzögerte sich zunächst die Vernehmung der Polizeibeamten, die geladen waren, um über die Auswertung von PC und Handy  auszusagen.

Vernehmung der Polizeibeamten – Technische Informationen

Nun wurde durch die Vernehmung der Polizeibeamten bekannt, dass das angebliche Vergewaltigungsopfer bereits im Jahr 2009 im Internet bei Facebook, nach einer möglichen Nebenbuhlerin gesucht hatte.

Allerdings gab es keine Hinweise darauf, dass sich die Klägerin zuvor im Internet über die Vergewaltigungsspuren informiert habe, entsprechende Suchbegriffe waren in Chronik und Cache des  am PC des angeblichen Opfers nicht gefunden worden

Eine Verschleierung möglicher Spuren einer solchen Recherche, die für die Vortäuschung einer Vergewaltigung sprächen, sei unwahrscheinlich.

Weder wurde von der Ex-Freundin ein Löschprogramm installiert, noch wurden Hinweise auf manuelle Löschungen gefunden. Datenfragmente seien auch bei manueller Löschung noch zu finden.

Dennoch räumt dieses Ergebnis keineswegs alle Zweifel aus, hätte die Ex-Freundin doch auch von anderen Rechnern aus, auf das Internet zugreifen können.

Bei der Auswertung der Informationen in den Mobiltelefonen, waren im ersten Handy von Kachelmann waren zahlreiche Anrufeingänge vorhanden, aber keine ausgehenden Daten. Das zweite Handy von Kachelmann konnte aufgrund des fehlendes Passworts nicht ausgewertet werden.