Start Panorama Katastrophenhelfer in Japan: Ankunft im Krisengebiet

Katastrophenhelfer in Japan: Ankunft im Krisengebiet

1962
2
TEILEN
Tokyo Kokubunji: Verkehrspolizei statt ausgefallener Ampeln (Copyright: KJ)
Tokyo Kokubunji: Verkehrspolizei statt ausgefallener Ampeln (Copyright: KJ)
Tokyo Kokubunji: Verkehrspolizei statt ausgefallener Ampeln (Copyright: KJ)
Tokyo Kokubunji: Verkehrspolizei statt ausgefallener Ampeln (Copyright: KJ)

Spreadnews ist es gelungen, Herrn Andreas Teichert von der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. (DTRG) für eine Artikelreihe über den Einsatz des siebenköpfigen Teams im Zuge der Tohoku-Katastrophen zu gewinnen.

In diesem dritten Beitrag der Serie „Katastrophenhelfer in Japan“ wird er über das Eintreffen in Japan und den Beginn im Katastrophengebiet berichten.

Grenzen einer Einsatzerfahrung Teil III

Zwar waren wir entsprechend angemeldet, der Weg vom zentralen Flughafen Narita (Tokyo) gestaltete sich jedoch ausgesprochen schwierig.

Im gesamten Land brach immer wieder die Energieversorgung zusammen. Bahnen standen still, Rolltreppen waren außer Betrieb.

Klimaanlagen wurden in Folge auf Empfehlung nur auf 28 Grad eingestellt, oder waren abgestellt. In den Bahnen wurde die Beleuchtung auf Notbeleuchtung umgestellt. Alles erforderliche Maßnahmen, um einen größtmögliche Energieersparnis zu erreichen.

Mit vorbestellten und bereitstehenden Vans und Transportern ging es direkt in die Tohoku Region zum dortigen Stützpunkt der Pazifik-Flotte. Bereits am folgenden Tag wurden wir mit auf einen Hubschraubereinsatz mitgenommen, um Gebäudeteile abzufliegen und einzugreifen. Das Ausmaß der Verwüstung, stellte mich vor ein ungeheuerliches Problem.

Mein erster Gedanke war, wo fangen wir hier nur an? Teilweise bis zu 20 Kilometer ins Landesinnere auf einer Küstenlänge von bis zu 500 Kilometer herrschte totale Verwüstung. Immer wieder stoppte der Transport, da Straßen geräumt wurden.

Weg durch die Trümmer des Katastrophengebiets (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Weg durch die Trümmer des Katastrophengebiets (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Es gibt in Japan ein Abkommen zwischen den Feuerwehren und dem Katastrophenschutz, sowie der privaten Wirtschaft. Mit Panzerfahrzeugen, Baggern und Raupen wurden die wichtigsten Zufahrtsstraßen schnellstmöglich freigeräumt.

In kürzester Zeit wurden Pläne ausgegeben, zu denen die Menschen gehen sollten, um eine Unterkunft, Medizinische Versorgung, Essen und Getränke zu erhalten.

Bis Juni wurden fast 14.000 Menschen geborgen. Ohne in das Detail zu gehen, können Sie sich als Leser sicherlich vorstellen, wie sich die Arbeiten vor Ort gestalteten.

Die Self Defence Force baute gemeinsam mit der japanischen Feuerwehr, der wir zugeteilt waren, strategische Stützpunkte für Fahrzeuge und Mannschaft auf.  Teilweise war es auch nur möglich nach 21 Stunden Arbeit im Gebiet, sich einen Schrank in einem halbwegs intakten Betongebäude auf die Seite zu legen und wenige Stunden zu ruhen.  Es herrschte eine starke Disziplin die wir mit den japanischen Kollegen gemeinsam mittrugen.

