Start Panorama Kachelmann-Prozess: Widerspruch des Gutachters verringert Glaubwürdigeit des Opfers

Kachelmann-Prozess: Widerspruch des Gutachters verringert Glaubwürdigeit des Opfers

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Landgericht Mannheim
Landgericht Mannheim

Am Morgen des 29. Verhandlungstages war es zu einem Schlagabtausch zwischen Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn und der Mannheimer Staatsanwaltschaft gekommen (spreadnews berichtete).

Auch wurde darüber debattiert, ob der forensische Psychiater Hans-Ludwig Kröber vor der Öffentlichkeit aussagen soll, oder nicht. Man kam zum Schluss, dass der Gutachter im öffentlichen Teil der Verhandlung über die Ex-Freundin, die Kachelmann angeklagt hatte, keine Stellung beziehen wird

Hierzu wurde Kröber am Nachmittag in einer nicht-öffentlichen Sitzung befragt. Wie später bekannt wurde, widersprach der gerichtlich bestellte Sachverständige offenbar ausdrücklich dem Heidelberger Traumatologen Günther Seidler.

Dieser hatte ausgesagt, dass die Erinnerungslücken seiner Patientin, der Frau, die Kachelmann wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, mit ihrer Todesangst zusammenhingen.

Diese These ist ohne wissenschaftliche Grundlage„, sagte der forensische Psychiater.

Vor dem Landgericht Mannheim erklärte Hans-Ludwig Kröber daher: „In der Regel werden traumatische Ereignisse besonders gut erinnert„. Das gelte unter anderem auch für Vergewaltigungsopfer.

Dagegen seien völliger Erinnerungsverlust, oder große Gedächtnislücken, wie sie von der Klägerin behauptet werden, nicht nur extrem selten, sondern  würden auch keinen Umkehrschluss – das Opfer habe besonders intensive Angst verspürt – zulassen. Erinnerungslücken seien kein Gradmesser für die Intensität der verspürten Angst.

Menschen reagierten insgesamt auf erschütternde Ereignisse sehr unterschiedlich. Nur rund 30 Prozent entwickelten „posttraumatische Symtomatiken„.

Als Beispiel nannte Kröber den schweren Flugzeugabsturz am Bodensee im Jahr 2002. Dort waren lediglich drei Prozent der im Einsatz anwesenden Polizisten traumatisiert.

In lebensbedrohlichen Lagen, so Kröber, werde keine Angst empfunden, es käme zu einer Abspaltung des Gefühls, was später oft zu der Aussage der Betroffenen führe, sie würden sich „nur noch teilweise erinnern„.

Der forensische Psychiater erklärte außerdem, dass nicht nur schlimme Straftaten bei Opfern zu Traumatisierung führen können, sondern ebenso Trennungssituationen und schwere Demütigungen.

Folgt man den Ausührungen des Experten, so könnte die angebliche Traumatisierung eher auf extremen Beziehungsstress mit Kachelmann zurückzuführen sein und weniger auf eine möglicherweise stattgefundene Vergewaltigung. Die Glaubwürdigkeit der Klägerin scheint durch die Aussage des Experten zu sinken.