Start Panorama Katastrophenhelfer in Japan: Kooperation mit japanischen Rettungskräften

Katastrophenhelfer in Japan: Kooperation mit japanischen Rettungskräften

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Gemeinsame deutsch-japanische Bergung von Verletzten (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gemeinsame deutsch-japanische Bergung von Verletzten (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gemeinsame deutsch-japanische Bergung von Verletzten (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gemeinsame deutsch-japanische Bergung von Verletzten (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Spreadnews ist es gelungen, Herrn Andreas Teichert von der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. (DTRG) für eine Artikelreihe über den Einsatz seines siebenköpfigen Teams im Zuge der Tohoku-Katastrophen zu gewinnen.

In diesem zweiten Beitrag der Serie „Katastrophenhelfer in Japan“ wird er über die Kooperation  zwischen japanischen Rettungskräften und internationalen Katastrophenhelfern berichten.

In den weiteren Teilen der Serie wird Herr Teichert dann seine Eindrücke schildern.

Grenzen einer Einsatzerfahrung Teil II

Tatsächlich ist es die Erste und dringlichste Aufgabe im Katastrophengebiet eingetroffen zu verstehen, wie die dort bereits angelaufenen koordinierten Hilfsmaßnahmen der lokalen Vertreter zu verstehen sind.

Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie schwer es für uns war, mit der Problematik der Sprache in Japan zurecht zu kommen –  es war nicht immer einfach.

Rettungseinsatz in Japan (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Rettungseinsatz in Japan (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Doch unsere erste Maßnahme war, sich mit den örtlichen Rettungskräften, der Feuerwehr und dem medizinischen Personal auszutauschen und hilfreich zur Seite zu stehen – das bedeutet in erste Linie nichts anderes als sich unterzuordnen. Ich habe mir immer zwei Dinge vor Augen geführt, das Erste: wir sind nur Gäste in diesem Land, zum Zweiten: wir repräsentieren stets auf die eine oder andere Art, die Bundesrepublik Deutschland.

Eine erfolgreiche Koordination vor Ort hängt eben nicht nur von den lokalen Behörden, sondern auch von den vielen internationalen Rettungsteams ab. Jeder Mensch hat das Recht auf schnelle und alle erdenkliche Hilfe, dieses Recht darf jedoch nicht zu einem Recht für Retter umgewandelt werden.

Mir drängt sich auch der Eindruck auf, das jede Organisation für sich das Recht in Anspruch nimmt, überall auf der Welt helfen zu müssen, so wie es ihnen gerade passt.

Im Januar 2005 waren im Katastrophengebiet allein in Sumatra 300 ausländische Hilfsorganisationen und 11 unterschiedliche Streitkräfte tätig. In Sri Lanka gab es zu diesem Zeitpunkt sogar 1.100 Organisationen und Projekte. Würden wir eine solche Flut an ausländischen Helfern hier in Deutschland so einfach koordinieren können?

Zerstörungen vier Tage nach dem Tsunami (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zerstörungen vier Tage nach dem Tsunami (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Japan hat mich nach Indonesien sehr geprägt, abgesehen von nur einer einzigen Deutschen Hilfsorganisation, die lediglich drei Tage in Japan einen Hilfe-Akt plante und dann doch alle Zelte abbrach, waren wir das einzige private deutsche Rettungsteam.Wir trafen Teams aus der Türkei, Neuseeland, die selbst noch mit eigenen Folgen eines Erdbebens kämpfte – Südafrika, Australien und Truppenteile der amerikanischen Pazifikflotte.

Mit den Tagen und Wochen wurden uns immer neue Aufgaben eigenverantwortlich,  teils auch japanische Freiwillige zugeteilt, die wir koordinieren sollten. Wenn Sie in ein Gebiet kommen, in denen nicht einmal die lokale Regierung einen kompletten Überblick ausgearbeitet hat, dann gestalten sich auch die Anfahrten in diese Gebiet ausgesprochen schwierig.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Aufenthalt des THW in Japan. Ganze drei Tage waren es, um es genau zu sagen. Sie hielten mit einem speziellen ABC-Beauftragten einen Sicherheitsabstand von 50 Kilometer um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima ein.

Die Einheit nennt sich SEEBA, was ausgesprochen, „Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland“ bedeutet. Mit einem 44 Mann starken Kontingent blieben diese nur drei Tage in Japan und wurden nach dortigen Erfahrungsberichten auch nur einen halben Tag lang eingesetzt.

Viel schlimmer waren die Medienberichte nach der Rückkehr. Auf die Frage einer Reporterin vom Magazin Focus, was sie denn gemacht hätten, wenn sie Tausende Überlebende in der selbst errichteten Sperrzone von 50 Kilometer aufgefunden hätten, erwiderte das THW erschreckenderweise, das sie, sie nicht gerettet hätten.

Diese Aussage hat uns in Japan besonders als deutsches Rettungsteam unabhängig davon, anfänglich vor große Probleme gestellt. Es ist aber auch zu müßig, darüber zu diskutieren, wer nun den größten Nutzen von dieser Aktion hatte, die durchaus einen Millionenbetrag umfasste. Ich bin mir aber ziemlich sicher, es waren nicht die betroffenen Menschen in der japanischen Katastrophenregion.

Um eine vernünftige Koordinierung vor Ort zu garantieren, mussten wir uns als Teamplayer verstehen. Katastrophenhilfe und vor allem nachhaltige Hilfe bedeutet nicht, nach 72 Stunden wieder abzureisen, sondern die Menschen vor Ort zu begleiten. Sicherlich waren die Eindrücke, die der Tsunami in Japan verursacht hat, dramatisch – es sind viele kleine Momente an die ich mich erinnere.

Im dritten Teil dieser Serie erhalten Sie Einblick in die Lage nach der Ankunft in Japan und die schwierigen Umständen, denen sich die Helfer gegenüber sahen. Mehr dazu am 15. März – bleiben Sie mit dabei.


Über den Autor: Andreas Teichert (45) ist der Vorstand und Schirmherr der Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. (DTRG) Als ausgebildeter (freiwilliger) Feuerwehrmann und Rettungssanitäter, blickt er auf eine Reihe von Katastropheneinsätze zurück.

Bereits zu den Hochwässern 1997 und 2001 war er unter anderen im örtlichen Abschnitts-Leiterstab in Frankfurt (Oder) im Einsatz -reiste nach Indonesien, sowie nach Japan und in die Türkei und unterstützte an der havarierten „Costa Concordia“.

Die Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V. finanziert sich ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Mitglieder kommen aus den Bereichen der Feuerwehr, dem medizinischen Bereichen, der Statik sowie aus der Höhenrettung und aus ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr.

Umfangreiche Videos aus den Katastropheneinsatz in Japan sowie umfassende Berichte und Bilder finden Sie auf unserem Blog www.dtrg.org/blog oder auf unserer Internetseite www.dtrg.org wie auch themenaktuell auf facebook.

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