Start Panorama Kachelmann-Prozess: Tauschte Schweizer Zeugin Privatsphäre gegen Geld?

Kachelmann-Prozess: Tauschte Schweizer Zeugin Privatsphäre gegen Geld?

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Am 32. Prozesstag beantragte Jörg Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn am Montag vor dem Mannheimer Landgericht erneut, dass die Chefredakteure der Zeitung  „Bild am Sonntag“ und des Nachrichtenmagazins „Focus“ die getroffenen Vergütungsvereinbarungen mit der Schweizer Zeugin vorlegen sollen.Andernfalls müssen die Redaktionsräume beider Print-Medien durchsucht werden.

Johann Schwenn erhebt den Vorwurf der Zeugenbezahlung durch beide Blätter. Der Verteidiger vermutet, dass die Zeugin von den Presseorganen für ihr detailliertes Interview Geld bekam, was juristisch unzulässig ist.

Anfang März war die angebliche Aussage der Schweizer Zeugin veröffentlicht worden. Sie berichtete dort von angeblich brutalen Übergriffen Kachelmanns. Er habe sie bei einem Treffen in ihrer Wohnung geschlagen, an den Haaren gezogen und sie am Hals gepackt.

Nach ihren eigenen Angaben soll sich der Vorfall rund drei Wochen vor der angeblichen Vergewaltigung in Schwetzingen ereignet haben.

Das mutmaßliche Schwetzinger Opfer und somit die Hauptbelastungszeugin,  hatte den Wettermoderator wegen Vergewaltigung angezeigt. Seitdem steht Jörg Kachelmann vor dem Landgericht Mannheim.

Da die Schweizer Zeugin nicht vor einem deutschen Gericht aussagen wollte, erfolgte die Vernehmung in Zürich in einem Rechtshilfeverfahren. Um ihre Privatsphäre zu schützen, wurde die Frau unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen. Die Strafkammer des Landgerichts war diesem Antrag gefolgt.

Trotz ihrer scheinbaren Besorgnis um ihre Privatsphäre, erschienen wenige Wochen später Presseberichte mit detaillierten Angaben über ihre angebliche Aussage.

Schwenn hält der Schweizer Zeugin vor, selbst Informatin zu sein und „wirtschaftliches Interesse“ zu haben. „In Wahrheit wollte sie nur ein Geschäft machen“ und den Ausschluss der Öffentlichkeit nicht zum Schutz ihrer Privatsphäre beantragt, sondern nur aus finanziellem Interesse, da der Wert ihrer Aussage für die Presse stieg.

Die Entscheidung von Johann Schwenns Beweisantrag wurde vom Landgericht Mannheim zunächst zurückgestellt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird zunächst wieder eine frühere Freundin Kachelmanns vernommen.

Sollte sie ebenfalls von Misshandlungen durch Kachelmann berichten, würde sie sich in die Reihe jener Belastungszeuginnen einreihen, die wie Spargel aus dem Boden zu schießen scheinen – es bleibt abzuwarten was der Frühling mit sich bringt.