Bemerkenswert war auch, dass es bereits mit den ersten Tagen, Boten junger Journalisten gab, die sich selbstzweifelnd fragten, soll ich hier berichten? Ich muss den Menschen hier doch helfen. Normalerweise sind diese jungen Journalisten erst 3-5 Jahre im Innendienst tätig, bevor Sie in den Aussendienst gehen. Seit dem 11. März 2011 war alles anders, und viele waren psychisch für eine solche Berichterstattung nicht vorbereitet.

Immer wieder, so erfuhren wir in einem Interview mit dem japanischen Sender „NHK“, schickte man Fahrzeuge mit einigen Zeitungen in die Evakuierungszentren –  die Menschen hätten sich Sorgen gemacht, wenn Sie keine Zeitung erhalten hätten, berichtete mir der Mann.

An allen Ecken und Kanten fehlte es am Wichtigsten. Nur für eine Woche würde das Papier für die Zeitungen reichen. Als dieses Problem gelöst war, fehlte es an der Druckerfarbe. Supermärkte waren wie leer gefegt, Wasser war nahezu nicht mehr zu bekommen.

Nach der Katastrophe: Leere Regale in den Läden (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Nach der Katastrophe: Leere Regale in den Läden (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Schwierig gestaltete sich am Anfang die Kommunikation mit den betroffenen Menschen, denn besonders im Norden leben überwiegend ältere Menschen, die der englischen Sprache nicht mehr so mächtig sind. Nicht immer hatten wir einen englisch sprechenden Feuerwehrkollegen an unserer Seite. Die Kommunikation war auch Wochen nach der Katastrophe nicht hergestellt. Informationen gingen verloren oder wurden durch Boten übermittelt. Satelliten-Telefone waren in vielen Gebieten nur eine Notlösung.

Primäre Aufgabe war das Auffinden von Lebenden und das Bergen von Toten. Oftmals wurden auch besonderer Wertgegenstände gefunden, aufgrund einer Planquadrateinteilung wurden dann an den geräumten Straßen gelbe Boxen aufgestellt, in denen man diese Wertsachen legte. Die Self Defece Force sammelte diese täglich ein und brachte sie zu einer Sammelstelle, an der sich dann viele Freiwillige der Sachen annahmen und sie reinigten und ausstellten.

Im vierten Teil dieser Serie…. Mehr dazu am 17. März – bleiben sie mit dabei!


Über den Autor: Andreas Teichert (45) ist der Vorstand und Schirmherr der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. (DTRG) Als ausgebildeter (freiwilliger) Feuerwehrmann und Rettungssanitäter, blickt er auf eine Reihe von Katastropheneinsätze zurück.

Bereits zu den Hochwässern 1997 und 2001 war er unter anderen im örtlichen Abschnitts-Leiterstab in Frankfurt (Oder) im Einsatz. -reiste nach Indonesien, sowie nach Japan und in die Türkei und unterstützte an der havarierten „Costa Concordia“.

Die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. finanziert sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Mitglieder kommen aus den Bereichen der Feuerwehr, dem medizinischen Bereichen, der Statik sowie aus der Höhenrettung und aus ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr.

Umfangreiche Videos aus den Katastropheneinsatz in Japan sowie umfassende Berichte und Bilder finden Sie auf unserem Blog www.dtrg.org/blog oder auf unserer Internetseite www.dtrg.org wie auch themenaktuell auf facebook.

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Spreadnews-Redaktion,

    ich habe nun alle vier Teile der Serie gelesen und finde diesen am Besten, weil er am anschauhlichsten den Einsatz schildert.

    Ich habe beim vierten Artikel keinen Hinweis gefunden, wann es weiter geht? Da der neue Artikel alle zwei Tage erscheint, müsste doch Dienstag der nächste Artikel herauskommen?

    Es wäre toll, wenn Herr Andreas Teichert noch weitre Eindrücke teilen würde!!! Definitiv interessanter als das was im TV kommt.

    Alles gute und weiter so

    Hank

    • Hallo Hank,

      in der Tat sind noch Beiträge geplant. Diese werden wie bislang üblich, im zweitägigen Rhythmus veröffentlicht.

      Mit freundlichen Grüßen

      Die Redaktion

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here